Frage von Fragant1995, 153

In der Familie schwul sein zeigen?

Ich will aus meiner Sexualität nicht so einen Hype machen, aber totschweigen will ich es auch nicht. Zwar hatte ich ein positives Outing, aber meine Mutter und meine Schwestern scheinen es im Nachhinein so zu nehmen als hätte ich ihnen was ganz unwichtiges erzählt wie „Ich schaue gleich Fehrnsehn“ Es hat mir so eine Überwindung gekostet mich zu outen und was machen die: Ignorieren das mit dem Zaunpfahl, als hätte ich mich nie geoutet :(. Was kann ich tun, dass ich meine Homosexualität gegenüber meiner Familie zeigen kann ohne ignoriert zu werden (so wie es heterosexuelle auch machen)? Denn wenn meine Schwester über Typen spricht kommt. „Ist das dein Freund. Woher kennst du den? Ist der nicht in deiner Klasse? etc. etc.“ Würd ich das machen: „Ja ist ja schön.“

Manchmal hab ich auch das Gefühl das die mich nicht mehr als vollwertigern Mann sehen, aber das kann daher kommen, dass ich vielleicht ein bisschen die Klischees erfülle. Heute Abend z.B. (Es soll nur ein Beispiel sein): Es ging darum ob meine 16jährige Schwester einen Adventskalender möchte. Als ich sagte (ja ich weiß ich bin schon 21, soviel zu Klischees), dass ich auch gerne einen hätte, sagte meine Schwester ganz genervt und ablehnend: „Du brauchst keinen du bist erwachsen.“ HALLO ICH BIN TYPISCH SCHWUL!!! Die sehen leider nicht, das ich nicht so maskulin sondern eher feminin bin. Das stempeln mich immer als kindisch ab :(. Kann ich dagegen was tun?

Antwort
von MightBeDamian, 71

ich bleibe dabei, was ich in antworten auf deine früheren fragen schon mal gesagt habe: gib deiner familie noch ein bisschen zeit. sie müssen dein coming out wahrscheinlich noch verarbeiten. ein anfang ist gemacht, jetzt geht's dann schritt für schritt weiter.

um solche nachfragen, wie du sie erwartest, stellen zu können, ist die voraussetzung, dass deine familie dauerhaft aufm schirm hat, dass du schwul bist. da du dich erst vor kurzem geoutet hast, kann es sein, dass das noch sacken muss. bedenke, dass du auch ein paar jahre gebraucht hast, um rauszufinden, dass du schwul bist.

bei mir hat es auch ne zeit gedauert, bis sich das gesetzt hatte. selbst wenn es meine besten freunde und meine eltern sofort akzeptiert haben, war es doch ne umstellung für sie. bis dann mal bemerkungen kamen wie "oh, du erzaehlst haeufiger über diesen typen. geht da was?" hat es ein paar wochen oder monate gedauert.

ich weiß nicht, ob du inzwischen nochmal ausführlich mit deiner familie drüber gesprochen hast. wenn nicht, könnte ich mir vorstellen, dass das hilft. dann frag sie doch mal, ob ihr euch mal n stündchen in ruhe zusammensetzen könnt. dann kannst du es nochmal live sagen und kannst genau dieses thema ja auch ansprechen: dass du dir wünschen würdest, auch mal gefragt zu werden, ob das dein freund ist oder aehnliches.

Antwort
von 261201, 88

Dass du keinen großen Hype daraus machen willst finde ich super. Gibt ja ein paar die das machen. In deiner Frage hast du geschrieben dass deine Mutter und deine Schwestern sich so verhalten, als hättest du ihnen etwas unwichtiges erzählt. Aber vielleicht sehen deine Schwestern und deine Mutter es nicht als wichtig an, welche Sexualität du hast. Es kommt nur auf die Sichtweise an :). 

Dass die dich nicht mehr als richtigen Mann ansehen kann sein, muss aber nicht. Wenn du dich schon zu deinem Outing getraut hast kannst du ja eigentlich auch z.B. sagen, dass du etwas anders von Leuten behandelt werden möchtest. Ob sie dich dann anders behandeln ist dann was anderes, da du immer noch die selbe Person wie vor deinem Outing bist, und man sich nicht auf Grund seiner Sexualität eine anderen Behandlung wünschen kann. 

Ich bin zwar leider noch 14, aber ich würde mir wünschen, noch so wie vor meinem Outing behandelt zu werden. 

Alles was ich geschrieben habe ist nicht schlecht oder gar böse gemeint, man kann leider nicht so überzeugend schreiben. :D

Liebe Grüße :)

Antwort
von nai994, 21

Ich kann dich da voll und ganz verstehen. Du hast dich so lang mit dem Thema beschäftigt und dir so große Gedanken gemacht und auf einmal ist es ihnen "egal". Ich kann verstehen, dass du dir da mehr Beachtung gewünscht hättest, aber vielleicht war es auch deren Art zu zeigen, dass sie es akzeptieren, wenn du verstehst was ich meine. Im Grunde ist es doch was Gutes genauso wie vorher behandelt zu werden.

Bei mir war das z.B. nicht so. Glaub mir, es war genauso unschön als "Der Schwule" angesehen zu werden. 

Ich glaube die Eltern wissen manchmal nicht so recht wie sie reagieren sollen. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass sie dir damit wehtun wollten. Du kannst ja nochmal das Thema ansprechen und ihnen sagen, dass es dir wichtig ist. Ich kann das verstehen. Wie lange hab ich damit gekämpft und gebraucht um es mir einzugestehen? Ich finde wenn man schon selbst Zeit braucht um damit vollständig klar zu kommen ist es nur natürlich, dass die Familie es auch braucht. 

Du hast ja gesagt, dass sie nicht darauf eingehen wenn du mal von Jemandem erzählst, aber ich glaube das wird noch. Spätestens wenn du mal Jemanden mit nach Hause bringst. Als ich damals angefangen hab über meinen damaligen Freund zu sprechen war das genauso. Meinen Eltern war es sichtlich unangenehm. Als sie ihn dann langsam kennengelernt haben wurden sie immer offener was das anging und haben auch mal angefangen Fragen zu stellen. Das wird sich bei euch auch legen denke ich.

An deine Stelle würde ich erstmal abwarten. 

Antwort
von Solenostemon, 43

Adventskalender für Erwachsene sind immer mehr im kommen, zb den von Playboy, Amorelie, Man`s Health, Feine Pralinen mit Alkohol von Lindt,...

Sag doch wenn ihr TV seht einfach mal: Man sieht der Typ heiß aus <3

Antwort
von Mika01235, 33

Lass das das Problem von den anderen sein dass du es bist - bei mir war es dass meine Familie es sehr schnell erfuhr,als ein Bekannter mich mit meinem Freund im Schwimmbad sah - der erzählte es dann den ganzen anderen weiter.

Vorteil? Ich habe nie ausleben müssen,wie ich selbst denen vorhalten hätte müssen,dass ich "gleichwertig" bin und immer noch die gleiche Person bin . Ich habe es den Leuten selbst überlassen was sie denken. 

Auf Deutsch: Lass dir nicht einreden,dass du wegen deiner Sexualität eine andere Person wärst.Das ist ja schlichtweg falsch.

 Diese Reaktion deiner Schwester ist allerdings üblich, ich reagierte gleich als ein Bruder >18 war und trotzdem einen wollte. Es hat nichts mit feminin sein zu tun, sondern "kindisch sein".

Und dieses Kindisch-sein ist es,was nicht verloren geht. Und das ist auch gut so. Lass dich nicht hängen,du schaffst das))

Antwort
von minicooop, 86

Das einer Schwul ist heißt nicht dass er weniger männlich sein muss, du bist halt wie du bist. Außerdem ist deine Schwester immer so? Bzw. Hat sie sich genau so verhalten als sie dachte du wärst hetero? Wenn dass so ist dann würde ich ihr einfach desinteresse vorwerfen.

Kommentar von Fragant1995 ,

Ja sie hat sich genauso verhalten...

Antwort
von misskenichi, 86

Ich verstehe nicht ganz was du dir von deinen Eltern erhoffst. Sollen sie dir jeden Tag sagen wie schön sie es finden das du dich bei ihnen geoutet hast. So wie du deine Eltern oben beschrieben hast, das sie es kaum interessiert etc..so was erhoffen sich viele ungeoutete, das nach dem Outing alles ganz normal so weiter läuft wie es eh und je war. 

Kommentar von Fragant1995 ,

Um Gottes willen, das erhoffte ich mir nicht, doch es wirkt so als wenn sie mir sagen wollen: Red aber bloß nicht darüber. 

Es soll ja nicht ständig Thema sein, aber es muss doch möglich sein Dinge zu sagen wie: „Oh der Typ sieht gut aus. / Ich liebe solche Männer die ... / Hey ich hab einen anderen Schwulen kennengelernt etc. etc.“ halt so Sprüche die sich spontan ergeben. 

Kommentar von misskenichi ,

Ich weis schon wie du das meinst aber ich finde deine Eltern haben dir gezeigt wie sie dazu stehen und nachträglich immer wieder nachharken könnte die Sache verschlimmern im Sinne von Streit oder anderen Diskussionen. Akzeptiere es am besten so wie es ist, auch wenn es für dich nicht wie erhofft kommen wird. Vielleicht brauchen sie auch einfach noch etwas Zeit....

Kommentar von Fragant1995 ,

Aber ich fühl mich so eingeengt wie: Sei schwul in deinem Zimmer...

Antwort
von MuseMelpomene, 73

1.) Ich kann mich auch nur anschließen... Gib deiner Familie Zeit!!! Ich weiß, dass das echt nicht einfach ist und man manchmal das Gefühl bekommt "die werden's nie begreifen". Und ich weiß auch, wie sehr das manchmal verletzen kann! Aber du hattest viel Zeit, dich mit deiner sexuellen Orientierung auseinander zu setzen. Gibt ihnen die Zeit, sich daran zu gewöhnen!

2.) Wenn du ihnen ein bisschen Zeit gelassen hast (wie war das mit den 3 Wochen??? ;) ), sprech das Thema ganz dezent immer wieder mal an und gib ihnen dezent immer wieder Anlässe, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Wenn du irgend einen guten Artikel dazu findest, leg ihn deiner Familie hin und sprich mit ihnen drüber. Wenn gerade in der Politik wieder mal was zur Öffnung der Ehe diskutiert wird, sprich es am Esstisch an. "Zwing" sie immer wieder dazu, sich damit auseinander zu setzen und sich Gedanken über das Thema zu machen - vielleicht erst mal abstrakter mit irgendwelchen politischen Themen, Filme, über die ihr sprechen könnt (wenn ein guter Film im Fernsehen oder im Kino... läuft, sag deiner Familie, dass du dich freuen würdest, mit ihnen in den Film zu gehen). Und irgendwann wird es dann auch selbstverständlicher, wenn du ihnen sagst, dass du diesen und jenen im Film heiß fandest, dass du deinen Mitschüler toll findest oder wen auch immer! :) Du hattest selbst die Zeit, dich Stück für Stück damit auseinander zu setzen. Gibt ihnen zum einen die Zeit, aber zum anderen auch die Anlässe dazu, sich Stück für Stück mit dem Thema auseinander zu setzen.

Das kann lange dauern, aber letztendlich klappen. :D - das sagt zumindest meine eigene Erfahrung mit meiner Familie bzw. vor allem meiner Mutter, die anfangs (ähm.... vor 12 Jahren) mir ständig einreden wollte, das wäre Quatsch, ich wäre nur verwirrt und das glaube sie mir nicht, dass ich lesbisch bin... mich ständig mit irgendwelchen Typen aus der Nachbarschaft verkuppeln wollte... und sich jetzt drauf freut, meine Freundin kennen zu lernen. ;)

Deine Familie wirkt da lange nicht so hartnäckig. :D Ich gehe also nicht davon aus, dass sie 12 Jahre brauchen um es komplett zu akzeptieren. ;)

Also, seh es nicht so negativ! Der Anfang ist geschafft! Und du hattest Zeit, dich mit dem Thema auseinander zu setzen. Andere aus deiner Familie brauchen sie vielleicht auch. Und das heißt nicht, dass du dich in deinem Zimmer verstecken und nicht mehr über deine sexuelle Orientierung sprechen sollst - nur mit Zeit und häppchenweise ist einfach geschickter. ;)

Viel Erfolg dabei!!! :)

Antwort
von NebenwirkungTod, 69

Du verstehst da wohl selbst was unter Schwul nicht ganz.

Ausserdem istves dich schön das sies ignorieren, heisst für sie bist du genau so ein Mensch wie jeder andere

Kommentar von Fragant1995 ,

Ich sag ja extra KLISCHEE. Dann beschreiben wir es halt anders: Ich will nicht 100% maskulin gesehen werden bzw. gewünscht werden und mein schwul sein (wie heterosexuelle Söhne und Töchter) auch zeigen können. Ich bin halt mind. 45% feminin. 

Kommentar von NebenwirkungTod ,

Dann sei einfach so! Du musst keinem um Erlaubnis fragen, seinsonund sie werden es verstehen

Kommentar von Fragant1995 ,

Das tun sie ja nicht. 

Antwort
von xSimonx3, 86

Naja, ich denke, dass deine Eltern denken, dass es für dich besser ist, wenn sie es ganz normal behandeln. 

Kommentar von Fragant1995 ,

Ja aber "Normal" heißt in diesem Falle doch nicht „schweigen“!

Kommentar von xSimonx3 ,

Doch. Nur weil du schwul bist, bist du nicht wichtiger oder anders als alle anderen. 

Kommentar von Fragant1995 ,

Ja aber jeder darf spontan über was heterosexuelles sprechen und ich muss stillschweigend da sitzen? Never!

Kommentar von Fragant1995 ,

Da kann ich mich ja gleich in mein Zimmer verstecken ):(

Kommentar von Zicke52 ,

@Fragrant: Hat deine Familie von dir verlangt, dass du stillschweigend dasitzt? Davon steht nichts in deiner Frage.

Antwort
von laleley, 56

Was erwartest du jetzt genau von deiner Familie? Sie haben es akzeptiert und gut ist und es ist doch keine grosse sache oder? Sollen sie dir jeden tag zeigen das sie es wissen. Ist doch gut das sie dich wie vorher behandeln und nicht komisch zu dir sind.

Kommentar von Fragant1995 ,

Ja aber jeder in der Familie darf offen heterosexuell sein und ich soll (so fühl ich mich zumindest) schweigend da sitzen. Langsam habe ich das Gefühl, dass die es doch nicht sein darf.... :(

Kommentar von laleley ,

Aso.
Ich denke für deine Eltern ist die Situation neu und haben sich bestimmt nicht gedacht das du mal schwul wirst. Ich denke sie müssen sich daran mehr gewöhnen aber wenns dich stört rede mal mit ihnen darüber

Antwort
von BiggerMama, 68

Es wird niemandem in die Wiege gelegt zu wissen, wie man mit einer solchen Information als Familienmitglied umgeht. Sei nachsichtig! Sie wollten jedenfalls nicht, dass Du Dich abgelehnt fühlst.

Das mit dem Adventskalender würde ich gar nicht auf Dein Schwulsein beziehen. Ich kenne sehr erwachsene Männer (weit über 30), die sich sehr gern von einem Adventskalender "beglücken" lassen.

Antwort
von Zicke52, 14

Das ist ja mal eine verkehrte Welt.

Da hat deine Familie genau die Reaktion, von der die allermeisten Schwulen träumen (nicht nur deine Schwestern - Jugendliche sind da ja offener - sondern auch deine Mutter - wow!): nimmt dein Outing achselzuckend zur Kenntnis und geht zur Tagesordnung über. Irgendjemand hat mal gesagt: "Homosexuelle werden erst gleichberechtigt sein, wenn sich niemand mehr für ihre Sexualität interessiert". Recht hat er.

Und was tust du? Beschwerst dich, dass sie deine "Besonderheit" nicht zum Thema machen, nicht "darüber reden" (worüber eigentlich?), dich nicht als Homosexuellen "identifizieren" (?).

"Ich will aus meiner Sexualität nicht so einen Hype machen"

Warum tust du's dann?

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