Frage von poloman22, 61

In der Maßnahme für erwerbsfähige Behinderte seine Gefühle täglich beschreiben und schriftl. dokumentieren?

Bin in einer Maßnahme für erwerbsfähige Behinderte, die Person, die für mich zuständig ist, möchte, dass ich meine intimen Gefühle stichpunktartig für jeden Tag (Samstag und Sonntag auch) aufschreibe und ihm jede Woche abgebe. Das möchte ich eigentlich nicht, gehört in die Hände eines Psychologen oder Arztes. Kann ich deshalb meinem Ansprechpartner der Maßnahme die Herausgabe verweigern?

Antwort
von Kitharea, 38

Nein auf keinen Fall musst du das machen. Die Person wie ich das sehe hat keinerlei psychologische Ausbildung. Deine Gefühle gehen sie also nichts an sofern du dich nicht mitteilen willst. Und auch WENN du das tun würdest wäre eine "Bewertung" dieser Person über das was du schreibst völlig aus der Luft gegriffen. Diese Bewertung hätte wohl mehr mit der Person als mit dir zu tun. Nur geschulte Personen können - sicher unterscheiden zwischen dem eigenen Empfinden und dem Anderer (hoffentlich)

Antwort
von schneeflocke49, 35

Ich denke auch manche Maßnahmen maßen sich zu viel an. Wenn du dich damit nicht wohl fühlst, dann ist es auch in Ordnung es nicht abzugeben. Die Idee von vorher finde ich auch klasse. Einfach neutraler bleiben. Selbst wenn jetzt am Wochenende deine Oma sterben würde (  nur ein Beispiel! ) dann hätte die das nicht zu interessieren. Da könntest du ein trauriges Smiley malen oder schreiben, dass es ein ganz blöder Tag war. Fertig. Du entscheidest über dein Empfinden. Wahrscheinlich wollen sie aber damit ein Profil von dir erstellen, in dem sie deine Belastbarkeit erkennen können. Hör auf deinen Bauch. 

Antwort
von Ringerman, 29

Einfach verweigern würde ich nicht, das provoziert Konflikt. Versuche doch, ihm das offen zu sagen, dass du über gewisse Gefühle nicht reden magst. Offen angesprochen könnt ihr beide versuchen, einen Lösungsweg zu finden, Verweigerung und Protest baut nur innere Mauern auf.

Antwort
von altgenug60, 13

Ich würde das so machen: Du schreibst: "Jedesmal, wenn ich mich hier gezwungenermaßen hinsetzen soll, um meine Gefühle aufzuschreiben, fühle ich mich ausgesprochen verärgert und wütend, weil ich der Meinung bin, dass ich selbst entscheiden darf, wem ich meine Gefühle mitteile und wem nicht. Das ist am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag gleichermaßen der Fall."

Und das gibst du dann jede Woche ab.

Antwort
von anniegirl80, 39

Intime Gefühle aufschreiben und weitergeben?

Da klingeln bei mir die Alarmglocken... Nein, das würde ich nicht machen. Da hast du vollkommen recht. Frag ihn mal was ihn dazu berechtigt, warum er das benötigt.

Hast du weitere Anprechspersonen, z. B. von einer Beratungsstelle für Behinderte?

Kommentar von poloman22 ,

Ich bin in einer Gewerkschaft, hast Du einen Tipp für mich?

Kommentar von Kitharea ,

Ich würde in dem Fall eher mit einem "echten" Psychologen reden oder mit dem Hausarzt. Beide haben Befugnis und Möglichkeit was zu bewegen. Ob und inwiefern kann ich dir leider nicht sagen.

Kommentar von anniegirl80 ,

Ich sehe es wie Kitharea.

Ich bin mir nicht sicher ob dir die Gewerkschaft helfen kann, aber du kannst dich ja mal erkundigen.

Sollte dich die Person, die diese "intimen Gefühle" von dir wissen möchte, unter Druck setzen, dann verlange von ihr eine schriftliche Befugnis für diese Auskünfte. Sowas müsste ja irgendwo schriftlich festgelegt sein.

Erkundige dich vielleicht auch beim Vorgesetzten dieser Person. Vielleicht bist du nicht der einzige Betroffene, und es weiß nur niemand, weil niemand sich traut sich zu wehren.

Antwort
von BenniXYZ, 6

Ja klar kannst du das verweigern, es geht ihn nichts an.

Antwort
von MrMiles, 35

Was spricht denn dageben einfach aufzuschreiben wie man sich fühlt?

Ich meine, er verlangt ja sicher ich nicht das du detailliert da deine Seele offenlegst.

Einfach aufschreiben "Heute hat es mir Spaß gemacht, weil es ein schöner Tag war" oder "Heute war ich sehr müde" oder "Die neuen Werkzeuge gefallen mir" oder "Das Mittagessen hat mir nicht geschmeckt" usw.

Kommentar von poloman22 ,

Nicht nur dort, sondern auch daheim (SA und SO)

Kommentar von MrMiles ,

Ajo dann schreibst du halt sowas auf wie "Sonntag hat mir gut gefallen, weil ich frei hatte" oder "Samstag war ich schlecht gelaunt weil ich einen Bericht schreiben musste".

Bleib mal nicht so an dem Wort "intim" hängen - du sollst ja nicht aufschreiben in wen du verliebt bist oder mit wem du am Wochenende rumknutschst. Es geht lediglich darum das du deine persönlichen Gefühle aufschreibst und dir nicht irgendwas ausdenkst.

Kommentar von Kitharea ,

Und was soll das bringen? Zumal man es einer Person in die Hand drückt die das nichts angeht?
Würde er der Person vertrauen würde er sicher von selbst damit kommen - aber jemanden dazu zu zwingen finde ich absolut nicht in Ordnung.
Und bevor ich es vergesse - eine berühmte "Organisation" arbeitet mit der Methode - Scientology. Leute über Gefühle und Gedanken ausfragen damit die danach erpressbar sind.

Kommentar von MrMiles ,

Vielleicht ist der/die ersteller der Frage ja in einer psychologischen Behandlung oder hat eine Behinderung oder Einschränkung, welche es erfordert, das Wohlbefinden und den Gemütszustand zu erfassen.

Ich kenne solche Maßnahmen z.B. bei Leuten, welche sich einreden das sie durchs Arbeiten krank werden oder einfach nicht arbeiten wollen weil es sie depressiv macht.

Wenn der persönliche Betreuer also noch eine psychologische Qualifikation hat, durchaus plausibel so etwas abzufragen.

Kommentar von Kitharea ,

WENN dann ja - wurde aber nicht erwähnt dass das so ist. Und auch WENN dieser das hat - Grundlage der Psychologie ist nach wie vor, dass man seine Gefühle nur mit demjenigen teilt dem man vertraut.

Kommentar von MrMiles ,

Grundlage einer psychologischen Behandlung ist, dass man seine Gefühle mit dem Psychologen teilt.

Kommentar von Kitharea ,

Jo und welchen nimmt man da ? Wobei ich hier grad von Psychotherapeuten rede und nicht von Psychologen. Den Erstbesten? Jeden der da ist?
Niemand geht zu einem Therapeuten, dem er nicht voll vertraut. Zumindest nicht wenn es helfen soll...

Korrektur vom Satz oben: Grundlage der Psychologie ist nach wie vor, dass man seine Gefühle nur mit demjenigen Therapeuten teilt dem man vertraut.

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