Frage von Simjuja, 288

Ich "musste" Stundenzettel ausfüllen, die nicht der Realität entsprachen. Wie kann ich mich dagegen wehren?

Ich arbeite als studentische Hilfskraft an einer deutschen Hochschule. Wir bekommen als Hilfskräfte ca. 9,50 €. Nun ist es so, dass wir seitens der Verwaltung angewiesen werden, die offiziellen Stundenzettel so ausfüllen, dass sie genau mit der vereinbarten Stundenzahl übereinkommen. Und zwar minutengenau. Unabhängig davon wieviel wir tatsächlich gearbeitet haben. Weil angeblich sonst für unsere auf ein Semester beschränkten Verträge eine Vertragsanpassung notwendig wäre.

Ich habe mich dieses Semester zunächst geweigert. Sinn und Zweck der Stundenzettel ist es ja zu gewährleisten, dass wir davor geschützt werden unter den Mindestlohn fallen. Mein Chef meinte es sei eine Pflichtverletzung wenn ich diese Stundenzettel nicht so ausfüllen würde und hat mir andernfalls mit Kündigung und Beendigung der Zahlung gedroht. Er meinte ich könne mich zwar über die Stundenzettel beschweren, aber ich solle dann nicht erwarten, dass er dann noch gerne mit mir zusammen arbeiten wolle. Er meinte das er mich sonst als Person sehr schätzt u.s.w..

Mich ärgert nur, dass das Mindestlohngesetz so sogar in der Verwaltung eines staatlichen Organs ad abdurdum geführt werden kann.

Wie kann ich mich gegen diese Anweisung wehren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jewi14, 182

Seit dem Mindestlohngesetz gibt es die Dokumenationspflicht über die geleisteten Stunden; man kann so einen Stundenzettel als Urkunde (im rechtlichen Sinne) ansehen und damit vorsätzliche Falscheintragungen sogar als Urkundenfälschung.

Allein deshalb würde ich bei der Wahrheit bleiben. Was der Chef da mit, ist meiner Meinung sogar Nötigung und Erpressung. Wenn du nicht das machst, fliegst du... Für mich ein Fall für den Staatsanwalt. Hast du Zeugen, die genauso behandelt werden wie weitere Hilfskräfte? Dann ist jetzt genau der Moment gekommen, um zu handeln. Auch der Zoll zu informieren ist sinnvoll, der ist für den Mindestlohn zuständig.

Kommentar von Simjuja ,

Ja. An Urkundenfälschung musste ich auch denken.
Ich weiß das die anderen ca. 12 Hilfskräfte in der Fakultät ebenfalls so angewisen wurden. Aber ich weiß nicht ob ich  die einzige bin, die sich deshalb beschwert hat.

Antwort
von Erklaerbaer17, 176

Ich würde die Stundenzettel so ausfüllen wie es der Wahrheit entspricht.

Du hast genau damit Recht was du hier aufführst. Und es ist auch klar das es deinem Arbeitgeber nicht gefällt, weil er genau das beabsichtigt.

Sollte er dich darauf Kündigen mit welchen Grund auch immer sehe ich gute Chancen für dich damit beim Arbeitsgericht durchzukommen wenn du gegen die Kündigung vorgehen willst. 

Kommentar von Simjuja ,

Ja das stimmt wohl. Es geht mir eigentlich weniger um Kündigungsschutz, als um eine Veränderung der Verhältnisse. Wenn in der privatwirtschaft so gemauschelt wird, dann ist das natürlich auch schlecht. Aber ich habe eben auch von jener Anweisung an einer anderen Hochschule in einer anderen Stadt gehört. Und ich finde es ehrlich gesagt ein Unding.

Sowohl  mein Chef als auch die Verwaltung meinen damit auf Grund von gesetzlichen Vorschriften zu handeln.

Kommentar von Erklaerbaer17 ,

Wenn das Belegbar wäre und du könntest mehr Leute für die Sache finden wäre das eigentlich wichtig dies einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu geben!

Antwort
von krzzr, 145

hi,
so wie dein chef meint, geht das nicht - das ist erpressung, wenn nicht sogar nötigung sowie vorsätzliche umgehung der gesetzl. regelung..

mach es vorerst doch mal so: füll die zettel so aus, wie ers haben will und schreib dir die 'xtra-leistung'  privat auf. so mit datum und stundenanzahl, wenn du einen zeugen dafür hast, umso besser. und am monatsletzten zeigst du ihm dann deine liste. und dann wirst du sehen, wie er reagiert. 

denn eines ist klar - wenn du  dich weigerst, ists vorbei, gründe finden solche typen allemal..

Antwort
von nurlinkehaende, 135

Wenn keiner mehr diese Fälschung mitmacht, wird die Uni und dieser feine Herr Professor darauf reagieren müssen.

So lange genügend Dumme da sind, geht die Sache weiter.

Recht bekommen muss man manchmal auch gemeinsam durchsetzen.

Kommentar von Simjuja ,

Ja. Die Frage wäre, wo ich mir Unterstützung helfen kann. Seitens des DGB? Oder was würdest du vorschlagen?

Kommentar von nurlinkehaende ,

Bist Du die einzige, die diesen Unfug mit dem Stundenzettel mitmacht?

Frag mal die anderen, ob man da nicht gemeinsam was machen will.

Was sehr wirkungsvoll sein kann, ist es, die gesetzliche Unfallversicherung zu informieren. Arbeitnehmer haben Schutz am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg. Dazu muss die Arbeitszeit wahrheitsgemäß dokumentiert werden.

Im Zweifel könnte derjenige, der nachweisbar die Vorgabe zur Fälschung von Dokumenten zum Nachweis der Arbeitszeit bricht, ein Problem haben, das er dem Richter erklären muss.

Wer selber an der Fälschung beteiligt ist, darf sich je nach Lage gewiss auch einmal mit dem Richter unterhalten.

Kommentar von nurlinkehaende ,

grubenschmalz hatte hier den Personalrat angesprochen. Stimme dem zu, mach Dir aber keine große Hoffnung, wie auch mit der Gewerkschaft, die kochen häufig nur ihre eigene Suppe.

Manche helfen aber auch richtig gut.

Kommentar von Simjuja ,

Nein leider bin ich nicht die Einzige. Es ist aber auch nicht die Hochschule an der ich studiere. Und ich habe von sowas leider auch schon von anderorts gehört.

Danke für den Hinweis.

Antwort
von PeterSchu, 81

Gibt es in einer Hochschule nicht einen Personalrat? Dann begib dich doch umgehend mal dorthin mit deinem Thema.

Wenn du willst, kannst du dem Erpressungsversuch mal das BGB entgegen halten:

"§ 612a

Maßregelungsverbot

Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung oder einer Maßnahme nicht benachteiligen, weil der Arbeitnehmer in zulässiger Weise seine Rechte ausübt."

Ich würde das nicht so hinnehmen, und alle anderen Betroffenen sollten es auch nicht tun. Wenn schon Hochschulen die Gesetze mit Füßen treten...

Antwort
von grubenschmalz, 105

Wende dich an den Personalrat. Dann hören diese Spielchen ganz schnell auf.

Antwort
von Novos, 115

Aufgrund einer Nötigung zur Gesetzesmissachtung ist eine Kündigung unwirksam.

Kommentar von Simjuja ,

Das sehe ich auch so. Nur mein Chef meinte es sei meine persönliche Interpretation, dass es sich hierbei um eine Drohung handeln würde.

Im Grunde stehe ich auch in der "sicheren Position". Da ich auf Wunsch der Verwaltung quasi für einen Monat hinterherarbeite. Es geht mir weniger um die Kündigung. Ich würde meinen Vertrag ab 01. März verlängern können. Möchte das aber nach letztem Ereignis nicht unbedingt.

Mir geht es quasi darum eine Änderung zu erzielen. Weil nach mir schon die nächste Studentin steht die gerne den Job haben möchte, wird das denke ich andernfalls weiter so gehandhabt werden.

Kommentar von Novos ,

Du kannst ein Exempel statuieren und die Echtzeiten eintragen und abwarten, ob Du Repressalien bekommst, gegen diei Du dann gerichtlich vorgehen kannst.

Antwort
von landregen, 109

Du kannst eigentlich wohl nur darauf bestehen, die vereinbarte Stundenzahl einzuhalten und nicht mehr arbeiten. Wenn du dann allerdings das vorgesehene Pensum Arbeit nicht schaffst, wird es vielleicht nicht lange halten mit dem Vertrag und keine Verlängerung geben.

Länger zu arbeiten als vertraglich vorgesehen, und dann mehr Geld haben wollen, das geht jedenfalls nicht.

Kommentar von krzzr ,

kann ja sein, daß es vertraglich vorgesehen sein kann, aber nicht unbegrenzt und ohne angemessene entschädigung..

kann ja nicht angehen, daß ein arbeitnehmer der willkür des chefs ausgesetzt werden kann..

Kommentar von landregen ,

Richtig. Aber erst stillschweigend mehr zu arbeiten und dann mehr Geld haben zu wollen, funktioniert natürlich nicht - vertraglich keine Grundlage da. Da muss man anders ansetzen und darauf hinweisen, dass so und so viele Arbeitsstunden vertraglich festgelegt sind und sich daran halten.

Kommentar von krzzr ,

du mußt eines bedenken, daß niemand einen 'job' anfängt und gleich sämtliche rechtlichen 'winkelzüge' aufn bildschirm hat.. 

zumal auch wirtschaftliche gründe zu dem einen oder andere 'zugeständnis' führen können. nur irgendwann ist doch mal 'ende-gelände' findest du nicht?

Kommentar von Simjuja ,

Ich habe insgesamt nicht mehr gearbeitet (für den vertraglich vereinbarten Zeitraum), Mir geht es darum, dass ich genötigt werde eine  Urkundenfälschung zu begehen. Und das durch diese Praxis Sinn und Zweck des Mindestlohngesetzes umgangen (wird/werden kann). Ich dokumentiere meine Stunden für mich im Privaten. Und arbeite dann dementsprechend. Ich finde diese Anordnung jedoch bedenklich. Denn genau dadurch ändert sich nichts daran das insbesondere auch studentische Hilfskräfte unbezahlte Überstunden machen und faktisch unter dem Mindestlohn arbeiten. Und ich weiß, dass das nicht nur an unserer Fakultät so gehandhabt wird.

Kommentar von landregen ,

Dann lass dich also nicht drauf ein. Es war schon immer so, dass studentische Hilfskräfte viel mehr gearbeitet haben als per Vertrag festgelegt. Das macht es allerdings kein bisschen besser.

Antwort
von Kuestenflieger, 70

wenn sie das volumen nicht schaffen in der vorgegebenen zeitspanne , ist das ihre schuld . aber sachliche zusammenhänge erkennen sie offenbar nicht , obwohl sie die erwähnen .

Kommentar von krzzr ,

die aussage des chefs besagt nicht, daß das volumen nicht geschafft wird/werden kann..

es geht um falsche angaben der arbeitszeit..

Kommentar von Kuestenflieger ,

sie  haben arbeiterdenke . schade.

Kommentar von Familiengerd ,

@ Kuestenflieger:

sie  haben arbeiterdenke . schade.

Auweia!

Was für ein "grandioser" - und dazu auch noch ideologisch verseuchter - Unsinn!!!

Kommentar von Familiengerd ,

@ krzzr:

Kuestenflieger etwas erklären zu wollen, ist vergebliche "Liebesmüh": die Antwort - und besonders auch der unsinnige Kommentar - ist eben ein "klassischer Kuestenflieger"!

Kommentar von Kuestenflieger ,

stört mich nicht , bleiben sie wie sie es gut finden . ich bleib realist .

studentische helfer sind eigentlich sekundär fiskalisch , primär bildungstechnisch orientiert . solche kenne ich genügend .

Kommentar von Familiengerd ,

Was hat eine polemische Aussage wie

sie  haben arbeiterdenke . schade.

mit "ich bleib realist" zu tun?!?

Die dokumentiert nur wieder einmal, was in so vielen Deiner unsäglichen Aussagen zum Ausdruck kommt: dass alles, was mit Arbeitnehmerrechten zu tun hat, für Dich "Teufelszeug" ist.

studentische helfer sind eigentlich sekundär fiskalisch , primär bildungstechnisch orientiert

So mancher Job für studentische Hilfskräfte an einer Uni hat mit "bildungstechnisch orientiert" überhaupt nichts zu tun, sondern dient einzig und alleine dazu, sich etwas Geld zu verdienen.

Wenn Deine Aussage also eine Kritik an der (angeblich wohl geldorientierten) Haltung der Fragestellerin sein soll, dann ist das schlicht völliger Quatsch!

Und so etwas gibt sich im Profil als "Berufsschullehrer , Ausbilder bei priv. Bildungsträger" aus - arme Schüler!

Antwort
von Hazardious, 103

Am effektivsten mit einem Anwalt. Das ist ja ein Unding!

Antwort
von Glubschiblub, 103

Natürlich ist das grundsätzlich nicht in Ordnung. Aber da kommt der Spruch: recht haben und recht bekommen sind zweierlei. Ich habe nur den Rat such dir was anderes gibt viele Arbeiten wo du tatsächlich 8,50 verdienst 

Kommentar von Simjuja ,

Ich führe konkret "Buch" über die tatsächlich geleistete Arbeit. Ich arbeite dann über das Semester nicht mehr. Mich ärgert nur die genererelle Handhabung. Weil das nicht nur mich betrifft, sondern auch andere Studenten. Habe das auch von einer anderen Hochschule gehört.

Kommentar von Glubschiblub ,

Wenn du für doch fairen Lohn bekommst musst du selbst entscheiden wie du damit umgehenst, d.h lohnt sich der Ärger? 

Kommentar von nurlinkehaende ,

Da wirst Du generell ein Problem haben.

So lange die Stundenzahl am Ende des Vertrages korrekt ist, wirst Du immer wieder auf Grenzbereiche stoßen, wo man nach Recht und Gesetz so und so handeln muss, aber in der Praxis ... (und hier denkst Du kurz selbst nach, weil ich das nicht schreiben werde).

Ich dachte bisher dass Ihr weniger schreiben sollt, als gearbeitet wird, wogegen man immer etwas unternehmen muss.

Kommentar von Simjuja ,

Naja, dass ich letzen Endes nicht mehr arbeite als bezahlt muss nicht für andere gelten.

Kommentar von nurlinkehaende ,

Das ist dann deren Problem, wenn sie es nicht ansprechen. Du musst Dich nicht um andere kümmern, so lange die nicht selber kommen und um Hilfe oder Unterstützung bitten.

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