Frage von annalisauto, 42

Kann mir jemand diesen Zitat erklären?

"Die in Christus geschehene Offenbarung der göttlichen Liebe zeigt zugleich die Größe der Sünde und die Übergröße der Gnade [Vgl.Röm 5,20.]" Kann mir jemand diesen Zitat erklären ? Ich verstehe nicht was damit gemeint ist.. danke xoxo

Antwort
von JensPeter, 42

Hallo Annalisauto,

folgendes ist dem Buch "Einsichten in die heilige Schrift" entnommen:

it-2 S. 922-923 Siebzig Wochen Übertretung und Sünde beendet.

Dadurch, daß Jesus vom Leben abgeschnitten und auferweckt wurde und danach im Himmel erschien, wurde ‘die Übertretung beendet, der Sünde ein Ende bereitet und für Vergehung Sühne geleistet’ (Da 9:24). Durch den Gesetzesbund waren die Juden als Sünder bloßgestellt und verurteilt worden, und als Bundesbrüchige brachten sie einen Fluch über sich. Wo aber die Sünde ‘überströmte’, weil sie durch das mosaische Gesetz aufgedeckt und klar erkennbar gemacht worden war, da strömte die Barmherzigkeit und die Gunst Gottes durch seinen Messias noch mehr über (Rö 5:20). Aufgrund des Opfers des Messias können Übertretung und Sünde reumütiger Sünder getilgt werden, und die Strafe wird erlassen werden.

it-2 S. 1056 Sünd Wie die Sünde durch das Gesetz „überströmte“. 

Der Mensch hat zwar durch sein Gewissen von Natur aus einen gewissen Sinn für Recht und Unrecht; als aber Gott mit Israel den Gesetzesbund schloß, identifizierte er die verschiedenen Erscheinungsformen der Sünde. Dadurch wurde der Mund eines jeden, der von Gottes Freunden Abraham, Isaak und Jakob abstammte und der behaupten mochte, von Sünde völlig frei zu sein, „gestopft und die ganze Welt vor Gott straffällig“. Wegen des unvollkommenen Fleisches, das sie von Adam ererbt hatten, konnten sie unmöglich durch Gesetzeswerke vor Gott gerechtgesprochen werden, „denn durch Gesetz kommt die genaue Erkenntnis der Sünde“ (Rö 3:19, 20; Gal 2:16). Da das Gesetz ausdrücklich sagte, was alles unter den Begriff Sünde fiel, bewirkte es, daß Übertretung und Sünde gewissermaßen ‘überströmten’, indem nun viele Handlungen und sogar Einstellungen als sündig zu erkennen waren (Rö 5:20; 7:7, 8; Gal 3:19; vgl. Ps 40:12). Die darin vorgeschriebenen Opfer erinnerten die unter diesem Gesetz Stehenden immer wieder an ihren sündigen Zustand (Heb 10:1-4, 11). Dadurch wurde das Gesetz ihr Erzieher, der sie zu Christus führen sollte, damit sie „zufolge des Glaubens gerechtgesprochen werden könnten“ (Gal 3:22-25).

 

Alles Gutes

JensPeter

Kommentar von annalisauto ,

Vielen lieben dank!!😊

Kommentar von Hamburger02 ,

Du solltest aber wissen, dass "Einsichten in die heilige Schrift" eine Propagandaseite der Zeugen Jehovas ist. Die reden ihren Gläubigen auch diesen Blödsinn ein, dass jeder Mensch der Erbsünde unterliegt. Die Erbsünde steht aber nicht in der Bibel sondern ist eine Erfindung von Augustinus, die auf einem Übersetzungsfehler beruht.

Antwort
von DonGiovanni, 30

Schau mal bestimmte Vergehen an:
Wenn Du 10 km/h zu schnell fährst, zahlst Du ein wenig Geld.
Wenn Du 50/km/h zu schnell fährst, zahlst Du ordentlich Geld und bekommst Punkte und Fahrverbot.
Je größer die Sünde, desto mehr musst du zahlen, um dich auszulösen, oder?
Kennst Du eine Sünde, für die man sein Leben hingeben muss?
Aber die Sünde der ganzen Welt ist so groß, dass Gott selbst auf die Welt kommen muss (die in Christus geschene Offenbarung), um sein eigenes Leben am Kreuz hinzugeben (Übergroße Gnade = er opfert sich selbst, obwohl er es nicht müsste für uns) und dass weil unsere Sünde insgesamt so groß ist, dass sie nicht mehr mit Peanuts zu bezahlen wäre.
Ich habs mal mit einfachen Worten erklärt. Man könnte es bestimmt noch differenzierter erklären, aber ich hoffe, dass du es so verstehst.

Kommentar von annalisauto ,

Dankeschön!!😊😊

Antwort
von Hamburger02, 22

Tröste dich. Mit dem normalen Menschenverstand ist diese krude Argumentation von Paulus auch nicht zu verstehen. Sie geht nämlich davon aus, dass der Mensch von Natur aus schlecht und sündig sei.

Zudem begeht er einen Zirkelschluss, der für für religiöse Argumentation typisch ist, im wissenschaftlichen Bereich aber generell abgelehnt wird, weil man damit alles beweisen kann, sogar, dass es ein fliegendes Spaghettimonster gibt.

Der Zirkelschluss lautet: Jesus hat schlimmes Leid auf sich genommen, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Wenn dazu der Kreuzestod notwendig war, müssen die Sünden ja gewaltig gewesen sein. Wenn aber nun die Sünden gewaltig waren, zeigt uns Jesus mit seinem Kreuzestod seine gewaltige Liebe und die Größe der Sünden. Paulus schreibt auch: wenn man nicht glaubt, dass Jesus für unsere gewaltigen Sünden gestorben und anschließend wiederrauferstanden ist, wäre die gesamte Idee des Christentums hinfällig.

Genau diesem Gedankengang schließe ich mich an: ich glaube nicht, dass der Mensch sündig zur Welt kommt, dass er daher auch nicht erlöst werden muss und daher ist die Idee des Christentums hinfällig.

Kommentar von RudolfFischer ,

Vorweg: Die Vorstellung, dass Jesus wegen der Größe der Sünden gekreuzigt werden musste, gar um den Vater zu versöhnen, lehne ich ab. Ebenso die Erbsünde, über die in unserer kath. Pfarrkirche auch schon ganz anders gepredigt wird (s.u.).

Zitat von hamburger02: "Paulus schreibt auch: wenn man nicht glaubt, dass Jesus für unsere gewaltigen Sünden gestorben und anschließend wiederrauferstanden ist, wäre die gesamte Idee des Christentums hinfällig."

Paulus schreibt bei 1. Korinther 15:12 ff. nichts von "gewaltigen Sünden". Die Betonung liegt auf der Auferstehung. Es ist ja logisch, dass ohne Auferstehung vom Christentum nur der Humanismus übrig bleiben würde (immerhin!). Die "(Erb)Sünde" ist die Erfahrung der "negativen Entropie" der Schöpfung, nämlich dass sie zum Chaos neigt, während das Gute es schwer hat, die Ordnung nach Gottes gutem Plan herzustellen. Beispiel: Es können 99,99% der Menschen für den Frieden ein, die restlichen 0,01% können trotzdem alles zerstören.

Der Kreuzestod machte Christus mit dem Schicksal der Allerärmsten gleich. Seine Auferstehung gibt ihnen und uns und der ganzen Schöpfung die Zuversicht, dass auch die negative Entropie am Ende nach Gottes gutem Plan überwunden wird. Insofern hat Christus uns durch die Auferstehung von der "Sünde", der Hoffnungslosigkeit, gegen ein übermächtiges Chaos kämpfen zu müssen, erlöst. Das ist die Essenz des Christentums. 

Zu der Rückfrage, warum Gott denn diese negative Entropie geschaffen hat, äußere ich mich gern an anderer Stelle, das würde hier zu weit führen.

Kommentar von Hamburger02 ,

"Vorweg: Die Vorstellung, dass Jesus wegen der Größe der Sünden gekreuzigt werden musste, gar um den Vater zu versöhnen, lehne ich ab. Ebenso die Erbsünde, über die in unserer kath. Pfarrkirche auch schon ganz anders gepredigt wird (s.u.)."

Dazu: dein persönlicher Glaube interessiert mich eigentlich genauso wenig, wie die Predigt eine renitenten Priesterleins, das in der Kirche nichts zu sagen hat. Das hat für mich so wenig Bedeutung, wie meine persönliche Meinung keine Bedeutung für dich oder euren Pfarrer hat.
Maßgeblich für mich ist die offizielle Lehre sowie das Handeln der offiziellen Stellen, also der Kirche. 


 Und da steht in Nr. 389 des kath. Katechismus:
"...Die Kirche, die den ,,Sinn Christi" [Vgl. 1 Kor 2,16.] hat, ist sich klar bewußt, daß man nicht an der Offenbarung der Erbsünde rühren kann, ohne das Mysterium Christi anzutasten."


..also genau das Gegenteil von dem, was du mir gerade unterjubeln möchtest.

"Die "(Erb)Sünde" ist die Erfahrung der "negativen Entropie" der Schöpfung, nämlich dass sie zum Chaos neigt, während das Gute es schwer hat, die Ordnung nach Gottes gutem Plan herzustellen."


Auch das dürfte deiner realitätsbefreiten Fantasie entspringen, denn die Kath. Kirche hat im kathloischen Lexikon veröffentlicht, wie die Erbsündenlehre zu Stande gekommen ist und da ist von Entropie nirgends die Rede sondern von Prädestinationslehre und Übersetzungsfehlern:

http://www.kath.de/lexikon/philosophie\_theologie/erbsuende\_augustinus.php

Daraus:
"Es gibt keine Verdienste des Menschen
Circa zwei Jahre später in seiner Schrift „Ad Simplicianum“ (396) beschäftigt sich Augustinus erneut mit Röm 9,10-13 und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass auch der Glaube des Menschen nicht als dessen Verdienst betrachtet werden dürfe, da der Mensch alles der zuvorkommenden Gnade Gottes verdanke. Wenn aber der Mensch somit überhaupt keine Verdienstmöglichkeit mehr besitzt und deshalb alle Menschen gleich sind, dann stellt sich erneut die Frage nach dem Grund der Erwählung Jakobs.
...
Begründet sieht Augustinus dies in Röm 5,12 („in quo omnes peccaverunt“), was er fälschlich mit „in dem (= in Adam) alle sündigten“ übersetzt, anstatt korrekt mit „weil alle sündigten“, wie aus der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, hervorgeht."



"Zu der Rückfrage, warum Gott denn diese negative Entropie geschaffen hat, äußere ich mich gern an anderer Stelle, das würde hier zu weit führen."

Dazu kommt von mir garantiert keine Rückfrage. Wenn ich mich mit Märchen beschäftigen möchte, lese ich Grimms Märchen oder die Bibel.

Antwort
von RudolfFischer, 14

Paulus hat das sicher noch alles wörtlich gemeint: Je schlimmer das Ende von Christus dem Erlöser war, desto größer muss die Schuld gewesen sein, die er damit getilgt hat. Nach Paulus ging das alles auf die Sünde des ersten Menschen Adam zurück. Worin diese Sünde bestand, sagt die Bibel nicht deutlich. Verbotenerweise von einem "Baum der Erkenntnis" zu essen, hört sich ja an, als sei es dem Geschöpf verboten gewesen, zu einem eigenen Bewusstsein zu gelangen. Das passt nicht mehr zu dem Gottesbild moderner Christen.

Weitere Ausführungen von mir siehe meinen Kommentar zu der Antwort von @hamburger02.

Antwort
von earnest, 9

Dieses Zitat des Paulus geht offenbar davon aus: Je größer die Sünde, desto leuchtender die sich in Christus offenbarende Gnade Gottes.

Mal abgesehen davon, daß dieser Satz eine bloße Behauptung ist, sollte man wissen, daß Paulus der seltsamen Meinung war, der Mensch habe "Erbsünde" auf sich geladen. Er sei also schon durch seine Geburt zum Sünder geworden. 

Daß das Unfug ist, ist offensichtlich. 

Gruß, earnest

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