Frage von vfa98, 50

Ich werde demnächst ein eigenes Einkommen besitzen und meine Mutter bezieht Hartz IV?

Hallo, Wie schon oben erwähnt werde ich demnächst ein eigenes Einkommen besitzen was auch relativ groß ist. Zurzeit lebe ich mit meiner Mutter und meinen 2 Geschwistern zusammen und meine Mutter bezieht Hartz IV . Da ich halt Geld verdiene muss ich ausziehen weil es ja sonst meiner Mutter angerechnet wird und ich Absicherung habe kontinuierlich immer so viel Geld zu verdienen dass ich alle kosten von meiner Familie (Miete, Versicherungen, Essen etc.) zu übernehmen muss ich ausziehen damit es eben nicht angerechnet wird. Das heißt dann aber wahrscheinlich dass meine Familie auch wegziehen muss, obwohl es eine 3 Zimmer Wohnung dann immer noch wäre mit 3 Leuten. Gibt es eine Möglichkeit dass ich ausziehen kann und meine Familie hier weiter wohnen darf? Ich danke schon mal im vorraus für hilfreiche Antworten !

Antwort
von EstherNele, 26

Du brauchst überhaupt keine Angst zu haben - Einkommen der Kinder wird nie auf die Eltern angerechnet.

Was passiert - wenn deine Mutter vorher für dich Leistungen vom Jobcenter bekommen hat, dann bekommt sie jetzt für dich keine mehr.
Deine Mutter wird genauso ihren Regelsatz vom Amt bekommen wie es deine Geschwister tun - allerdings bekommen die drei eben vom Amt nur noch 3/4 der Miete.

Du musst deinen Mietanteil (1/4 der Miete) selber tragen und zur Miete beisteuern.

Wenn man hier immer liest "das wird meinen Eltern angerechnet", dann stimmt der Anschein -  aber nicht das Geld der Kinder wird den Eltern angerechnet, sondern das Amt zahlt nicht mehr für selbst verdienende Kinder, wenn der Verdienst reicht, um deren Bedarf zu decken.

Also bekommen die Eltern natürlich weniger Geld - sie bekommen eben für dieses Kind kein Geld mehr. Und das Kind muss seine Bedürfnisse aus seinem Einkommen decken. Eigentlich ganz normal ... Wenn ein Single arbeiten geht und genug verdient, wird der auch nicht jammern, dass das Amt nicht für ihn zahlt ... werden Kinder in einer Hartz IV-Familie finanziell selbständig, wird oft genug gejammert, dass man nun kein Geld mehr bekommt vom Amt, dass man sein Geld "nicht behalten darf", sondern für seinen Lebensunterhalt verwenden muss.  Eigentlich irgendwie absurd ...

Es gibt nur eine Situation, wo Geld den Eltern (indirekt ) angerechnet werden kann: Wenn jemand noch Kindergeld bekommt und Einkommen hat.

Also zum Beispiel ein Azubi mit gutem Ausbildungsgeld, Kindergeld und vielleicht noch Unterhalt von einem Elternteil. Wenn die Summe der Einkommen des Kindes nach Berechnung aller Abzüge und Freibeträge höher als sein Bedarf ist, dann kann der Teil des Kindergeldes, der den Bedarf übersteigt, den Eltern angerechnet werden.

Heißt: bekommst du kein Kindergeld mehr, passiert gar nichts.

Bekämst du noch Kindergeld, könntest du selbst 2000 € haben - es würde maximal das Kindergeld von 190 € auf deine Mutter angerechnet werden, kein Cent mehr.

Wenn du nicht unbedingt sofort ausziehen willst, dann musst du es auch nicht. Du kannst auch mit größerem Verdienst problemlos bei deiner Familie wohnen bleiben.

Vielleicht würde es sogar Sinn machen, erst einmal ein bisschen Geld zu sparen, statt sofort eine eigene Wohnung zu nehmen. Vielleicht zieht in absehbarer Zeit einer deiner Geschwister auch aus, dann könntet ihr das zeitgleich machen und deine Mutter hätte vielleicht nur einmal ein Problem mit dem JC, weil die Wohnung zu groß oder zu teuer ist.

Ob deine Familie in der Wohnung bleiben kann, können wir nicht pauschal einschätzen. Das hängt von den Richtwerten des JC für Mieten an deinem Wohnort ab.Vielleicht ist ja eure Wohnung gar nicht so groß und sie wäre noch angemessen.

Aber zurück zu deiner Eingangsfrage - NEIN, du musst für niemanden aus deiner Familie, lediglich für dich selber aufkommen.

Dass du deiner Mum dann etwas dazu gibst für Dinge wie Stromkosten und Telefon- oder Kabelgebühren und natürlich Kostgeld, ist ja irgendwie normal.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Hartz IV, 27

Du musst nicht ausziehen,es wird dann nur dein Anteil deines Bedarfes nicht mehr an deine Mutter gezahlt und diesen gibst du ihr,der Rest deines Einkommens gehört dir !

Wenn die Wohnung für 3 Personen nicht größer als ca. 80 qm ist bzw.auch etwas größer,dafür aber im Rahmen der angemessenen KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) bleibt,dann muss deine Mutter weder Umziehen bzw.etwas selber zuzahlen,wenn dann die Übergangsfrist von 6 Monaten um wäre.

Ob die Wohnung dann für 3 Personen angemessen ist oder nicht kannst du im Internet unter ,, Harald - Thome - örtliche - Richtlinien " nachsehen oder gibst mal ein ,, angemessene KDU " und dazu dann den Namen deiner Stadt / Stadtteil,da steht dann was deiner Mutter zustehen würde.

Antwort
von GerdausBerlin, 23

Wenn du Geld verdienst, muss das Jobcenter gesetzlich vermuten, dass du damit deine mitwohnenden Verwandten unterstützt, schreibt SGB II § 9 Absatz 5: "(5) Leben Hilfebedürftige in Haushaltsgemeinschaft mit Verwandten oder Verschwägerten, so wird vermutet, dass sie von ihnen Leistungen erhalten, soweit dies nach deren Einkommen und Vermögen erwartet werden kann."

Wenn du deine mitwohnenden Verwandten nicht unterstützt mit deinem Einkommen oder mit deinem Vermögen, musst du das schriftlich erklären gegenüber dem Jobcenter. Dazu schreiben die Hinweise der Bundesagentur für Arbeit:


"Ist der/die Angehörige der leistungsberechtigten Person nicht zum Unterhalt verpflichtet, so reicht eine entsprechende schriftliche Erklärung des Angehörigen dann aus, wenn keine anderweitigen Erkenntnisse den Wahrheitsgehalt dieser Erklärung in Zweifel ziehen." PDF-Seite 18 in https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/...

Falls also eine solche Erklärung ausreicht (und das tut sie in der Regel), erhalten deine mitwohnenden Verwandten weiterhin ihren Bedarf an ALG II durch das Jobcenter - nur eben du nicht mehr.

Gruß aus Berlin, Gerd

Antwort
von petrapetra64, 15

Nein, da verstehst du was falsch. Dein Einkommen wird nicht auf das H4 deiner Mutter und deiner Geschwister angerechnet und du musst sie auch nicht finanzieren. 

Lediglich dein derzeitiges H4, das du erhälst, das fällt weg, wenn du ein Einkommen hast, was ja auch vollkommen logisch ist, denn du hast ja Einkommen und kannst nicht gleichzeitig H4 bekommen. Lediglich das Kindergeld, falls du noch welches bekommst, wird auf deine Mutter angerechnet. Du fällst mit entsprechendem Einkommen aus der Bedarfsgemeinschaft raus und musst für deinen Unterhalt und deine anteiligen Mietkosten selbst aufkommen. Was drüber ist, gehört dir alleine.

Wenn du ausziehst, dann hast du diese Kosten ja auch für deine Wohnung und deinen Unterhalt aufbringen, da sparst du auch nichts.

Ob deine Familie ausziehen muss, das hängt von der  genauen Größe und den Kosten der Wohnung ab. Es sind ja immer noch 3 Personen und die Wohnung kann dann immer noch angemessen sein. Davon hängt das ab, ob man ausziehen muss. Ist es nur wenig drüber, kann man den Anteil machmal auch selbst übernehmen. 

Antwort
von WosIsLos, 22

Bei 3 Personen ist aktuell bis 80m2 akzeptiert.

Ob ein Umzug darüberhinaus gefordert wird, hängt bestimmt vom Einzelfall ab.

(Mitarbeiter der Behörde, mögliche Mietersparnis in Relation zu Umzugskosten, Zumutbarkeit, Schulsituation bei Kindern)

Kommentar von EstherNele ,

Das hängt nicht nur von der Wohnfläche, sondern auch von den Kosten der Wohnung ab. In meinem Bundesland gibt es zwei begrenzende Parameter - Fläche und Kosten je qm. Du kannst also in der Fläche im Limit liegen, aber zum Beispiel die Nettokaltmiete pro qm liegt zu hoch. 

Isomatte hat recht - man kann nachschauen, wie die Werte am Wohnort liegen. Wir wissen weder Wohnort noch Wohnungsgröße noch Mietobergrenzen. Jede konkrete Antwort wäre da einfach  Spökenkiekerei.

Ach ja - falls die Geschwister noch unter 18 sind:
bei Alleinerziehenden mit 2 und mehr Kindern (das wäre die Mutter dann ja) darf die Mietobergrenze um 10% überschritten werden.

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