Frage von doenerohnesose, 34

Inhalt "Du sollst nicht..."?

Kann mir jemand den Inhalt von dem Gedicht "du sollst nicht" von Marie Luise Kaschnitz erklären. Ich kann damit nicht sehr viel anfangen..... Das ist der Text:

Du sollst mir nicht zusehen wenn Meine Fratzen den Spiegel zerschneiden Wenn ich mich umdrehe nachts Fensterwärts wandwärts Und die Leintücher seufzen.

Du sollst nicht sehen wie ich mich vorwärtstaste Blind an der Kette meiner Niederlagen (Auch an diese kann man sich halten) Noch anwesend sein Wenn ich meine pathetischen Verse lese.

Einmal bedurfte es nur eines Wortes von dir Und die Laufschritte in meinem Rücken fielen ab. Nur deiner Hand mir unter die Wange geschoben Und ich schlief.

Antwort
von Kendall, 19

Ruft es nichts in Dir hervor, kein Gefühl, das Dir helfen könnte, zu erfassen, worum es sich handelt?

Erst einmal der Titel - "Du sollst nicht" - in Anlehnung an die biblischen Gebote, deren Ursprung (lt. kulturgeschichtlich akzeptierter Deutung) ein Schöpfergott, mit dem man Einheit sucht (die Liebe im Christentum ist die Einheit mit Gott). Hier ist es die Liebe zwischen Menschen, die lt. der Person, aus deren Perspektive geschrieben wird, nur dann Bestand hat, wenn die Person, an die sie sich wendet, ihre Schwäche nicht sieht.

Ihre Furcht, ihre Depression, ihr Versagen und ihre Selbstdefinition über ihre Niederlagen ("Auch an diese kann man sich halten"). Der Bestand der Verbindung ist nur gesichert, wenn sich die Person an das Gebot hält, wie die Verbindung zwischen Gott und Mensch biblisch nur durch dessen Folgsamkeit gewährleistet ist.

Doch der Panzer bekommt Risse, wie man in den letzten Zeilen (ursprünglich in Kursiv) zu lesen bekommt. Ihre "dunkle" Seite (das, was sie zu verbergen versucht) wird stärker, so stark, dass sie keinen Trost mehr in der Liebe findet, die sie so sehr aufrechtzuerhalten versucht, indem sie die dunklen Teile ihrer Seele verleugnet.

Auch lässt sich das Bild indirekt auf den Umgang mit Menschen insgesamt übertragen. Es gibt in jedem von uns Dinge, die er von Anderen fernhält, um nicht die vermeintliche Deutungshoheit über die eigene Selbstdefinition zu verlieren.

Kommentar von doenerohnesose ,

Was meinst du mit dem letzten Abschnitt. Und danke. Hat mir einen viel verbesseren Überblick über das Gedicht geschaffen

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten