In welchem Verhältnis stehen Wahrheit und wissen?

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6 Antworten

wie Dir schon der wikipedia-Artikel zu Wahrheit zeigt, ist diese Frage recht komplex, teilweise subjektiv und ideologisch und nicht in einem Satz zu beantworten.

Deiner Hypothese würde ich nicht folgen, und ich habe auch ein Gegenbeispiel, womit sie falsifiziert wäre:
ich kann die gesamte Bibel kennen ("wissen") habe aber damit nicht den geringsten Hinweis (Beweis), daß daran auch nur das Geringste wahr ist.

Also bringt Dich Wissen nicht automatisch zur Wahrheit.

Ich persönlich halte es mit der naturwissenschaftlichen Definition.
Eine Theorie (im naturwissenschaftlichen Sinn, nicht im umgangssprachlichen) ist ein moglicherweise vereinfachtes Modell der Natur, welches in der Lage ist, bestimmte nachprüfbare und wiederholbare Vorraussagen zu machen. Sie lässt sich also experimentell überprüfen. Falsifizieren.
Die Theorie gilt solange (möglicherweise auch nur in einem eingeschränkten Teilbereich), bis sie eben nicht mehr funktioniert (Bsp: klassische vs. relativistische Mechanik).
Etwas was keine Vorraussagen macht und nicht falsifizierbar ist, ist im wissenschaftlichen Sinn keine Theorie. Streng genommen noch nicht mal eine Hypothese, sondern Mumpitz.

Ein Beispiel: wenn jemand behauptet, Beten würde helfen, es aber kein Experiment gibt, mit dem man es überprüfen kann, und dann auch noch - wenn es denn nicht hilft - gesagt wird, Gottes Wege sind halt unergründlich, dann ist das im wissenschaftlichen Sinne Mumpitz. Und hat den gleichen Wissens- und Wahrheitswert wie das Märchen von Rotkäppchen. Keinen.
Es ist nämlich vom Zufall nicht unterscheidbar (*).

Wahrheit im Sinne von "so ist etwas wirklich" kann die Wissenschaft niemals erlangen. Und sie gibt das zu, und behauptet das auch nie.
Und es ist vielleicht auch müßig, z.B. zu fragen, was denn ein Photon nun tatsächlich in "Wahrheit" ist. Vorstellen kann man es sich sowieso nicht.
In Fragen der Natur, ist die Frage nach einer Wahrheit vermutlich unsinnig.

In philosophischen/theologischen Fragen kommt es aber noch schlimmer. Hier verwechseln die allermeisten "Glauben" (=Wunschdenken) mit "Wahrheit".
Glauben hier im eigentlichen Sinne: also die Annahme von etwas, ohne daß es dafür wissenschaftliche Beweise, Experimente, Modelle etc. gibt.
Das ist de-fakto Wunschdenken.

Hier von "Wahrheit" zu sprechen ist natürlich eigentlich eine Frechheit, wird aber immer wieder gerne gemacht. Hier wird nämlich, ohne Nachweis etwas als "Wahrheit" verkauft, was eigentlich noch weit weniger fundiert (nämlich gar nicht), als wissenschaftliche Aussagen.

Zusammenfassend:

Die Wissenschaft, die eigentlich fundierter ist, beansprucht gar nicht, eine letztendliche Wahrheit zu kennen. Sie versucht nur das tatsächliche Verhalten der Natur zu beschreiben - was immer dahinter steckt.

Die Philosophie und Theologie beanspruchen für sich die Wahrheit zu kennen, obwohl sie nicht mal die Natur beschreiben können, sondern i.A. reine Gedankenexperimente sind (die natürlich dennoch oft sinnvoll sein können - nicht daß wir uns hier falsch verstehen).

PS:
etwas anders sieht die Sache in der Mathematik aus.
Sie geht von ein paar wenigen Grundannahmen aus, und beweist streng formal (man könnte sagen: mechanisch) daraus Erkenntnisse. Wobei sie widerspruchsfrei bleibt, und innerhalb dieses Rahmens "Wahrheiten" generiert. Als Beispiel nehme ich mal die Geometrie, wo es ein paar wenige Axiome gibt, aus denen sich dann allerlei spannendes herleiten lässt.
Je nach Axiomen kommt dann eine Geometrie der Ebene, einer Kugeloberfläche usw. heraus.
Die Mathematiker sind streng genommen die einzigen, die innerhalb ihres Systems von "Wahrheit" sprechen können. Obgleich die Natur nicht unbedingt dem entsprechen muss, was dabei herauskommt (d.h. i.A. liefert die Mathematik mehr mögliche Lösungen als tatsächlich in der realen Welt vorkommend...)
Mathematik ist aber auch keine Natur- sondern eine Geisteswissenschaft.

(*) tatsächlich gab es dazu Experimente, und es zeigte sich, daß beeten schadet. Weil die Patienten dachten "oje - jetzt müssen sie schon um mich beeten - so schlecht steht es" und die Heilung schlechter lief...

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Kommentar von sarahj
31.12.2015, 16:44

habe einen Satz falsch formuliert: "Die Philosphie und Theologie beanspruchen" sollte besser heissen: "Die Philosophen und Theologen, welche beanspruchen..."

Es gibt nämlich auch solche, die diesen Anspruch nicht haben, und das auch zugeben.

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Warheiten sind Fakten z.B. die Erde dreht sich um die Sonne oder persönliche Meinungen z.B. ich mag dich nicht.

Wissen ist etwas was wir besitzen. Wir wissen aber nicht nur Fakten sondern auch vermutungen die für wahr angenommen werden z.B. das die Erde eine scheibe ist. Nicht alles was wir jetzt wissen und für wahr halten ist es in 100 Jahren noch. Wir nehmen fieles an weil es nicht wiederlegbar ist.

Nur weil wir etwas wissen und für wahr halten wird oder ist es das aber nicht unbedingt.

Daraus ergibt sich es gibt den Zustand Wahr/Falsch und den zustand wissen/nicht wissen die aber nicht direkt in zusammenhang stehen.

Etwas ist wahr unabhängig davon ob wir es wissen oder nicht. Trudi mag Ben nicht. Das ist wahr auch wenn Ben das nicht weis. Die erde ist Rund ist wahr auch wenn das der dreijährige Paul nicht weis.

Andererseits wird wissen nicht automatisch wahr. Der drei Jährige Paul weiß das Mama unbesigbar ist. Das macht es aber nicht wahr, es ist nur so das er in seiner jetzigen Welt anschauung zu keinem anderen Schluss kommen kann.

Meine Meinung. :-)

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Ganz am Anfang muss man sich selbst gestehen das man eigendlich gar nichts weis über das große und ganze. Man kann sich zwar eine Meinung über physikalische Eigenschaften bilden und sie als logisch sehen. Aber man muss auch sehen das der Mensch nur ein winzigen Einblick in die eigendliche Realität hat. Die Bandbreite unserer Wahrnehmung ist so schmal das man nie die Wahrheit erkennen kann. Bewusstseinserweiterung und persönliche Realitätsgestaltung sind die Antwort auf deine frage.

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Wichtig für so eine Diskussion ist zunächst die Definition des Terminus "Wahrheit". Die Definition hast du nicht gegeben. Folglich ist deine Frage "eigentlich" gar nicht zu beantworten. Es gibt viele Wahrheiten in unterschiedlichen Bereichen und für jeden kann Wahrheit zudem etwas anderes bedeuten.

Ich versuche 'mal eine "uneigentliche" Antwort, die weder einen Anspruch auf "Wahrheit" noch auf Vollständigkeit erhebt: Es kann eine bisher unerforschte (universelle ?) Wahrheit geben, die wir uns mit unserem jetzigen Wissen bzw. unseren derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht einmal in unseren kühnsten Visionen vorstellen können. Sie könnte die Kapazität des menschlichen Gehirns/Verstandes bei weitem übersteigen. Diese Wahrheit finden wir folglich mit unserem begrenzten Wissen nie heraus.

Es mag Wahrheiten geben, die sich aus unserem Wissen ergeben, wie beispielsweise mathematische Wahrheiten (oder Gesetze/Logik).

Wahrheiten werden auch durch Weisheit und Lebenserfahrung gewonnen. Es gibt Analphabeten, die über keinerlei Wissen verfügen und dennoch zu Wahrheiten gelangten. Beispiel: Ethik (Gerechtigkeit, Ehrlichkeit usw.) Diese würde ich als "moralische Wahrheiten" bezeichnen.

Sokrates hat die Wahrheit wie folgt beschrieben: "Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich nichts weiß".

Du siehst, so einfach ist es nicht mit der Wahrheit, um bei der Wahrheit zu bleiben. :-)

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Ich finde das das in gar keinem Verhältnis steht. Was hat Wahrheit mit Wissen zu tun?

Wenn jemand weiß, das sein Wissen über eine Sache nicht der Wahrheit entspricht, was dann?

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Meines Erachtens: IN KEINEM!

Was wir als Wahrheit betrachten, ist nichts anderes als die sehr begrenzte Wahrnehmung (sehen, hören, riechen, ect.), aus der unser Wissen entstammt.

Weißt du, das wir nur einen winzigen Teil des gesamten Lichtspektrums sehen können? UV-Licht, Gammastrahlen und dergleichen sind technisch gesehen auch Licht, jedoch können wir dies nicht wahrnehmen.

Wenn wir es könnten, würden wir dann mehr als nur die uns bekannten Farben sehen? Würden wir vielleicht die uns bekannten Materialen in einer schier unermesslich großen Zahl anderer Zustände sehen? Würden wir vielleicht sogar die Zeit als solche anders wahrnehmen?

Meiner Meinung nach hat die Wahrheit nur in soweit Bedeutung, wie wir im Stande sind, unsere Umgebung wahrzunehmen. Und das ist nur sehr, sehr begrenzt.

LG roggy

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