Frage von EpicFail1359, 88

Individualität in der DDR?

Hallo, ich muss eine Bilder Collage zum Thema Freiheit und Individualität in der DDR machen. Meine Frage ist nun was es eigentlich für Beispiele dafür gibt? Ein Beispiel von meiner Lehrerin waren die verbotenen Levis Jeans, da die nicht erwünscht waren aber trotzdem im Mode und man sozusagen rebelliert hat...

Komme mit dem Thema nicht so gut klar und würde mich über Hilfe freuen.

Danke im voraus

Antwort
von Piadora, 53

Individualität - das war nicht einfach. Es gab ja kaum was, womit man sich selbst ausdrücken und von anderen abheben konnte. Aber trotzdem haben wir versucht, aus dem wenigen was es gab, was Individuelles zu machen.

Wir hatten Westverwandte und ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass in einem Westpaket mal ein Lila-Plastebeutel war. Ey das war der geilste Beutel, den ich je gesehen hatte. Das war ab sofort meine "Tasche", natürlich mit stylish umgelegtem Griff. Es war alles grau und fad in der DDR - so ein Lila-Plastebeutel war voll der Hingucker.

Oder diese Weichspüler- oder Spülmittelflaschen: Von denen haben meine Eltern damals die Aufkleber abgeweicht, haben oben das Drehgewinde abgeschnitten und als Vase verwendet (war Ende der 70er).

Irgendjemand hatte irgendwoher (Baumarkt oder Supermarkt in dem Sinne gab es nicht) dünne durchsichtige Schläuche besorgt. Dort wurde bunte Tinte vom Füller reingefüllt, weiß nicht mehr womit es verschlossen wurde - aber das war unser schickes Armband.

Ich wollte damals schwarze Schuhe haben - aber sowas gab es nicht, zumindest nicht zu günstigen Preisen. Also habe ich meine graulila-Wildlederschuhe mit Schuhcreme so lange bestrichen, bis sie schwarz waren. Ich hab diese Schuhe geliebt.

Mein Vati hat sich seine ganzen Geräte - meine Eltern hatten nebenbei auch etwas Land bearbeitet - (Traktor, Heuwender, Futterreißer, Betonmischer etc.) selbst gebaut. Sowas konnte man früher. Und dann kamen die Kollegen, die auch nebenbei Tiere hielten, um sich ein bisschen was dazu zu verdienen, und schauten sich bei meinem Vati ab, wie man einen Futterreißer baut. Und das hat funktioniert wie ein Uhrwerk.

Meine Freundin und ich haben uns übelste Frisuren "gebaut" - voll toupiert wie die Kaputten, mit blonder Ponysträhne etc. - ähnlich Tamara Danz von der Gruppe Silly. So liefen nicht viele rum bei uns in der Schule. Hier mal ein Foto: http://www.bing.com/images/search?q=gruppe+silly+tamara+danz&view=detailv2&a...

Gut erinnern kann ich mich auch noch an meine Lehre - ich war 16 und meine Freundin und ich wollten ganz besonders cool sein. Hatten uns beide zu Weihnachten einen Aktenkoffer gewünscht und bekommen. Und rannten ab sofort mit dem Aktenkoffer in die Berufsschule. Mit 16. Wir sind voll aufgefallen - das war ja unser Ziel. Und ja, geil wars :-)

In der Zeit hab ich äußerlich auch mit Grufties sympathisiert - aber nur optisch und nicht so verrückt, wie man das heute kennt. Wir nahmen Faschingsschminke in weiß und mischten die stark ins Makeup, dazu knallrote Lippen, diese übelst toupierten Haare (als Pferdeschwanz) mit dem übelsten Pony ins Gesicht, dazu komplett schwarze Klamotten ... Meine Eltern hatten nur wenig Geld und ich konnte keine teuren Klamotten aus dem Exquisit-Laden kaufen. Also musste es eine Schornsteinfegerhose werden - die einzige, die schwarz war. Es gab - und das muss man sich mal vorstelle - keine schwarzen Hosen zu kaufen. Zumindest nicht im Umkreis von 50 km von meiner Heimat. Und meine schwarze Jacke war eine Herrenjacke - war mir egal, sie war schwarz und damit stark.

Dicke schwarze Schleifen in den Haaren, selbstgemacht aus Unterrock-Stoff, machten den Look perfekt.

Bis heute habe ich noch den breiten Schmetterlingsgürtel mit goldener Schnalle, den mir mein Vati von seinem ersten und einzigen Westbesuch mitgebracht hat. Den wollte mir damals ein Typ in der Disco für seine Freundin abkaufen für 150 Mark. Mein Vati hatte 15 DM bezahlt. Aber niemals um nichts in der Welt hätte ich diesen Gürtel hergegeben.

Auch unsere Jungs in der Schule lebten ihre Individualität aus. Einer probierte es mal mit einer Dauerwelle. Na das war nicht so der Brüller. Viele liebten den Heavy Metal Look, lange Haare konnte man sich einfach wachsen lassen, auch wenn es Lehrern nicht gefallen hat.

Ein Klassenkamerad musste mal nach Hause gehen und sich umziehen - er hatte ein West-T-Shirt an, weiß nicht mehr, was drauf stand. Aber es gab Lehrer, die haben das nicht geduldet.

Wir waren nicht alle gleich. Wer sowas sagt ist dumm. Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen.

Kommentar von holjan ,

Schöne Beispiele, die du da aufgezählt hast. :)

Jeder versuchte eben mit den Möglichkeiten, die er hatte aus dem Einerlei auszubrechen.

Ich erinnere mich noch daran, das ich in meiner Kindheit viel Selbstgenähtes und Gestricktes getragen habe, da meine Oma und auch meine Mutter dahingehend begabt waren.

In den späten 80ern hatte meine Mutter mir einen schwarzen Pullover gestrickt mit neongrünen Vierecken drauf. Als ich den Pullover in der Schule trug, wurde ich alle Nase lang gefragt, woher ich den tollen Pullover hätte. Selbst die Lehrerin hat interessiert gefragt, wo man denn solch einen tollen Pulli bekommen kann.

Ich weiß noch das ich stolz wie Oskar war :D

Antwort
von Gaskutscher, 49

Individualität ging z.B. über Westwaren. Musikkassetten, Blue Jeans (Levi's waren top, auch andere Marken aber gerne willkommen), After Shave, Haribo, etc. - Was es eben so nicht im Laden zu kaufen gab. Mal vom Intershop abgesehen.

Wie du jetzt aber zu den Bildern für die Collage kommen sollst? Via Internet?

PS: Bin Wessi. War aber als Kind »drüben« und kenne auch noch als Jugendlicher das Brandenburger Tor mit Mauer und »Achtung Sie verlassen jetzt West Berlin«.

Antwort
von dandy100, 56

Individualität in der DDR -  haha...

Die sollte es auf keinen Fall geben - Gleichschaltung ist das Motto aller Diktaturen

http://www.grin.com/de/e-book/119174/grundzuege-der-totalitaeren-sed-diktatur-in...

Kommentar von Huckebein ,

Für dein "hahaha" habe ich nur ein müdes Lächeln übrig.

Deine Behauptung der "Gleichschaltung" outet dich als Wessi, der die DDR nur aus seinen gleichgeschalteten Medien kennt. Soviel zur Gleichschaltung und überhaupt: Es lohnt nicht...

Kommentar von dandy100 ,

Dass ich nicht lache, ich kenne die DDR ganz genau - leider.

Falls Du ernsthaft behaupten willst, dass die Individualität des Einzelnen zu den sozialistische Zielen der DDR gehörte, ist jedes weitere Wort überflüssig, dann scheinst Du ganz offensichtlich einer von dene zu sein, bei denen die Gehirnwäsche erfoglreich funktioniert hat und die bis heute immer noch nichts begriffen haben.

Kommentar von Huckebein ,

Wenn ihr weiter keine Argumente habe, kommt ihr mit "Gehirnwäsche", wahrscheinlich das, was euch eure Medien über Jahrzehnte beschert haben, eben: Gehirnwäsche.

Ich habe die DDR 26 Jahre lang bewusst erlebt . Sag du mir nicht, wie es dort war.
Entweder du gehörst zu den selbst ernannten  "Widerstandskämpfern", wie viele, die in der DDR keinen Fuß auf die Erde bekommen haben und nun endlich vom Leder ziehen können, oder du verwechselst Individualität mit Drogen, täglicher Gewalt (jetzt an einem Tag mehr als in 40 Jahren DDR), Herumhängen, weil man ja die Freiheit hat, keiner Arbeit nachzugehen (was auch nicht allzu schwer ist :)) Obdachlosigkeit, die jedem bitte schön erlaubt ist, wenn er denn will (oder ihm nichts anderes übrig bleibt) oder der viel gepriesenen Möglichkeit, dass zu erlernen oder zu studieren, was man will, nicht, was einem zugestanden wird (wie in der DDR), auch zu dem Preis, dass man nach vollendetem Studium entweder HartzIV bekommt, weil der Studienabschluss den Bedarf an Stellen überschreitet, etc pp.
Genz zu schweigen davon, dass jeder individuell rechte Ideologien vertreten und ausleben darf. DAS und alles, was damit zusammenhängt, durftest du in der DDR nicht. Da war der Staat ganz rigoros, was einige Fragen aufwirft in Bezug auf heute...

Und noch etwas: Nein, ich will die DDR nicht zurück, so wie sie war, aber das hier ist bei weitem nicht das Non puls Ultra, auch nicht in Bezug auf Individualität. Dieser Begriff ist lediglich ein Euphemismus für die Möglichkeit, Lücken ausfüllen zu dürfen, die dem System geschuldet sind. Danke!

Kommentar von dandy100 ,

Nein, in der DDR hat keine Gehirnwäsche stattgefunden, die sozialistschen Wertvorstellungen der SED wurde nicht bereits im Kleinkindalter vermittelt - deshalb sollte ja auch alle Mütter möglichst schnell wieder arbeiten gehen, damit man die Kinder in die Finger bekommt und von Anfang an kontrolliert, so wie in jeder Diktatur.

Und die Schule war so frei, dass man jedes Buch lesen dürfte, das man wollte, gell....allerdings wurde man eingeknastet, wenn man ein Westpaket mit  Orwells 1984 geschickt bekam - breiten wir besser den Mantel des Schweigens darüber, was für ein Staat die DDR in ihren Grundfesten war.

Dass hier nicht das Paradies herrscht - genauso wenig wie woanders auf der Welt - darüber muss man nicht streiten, auch nicht darüber, dass hier mittlerweile ein Sozialpolitik gemacht wird, die zum Himmel schreit, aber - und das ist der entscheidende Punkt: Hier kann jeder seine Überzeugung offen vetreten, ob als Liberaler, als Rechter, Linker oder als Baghwan und wem es nicht passt, der kann dieses Land jederzeit verlassen, ohne an der Grenze erschossen zu werden - und versuch erst gar nicht, zu behaupten, dass das nicht stimmt, ich weiß wovon ich rede.

Ein Staat, der sich das Recht nimmt sein Bürger gegen ihren Willen einzusperren, kann ja wohl kaum für sich in Anspruch nehmen, die Individualität des Einzelnen zu respektieren - um mal beim Thema zu bleiben.

Freiheit ist die Basis jeder Individualtät - wenn Du das bestreitest, erübrigt sich jedes weitere Wort



Kommentar von Huckebein ,

deshalb sollte ja auch alle Mütter möglichst schnell wieder arbeiten gehen, damit man die Kinder in die Finger bekommt und von Anfang an kontrolliert, so wie in jeder Diktatur.

Nun hast du endlich eine tolle Rechtfertigung dafür gefunden, dass die DDR-Frauen berufstätig sein durften und konnten: Weil man ihre Kinder indoktrinieren wollte.:)
So etwas Abwegiges (einen anderen treffenderen Ausdruck verkneife ich mir)  kann wirklich nur jemand von sich geben, der die DDR nicht kennt und sich mit seinem "gehirngewaschenen" Verstand ein Konstrukt zurechtlegt hat, das jedem Ossi, und sei er noch so anti DDR gewesen, in seiner Einschätzung betreffs Bildung und Indoktrination in den Schulen der Bundesrepublik Recht gibt...
Man schau sich nur um unter den Jugendlichen auf GF, die hier ihr "Wissen" über die DDR kund tun und nichts dafür können.


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