Frage von modellhardy, 213

Im Gewölbekeller wird alles schimmlig?

Ich habe ein altes Haus (BJ 1902) gekauft. Mit einem Gewölbekeller. Der Keller ist hinten gestampfter Lehmboden, vorne Betonboden, ca. Halb halb. Jetzt wird alles was ich dort einlagere schimmlig. An den Stirnseiten ist jeweils ein Fenster zur Lüftung. Was läuft hier vekehrt?

Antwort
von Onki73, 119

Der Keller hat jede Menge Feuchte in den Wänden eingespeichert. Die damals verbauten Ziegelsteine haben ein Porenraum von über zwanzig Volumenprozent. Da kann sich jede Menge Wasser einspeichern. Pro Kubikmeter Mauerwerk also weit über 100l Wasser.

Die Feuchte in den Kellern kommt oftmals nicht, wie oft behauptet und geschrieben durch undichte Vertikal- und Horizontalabdichtungen. Die Feuchte kommt sehr oft durch Kondensatbildung aus der Raumluft vor allem bei kräftiger Belüftung im Sommer. Hier kühlt die warmfeuchte Sommerluft unter Steigerung der rel. Luftfeuchte vor der kalten Kellerwand aus und hinterlässt dort die erhöhte Feuchte oder auch Kondensat. Ab 70% rel. Luftfeuchte vor einer porösen Oberfläche bildet sich in den feinen Poren und Kapillaren flüssiges Wasser. Das reicht bereits aus, um den ersten Schimmelsporenarten das Auskeimen zu ermöglichen. Schimmel entsteht.

Um den Schimmel zu vermeiden sollten also vor Oberflächen niemals dauerhafte Luftfeuchtewerte von 70% und mehr anzutreffen sein.

Die Luftfeuchte im Oberflächenkontakt der Wand lässt sich aus der allgemeinen Raumluftfeuchte , der Temperatur in der Raummitte und der Oberflächentemperatur (IR-Thermometer verwenden) im Mollier-h-x-Diagramm ablesen.

Zur Kellertrocknung ist es wichtig, direkt die Wärme auf die Wandoberfläche zu bringen ohne das Raumluftvolumen vorher zu erwärmen. Das erreicht man z.B. mit viel Wärmestrahlung. Nur so erwärmt sich die Raumluft nachrangig an der wärmeren Wandoberfläche, was zu einer vergrößerten Wasserdampfaufnahmefähigkeit der Luft führt und die Wandoberfläche dadurch getrocknet wird.

Wird zuerst die Raumluft erwärmt, was bei heutiger Heiztechnik leider all zu oft der Fall ist, so wird die Wandoberfläche nachrangig über die warme Raumluft erwärmt, wobei sich die Raumluft abkühlt und die rel. Luftfeuchte nun im Oberflächenkontakt mit der kühleren Wand ansteigt. So werden Wände befeuchtet, der Dämmwert der Wände gesenkt und man bekommt Schimmelprobleme und hohe Heizkosten!

Man bekommt mittels der Temperierung (nach Großeschmidt) dauerhaft trockene Keller mit geringem Aufwand und für minimale Kosten.

Sollte es kein Eigentum sein, wo der Einbau einer Heizrohrschleife möglich ist, so muss mittels dem Mollier-h-x-Diagramm der Keller gelüftet werden. Im Diagramm liest man Feuchtewerte und Temperatur der Außenluft ab und bestimmt die rel. Luftfeuchte, wenn man diese Luft an die Kellerwandoberfläche läßt. Ist der Wert kleiner als 70% rel. Luftfeuchte so, sollte kräftig gelüftet werden, um den Keller trocken zu bekommen.

Antwort
von elektromeister, 91

Die "alten Handwerker" kennen noch ein Mittel dem Schimmel zu Leibe zu rücken.
Den gesamten Keller, also wirklich alle Oberflächen mit Kalkmilch streichen.

Dazu nimmt man gelöschten Kalk (Sackware nur in paar € teuer) und vermischt das mit Wasser, bis eine Streichfähige "Pampe" entsteht. Diese dann entweder auf Profiart mit einer Druckpumpe auf die Wände und Decken sprühen, oder mit einem großen Pinsel (zum Einkleistern) großzügig aufbringen. Die Kalkoberfläche tut dem Schimmel "gar nicht gut" und verringert die Porenlast erheblich.

Diese Maßnahme hat bei meinem Sandsteinkeller Bj 1711, Hanglage Diagonal, (2 Wände komplett in der Erde, die beiden anderen Wände stehen frei) gute Ergebnisse gebracht. Einziger Nachteil: das ist alle 3 - 4 Jahre zu wiederholen.

Falls diese Maßnahme nicht reichen sollte, bleibt Dir wahrscheinlich nur noch die Entfeuchtung übrig.

Hoffe es klappt auch bei Dir

Gruß Uli

Antwort
von Padri, 81

Hier läuft nichts verkehrt, denn alte Keller haben i.d.R. hohe Luftfeuchtigkeit. Falls es Fenster gibt, sollte man im Winter öfter lüften. Nicht im Sommer wenn es schwül ist! Lagern sollte man in alten Kellern nie Dinge, die schimmeln könnten, wie Möbel, Kartons u.a. Ideal sind solche Keller allerdings für Vorräte, Konserven, Kartoffeln...

Antwort
von Enwe13, 114

Nochmals hallo,

wenn man den Vorschlag, die Kellerwände zu heizen und auch überall, wo es nicht schimmeln soll, verwenden würde, dann müsste man ja alle Flächen im Keller und alle Sachen, die dort gelagert werden, erwärmen.

Da reichen 50 EUR pro Jahr an Heizkosten nicht aus, da würde ich schon eine Null dranhängen oder mehr!

Der Fragesteller schreibt ja, dass alles, was eingelagert wird, anfängt zu schimmeln.

Es ist hier noch ein sehr wichtiger Punkt vorhanden: Solange jederzeit durch die Öffnungen von außen beliebig Luft einströmen kann, wird die Außenluft zu bestimmten Zeiten entfeuchten und zu anderen Zeiten befeuchten! Meistens im Sommer wird die Außenluft wochenlang Feuchte hereinbringen. Wenn man dann die Kondensatbildung mit Heizen vermeiden wollte, dann müsste man im Sommer den Keller heizen. Da im Sommer die  Außenluft viel wärmer ist, müßte man auch den Keller gut heizen (auch wenn das Mollier-Diagramm verrät, dass die Temperatur noch etwas unter der warmen Sommerluft bleiben darf).

Verschließen Sie die Fensteröffnungen mit elektrisch steuerbaren Klappen! Und steuern Sie diese bedarfsgerecht mit einer "nicht teueren" Technik automatisch. Wenn Sie es per Hand versuchen, dann wird es aufwendig und sehr unsicher, denn selbst wenn Sie das Mollier-Diagramm kennen, müßten sie es auch sicher vollständig verstehen und dazu noch regelmäßig (am besten täglich) nachsehen und immer richtig reagieren (rechtzeitig Fenster öffnen und rechtzeitig wieder schließen, also mehrmals täglich das Mollier-Diagramm auslesen und auswerten).

Kein Mensch steuert heutzutage die Temperatur eines Raumes mehr per Hand (Stellrad am Heizkörper öffnen oder schließen, mehrmals pro Stunde), das macht eine Technik automatisch. Nur weil die (geeignete!) Technik nicht nur aus einem Hygrostat und Thermostat besteht, sondern einige Hundert EUR kostet, denken viele "das kann ja nicht sein" und machen so lange mit Versuchen weiter, bis der Schimmelschaden das 10-fache kostet wie die Technik.

Ich habe Bautenschutzfirmen befragt, die in der Werbung versprachen "mit diesem Putz oder Injektion usw. 100% Schutz gegen Schimmel", diese habe ich befragt, ob dann Lüften und Heizen egal wären. Alle von den Befragten sagten, nein, Lüften und Heizen müßten auch korrekt sein.

Bei Kellern würde ich nicht heizen, oder nur wenn es nicht anders geht. Aber immer automatisch geregelt, denn per Hand werden Sie es nicht schaffen.

Warum hier nur wenige wirklich ausführliche und gute Informationen vorkommen? Weil Fachleute Ihr Wissen nicht verschenken.

Aber die Technik kann es auch automatisch.

Viel Erfolg, jetzt muss ich weiter.

Tschüß

Antwort
von Enwe13, 86

Hallo, weiter unten schreibt jemand

(Zitat Anfang)

Da die rel. Luftfeuchte durch Erwärmung gesenkt wird (die Luft damit ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen, also ein größeres Trocknungsvermögen bekommt) und sich die Luft an einer wärmeren Wandoberfläche erwärmt, ist für die Trocknung der Kellerwände einzig und alleine eine wärme Wandoberfläche im Vergleich zur Raumlufttemperatur entscheidend.

(Zitat Ende)

Das "einzig und alleine" ist nicht richtig. Dies zeigt die Erfahrung.

Ich konnte schon viele Entfeuchtungen von Kellern mitverfolgen, wo die Wände nicht beheizt wurden und auch nicht die Luft.

Das Heizen ist einer von mehreren möglichen Wegen. Aber an die Heizkosten sollte man auch denken. Wenn man andere Faktoren übersieht, dann wird man den Schimmel noch züchten, denn er liebt es feucht und warm. Heizen allein transportiert die Feuchte nicht aus dem Raum.

Ich empfehle wie beim Heizen einer Wohnung, wo man es sicher und gleichbleibend warm haben will, die Ventile am Heizkörper nicht per Hand auf- und zuzudrehen, sondern eine Automatik zu verwenden.

Die automatische Regelung von Feuchte muss mehr können als die für eine Temperaturregelung. Deshalb bekommt man auch nicht so leicht eine wirklich geeignete Lösung.

Das Mollier-Diagramm richtig zu verstehen und dann auch noch in eine richtig wirksame Entfeuchtung umzusetzen, das haben schon mehr Leute versucht und waren überrascht, dass hier doch mehr dahintersteckt.

Ich stimme zu:

Man braucht nicht unbedingt eine teuere Technik oder ein Ing.büro oder einen Sachverständigen. Man muss nicht, aber es wäre eben doch sicherer.

Allerdings gibt es nicht viele, die wirklich etwas von der Sache verstehen, egal ob nun "Sachverständiger" oder nicht.

Ich weiß von einem Gewölbekeller in Hessen, der nach Verwendung einer Technik von mehreren Hundert EUR nun keine Probleme mehr hat. Und diese Technik kann mehr als viele "Sachverständige", weil sie immer vor Ort ist und automatisch regelt, was eben kein Mensch zu leisten imstande ist. Oder können Sie täglich sich mehrmals um den Keller kümmern? Jeder Wetterumschwung ändert die Situation. Und wir bemerken nicht jede Wetteränderung (Luftfeuchte, Temperatur, Temperaturunterschiede usw.).

Tja, dann noch viel Glück und tschüß!

Antwort
von doesanybodyknow, 88

Zu hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

Wenn an den Stirnseiten jeweils Fenster ist, kannst du doch gut für Durchzug sorgen. Bei niedrigen Temperaturen draußen bietet sich das an, da kalte Luft nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann. 

Mit einer Kombination aus Thermostat und Hygrostat sowie einem ordentlichen Lüfter, lässt sich schon ein prima Abluftsystem bauen.

Antwort
von Enwe13, 81

Nochmal hallo,

um diese Problematik hat sich eine kleine Gruppe Energieberater gekümmert. Die Unterlagen dazu können Sie anfordern, wo enwilec Feuchte-Controller (bitte im Internet suchen, z.B. eine Firma in 91413 Neustadt a.d. Aisch) erhältlich sind.

Zu bestimmten Zeiten kann die Außenluft sehr gut trocknen (oft im Winter, aber nicht immer), zu anderen Zeiten (oft im Sommer, aber nicht immer) bringt sie effektiv viel Feuchte mit. Dies korrekt zu erkennen, ist dem Menschen mit Hygrometern nicht möglich, auch nicht mit "Schimmelwächtern" oder ähnlichem. Dazu braucht es eine Technik, die alles dazugehörige kann.

Noch weitere Fragen?

Viel Glück!

Tschüß

Antwort
von Enwe13, 61

Ach ja, wenn meine Ausführungen doch hilfreich waren, wäre es schön, wenn Sie entsprechend klicken würden ("hilfreiche Antwort"). Ich würde schon gerne sehen, ob fachgerechte Informationen gewünscht sind und nicht nur Meinungen, ob ich Erfahrungen weitergeben soll oder ob es darauf nicht ankommt. Bei Feuchte kann man viel falsch machen, das habe ich auch erst lernen müssen.

Und es kann eben sehr teuer werden (einmal kellergelagerte Möbel wegwerfen müssen, sind in der Neuanschaffung einige Tausend EUR, da kann man mehrere Regelungstechniken dafür bekommen)

Tschüß!

Antwort
von Enwe13, 71

Hallo,

was jemand weiter unten schreibt, ist teilweise richtig: Die Luftfeuchte liefert die Feuchte für den Schimmel.

Allerdings würde ich hier nicht heizen, das wird sehr teuer. Ausserdem wird ein Schimmel, der es warm hat, noch mehr wachsen, solange es weiterhin feucht ist. Er wäre dann bestens versorgt.

Die Problematik ist komplex, weil die Physik dazu komplex ist. Auch Architekten und Handwerker haben hier ihre Probleme.

Jetzt mal kurze Pause, es geht gleich weiter.

Kommentar von Onki73 ,

Teuer wird die Schwammsanierung, wenn dieser durch die Kellerfeuchte wächst.

50,- EUR mehr an jählichen Heizkosten für die Kellertemperierung zur Feuchteverdrängung dürfte noch erträglich sein.

Zur Bestimmung des Lüftungszeitpunktes bedarf es nur des Wissens über die Außenlufttemoeratur und die rel. Luftfeuchte und der inneren Wandoberflächentemperatur (IR-Thermometer benutzen) der Kellerwände.

Mit dem Mollier-h-x-Diagramm kann man dann den theoretisch vor der inneren Wandoberfläche zu erwartenen Feuchtewert nach der Lüftung ablesen. Damit kann man dann mit der entsprechenden Lüftung selbst bestimmen, ob man die Kellerwände befeuchten oder trocknen möchte. Dafür braucht man keine teure Technik, kein Ingenierbüro und keinen Sachverständigen.

Wird die Kellerwandoberfläche durch die Temperierung erwärmt, dann wird das Lüften zur Kondensatvermeidung auch unproblematischer. Der Keller kann somit durch Ablüftung der von der leicht erwärmten Kellerwandoberfläche abdampfenden Feuchtigkeit getrocknet werden. Das kann man auch im Mollier-h-x-Diagramm ablesen.

Zur Trocknung einer Wand bedarf es IMMER eines Feuchtegefälles von der Wandoberflächenfeuchte hin zur oberflächennahen rel. Luftfeuchte der angrenzenden Luftschicht.

Da die rel. Luftfeuchte durch Erwärmung gesenkt wird (die Luft damit ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen, also ein größeres Trocknungsvermögen bekommt) und sich die Luft an einer wärmeren Wandoberfläche erwärmt, ist für die Trocknung der Kellerwände einzig und alleine eine wärme Wandoberfläche im Vergleich zur Raumlufttemperatur entscheidend.

Antwort
von BurkeUndCo, 76

Schimmel ist iimmer eine Folge von hoher Feuchtigkeit. Also mehr Lüften.

Antwort
von Speichellecker, 86

es ist eine zu hohe gundfeuchtigkeit im keller

weil er wohl nicht dem aktuellen standard entspricht

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