Frage von annalang, 62

Ich würde gerne Instrument wechseln, hab aber Angst meinen Vater und alle anderen zu enttäuschen. Was jetzt?

Hey!!

Ich bin ein Mädchen, 15 und spiele seit 6 Jahren Trompete. Ich weiß - es ist keine alltägliche Kombination. Zum Trompete spielen bin ich durch meinen Vater gekommen, weil dieser auch schon seit seiner Jugend begeisterter 1. Trompeter ist. Mein Problem ist, das schon seit ungefähr einem Jahr mehr oder weniger die Luft raus ist. Das Üben wird zur Qual und aufgetreten bin ich sowieso nie gern aber das liegt auch an meinem Charakter. Angefangen hat mehr oder weniger alles, mit dem, dass ich mich einfach alleine fühle. Mein Vater und seit zwei Jahren auch ich spielen im gleichen Musikverein bzw ich auch noch im Jugendorchester. Während er jedes Solo mit Begeisterung einfach vom Blatt herunterspielt und sich super mit den Registerkollegen (natürlich bis auf mich alle männlich) versteht und Spaß dabei hat ist es für mich mehr eine Qual weil er in der Zeit mich unbewusst einfach ignoriert. Der Einzige mit dem ich mich irgendwie unterhalte ist 3 Jahre jünger und hat ein Talent von dem ich nur träumen kann und er weiß auch das er es kann - das ist oft wirklich anstregend. Manchmal hab ich da das Gefühl wenn die beiden mal ein Solo oder so zusammen spielen, dass er lieber ihn als Sohn haben möchte als mich als Tochter. Einerseits will ich meinen Vater nicht noch mehr enttäuschen als ich es eh schon tue mit meinem nicht-üben aber es macht mir alles keinen Spaß mehr. Vor allem weiß ich nicht wie ich ihm bzw. dem Musikverein und meinem Musikschullehrer das sagen soll. Der Musikverein hat ja auch vieles für mich getan und ich kann abgesehen davon das ich es nicht mal meinem Vater erzählen kann doch nicht einfach aus dem Musikverein nach 2 Jahren wieder austreten obwohl ich schon eine maßgeschneiderte Tracht usw. bekommen hab. Ich fühle mich einfach überflüssig weil ich teilweise so leise spiele, dass man mich sowieso nicht hört. Ich würde gerne anfangen Klavier zu spielen - nur haben wir weder Platz für eins noch hab ich das Geld. Ich könnte mir ein Keyboard ins Zimmer stellen aber eig. wollte ich ja Klavier lernen und es ist ja schon ein Unterschied. Abgesehen davon hab ich ja eine eig. Trompete usw. und die war ja auch nicht gerade billig. Auf meinen Traum Klavier zu spielen bin ich durch den Flügel bei meiner Großmutter gekommen und hab mir dann ein paar Kinderlieder einfach selbst beigebracht - weil Noten kann ich ja und ich weiß auch wo das c auf dem Klavier ist. Meine Großmutter wohnt nur leider sehr weit weg - also ich kann auch nicht zu ihr zum üben oder so. Und ich bin mir sicher, dass ich Klavier lernen möchte weil ich schon seit 2 Jahren hin und her überlege. Also es ist kein Traum der sobald er in Erfüllung ginge mir doch nicht gefällt. Tut mir Leid, ich rede viel zu viel. Ja, das wäre meine Situation und ich würde mich freuen wenn ihr mir bei meinem Problem helfen könnt. <3

Antwort
von rosepetals, 36

Ich war Mal in einer sehr, sehr abgeschwächten Situation, die deiner ähnelt. Ich habe etwa 4 Jahre lang Flöte gespielt, eher, weil es in der Nähe war, als das ich mir das gewünscht habe. Mit 11 wollte ich dann unbedingt Klavier spielen (bzw. Harfe, aber es gibt meilenweit keinen Lehrer... :D ) aber meine Mutter hat das gut aufgenommen. Es war ihr nämlich immer wichtig, dass ich selbstständig entscheide, was ich möchte.

Denn was dein Vater "mit dir tut" ist eigentlich ziemlich gemein. Und auch nicht so selten bei Eltern. Oft möchten sie ihre Träume durch das Leben ihrer Kinder leben oder, einfach aus Fürsorge, zu sehr in ihr Leben eingreifen.

Also: Weil ihm das Trompetenspielen gefällt, denkt er, es gefällt dir auch! Du solltest ihm aber sagen, dass das nicht so ist! Wenn du deinen Vater Stolz machen möchtest, dann ist es doch viel besser, wenn du dabei du selbst bist. Es ist auch manchmal interessant für Eltern zu sehen, was die eigenen Kinder möchten und wofür sie sich entscheiden. Aber er kennt dich vielleicht noch als die Siebenjährige, die du einmal warst, die noch keine Entscheidungen ohne ihre Eltern trifft.

Also ich empfehle es dir wirklich, es deinem Vater in einer ruhigen Stunde ehrlich und aufrichtig zu sagen, dass dir das Trompeten spielen nicht so viel Spaß macht, wie ihm.

Zu dem Wunsch des Klaviers: Ich weiß, ein Klavier ist romantischer/klassischer als ein Keyboard und hört sich oft auch besser an. Aber bei uns gab es auch keinen Ort für ein Klavier (und eventuell würde ich ja nur schnuppern - ich spiele aber schon seit 5 Jahren), also spiele ich Keyboard und nehme auch Keyboard- (kein Klavier-) unterricht. Und wenn du das richtige Keyboard wählst (das ist auch wirklich wichtig), kann das sogar richtig gut klingen! 

Hier ein Video: 

Und noch eines mit Effekten, die ein Klavier nicht drauf hat:

Kommentar von annalang ,

Danke rosepetals! 

Vorerst: ein bisschen komisch das ich das jetzt wirklich schreibe aber ich bin gerührt. Ich hätte nie gedacht das sich wer die Mühe macht und mir eine so lange und ehrliche Antwort schreibt. Ich bin es nicht gewohnt das jemand so viel Zeit für mich aufwendet. Okay jetzt zudem was du eigentlich geschrieben hast:

Danke für deine Ermutigung es meinem Vater zu sagen. Wegen Klavier oder Keyboard bin ich mir nicht sicher, weil einerseits würde mich Keyboard auch wahnsinnig interessieren vor allem weil man so viel damit machen kann. Andererseits brauche ich zum Keyboard spielen wirklich einen Lehrer weil es dann doch vor allem mit Akkorden anders ist als beim Klavier und Klavier könnte ich mir auch weiter selbst zur Not lernen. Keyboard wird nur leider nicht in der Nähe unterrichtet. Und ich weiß jetzt nicht ob Keyboard oder E-Piano, weil akustisches kommt wegen Preis/Platz nicht infrage.

Ich mache mir viel zu viele Gedanken obwohl ich es noch nicht einmal gesagt geschweige denn Zustimmung bekommen habe, aber es ist schön sich auszumalen was einmal sein könnte. 

Danke dir für deine Ermutigungen und die 2 Videos :D bin grad dabei noch mehr anzuschauen

Antwort
von haasi1998, 23

Bei uns im Musikverein ist Mädchen und Jungen komplett ausgeglichen. Ich spiele selbst Horn, und das mit Freude seit ganzen 10 Jahren. Wenn du keinen Spaß mehr am spielen hast, musst du das deinen Eltern sagen, es hat doch sonst keinen Zweck mehr, wenn du dich selbst quälst. Die Sache mit Klavier ist da ein größeres Problem. Die kosten nunmal eine Menge Geld und brauchen Platz. Da wäre Klarinette, querflöte oder Saxophon wohl eine bessere Lösung, damit könntest du auch im Verein bleiben, aber dafür bräuchtest du nunmal intresse daran sonst bringt das ja nichts. Ist die Trompete dir oder ein Leihinstrument des Vereins? Wenn sie dir gehört könnt ihr sie ja verkaufen, wenn nicht ist das Problem ja geklärt. Falls euer Verein Leihinstrumente hat kannst du Klarinette usw. Vielleicht ja auch einfach mal ausprobieren und so feststellen ob du daran Spaß hättest.

Kommentar von annalang ,

Danke fürs antworten haasi1998!

Das wegen im Verein bleiben und halt nur Instrument wechseln ist eher nicht so meins weil ich die ganze Situation mir nicht wirklich Spaß macht und ich würde gern von Blasinstrumenten weg - da hab ich im Verein nur die Möglichkeit zum Schlagzeug - da bleibe ich noch lieber bei der Trompete, weil Schlagzeug(ich hab nichts dagegen aber für mich ist es halt nichts) all dem widerspricht was ich am Musizieren liebe und das ist Melodie und nicht Rhythmus.

Deswegen ja das Klavier - weil ich eben nicht mehr mit anderen spielen muss. Das hört sich jetzt blöd und egoistisch an aber ich meine eher das ich dann für mich selbst spielen kann und das was ich will - abgesehen von Musikschule oder so.

Die Trompete ist meine eigene mit allem drum und dran(Weihnachtsgeschenk vor ein paar Jahren). Ich weiß nicht ob ich sie überhaupt verkaufen soll weil es würde nicht wirklich was dabei rumspringen weil sie schon eine Delle hat und das an einer blöden Stelle wo es recht schwer zum ausbiegen ist. Wenn ich sie verkaufen würde müsste ich es ausbiegen lassen und danach würde man aber einen Fleck wo keine Legierung(oder wie man das nennt) ist haben. Würde also nicht viel hergeben glaub ich und da würd ich sie wegen den Erinnerungen vorher behalten.

Jedenfalls danke für deine Antwort :D

Antwort
von DonCredo, 22

Hi! Sehe es mal so: du zögerst die Konfrontation nur hinaus, was sowohl für Dich als auch den Vater mit weiterer Quälerei und Enttäuschungen verbunden sein wird. Damit ist keinem gedient. Ich lese heraus, dass der Zug bei Dir abgefahren ist, von daher sehe ich keinen Sinn darin, das weiter zu versuchen. Die Investitionen sind ja nicht unter der Bedingung gemacht worden, dass Du nun auf immer und ewig dort verhaftet bist sondern weil das zum damaligen Zeitpunkt noch Deine Entscheidung war - aber Interessen ändern sich halt. Und die Bedingungen da sind sicher für ein Mädel in Deinem Alter auch sehr "angestaubt".

Was solltest Du machen: auf jeden Fall sagen, wie unglücklich Du mit der Situation bist. Ob das dann gleich in einen Cut mündet oder vielleicht zu einer "Bedenkpause" auf unbestimmte oder bestimmte Zeit ist ja immer die Option.

Was das Klavier angeht: das ist natürlich mindestens ein Platzproblem und finanziell vermutlich auch. Ich würde Dir raten, mit einem Keyboard anzufangen um Deinem Ziel ein Schritt näher zu kommen - ausserdem finde ich das viel zeitgemässer und Du hast die Möglichkeit das mitzunehmen und evtl. sogar mit anderen was zu machen.

Überwinde Dich, es wird nicht leichter, wenn Du nichts tust - und vielleicht hat es Dein Vater sogar schon selbst gemerkt. Vielleicht findest Du ja auch jemand, der Dich dabei unterstützen kann. Viel Erfolg und Gruss Don

Kommentar von annalang ,

Danke Don!

Das, dass du behauptet hast das der Zug warscheindlich schon abgefahren ist, hat mir glaub ich irgendwie die Augen geöffnet das ich so nicht weiter machen kann weil es mich nur selbst zerfriss und ich hab genug größere Probleme die das schon tun. Ich habe beschlossen das ich es ihm sagen werde, aber ich weiß noch nicht wann ich mich dazu überwinde weil ich dieses Semester sowieso noch fertigmachen will bis zu den Sommerferien da ich das zumindest meinem Verein schulde weil wir haben im Mai 150 Jahre und die Planungen laufen schon seit ich dabei bin. 

Danke nochmal <3

Kommentar von DonCredo ,

Keine Ursache. Ich bin selbst beim dritten Instrument und jetzt bei meinem Wunschinstrument (Drums) angekommen - und meine Eltern waren nach drei Jahren Klavierunterricht damals auch "not amused". Und die Idee mit dem Jubiläumskonzert finde ich aller Ehren wert und zeigt mir, dass du das nicht leichtfertig sondern "mit Verantwortung" entscheidest. Das kannst Du auf jeden Fall positiv ins Feld führen. Gruss Don

Kommentar von annalang ,

Die Hoffnung lebt auf - bei mir ist es nämlich dann auch das 3. Instrument :D hab vorher 2 Jahre Blockflöte gelernt

Kommentar von DonCredo ,

Oh, die hatte ich verdrängt ... haha. In der Grundschule gab es die auch. Dann Gitarre, dann Klavier und mit 17 habe ich mit Schlagzeug und Band angefangen ... und das mache ich inzwischen schon über 30 Jahre. Und weil ich einfach Spass am Musikmachen habe, habe ich vor einem Jahr nochmal mit Gitarre angefangen, nur so ohne besondere Zielsetzung, aktiv bleibe ich Drummer. :-)

Antwort
von sr710815, 21

man muß ja nicht immer in die Fußstapfen des Vaters treten. Ihn mal damit konfrontieren.

Digitalpianos sind mittlerweile ganz gut geworden. Evt. hat er dafür Verständnis.

Sonst mal die Oma mit einbeziehen & den Vater schonend darauf vorbereiten ?

Kommentar von annalang ,

Danke für deine Antwort erstmal <3

Du hast Recht, ich wollte das auch nie wirklich machen also in die Fußstapfen meines Vaters treten, sondern er hat mich damals mehr überfordert mit der Frage was für ein Instrument lernen möchte und ich hab damals noch nie ein anderes ausprobiert gehabt. Ich werds versuchen ihm zu sagen - das mit der Oma klappt nicht so, sie weiß mehr oder weniger nichts von meinem Wunsch und wir stehen uns jetzt nicht so wirklich nahe

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