Frage von Fluffy410, 69

In wiefern ist die Eroberung von Jerusalem 1099 einschließlich der Gräueltaten vergleichbar mit dem IS?

Ich schreibe morgen eine geschichtsklausur und ich glaube das ungefähr so eine Frage dran kommen könnte. Könnt ihr mir vllt helfen?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 21

Beides ist nur bedingt miteinander vergleichbar, nämlich in der Hinsicht, dass die Antriebskräfte sowohl der Kreuzzügler als auch der Terroristen des sog. IS in der jeweiligen fanatisch (miss)verstandenen Religion zu suchen und zu finden sind.

Ansonsten sind beide Ereignisse nicht vergleichbar. Die Kreuzfahrer wollten die Heiligen Stätten den Muslimen entreißen und wieder, wie in der Antike, in die Gewalt christlicher Herrscher bringen. Die Untaten bei der Eroberung Jerusalems waren keine bewusst geplanten Gräuel, sondern ergaben sich im Eifer des Gefechtes.

Die Terroristen des sog. IS haben nur eines im Sinne: Menschen, die entweder keine Muslime sind oder einer anderen muslimischen Glaubensrichtung angehören als sie, die Terroristen, selbst, zu terrorisieren und ihnen auf jede Weise zu schaden oder sie zu vernichten.

MfG

Arnold

Antwort
von MatthiasHerz, 28

Jerusalem wurde erobert, weil eine radikale Glaubensgemeinschaft der Ansicht war, die "heilige Stadt" von den "Ungläubigen" befreien zu müssen.

Dass die Ritter und Fürsten damals ihre Religion, das Christentum, nicht kritisch hinterfragten, versteht sich von selbst, denn jeder Abweichler wurde getötet "im Namen der Kirche" bzw. "im Namen des einzig wahren Gottes".

Die Machtansprüche des jeweiligen Papstes machten nicht halt vor einfachen Menschen, die anderen Glaubens waren, weil es "die Stadt Christi" zu verteidigen und "heimzuführen" galt.

Nichts Anderes macht der IS, nur, dass seine Waffen moderner sind, als vor 1000 Jahren: Alle "Ungläubigen" sollen vernichtet werden.

Was es im Jahre 1099 noch nicht gab, waren weltumspannende Medien, denen man eine gewisse Meinungsbildung unterstellt, weil die meisten Reportagen natürlich nicht wert(ungs)frei sind.

Antwort
von JBEZorg, 17

Das is eine dumme Frage, die nur ein schlechter Lehrer stellen kann. Man Kann die Ereignisse des 11Jh. nicht mit den des 21Jh. vergleichen. Das as heute als Greueltat gilt war damals gängige Praxis. Man kann geschchtliche Ereignisse nich mit der heutigen moralischen Messlatte messen.

Auch sonst ist es eine völlig abwegige Gegenüberstellung. Der KReuzzug hatte zum Ziel die Eroberung Jerusalens und des "Grabes Christi". Der IS will ein Khalifat errichten und nicht eine heilige Stätte erobern. 

Der Kreuzzug hatte nicht zum Ziel die Bekehrung und Vernichtung der Andersgläubgen, "nur" die Wegnahme der Macht über das "Heilige Land". Die Kreuzritter hatten nichts dagagene, das Mslems weiter in Damaskus residieren.

Die einzige grosse Gemeinsamkeit ist, dass es wieder im Nahen Osten passiert.

Antwort
von hummel3, 23

Gewisse Gräueltaten des Kreuzritterheeres und des IS mögen im Einzelnen durchaus vergleichbar sein.

Allerdings waren die Grundlagen für die Auseinandersetzungen völlig unterschiedlich. Die Kreuzritter reagierten im Auftrag der Kirche auf die vorausgehende militante Ausbreitung des Islam in der Region und die Besitzergreifung der jüdischen und christlichen Heiligen Stätten und meinten diese wieder "im guten Glauben" befreien zu müssen.

Dem IS dagegen hat niemand etwas weggenommen. Er ist es, welcher allein aus niederen Beweggründen andere vertreibt, bestiehlt, bestialisch mordet allein aus niederen Beweggründen unter dem Deckmantel des Islam. - Beweggründe welche nicht einmal einvernehmlich von der Mehrheit der Muslime mitgetragen werden!

Unter dem Sigel des IS treffen sich kaum ehrenhafte Gläubige, sondern mehrheitlich Versager, Banditen und der Abschaum unterschiedlichster Gesellschaften, welche auf dem Rücken dieser Terrororganisation ihr Glück machen wollen und ihre niederen Instinkte auszuleben versuchen.

Antwort
von RobinsonCruesoe, 11

Nein! Die Greuel, die bei der Einnahme Jerusalems am 15.Juli 1099 geschahen, entsprachen im grossen und ganzen damaligen Gepflogenheiten im Umgang mit Besiegten. Der Umgang des IS mit Besiegten auf der anderen Seite verletzt die Genfer Konvention eklatant. Diese, unter dem Eindruck schrecklichster Kriege entstandene Konvention, soll die Meßschnur zur Beurteilung von Kriegsverbrechen des IS bilden, keine Kreuzfahrerkamellen... Und die Verbrecher vom IS können sich nicht darauf hinausreden, von der Genfer Konvention nichts gehört zu haben, wenn man sie dereinst in Den Haag zur Rechenschaft ziehen wird....

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