Frage von burggraben, 160

In den letzten 3 Monaten ohne Krankenversicherung studieren?

Guten morgen!

Ich fliege ab 01. Oktober aus der studentischen gesetzlichen Krankenversicherung, weil ich dann insgesamt im 15. Semester bin. Da ich jedoch ab 01. Januar 2017 eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle antreten, blieben insgesamt nur 3 Monate zu überbrücken. Dazu müsste ich eine freiwillige Versicherung abschließen, die jedoch rund 150 Euro im Monat kosten würde.

Da ich aber eh fast nie zum Arzt gehe und bisher eigentlich alles an Krankheiten mit Kamillentee und Hühnerbrühe überwinden konnte, könnte ich doch einfach die letzten drei Monate unversichert bleiben, oder? Was haltet ihr davon?

Antwort
von kevin1905, 35

Was haltet ihr davon?

Gar nichts, weil es rechtlich nicht möglich ist.

Es ist nicht erlaubt ohne Krankenversicherungsschutz zu sein.

Wenn Pflichtversicherung endet und es wird nicht innerhalb eines Monats (§ 19 Abs. 2 SGB V) erneut eine Pflichtversicherung eingegangen, bzw. ein Anspruch auf Familienversicherung besteht, dann wirst du automatisch freiwilliges Mitglied, ob du willst oder nicht (§ 188 Abs. 4 SGB V).

Es sei denn du weist den Abschluss einer privaten Krankenvollversicherung nach (kannst du nicht)

Die Kasse wird die Beiträge per Bescheid festsetzen und nach 30 Tagen ohne Widerspruch (der dem Grunde nach keine Aussicht auf Erfolg hat) oder Zahlung ist der Bescheid bestandskräftig und wird zwangsvollstreckt.

Somit landen Teile deines ersten Gehalts dank Pfändung nicht bei dir.

Expertenantwort
von Ansegisel, Community-Experte für Studium, 42

Wenn wir mal von der hier schon erwähnten Versicherungspflicht absehen, halte ich das für überhaupt keine gute Idee.

150€ im Monat erscheinen dir vielleicht viel, wenn du gerade aus dem Studium kommst, aber mit einer Vollzeitstelle in Aussicht ist das durchaus zu stemmen.

Wenn dir in dieser Zeit wirklich etwas zustoßen sollte - was du ja leider nicht in der Hand hast - und du umfassendere Hilfe benötigst, dann kannst du von den 150€ wahrscheinlich nicht mal eine Stunde lang dein Bett im Krankenhaus bezahlen.

Also, 150€ sind machbar und insgesamt 450€ sind eine überschaubare Summe. Das Risiko, dem du dich gesundheitlich und finanziell aussetzt, ist ohne Versicherung hingegen unkalkulierbar.

Kommentar von burggraben ,

Und was meinst du zu einer private Versicherung mit Selbstbehalt? Die bekäme ich für rund 70 Euro im Monat und ich bekomme 1/4 des Beitrages wieder zurück, wenn ich wieder mit der Anstellung in die GKV komme.

Kommentar von Ansegisel ,

Das ist jetzt natürlich eine Ermessensfrage, je nachdem, wie hoch der Selbstbehalt ist und wieviel Geld du ausgeben kannst und willst. Ich würde aber mal schätzen, dass der Selbstbehalt deutlich die 240€ übersteigt, die du auf diesem Wege gegenüber der GKV sparst.

Ich bin bei sowas aber etwas konservativ und risikoscheu und würde immer die risikoärmere Variante wählen, auch wenn sie teurer ist. Außerdem geht es ja nur um drei Monate.

Kommentar von burggraben ,

Ich habe ja nur Bedenken, wenn etwas sehr unwahrscheinliches, aber sehr teures daherkommt. Also irgendeine hochkomplizierte Fraktur durch einen mit verschuldeten Verkehrsunfall oder ein Blinddarmdurchbruch mit wochenlangem Aufenthalt in der Intensivstation und anschließend Reha. Dann wären die 480 Selbstbeteiligung absolut harmlos, da ich ja nicht jahrelang die sechsstelligen Behandlungskosten zahlen muss. Aber wenn beides je 100k kostet und in 3 Monaten mit 1/50000 wahrscheinlich sein dürfte, betrüge der erwartete Schaden nur ein Bruchteil der reduzierten Beiträge. Zumindest wäre die Risikoverteilung durch den Selbstbehalt weniger gestreut, was  mir mehr zusagen würde. Dass ich die 480 Euro beanspruchen muss wäre sicher <1% und ich spare 240 Euro.

Kommentar von Ansegisel ,

Es ist natürlich deine Entscheidung. Ich sehe angesichts der niedrigen Versicherung-Beträge und der kurzen Dauer aber eigentlich gar keinen Anlass, aus finanziellen Gründen irgendein Restrisiko bestehen zu lassen.

Aber das ist natürlich nur meine Sichtweise, letztlich musst du die Abwägungen fü dich vornehmen.

Kommentar von kevin1905 ,

Und was meinst du zu einer private Versicherung mit Selbstbehalt?

Ich sage dir das als Versicherungsmakler:

Wirst du schwerlich bekommen. Du bist für die Versicherung wirtschaftlich nicht interessant aus zweierlei Gründen

  1. Du hast aktuell im Grunde kein Einkommen. Wenn du einfach den Beitrag nicht zahlst, hat die PKV es schwer diese zu vollstrecken.
  2. Da du nur gedenkst 3 Monate da zu bleiben, rechnen sich die Beiträge für den Versicherer nicht.

Beitragsrückerstattung gibt es nur wenn du ganzjährig versichert warst und keine Leistungen zur Abrechnung eingereicht hast.

Antwort
von FordPrefect, 25

Du kannst zwar 3 Monate lang alle Schreiben der Versicherung ignorieren, aber spätestens mit der Aufnahme der SV-pflichtigen Beschäftigung fällt das auf. Das Mitglied muss nämlich von der letzten KK die entsprechende Versicherungsbescheinigung vorlegen - und wenn es hier eine Lücke von 3 Monaten gibt, wird die NN diese Beiträge nachfordern, und zwar gggfs. bis zum Höchstsatz der GKV (das wären rd. € 700.--/mtl). Dazu ist sie gesetzliich verpflichtet. Also lieber gleich die € 150.--/mtl. bezahlen und gut.


Antwort
von eulig, 21

die Zeiten ohne Versicherungsschutz zu sein, sind seit 2007 vorbei. es wurde eine Versicherungspflicht eingeführt.

wenn du dich um die Freiwillige Versicherung nicht kümmerst, ist die Krankenkasse dazu verpflichtet eine sogenannte Obligatorische Anschlussversicherung für dich herzustellen und die Beiträge dafür zu erheben. dafür benötigt die Krankenkasse keine Willenserklärung von dir.

wenn du dann weiter nicht reagierst, ist die Krankenkasse per Gesetz dazu verpflichtet, dich in die Höchststufe zu nehmen. das kostet dann nicht mehr nur ca. 170 Euro, sondern weitweit mehr. dann noch Mahngebühren und Säumniszuschläge die jeden Monat dazu kommen.

im Eintreiben von Beitragsrückständen sind die Kassen übrigens sehr schnell. der Gerichtsvollzieher (bzw. das Hauptzollamt) steht dann schon bald bei dir auf der Matte. zudem ruhen dann auch deine Leistungsansprüche gegenüber der Krankenkasse. undzwar so lange wie die Beitragsrückstände bestehen.

Antwort
von MiaMaraLara, 10

Du darfst nicht nicht versichert sein. Das ist durch das Gesetz geregelt. Und du wirst auch nicht dazu kommen. Sprich deine Krankenkasse wird dich sowieso weiterversichern. Nur wenn du dich nicht meldest nicht mit ca. 170 sondern über 700 Euro im Monat.

Antwort
von Paguangare, 37

In Deutschland geht es nicht, dass man als Mensch ohne Krankenversicherung existiert. Es gibt eine Versicherungspflicht! also musst du wohl oder übel eine Krankenversicherung abschließen und bezahlen.

Und schließlich könntest du doch auch ernsthaft und sehr schwer erkranken. Das kann man in keinem Lebensalter ausschließen. Möchtest du dann bis zu deinem Lebensende auf den Behandlungskosten, z.B. im Falle einer sehr teuren Operation, sitzenbleiben?

Kommentar von burggraben ,

Es geht schon, dass ich ohne KV existiere. Ich muss nur nicht auf das Schreiben meiner GKV reagieren. Dann buchen die keine Beiträge mehr ab Oktober ab und ich bin unversichert. Oder kommt da einer von der GKV und ich werde unter polizeilicher Aufsicht zum Abschluss gezwungen? Wie sonst lässt es sich erklären, dass zigtausende Selbstständige, Künstler und Studenten unversichert sind?

Kommentar von Paguangare ,

Klar, rein physisch kann man ohne KV existieren, aber das ist dann ungesetzlich (siehe die anderen Antworten). Und zigtausende Unversicherte sind es vermutlich nicht.

Kommentar von FordPrefect ,

Es geht schon, dass ich ohne KV existiere.

Nein.

Dann buchen die keine Beiträge mehr ab Oktober ab und ich bin unversichert.

Nein. Du bist weiterhin versichert, aber Beitragsschuldner.

Oder kommt da einer von der GKV und ich werde unter polizeilicher Aufsicht zum Abschluss gezwungen?

Der Fortbestand der letzten Versicherung tritt von Gesetz wegen automatisch in Kraft. § 188 Abs. 4 SGB V.

Wie sonst lässt es sich erklären, dass zigtausende Selbstständige, Künstler und Studenten unversichert sind?

Das ist eine Fehlinterpretation der Gesetzeslage. Der genannte Personenkreis ist sehr wohl versichert, hat aber Schulden bei der KK, und daher ruhen deren Leistungen.

Kommentar von Paguangare ,

Das heißt also, die einzige Möglichkeit, nicht krankenversichert zu sein und in Deutschland zu leben ist die, dass man mindestens seit 2009 in keiner Krankenversicherung als Versicherungsnehmer registriert war und dass man sich ohne behördliche Meldung ("illegal") oder als Tourist in Deutschland aufhält?

Kommentar von FordPrefect ,

dass man mindestens seit 2009 in keiner Krankenversicherung als Versicherungsnehmer registriert war

Nicht mal dann. Durch die Einführung der KV-Pflicht 2007 sind auch diejenigen dem Grundsatz nach wieder versichert, die bereits vor 2007 keiner KV mehr angehörten. Allerdings muss sich dieser Personenkreis selbsttätig bei der letzten Versicherung melden, und die aufgelaufenen Beiträge nacherstatten. Und genau deswegen ziehen es viele vor, das nicht zu tun. Die zuständige KK selbst kann ohne aktive Mitarbeit der Betroffenen nicht wissen, wer seither keine neue Versicherung abgeschlossen hat; ein Zentralregister der gemeldeten Mitglieder gibt es nicht.

und dass man sich ohne behördliche Meldung ("illegal") oder als Tourist in Deutschland aufhält?

Das ja. Nur wer sich offiziell abmeldet, weil er D dauerhaft verlässt, kann tatsächlich vorübergehend legal ohne KV in D sein.

Kommentar von Paguangare ,

Gesetze sind manchmal sehr seltsam. Wenn man so viele Jahre keinen Kontakt zu einer KV hatte, und demzufolge ja auch keine Leistungen bekommen hatte, warum sollte man dann für die ganzen Jahre viele Tausend Euro zu zahlen bereit sein?

Kommentar von FordPrefect ,

Nicht falsch verstehen - die Zahlpflicht tritt in diesem Fall erst ein ab dem Zeitpunkt, an dem der Versicherte rückwirkend kraft Gesetz wieder Mitglied wurde. Das war - ja nach Falllage - entweder der 1.1.2007 oder der 1.1.2009. Und ab diesem Zeitpunkt bestand auch Versicherungsschutz (nur ggfs. ruhend und somit im Leistungsspektrum begrenzt). Ob dieser Schutz in Anspruch genommen wurde oder nicht, war Sache des Versicherten.

und demzufolge ja auch keine Leistungen bekommen hatte, warum sollte man dann für die ganzen Jahre viele Tausend Euro zu zahlen bereit sein?

Es ist Sinn und Zweck jeder Versicherung, für die jeweiligen Schadens- oder Haftungsfälle Deckung zu bieten - ob man sie nun braucht oder nicht. Die Beiträge sind natürlich trotzdem zu zahlen - b nun informiert über die geänderte Gesetzeslage oder nicht. Wer sich (als Selbstständiger!) um seine eigenen Angelegenheiten nicht kümmert, kann hier keine Solidarität der Versicherten oder Kulanz einfordern, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Antwort
von Feuerhexe2015, 38

Mach dir das Leben nicht so schwer, frag deinen Minijob -AG ob er dir eine Lohnerhöhung um 1 € gibt und darüber bist du dann krankenversichert, hast zwar auch Abzüge aber das Thema ist für die 3 Monate erledigt.

Und wie willst du das im Jan. regeln? Dich bei einer neuen gesetztlichen Krankenversicherung versichern? Dann wollen die eine Bescheinigung vom Vorversicherer. Kündigen beim alten geht auch nicht, die wollen dann um die Bescheinigung auszustellen den Nachweis wo du versichert warst.

Egal was du machst man wird die 3 Monate dann nachfordern, wenn du keine private KV hattest!

Antwort
von wfwbinder, 38

Das wird nicht gehen, weil wir inzwischen in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht haben.

Du kannst Deine bisherige Versicherung nur kündigen, wenn Du eine neue Versicherung nachweist.

Kommentar von burggraben ,

Die gesetzliche Versicherung hat mir aber geschrieben, dass die studentische GKV endet und ich eine freiwillige abschließen müsste. Also ist es doch nicht verpflichtend in meinem Fall versichert zu sein, oder? Sicher gibt es ja ausnahmen zur allgemeinen Versicherungspflicht.


Kommentar von azmd108 ,

Kurz: Nein. Die Ausnahmen gelten per se nicht für Studenten, sondern vorrangig nur für Asylbewerber und Menschen, die Leistung nach dem dritten, vierten, sechsten oder siebten Kapitel des Zwölften Buchs Sozialgesetzbuch erhalten.

Erhälst du entsprechende Leistung, bist du befreit, ansonsten nicht.

Kommentar von burggraben ,

Auch nicht nach dem 14. Semester, wo die Versicherungspflicht endet?

Kommentar von azmd108 ,

Wie gesagt, hat das nichts damit zu tun, ob du Student bist. Du bist nur befreit, wenn du entsprechende Leistungen erhälst. Erhälst du irgendwelche Leistungen? Wenn nicht, dann bist du auch nicht befreit.

->https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/sgb\_12/gesamt.pdf

Kommentar von wfwbinder ,

Übrigens hat @azmd108 ein sehr gutes Stichwort gegeben. "Leistungen" Wovon wirst Du denn die 3 Monate leben? Von Ersparnissen?

Kommentar von burggraben ,

Ich schreibe meine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen, wo ich eine aufwandsentschädigung bekomme (deswegen keine Verischerungspflicht für die GKV) und habe noch eine geringfügige Beschäftigung (durch die damit verbundene Pauschale von zweiterem AG habe ich jedoch keinen Anspruch auf KV-Leistungen).

Kommentar von wfwbinder ,

Aber durch die "Aufwandsentschädigung" hast Du Einkünfte aus selbständiger Arbeit, womit eine entsprechende (möglicher Weise geringerer Beitrag) bei der Krankenkasse möglich ist..

Antwort
von Denise142, 27

Hallo,
Jeder Mensch in Deutschland MUSS sich versichern lassen. Ich bin von Österreich nach Deutschland gezogen (Wegen meinem Freund) und natürlich hat meine bisherige österreichische Versicherung nicht mehr gegriffen und ich war somit "unversichert". Ich hab leider den gleichen Fehler gemacht und gedacht "die paar Monate bis ich Arbeit finde wird es schon nichts ausmachen..." Pustekuchen, ich musste die fast 4 Monate nachzahlen. Also ich würde es dir nicht empfehlen. :) lg

Antwort
von gnarr, 17

in deutschland gibt es eine versicherungspflicht. somit bist du verpflichtet dich krankenversichern zu lassen. tust du dies nicht, machst du schulden. wenn du also die letzten drei monate deines studiums nichts zahlst, dann wird irgendwann die rechnung kommen und man fordert die 150 euro pro monat von dir ein.

Antwort
von NochWasFrei, 17

"Freiwillig" bedeutet nicht, dass du dir aussuchen kannst nicht versichert zu sein. Eine Krankenversicherung zu haben ist PFLICHT in Deutschland.

Antwort
von azmd108, 26

Seit dem 1. Januar 2009 besteht gemäß § 193 III VVG die Allgemeine Krankenversicherungspflicht, demnach sich alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer gegen Krankheitskosten versichern müssen.

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