Frage von AnnaLena2501, 38

Im Religionsunterricht haben wir gerade das Thema Buddhismus.Wie würde ein Buddhist mit dem Thema Leid umgehen?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 17

Ich bin Buddhist und antworte dir daher gerne.

Der Buddhismus lehrt, dass die gesamte Existenz leidvoll ist und ich bin der Meinung dass diese Aussage auch richtig ist.

Ständig wollen wir Dinge erreichen, die wir nicht erhalten, oder wollen Dinge loslassen, die uns trotzdem verfolgen. Jede Form von Vorliebe oder Abneigung stellt also eine Art des Leidens dar.

  • Man will einen Partner - findet keinen - also leidet man
  • Man muss arbeiten - mag das nicht - also leidet man
  • Man will die Welt retten - kann es nicht - also leidet man
  • ....

Außerdem fügen wir durch unser Verhalten auch anderen Wesen Leid zu - häufig sogar ohne es zu bemerken. Beispielsweise führt extremes Konsumverhalten zu Umweltzerstörung und Sklavenarbeit.

Wir sind also ständigem Leiden unterworfen und zugleich auch verantwortlich für das Leiden, dass wir anderen Wesen verursachen.

Der Buddhismus lehrt, wie man mit diesem Leiden umgehen und es verringern kann. Wir können nicht alle Formen des Leidens sofort auslöschen, aber wir können lernen, in eine andere Beziehung zu diesem Leiden zu treten.

Jemand der zB im Rollstuhl sitzt, kann den ganzen Tag daran denken, wie schön sein Leben als gehender Mensch war und zusätzlich zur körperlichen Einschränkung (Leiden) kommt dann noch die negative Emotion (Leiden).

Wenn dieser Mensch sich aber stattdessen darauf konzentriert was er kann, beispielsweise, dass er als Rechtshänder nun auch seine linke Hand viel besser nutzen kann, ändert das nichts an der Situation, er sitzt immer noch im Rollstuhl - aber sein emotionales Leiden hat sich gewandelt.

Durch die fünf Sittlichkeitsgelübde (Panchasila) bekommt der Buddhist eine Orientierung, die ihm dabei hilft ein Leben zu führen, indem man möglichst wenig zur Ursache von Leiden wird.

Das vollständige Ende des Leidens wäre das endgültige Verlöschen im Nirvana, wobei das natürlich eine religiöse Vorstellung ist.

Das wars soweit, wenn du noch Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

Kommentar von AnnaLena2501 ,

Vielen Dank,

Das hat mir wirklich weitergeholfen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Kein Problem, ich helfe gerne, wenn ich kann. :-)

Antwort
von ArbeitsFreude, 5

Enzylexikon hat Dir das sehr gut beschrieben, liebe AnnaLena,

ergänzend würde ich noch erwähnen, dass es auf die genau buddhistische Ausrichtung ankommt, wie konkret mit Leid umgegangen wird.

Nichiren-Buddhisten bspw. versuchen, das Leid als eine Herausforderung zu sehen, an der sie wachsen können.

Das bedeutet:

Wenn es einen selbst betrifft: Nicht jammern, sondern das Leid angehen und tun was man tun kann, um es zu überwinden.

Wenn das Leid andere betrifft:

Sie dazu ermutigen und ihnen dabei helfen, mit ihrem Leid gut umzugehen und dies zu überwinden - Allerdings eben nicht im Sinne von "Samariter" oder "Mutter Theresa": Ich mach`das für Dich, sondern im Sinne von "Hilfe zur Selbsthilfe", damit der Mitmensch selbst wachsen kann (denn wenn ich ihm sein Leid abnehme oder seine Probleme für ihn löse, dann mache ich ihn klein und missachte die ihm innewohnende Buddhanatur...)

Antwort
von Alburnus, 12

Der Buddhist hat ein dualistisches Denken, d. h., er geht davon aus, dass es für alles Positive in der Welt, und auch in seinem persönlichen Leben, eine negative Entsprechung gibt, und für alles Negative eine positive Entsprechung. Also weicht er dem Leid nicht aus, sondern erduldet es, und versucht, durch Meditation sowohl dem Leid als auch der Freude gegenüber, immer gelassener und letztendlich sogar gleichgültig zu werden. Letzte Stufe dieser Gleichgültigkeit ist das Nirvana, ein Zustand der totalen Freiheit, in dem Alles und Nichts gleichzeitig integriert ist.

Kommentar von AaronMose3 ,

Der Buddhist hat ein dualistisches Denken

Das hat nicht nur der Buddhist. Das hat so gut wie jeder, der in einer Gesellschaft aufwächst die diese Denkweise voraussetzt. 

Kommentar von Alburnus ,

Was soll dieser Kommentar? Was trägt er konstruktiv zur Sache bei? - Ich wollte einer Schülerin den Buddhismus in wenigen Worten auf den Punkt bringen, und dies habe ich korrekt gemacht. - Falls ganze Gesellschaften wirklich eine dualistische Denkweise haben, wie Du meinst, dann sind sie vom Buddhismus oder ähnlichen asiatischen Religionen bzw. Philosophien stark beeinflusst, zumindest theoretisch. Ob die Menschen dann danach leben, statt nicht auch dem westlich-bürgerlichen Lebensideal Universitätsabschluss, Karriere, Ehe, Haus, Garten, zwei Kinder, zwei Autos, zwei Urlaube im Jahr, nachzueifern, ist eine ganz andere Frage. Wenn diese Gesellschaften nämlich wirklich dualistisch denkend wären, würden sie auf all das konsequenterweise verzichten, da nämlich nichts Wirkliches für sie dabei herausspringt, außer der späteren spirituellen Abarbeitung von Täuschungen. - Deswegen glaube ich, dass nur echte Buddhisten - von denen es nur sehr wenige geben dürfte - wirklich eine dualistische Denkweise haben. Und davon habe ich in meiner Antwort an die Schülerin gesprochen : )

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