Frage von Sven2025, 141

Initiatives Verhalten und Asperger?

Hallo, Ich bin zwar offiziell kein Autist, aber ich habe mal eine Frage dazu. Wenn zum Beispiel ein Freund traurig ist, weiss ich zwar wie ich mich angebracht verhalte, habe aber schwierigkeiten dabei auf in zuzugehen und ihn zu trösten. Wenn ich selbst getröstet werde, empfinde ich es im nachhinein zwar als angenehm, da ich nicht mit so viel Verständniss gerechnet hätte, aber erst ist es mir meist Peinlich den Grund zu schildern und generell unangenehm vor anderen rumzuheulen. Wenn jmd anderes weint, bin ich erstmal überrumpelt und verunsichert, kein Mitleid solange es nicht meine Freundin oder so ist. Dann habe ich wie gesagt probleme mit dem initiativen Trösten und weiss nicht was ich tun soll, ist das normal?

Antwort
von PicaPica, 71

Ich denke, das geht Vielen so, dass sie wenn jemand traurig ist, erstmal nicht wissen, wie sie ihn/sie trösten, wieder aufbauen sollen.

Wenn man sich allerdings in jemanden hineinversetzt, fällt einem in der Regel schon ein, wie man Den-/Diejenige(n) trösten kann.

Und manchmal kann das ein eher nüchtern und logisch Denkender eher, als ein Emotionsmensch.

Antwort
von Katzeneule, 53

Jeder Mensch reagiert anders auf Emotionen und "emotionale Notstände" seiner Mitmenschen. Da gibt es die, die ihren Mitmenschen jede Laune sofort ablesen können und fast intuitiv wissen was los ist. Jeder Mensch hat andere Talente die er im Laufe seines Lebens mehr oder weniger fördert. Autismus ist aber definitiv ein ganz anderes paar Schuhe als das was du empfindest.

Du bist damit eben nicht so warm damit. Viele Menschen empfinden das nach Aussen tragen ihrer eigenen Gefühlswelt als Schwäche und fühlen sich im Nachhinein entsprechend unwohl damit es getan zu haben. Oder sie möchten Ihre Gefühlswelt einfach "privat" behandelnt, und private Infos möchte man eben nicht mit der ganzen Welt teilen. Das ist in Ordnung, jeder wie er mag. Wichtig ist, dass du dich gerade Menschen die dir nahe stehen, nicht komplett verschliesst. Du musst nicht eine wildfremde Person trösten, das erwartet keiner. Aber auf die einzugehen die dir nahe stehen und zu erkennen, wann du selbst jemanden zum reden brauchst, das sind essentielle Fähigkeiten die man nicht aus unbehagen einfach vernachlässigen sollten.

Kommentar von PicaPica ,

Gut gesagt und herzlich willkommen hier bei gutefrage.

Kommentar von Sven2025 ,

Der Punkt ist halt, dass das blose DEUTEN von Mimik für mich kein Problem ist, aber das Trösten halt. Also erkennen kann ich ein traurigen Gesichtsausdruck aber das weitere fällt mir schwer. Wenn ich jemanden umarmen will mache ich mir eher Panik, da ich Angst habe er könnte es ablehnen oder garnicht von mir erwarten. Wenn ich selbst traurig bin habe ich wie gesagt auch keine grosse erwartungshaltung an meine Mitmenschen, es kann mir sogar peinlich sein.

Antwort
von Pramidenzelle, 22

Meine Psychologin meinte mal, der unterschied zwischen Autisten und NTs beim Trösten ist so, dass NTs die traurige Person in den Arm nehmen, reden und solche Sachen, während Autisten ein Taschentuch anbieten, einen Tee kochen oder sowas in der Art.

Ich bin selbst zwar mieserabel im Trösten, aber dafür habe ich immer Taschentücher und Schoki in der Handtasche, das hilft vielen Leuten ja auch schonmal ein bisschen.

Antwort
von Revic, 28

Ich denke nicht, dass die von dir beschriebenen Schwierigkeiten auf Autismus hindeuten. Das ist alles noch im normalen Bereich. Es gibt eben Menschen die sich besser in einen hineinversetzen können als andere und es somit auch leichter haben, eine andere Person zu trösten.

Bei mir ist es so, dass Mitleid (kein erlerntes Mitleid sondern wirklich die Emotion) kein Gefühl ist, welches sich intuitiv bei mir einstellt. Da ist es auch völlig egal ob die zu tröstende Person jemand fremdes oder ein nahestehender Freund ist. So böse sich das auch anhört; im Grunde sind mir die Sorgen anderer Menschen egal, solange sie mich nicht betreffen.

Du brauchst dir also keine Sorgen machen, es wäre etwas nicht in Ordnung mit dir. Du bist eben kein besonders emotionaler Mensch. Gibt schlimmeres.

Kommentar von Sven2025 ,

Das komische dabei: Eigendlich bin ich ja ein sehr emotionaler Mensch, der gerne die fassung verliert und leicht gereizt ist.

Kann es sein das es sowas wie Soziopathie oder so ist? Weil eigentlich kann ich mich hineinversetzen und es verstehen, ich fühle dabei halt nur nix. Genauso müsste ich Theory of Mind Fähigkeiten haben (kognitive Empathie), da ich Gesichtsausdrücke deuten kann, Sarkasmus verstehen und mit meinen Worten sehr sensibel bin und mir drei mal überlege was ich sage wenn es mir komisch vorkommt.

Kommentar von Revic ,

Eigendlich bin ich ja ein sehr emotionaler Mensch, der gerne die fassung verliert und leicht gereizt ist.

Oh in dieser Hinsicht bin auch wahnsinnig emotional, aber nur weil es direkt etwas mit mir zu tun hat. Eigene Stimmungen und Reizbarkeit haben nichts mit dem Hineinversetzen in andere Personen zu tun.

Weil eigentlich kann ich mich hineinversetzen und es verstehen, ich fühle dabei halt nur nix.

Diese Aussage wiederspricht sich. Du kannst dich ohne Gefühle nicht in eine andere Person hineinversetzen. Das ist es ja, was es ausmacht. Das zu fühlen, was die andere Person fühlt. Ein Soziopath ist dazu nicht in der Lage.

Es muss ja auch nicht unbedingt irgendeine psychische Störung sein. Sei doch froh, dass du gesund bist. Wie heißt es so schön: bist du arm aber gesund, bist du ein halber Reicher.

Antwort
von halbsowichtig, 18

Das klingt völlig normal.

Von Müttern wird erwartet, dass sie ihre Kleinkinder trösten können. Darüber hinaus kann eigentlich fast niemand irgendwen trösten, ohne dass es für einen davon peinlich ist.

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