Frage von Commune21, 39

Inhalte auf Rechnungen falsch und falscher Wert in Bilanz illegal?

Hallo, ich stehe vor einem ziemlich unangenehmen Problem. Ich habe mitbekommen, dass Rechnungen geschrieben werden, aber die Ware, die auf der Rechnung steht, nicht die ist, die geliefert wurde (z.B. Tickets die geliefert worden sind und auf der Rechnung steht Handelsware). In meinen Augen eine Scheinrechnung bzw. Bestechung.

Außerdem bin ich über einen Fehler in der Lagerbewertung gestolpert, die für die Inventur und später für die Bilanz genommen wurde. Ich habe auf diesen Fehler hingewiesen und wurde daraufhin gebeten, das niemanden schriftlich mitzuteilen, da es in den Monaten "verbucht" wird.

Jetzt stellt sich natürlich für mich die Frage, was ich nun tun soll. Ich möchte mich keinesfalls strafbar machen, aber ich möchte auch nicht unnötig Staub aufwirbeln.

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Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 3

Ohne Kenntnis der genauen Vorgänge ist ein Kommentar ausgeschlossen.

War da ein Fehler, soll der vertuscht werden? Liegt tatsächlich eine Straftat oder die Absicht im Busch?

Es kann auch sein, dass ein Fehler nur über einen längeren Zeitraum korrigiert werden kann. Weil es sonst einfach zu starken Verschiebungen innerhalb des Jahres käme.

Du hast natürlich schon Staub aufgewirbelt. Keinen unnötigen Staub aufwirbeln wollen ist da schon eine lustige Aussage. Für Dich die Frage ist doch augenscheinlich: Machst Du Dich strafbar?

Da würde ich erst einmal die Frage nach Verantwortung stellen. Wenn das Deinen Verantwortungsbereich trifft, dann wird es natürlich spannender. Bist Du für das Lager zuständig und das die Sachen auch gefunden werden ist es das eine.

Bist Du deswegen für die Anwendung von Bewertungsvorschriften zuständig?

Zu der erwähnten Rechnung: Was bedeutet Tickets? Das kann eine Bearbeitungsnummer sein, eine Eintrittskarte oder was auch immer. Da kennt man von außen die Gepflogenheiten nicht.

Und natürlich kann es die Beihilfe zur Steuerhinterziehung sein. Wenn ein Unternehmen Handelswaren bezieht und dann bestimmte Personen da Fußball-Eintrittskarten aus der Post nehmen.

Kann aber auch die Beschränktheit des dortigen Buchhalters sein. Schließlich kann es ja sein, dass dort tatsächlich Tickets - sogar zum Einstandspreis - verkauft werden.

Man hat das beispielsweise bei Einzelveranstaltungen häufiger, dass z.B. Banken oder Buchläden als Vorverkaufskassen was machen.

Ich will da nicht ab wiegeln. Es geht auch um Deine Aufrichtigkeit. Hast Du begründeten Verdacht, dass da jemand geschmiert wird? Oder jemand sich auf Kosten des Arbeitgebers bereichert? Oder es sich um die Beihilfe zur Steuerhinterziehung handelt?

Da sind ja einige Dinge zu bedenken. Da wäre der Selbstschutz. Weil wer das ausplaudert fliegt oder wird gemobbt. Jedenfalls kann das die Folge sein.

Es kann aber auch sein, dass Eigentümer davon nichts wissen und vielleicht bei der Falschbewertung ganz große Ohren bekommen. Da können auch einige Dinge hinter den Kulissen laufen. Ob das Unternehmen verkauft werden sollte oder ein Bankkredit benötigt wurde?

Ein besonderes Problem hast Du, weil Du Dich ja intern gezeigt hast. Mindestens eine Unregelmäßigkeit hast Du benannt. Damit ist auch klar, dass wenn da jetzt Ermittlungen kämen, gehörst Du in den Kreis der verdächtigen. Selbst wenn Du eine anonyme Anzeige machen würdest.

Was Du andeutest sind keine Kavaliersdelikte. Das macht ein Verhalten auch nicht einfacher. Am Klügsten wäre - weil Du Dich ja als wissend gezeigt hast - die Vorgänge zu dokumentieren.

Nun leben wir nicht in einem Krimi, da würde ich natürlich raten: Grabe tiefer. Da kommt noch mehr... Aber in der Realität? Da passiert hier ein Fehler und dort gibt es eine Gefälligkeit, die man meinte vertretbar zu finden. Mehr ist da erst einmal nicht.

Nach dem Dokumentieren unter das Kopfkissen legen und am nächsten Tag entscheiden ob Du zu einem Anwalt für Strafrecht und Arbeitsrecht gehst. Die beiden Richtungen (möglichst mit dem Zusatz Fachanwalt) wären da so die Anknüpfungspunkte und da beraten lassen.

Hätte auf alle Fälle den Vorteil, dass Du nicht untätig warst. Und so eine Erstberatung wird vielleicht nicht einmal Geld kosten.

Antwort
von WosIsLos, 19

Bei Gelegenheit neuen Arbeitgeber suchen.

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