Frage von fbenireas, 15

In welchem zusammenhang Steht die moral und die konventionen?

Antwort
von Sate2299, 9

Recht, Konvention und Moral sind Regeln, die das freie Handeln eines Menschen einschränken. Die Unterschiede hat m.E. Hegel am treffendsten umschrieben: Er unterscheidet zwischen den sittlichen Institutionen und den moralischen Pflichten. Die moralischen Pflichten stellen sich dem Individuum als das abstrakt Gute dar, welches ein permanentes Sollen verlangt und dem Individuum als Beschränkung erscheint. Die sittlichen Institutionen dagegen treten ihm als das konkret Gute gegenüber, das in vorhandenen Gesetzen, Gewohnheiten, Konventionen etc. gültig ist und sich darin als die allgemeine Handlungsweise der Individuen manifestiert. Die Pflichten, die von den sittlichen Institutionen an die Subjekte ergehen, sind nichts anderes als die notwendigen Bedingungen, unter denen sich die Freiheit oder die Idee des Guten konkretisiert. Dies gilt aber nur, wenn diese Institutionen die adäquate Verkörperung des Vernünftigen sind. Der Mensch muss überzeugt sein, dass die Institutionen keine anderen Interessen als die wesentlichen Interessen des Individuums vertreten. Dann erst sind die Institutionen vernünftig. Recht, Gesetze, Konventionen sind also allgemeine Regeln, die das Moralische auf die Interessenlage aller Individuen bezieht. Der Mensch muss sich in diesen Institutionen wiedererkennen. Da der Mensch immer nur nach seinen Interessen handelt, ist es unvernünftig, ihn auf eine abstrakte Moral zu verpflichten, die seinen Interessen zuwiderläuft. Konkret heißt das: Verbote von Mord, Diebstahl, Betrug usw. gehören zu den sittlichen Institutionen, welche die Individuen zur strikten Einhaltung verpflichten; dagegen gehören weitergehende moralische Gebote wie Rücksicht-nehmen, fair handeln, höflich miteinander umgehen, Respekt vor einander haben, die Interessen eines anderen nicht verletzen, anständig sein, ein guter Mensch zur abstrakten Moral; derartige Verpflichtungen zum Gut-sein widersprechen oft den Interessen des einen oder anderen Individuums (z.B. wird jemand, der im Leben vorankommen will, oft rücksichtslos, ruppig, unfair vorgehen müssen; man sagt: das ist „gemein“, aber es ist nicht „institutionell“ verboten).

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