Frage von Sternwanderer90, 64

Indirekte Unfallbeteiligung?

Hallo miteinander,

ich war heute in einen Unfall verwickelt, zumindest indirekt. Ich kam von einer Seitenstraße zu einer T-Kreuzung, wollte links abbiegen und hatte eine grüne Ampel. Von links kamen mehrere Autos an die Kreuzung angefahren. Ich bemerkte, dass zwei Autos geradeaus weiter fuhren, obwohl sie eigentlich rot haben müssten, ging voll in die Eisen und kam noch vor der Kreuzung zum stehen (kein Schaden).

Das vordere Auto der beiden bremste und das hintere Auto fuhr auf, nur Blechschäden ohne Personenschaden. Meine Beobachtungen dabei waren, dass die Autos, die von rechts gefahren kamen (Spur geradeaus), an ihrer Ampel noch standen und die drei Autos hinter den beiden Unfall beteiligten Autos nur langsam und mit mehr Abstand an den Unfallort fuhren (als wäre die Ampel eben erst umgesprungen). Ich bin somit der Meinung, dass ich grün hatte und die beiden anderen Autos aus Versehen die Rechtsabbiegerampel mit der Ampel für geradeaus verwechselten.

Wir sind dann alle zur Seite gefahren, haben Daten ausgetauscht und die Polizei gerufen. Wie gesagt, bin ich mir 100%ig sicher, dass ich nicht schuld bin und grün hatte, trotzdem natürlich indirekt an dem Unfall beteiligt war. Die beiden anderen schoben übrigens natürlich mir die komplette Schuld zu. Ich wurde total ignoriert und auch ziemlich dumm angemacht... Die Polizisten sagten, dass hier zwei Aussagen gegen meine stehen (obwohl meine Aussage glaubhafter wohl war) und sie deswegen eine Anzeige wegen des Überfahren einer roten Ampel aufnehmen müssen (240€ Bußgeld, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot).

Die beiden anderen behaupten natürlich, dass sie grün hatten. Die hintere Fahrerin hielt aber keinen Sicherheitsabstand ein und war wohl auch etwas abgelenkt durch ihr kleines Kind (sagte sie selbst).

Jetzt meine Frage: Dass ich von der Polizei irgendwann höre, ist mir klar. Dass ich dann dagegen angehen kann juristisch ist mir auch klar, obwohl ich inzwischen gewillt bin, es einfach zu bezahlen und dann meine Ruhe zu haben. Vor allem da ich nicht unbedingt auf mein Auto angewiesen bin. Aber wie mache ich das mit der Versicherung? Muss ich da was melden? Und wenn ich die Strafe von der Polizei einfach akzeptiere, wird das dann als Schuldeingeständnis von der Versicherung verstanden?

Was sagt ihr? War mein erster Unfall...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buerger41, 37

Es ist gut, dass Sie die Polizeit gerufen haben. Dann dürfte sich der Unfallzeitpunkt rekonstruieren lassen.

Zuerst sollten Sie unter Anfertigung eines miniziösen Sachverhalts Ihre Kfz-Haftoflichtversicherung unterrichten. Diese Unterrichtung ist PFLICHT.
Teilen Sie bitte dem Versicherer auch mit, dass Sie einen Fachanwalt für Verkehrsrecht wegen des drohenden Ermittlungsverfahrens nehmen werden.

Das Anwaltsmandat ist sofort zu erteilen.
Ihr Fachanwalt wird mit Sicherheit das Ampelprokotokoll einsehen. Daraus lässt sich meist ersehen, wie die Ampelschaltung im Zeitpunkt des Vorfalls war.


Kommentar von Sternwanderer90 ,

Wenn ich den Unfall meiner Versicherung melde, gebe ich dann nicht automatisch eine Teilschuld zu? Ich bin ja der Meinung, dass ich nicht schuld bin und deswegen den Unfall der beiden anderen Teilnehmer nicht zu verantworten habe, da die beiden ja gegen Verkehrsregeln verstoßen haben. 

Ich habe weder einen Schaden, noch bin ich schuld. Eher sind die beiden Schuld, dass sie mir die Vorfahrt genommen haben und hatten Glück, dass ich so geistesgegenwärtig war zu bremsen und meine Versicherung muss dementsprechend auch nichts zahlen... Wenn ich mir das Formular meiner Versicherung anschaue, dann muss ich da einen Grund für den Unfall angeben... Finde das gerade etwas verwirrend und weiß wirklich nicht, was mir wie negativ ausgelegt wird. Außerdem besitze ich keine Rechtschutzversicherung... Ich glaube, wenn das hier geklärt ist, lege ich mir sofort eine solche zu

Kommentar von Buerger41 ,

Dadurch dass ein Dritter auf eines der plötzlich bremsenden Fahrzeuge aufgefahren ist, ist ein Drittschaden entstanden.

Ihre Haftpflichtversicherung kann den Anspruch gegen Sie abwehren, indem sie diesen für nicht gegeben hält, oder teilweise oder ganz zahlt.

Eine Meldung an die eigene Versicherung ist kein Eingeständnis einer eigenen Schuld, sondern die Anzeige eines Vorfalls mit der Aufforderung in Ihrem Sinne tätig zu werden. Wenn Sie den Sachverhalt so schildern wie hier, wird Ihre Versicherung erst einmal davon ausgehen, dass Sie keine Schuld trifft.

Sie melden das auch bitte nicht mit dem Formular, sondern mit einem Schreiben. Vielleicht sollten Sie den Versicherer  auch bitten, das Ampelprotokoll anzufordern.

Kommentar von Sternwanderer90 ,

Ok, das hilft mir wirklich sehr viel weiter!

Vielen lieben Dank!

Kommentar von Buerger41 ,

Vielen Dank für Ihr Lob :-)

Antwort
von Matahleo, 40

Hallo, 

also das ist eine vordergründig klare, aber trotzdem verzwickte Situation. 

Du solltest dir auf alle Fälle einen Anwalt nehmen, einen, der auf Verkehrsrecht spezialisiert ist. 

Denn das Problem wird wirklich die Aussage zweier Personen gegen eine sein. Habt ihr, bzw. die Polizei nicht auch noch Aussagen oder wenigstens die Personalien von weiteren Zeugen (hinter den Unfallparteien)?

Einfach zahlen um deine Ruhe zu haben ist verständlich, aber nicht wirklich empfehlenswert. 

Ruf doch bei deiner Versicherung an und frag die, wie du dich in dem Fall verhalten sollst. Ich bin mir da nicht sicher, wie die das sehen. 

Kann sein, dass sie in so einem Fall einen Rechtsstreit anfangen, aber wenn du die Strafe zahlst ist das immer ein Schuldeingeständnis. 

Lass dich bei einem Anwalt beraten und eigentlich sollte man in so einem Fall gar nichts bei der Polizei aussagen, denn so manches gesagte wird einem anders hingedreht. Vor allem darfst du niemals unsicher in deiner Aussage werden. 

Alles Gute dir, 

LG Mata

Kommentar von Sternwanderer90 ,

Danke erstmal für die Antwort.

Ich weiß, dass es etwas verzwickt ist. Habe eben mit einem befreundeten Rechtsanwalt telefoniert und der meinte, ich solle jetzt erstmal abwarten, vllt wird die Anzeige fallen gelassen, da Aussage gegen Aussage steht und man ist solange unschuldig bis die Schuld bewiesen ist. Meine Aussage habe ich direkt vor Ort gemacht. War vllt nicht die schlauste Idee, aber in dem Moment wollte ich, dass alles, was ich noch weiß (wie z.B. meine Beobachtungen) auch aufgenommen sind und ich mir nicht in ein paar Monaten Gedanken machen muss. Habe die Aussage auch abfotografiert, damit ich später noch weiß, was ich genau gesagt habe...

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