Frage von KyleBroflovski, 142

in der DDR wurde von der SED vieles verboten, kennt ihr fälle in denen die Bürger es trotzdem geschafft haben das zu machen was sie wollten?

BEISPIEL : westfernsehen war ja verboten, mit langen antennen haben es manchen trotzdem geschafft westfernsehen zu empfangen .

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von barfussjim, 85

Man musste sich wohl im Privaten seine Freiräume schaffen. Gegen Ende der DDR gab es ja zunächst Umwelt- und kurz darauf Bürgerrechtsbewegungen, die in die Montagsdemos mündeten und die DDR schließlich zu Fall brachten. Das war selbstverständlich die größte emanzipatorische Leistung der DDR-bürger.

Aber schon in den Jahren zuvor existierten viele Unangepasste, z. B. FKK und Wildwest-Fans, Gothics, Punks und Rocker, die zwar von der Staatssicherheit überwacht wurden, aber letztlich geduldet werden mussten und ihre Subkultur, mit allem, was dazu gehört, betreiben konnten.

Auch einzelne kreative Kleinunternehmer, die von der Staatsführung geduldet wurden, z. B. Modedesigner, Gastronomen für fremdländische Küche (in Suhl wurde tatsächlich ein Sushi-Restaurant betrieben) u. a. brachten gelegentlich Abwechslung in den sozialistischen Alltag. 

Und auch durch selbst organisierten Urlaub mit Zelten und wildem Camper, verwirklichten sich Viele ein Stück persönliche Freiheit.

Google die Themen, zu jedem Einzelnen, gibt es Literatur und Internetquellen.

Kommentar von barfussjim ,

Nur ein Beispiel von vielen:

Die "Wildwest"-Szene

http://m.spiegel.de/einestages/a-947165.html

Kommentar von Karl37 ,

Der Waffenschmied in Suhl war in der Tat weit über die DDR Grenzen bekannt und selbst Japaner bezeichneten es als das beste Sushi-Restaurant außerhalb Japan. Mich hat es gewundert wie die an den sehr teuren roten Thunfisch gelangen konnten.

Kommentar von KyleBroflovski ,

wonach müsste ich denn googlen um konkrete quellen zu finden ? :/

Kommentar von barfussjim ,

Danke für den Stern, nicht immer muss die Antwort, die die meisten "Pfeile nach oben" bekommen hat, auch die beste sein ;-)

Google doch einfach den Suchbegriff "DDR" wahlweise in Kombination mit den Begriffen Umweltbewegung, Bürgerrechtler, Wildwest, Punk, Gothic, Rocker, Sushi, Modedesign, Urlaub, Zelten, Camping etc.

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte & Politik, 77

Westfernsehen war verboten? Bist du dir sicher?

Nein, lieber KyleBroflovski, Westfernsehen war nicht verboten.

Es war in den der DDR unerwünscht und man versuchte das gerade in den ersten Jahren der DDR einzudämmen, aber verboten war es nie. Später ab den 70er Jahren hat das keinen mehr interessiert.

Wenn bei uns früher der Fernsehmonteur kam - bei den alten Röhrenfernsehern musste früher öfter mal ein Monteur kommen, der die Geräte reparierte, wenn eine Röhre durchgebrannt war - hat der ohne zu fragen alle Sender incl. der Westsender eingestellt.

Lediglich die Angehörigen von Polizei, Armee und MfS mussten eine Selbstverpflichtung unterschreiben, kein Westfernsehen zu gucken oder Westradion zu hören. Aber auch da hat sich kaum jemand dran gehalten, man sprach nur nicht drüber.

Ansonsten waren in den Betrieben, in den Schulen und anderswo, wo die Menschen arbeiteten und lebten auch die Sendungen des Westfernsehen Gesprächsstoff.

Verboten war es z. B. Alkohol und Tabakwaren an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu verkaufen. Daran hielten sich nicht aller Verkäufer.

Kommentar von Homunculus ,

Das ist schon interessant, die bisher einzige korrekte Antwort bekommt einen Pfeil nach unten.

:-D

Kommentar von ilknau ,

Macht nischt - Ausgleich, :-)

Kommentar von barfussjim ,

Ich sehe 12 Pfeile nach oben, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht sind - für eine Antwort, die auf die eigentliche Frage gar nicht eingeht. Die DDR- und Russland- Connection scheint mir hier eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein ;)

Kommentar von PeVau ,

Dafür, dass deine Antwort nun überhaupt nicht auf die Frage eingeht, tönst du ziemlich laut.

Die Frage war nach Verboten und als Beispiel wurde etwas gebracht, was kein Verbot war. Darauf habe ich geantwortet und dem Fragesteller die Möglichkeit gegeben, etwas zu lernen, was er von dir offensichtlich nicht hätte lernen können.

Von dem, was du in deiner Antwort geschildert hast, war nichts verboten. Und bei FKK liegst du sogar völlig daneben, das war noch nicht einmal unerwünscht oder verpönt.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Jim, PeVau hat interessierte Leser, die wissen, dass er nichts Dummes schreiben würde und dass - im Gegenteil - viele seiner Hinweise einfach so lesens- und wissenswert sind, dass es sich immer lohnt, "mal reinzuschauen". So zumindest geht es mir. Ich  finde dabei manchmal sogar Beiträge von ihm gut, die meine Überzeugungsgrenzen etwa bezüglich Putin nicht unwesentlich überschreiten: So bedenkenswert finde ich es, wie PeVau hier einem Wissen Ausdruck gibt, dass vielen GF-Lesern sonst nie begegnen würde. Zugleich hat er auf diese Art auch Leser, die sich von ihm "stimmgebend" vertreten fühlen und es vielleicht "nicht so prägnant" selber hätten sagen können oder wollen.

Gez.: Einer der zwölf Pfeile nach oben

Antwort
von steefi, 77

Sehr viele DDR Büger sahen West-Fernsehen, das war auch nicht sonderlich schwer, da der Westen große Sender in der Nähe der Grenze betrieb. Allein die Menschen um Dresden hatten das Pech, daß sie in einem geologischen Tal wohnten und deswegen keine West-Sender empfangen konnten.

Kommentar von tanztrainer1 ,

Das war das Tal der Ahnungslosen, aber nicht nur um Dresden war es so, sondern auch in Teilen von Vorpommern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tal_der_Ahnungslosen

Kommentar von tanztrainer1 ,

Meine Freundin, die aus Dresden stammt, nennt es immer "Das Tal der Tränen".

Antwort
von voayager, 50

Ähnlich wie hier auch, wo Vieles verboten ist und dennoch gemacht wird. Also schau dich nur mal um.

Kommentar von steefi ,

mit dem Unterschied, daß hier versucht wird, die Menscheirecht einzuhalten.

Kommentar von voayager ,

ja-ja, versucht halt nur und zudem besagt das herzlich wenig über die Alltagssauereien des Staates, egal ob abstrakte Menschenrechte postuliert werden oder diese unterbleiben.

Antwort
von ZIzIZakg, 59

Leuten aus meiner Familie haben zum Beispiel oft Westfernsehen geschaut (wie weiß ich jetzt nicht) oder sich von Verwandten aus dem Westen Sachen rein bringen lassen. Das waren Sachen wie Kiwis, Kaugummi, Kleidung usw.

Antwort
von tanztrainer1, 28

Wir bekamen einen neuen Schüler in die Klasse, das war so um1969/1970.

Seinen Eltern und ihm war gelungen mit einem Schlauchboot über die Ostsee abzuhauen! Er hat immer wieder mal erzählt, wie sie sich darauf vorbereitet hatten - echt spannend!

Und es gab immer wieder welche, die sich Tunnels gruben unter der Grenze in Berlin durch.

Oder diese Flucht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ballonflucht


Einige der spektatulärsten Fluchten wurden ja verfilmt!

Antwort
von JoachimWalter, 33

Westfernsehen war nicht verboten, ich hatte nur sehr schlechten Empfang da kurz vor Polen.

Und gemacht haben wir eh das was wir wollten. Man mußte nur wissen, wie...

Kommentar von KyleBroflovski ,

das WIE , ist ja Auch meine Frage

Kommentar von JoachimWalter ,

Die Wege waren da unterschiedlich. Da mußte man schon bissel überlegen und abwägen, was machbar ist.

Eine Wohnung zu bekommen jungverheiratet, schwierig. Einen Tag Urlaub genommen und nach Berlin gefahren, zur Eingabestelle (oder wie das hieß) beim Staatsrat. Zwei Wochen später Wohnungen angeschaut.

Die Zarte hat die Arbeitsstelle gewechselt, eigenmächtig. Da sollte uns der Krippenplatz gestrichen werden. Also hab ich schon mal vorsorglich und formell beim Rat der Stadt Arbeitslosengeld beantragt. Der Krippenplatz blieb und der Arbeitsstellenwechsel auch.

Meine Akte bei der Stasi wurde nicht gefunden, nur die Karteikarte.

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