Frage von njbent, 53

Ich wurde gekündigt ohne einen Vertrag zu unterschreiben?

Hallo,

in meiner letzten Stelle ist alles komisch gelaufen. Ich war angemeldet bei einer kleinen Firma 2 Wochen vor dem Urlaub. Aber ich hatte noch keinen Arbeitsvertrag untergeschrieben, weil der Chef keine Zeit hatte und blabla.

Ich dachte ok, ich bin schon angemeldet, ich bin krankenversichert, habe die Abrechnung... nach dem Urlaub unterschreiben wir den Vertrag. Aber jetzt bekomme ich die "Kündigung in der Probezeit".

Wie geht das? Wir haben noch keine Probezeit vereinbart, kein Urlaub für mich... es gabt keinen Vertrag, nur die Versprechung einen Vertrag zu haben.

Übrigens die Stelle war in Gastrobereich.

Grüße.

Antwort
von TSanswer, 14

Ein Arbeitsvertrag ist nicht an die Schriftform gebunden. 

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 30

Wenn es keinen schriftlichen Arbeitsvertrag gibt, dann eben einen mündlichen oder einfach durch Arbeitsangebot und Arbeitsannahme entstandenen.

Da es offensichtlich keine beweisbaren mündlichen Vereinbarungen gibt, gibt es auch keine Probezeit, demnach auch keine Kündigung mit verkürzter Frist.

Für die Kündigung durch den Arbeitgeber ist demnach die gesetzliche Kündigungsfrist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 622 "Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen" Abs. 1 anzuwenden: 4 Wochen (28 Kalendertage) zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats.

Diese Kündigung musst Du spätestens am 03.07. erhalten, wenn der Arbeitgeber noch zum 31.07. kündigen will. Da das ein Sonntag ist, geht das nur, wenn Du an diesem Tag arbeitest und der Arbeitgeber Dir die Kündigung direkt übergibt.

Fragen: Seit wann besteht das Arbeitsverhältnis? Wann hast Du die Kündigung erhalten? Zu welchem Datum wurde sie ausgesprochen?

Auch wenn die jetzt ausgesprochene "Kündigung in der Probezeit" offensichtlich rechtswidrig ist: Sie wird rechtswirksam, wenn Du nicht gegen sie klagst oder der Arbeitgeber sie - wenn Du ihn darauf hinweist und mit Klage drohst - nicht schriftlich zurück nimmt.

Diese Rücknahme muss aber innerhalb von 3 Wochen geschehen, denn nur innerhalb dieser Frist nach Kündigungszugang kannst Du Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Du brauchst dafür keinen Anwalt - wenn Du Dir das selbst zutraust. Die Rechtsantragstelle des Gerichts nimmt die Klage entgegen; sie nimmt sie auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Mach Deinem Arbeitgeber das klar und biete Deine Arbeitskraft (schriftlich oder unter Zeugen) an!

Du kannst also gegebenenfalls noch einige Wochen Dauer des Arbeitsverhältnisses mit entsprechender Bezahlung "heraus schlagen", wenn Du das willst und Dir zutraust und die Auseinandersetzung mit Deinem Arbeitgeber nicht scheust.

Kommentar von njbent ,

Danke für die Antwort, sie ist eine gute Erklärung.

Wie ich intuitiv vermutete, ist diese Kündigung ungültig. Trotzdem würde ich dort nicht wieder arbeiten und ich vertraue mir mit einer Klage nicht.

Schade, aber er gewinnt. :(

Kommentar von Familiengerd ,

Wenn Du nur über ein geringes Einkommen verfügst, kannst Du einen Beratungshilfeschein beantragen; über die genauen Einzelheiten kannst Du Dich z.B. hier informieren:

http://www.kanzlei-hollweck.de/kanzlei-hollweck/beratungshilfe/

oder

http://www.sozialleistungen.info/themen/beratungshilfe.html

Ein Anwalt, der auf dieser Basis eine Beratung durchführt, für Dich tätig wird, kostet dann maximal 15 €.

Ansonsten:

Drohe dem Arbeitgeber mit einer Klage, wenn der die unberechtigte Kündigung nicht zurück nimmt, und fordere von ihm eine fristgerechte Kündigung; die wäre dann nach dem Verstreichen des 03.07. erst wieder zum 15.08. möglich.

Es geht auch um Dein Geld ...

Kommentar von njbent ,

Ich bedanke mich für die Antwort. Bestimmt hast Du Recht und ich sehe, dass ich eigentlich etwas kämpfen könnte.

Ich muss daran denke, ob es sich für mich lohnt. Geld, Jobcenter, Zeit...

Ich denke daran am Wochenende und frage es auch am Montag im Jobcenter. Vielleicht ist einfacher als ich glaube.

Antwort
von butterflyy321, 37

Der mündliche Vertrag gilt.
Wenn du dort schon ein paar Tage gearbeitet hast, ohne weggeschickt zu werden, ist das ein Vertrag, der durch Handeln geschlossen wurde.

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