Frage von Lhofrath, 35

Infos zu den roten Khmer?

Und besonders interessiert mich was die Vietnamesen in Kambodscha machten als sie das dort sahen(Todeslager)?

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 28

Hier ist eine Antwort, die ich schon in einem anderen Forum gepostet habe. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung dieses Artikels:

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Kambodscha1/40jahre.html

In der Agrargesellschaft Kambodschas war Gemeineigentum und kommunale Produktion ausgeprägter als feudaler Großgrundbesitz und privater  Landbesitz. Städte waren die Zentren, von wo aus regiert, Abgaben  erhoben und die Landbevölkerung geschröpft wurde. Die französische Kolonialmacht setzte während ihrer Herrschaft dort vietnamesische Administratoren ein. Der städtische Handel und das Gewerbe wiederum waren in den Händen der Chinesen. In Phnom Penh waren nach dem Zweiten Weltkrieg von den 110.000 Einwohnern 33 Prozent Chinesen und 26 Prozent Vietnamesen. Für die kambodschanische Landbevölkerung war die Stadt also nicht nur der Ort, wohin sie ihre Abgaben zu bringen hatten, es war auch der Ort, wo Ausländer das Sagen hatten und privilegierter lebten.

Prinz Sihanouk hatte 1967 in der Provinz Battambang, der Reiskammer des Landes, einen Bauernaufstand blutig niederschlagen lassen. Das zog Proteste und weiteren Widerstand nach sich. Trotzdem gelang es Sihanouk Kambodscha weitest gehend aus dem Vietnamkrieg herauszuhalten und sich bei der Bewegung der Blockfreien Staaten eine gewisse Reputation und Rückendeckung zu schaffen.

Das war mit dem Putsch von Lon Nol vorbei. Auftragsgemäß nickte der den Einmarsch US-amerikanisch-südvietnamesischer Truppen ab, die den Vietcong in Kambodscha bekämpfen sollten.

Die Ausweitung des Krieges und das Flächenbombardement zerstörten bäuerliche Strukturen und verschärften den Gegensatz zwischen Stadt und Land. Allein 1973 wurden über Kambodscha mehr Bomben abgeworfen als über Japan während des gesamten Zweiten Weltkrieges. Das kostete 600.000 Kambodschanern das Leben. Lon Nol und der auf Kambodscha ausgeweitete Krieg schufen den Nährboden für die wachsende Bewegung der Roten Khmer.

PhnomPenh wuchs während dieser Zeit auf über zwei Millionen Menschen an, von denen die meisten bitterarme Flüchtlinge vom Land waren. Bei einer Gesamtbevölkerung von 7,5 Millionen kann man sich vorstellen, welches Ausmaß die Flüchtlingswelle hatte.

Ein weiterer Aspekt war das Verhältnis zu Vietnam, China und der Sowjetunion. In der von den Franzosen zur Kolonialzeit geschaffenen Union Indochina aus Kambodscha, Laos und Vietnam, war Vietnam die Führungsmacht, der sich Laos fügte, Kambodscha aber immer wieder widersetzte. Das hatte auch historische Ursachen in der Annexion kambodschanischen Gebiets durch Vietnam während des 17. Jahrhunderts im Mekongdelta und dem umstrittenen Grenzverlauf zwischen beiden Ländern. Vietnam als enger Verbündeter Moskaus trieb Sihanouk mit seinen ohnehin schon vorhandenen Sympathien für die Chinesen in deren Arme. Nachdem Sihanouks Anhänger gemeinsam mit den Roten Khmer Lon Nol gestürzt hatten, waren die Chinesen mit Maos Agrarkommunismus Vorbild.

Mit dem Sturz Lon Nols und der Eroberung Phnom Penhs hörte auch die Versorgung für die Stadt aus der Luft auf. Da gab es nur die Wahl, zwischen Pest und Cholera. Entweder die Menschen in der Stadt verhungern zu lassen oder sie unter großen Opfern zu evakuieren, weil schlicht die Mittel fehlten, um die Menschen in der Stadt zu versorgen. So wurde Phnom Penh geräumt.

Die Roten Khmer verstanden die bäuerliche Bevölkerung als „Altvolk“ und als soziale Basis ihrer Herrschaft für die Errichtung ihres Agrarkommunismus. Die Stadtbevölkerung wurde als „Neuvolk“ gebrandmarkt und musste sich bedingungslos unterordnen, indem sie in Kommunen reorganisiert und zur Feldarbeit gezwungen wurden. Der alte  Stadt-Land-Gegensatz brach wieder offen aus und so manche alte Rechnung  wurde beglichen, auch in Form staatlich organisierter „Säuberungen“.

Ungeachtet des Dramas, das sich da im Land abspielte, wurden die Roten Khmer unter anderem nicht nur von China, sondern auch von Thailand protegiert. China wollte seinen Kurs gegen die Sowjetunion fortsetzen und Vietnam als deren Verbündeten in Schach halten und Thailand war am lukrativen Geschäft mit Edelhölzern und Edelsteinen interessiert.

Die alten Animositäten zwischen Kambodscha, inzwischen Kampuchea, und Vietnam brachen wieder aus und die Roten Khmer in ihrem latenten Hass auf die moskauhörigen Vietnamesen begannen kriegerische Grenzstreitigkeiten.
Hanoi forderte über Radio zum Sturz der „brutalen, reaktionären, infantilen bäuerlichen Gleichmacherei“ auf, zum Sturz der „Söldner chinesischer Machthaber“ und Pol Pot rief seine Landsleute auf, Vietnamesen zu töten: „Jeder von uns muss 30 Vietnamesen töten. Bisher haben wir es geschafft. Wir brauchen nur zwei Millionen Soldaten, um 60 Millionen Vietnamesen umzubringen.“

Als vietnamesische Einheiten 1979 in Phnom Penh einmarschierten und dem Verbrechen der Roten Khmer am eigenen Volk ein Ende setzten, wurde das vom Westen als völkerrechtswidrige Aggression verurteilt. Heute wäre das eine humanitäre Intervention, natürlich nur, wenn es die Richtigen täten.

Vietnam wurde vom Westen mit Sanktionen belegt, während China Pol Pots Kämpfer bis 1991 weiter mit Waffen versorgte. Gleichzeitig wurden die Roten Khmer bis 1991 als rechtmäßige Regierung vom Westen anerkannt und ihr
ein UN-Sitz reserviert.

Im Februar 1979 startete Peking einen blutigen „Erziehungsfeldzug“ gegen Vietnam, zog seine Truppen aber nach schweren Verlusten einen Monat später wieder zurück.

Kommentar von Lhofrath ,

Danke das fand ich sehr informativ.

Kommentar von Ruehrstab ,

In der Tat ...

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