Frage von DMD5070, 19

ich muss ein Vortrag über die Epikur Philosophie der Lebenweisheit machen. Was muss ich in meinem Vortrag anzeigen?

Antwort
von berkersheim, 3

Meine Lebensphilosophie ist der Epikureismus, begründet von Epikur um 310 v.Ch. und ausgebildet im „Garten“ in Athen. Die wichtigsten Lebensdaten findest Du bei Wikipedia, wobei, wie oft bei Philosophen der Antike, echte Lebensdaten und Legenden oder bösartige Geschichte von Gegnern seiner Philosophie vermengt sind.

Epikur hat eine systematische, auf Erfahrung aufgebaute, diesseitige Philosophie entwickelt (Monismus) und ist DER Gegenpart zu Platon, Aristoteles und der Stoa (Dualismus. Von seinen zahlreichen Werken ist nur Weniges erhalten. Das aber ist gut lesbar, weil ihm eine allgemeinverständliche Darstellung ein Anliegen ist. Man hat einen Philosophen vor sich, der mit beiden Füßen auf der Erde steht und die Welt und unsere Lebensbedingungen mit großer Bodenständigkeit betrachtet. Es gibt keine Probleme, unsere heutige moderne Welt mit wissenschaftlicher Sicht in sein System der Lebensphilosophie einzugliedern. Erhalten sind vor allem Lehrbriefe und Merksätze, deren speziell verkürzende sprachliche Charakteristik man nicht auf den Gehalt der Philosophie übertragen sollte. Was da manchmal dogmatisch und lehrerhaft erscheint, ist einmal der Form geschuldet (knappe Lehrbriefe) und zum zweiten der Tatsache, dass er als streng an der Diesseitigkeit orientierter Philosoph sich bewusst war, dass er im gesamten kulturellen Umfeld seiner Zeit ein metaphysisches Alleinstellungmerkmal innehatte. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich Epikur auf dieser konsequent metaphysischen Grundlage der Diesseitigkeit als ausgesprochen problemoffener Philosoph. Epikur ist nichts für Leute, die einen Hang haben, in abstrakte Höhen und idealistische Gefilden zu entschwinden.

Grundsätzlich ist Epikur ein Empirist, der von der Erfahrung ausgeht (wie später Hume oder Kant auch). Er will irdische Probleme nicht durch "Himmels- und Geistspekulationen" lösen, die er als "aufgesetzt" empfindet, sondern "wissenschaftlich" auf der Basis des hier Erfahrbaren, Prüfbaren. Aber, wenn man ihn mehrfach liest, spürt man, dass das Erfahrbare bei ihm ein weit gefasster Begriff ist. "Materialist" ist ein nicht auf Epikur passender Begriff, den als Monist lehnt er den Dualismus, die Trennung in Geist und Materie ab. Für ihn sind auch die Emotionalität und das Psychische Realität. Und wenn alle um ihn herum an Götter glauben, nimmt er das als Realität, die irgendeine frühe und aktuelle Lebenserfahrung repräsentieren und ernst genommen werden muss. Er ist da sehr breit aufgestellt und zeigt eine hohe Sensibilität für seelische Empfindungen und Grenzen der emotionalen Belastbarkeit bei Menschen und Vorstellungsstrategien, damit zurecht zu kommen. Darum lehnt er „Götter“ als „Gesamtpaket“ menschlich emotionaler Einstellungen zu den Kräften und Unkalkulierbarkeiten der Welt nicht kategorisch ab, versucht aber, sie Missdeutungen der Mächtigen zu entziehen und sie in eine motivierende, positive emotionale Umweltbewältigung einzubinden.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass es ihm nicht um irgendein "höchstes Glück" geht. Das stammt aus dem Denken der Platoniker, Aristoteliker und der Stoa. Er sagt immer wieder: Gute und schlechte Empfindungen aller Art sind "Warnbojen", Input der Natur, die uns zeigen, was dem Überleben dient und was es gefährdet. Aufgabe unseres Verstandes ist es, das differenzierter abzuwägen. Und natürlich streben wir das an, was dem Überleben dient und meiden, was ihm schadet. Das bedeutet aber nicht, dass wir „das Extrem“ (höchste Glück) suchen, zumal das für jeden etwas anderes ist. Ihm geht es vor allem um persönliche Integrität und Freiheit von Individuum und Gesellschaft. Angst ist ein Überlebensmechanismus. Aber eine übertriebene, nicht in echter Lebensgefahr begründete Angst wie die Angst vor den Strafen der Götter beschränkt unsere Integrität und Freiheit. Hunger und Durst zu stillen, sind natürliche Strebungen. Aber Völlerei und Trunksucht, also die Übertreibungen, machen süchtig und abhängig und gefährden ebenso unsere Integrität und Freiheit. Heute würden wir generell sagen: Unsere innere Freiheit gefährden wir, wenn wir den Verlockungen des "schönen und unaufmerksamen, nur den Trends folgenden Lebens" nachgeben, das unbedenkliche und unbedachte Mitschwimmen im Mainstream.

Natürlich greift auch Epikur auf Ideen vorausgegangener Philosophen zurück. Grundlage seiner Naturphilosophie sind die Grundaussagen der Seins-Philosophie des Parmenides. Das Sein als Ganzes ist unendlich und es kann ihm nichts hinzugefügt werden und nichts kann daraus verschwinden. Aber innerhalb des Seins gilt in der Tat die Idee des Heraklit: Alles fließt. Die Atome der Atomlehre des Demokrit sind in ständiger Bewegung, setzten sich in Formationen zusammen, lösen sich und verändern sich wieder. Es wird vielfach übersehen, dass das Atommodell drei Komponenten hat: Materie – Raum – und Bewegung. Letzteres, was wir heute mit Energie übersetzen würden, ist ein oft übersehener Aspekt. Dazu hat er das deterministische Atommodell des Demokrit abgeändert und die willkürliche kleine Abweichung eingeführt. Epikur – und da unterscheidet er sich fundamental von Demokrit – lehnt entschieden einen strikten Determinismus ab.

Was vielen Interpreten Epikurs Probleme bereitet ist seine Vorliebe für die „mäßige Mitte“. Auch hier folgt er Parmenides, den die Göttin belehrt, dass es zu den Irrungen menschlichen Denkens gehört, die Verhältnisse immer in ihren extremen Polaspekten zu betrachten: Licht und Dunkel, Gut und Böse usw.. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um gegensätzliche Perspektiven auf eine Gesamtheit, die den größeren, differenzierten Teil „der Mitte“ außer Acht lässt. Wird eine Kugel von einer Seite mit Licht beschienen, ist sie extrem hell und die Gegenseite dunkel. Der für Epikur interessantere, variantenreichere Teil ist die „Grauzone“ dazwischen. Parmenides folgend lehnt er es ab, als Extrem, das „höchste Glück“ zu suchen. Ihm geht es um das dauerhaft gelingende Leben in den Wechselfällen des Lebendigen.

In Epikurs Ausführungen finden sich bereits Gedanken, die wir heute als "evolutionär" bezeichnen würden. Seine Sprachtheorie geht z.B. davon aus, dass sich die menschliche Sprache aus der Kommunikation der Tiere entwickelt hat. Die Rousseauche Theorie des Gesellschaftsvertrags steht bei Epikur. Und die französischen und englischen Aufklärer, die sicher die Übersetzungen von Pierre Gassendi (1592 – 1652, franz. Übersetzer der Werke Epikurs) gelesen haben, fundieren auch auf der Philosophie Epikurs. Es finden sich bei Epikur Auffassungen, die wir mit Sir Karl R. Popper als "Falsifikation" bezeichnen können. Zwei Theorien sind solange gleichwertig, bis sich eine eindeutig als die mit den besseren Erklärungen und größerer Prognosesicherheit herausstellt. Der Test auf die Realität entscheidet. So erweist sich die Philosophie Epikurs als ein komplettes System, in dem bereits vieles vorweggenommen ist, was sich später in unseren modernen Auffassungen wiederfindet, soweit wir uns als Basis auf die Erfahrung berufen.

„Niemand kann ein gelingendes, glückliches Leben führen, ohne einsichtsvoll, in innerer Gelassenheit und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, in innerer Gelassenheit und gerecht zu leben, ohne ein gelingendes, glückliches Leben zu führen.“ Mit diesem Spruch verknüpft Epikur die individuelle Befindlichkeit mit der gesellschaftlichen, denn niemand kann für sich glücklich werden in einer rundum unglücklichen, ungerechten und missratenen Gesellschaft. Auch wenn er empfiehlt, dass man sein Glück nicht ausschließlich an eine politische Karriere hängen sollte, weil sie abhängig macht vom allgemeinen Meinungsbild, so empfiehlt er keineswegs, aus der Gesellschaft auszusteigen. Verantwortung, Aufmerksamkeit, Wachheit und Aufgeklärtheit sind wichtige Voraussetzungen für ein Leben in innerer Gelassenheit. Das beste ist die Freundschaft, der Freundeskreis, gewachsen auf gegenseitigem Vertrauen. So ist Lebenskunst das Vermögen, den Ausgleich zu finden zwischen individuellen Bedürfnissen einer freien Entfaltung und einem ausgewogenen, verantwortungsvollen Miteinander. Zur Bewertung in Entscheidungssituationen ist Karl Popper mit seinem „negativen Utilitarismus“ dem „positiven Utilitarismus“ von Mill näher an Epikur. Prüfe alle Entscheidungen auch auf negative Wirkungen auf Dich und die Gemeinschaft und wähle die, deren negative Wirkungen Du am besten in den Griff bekommen kannst.

Als Lektüre im Netz empfohlen:
http://www.zeit.de/1999/27/Leben_wie_ein_Gott_auf_Erden

Antwort
von Ottavio, 8

Besorge Dir den Brief an Menoikeus möglichst vollständig und referiere seinen Inhalt  mit eigenen Erklärungen. Das reicht, um eine Schulstunde damit zu füllen.

Da die Kirche ihn jahrtausendelang zum Teufel gewünscht hat, sind seine Werke meistens nur noch in Bruchstücken erhalten. In Bibliotheken gibt es davon eine aktuelle Gesamtausgabe. Sie ist zweisprachig: Griechisch und Italienisch. Das kann ich beides ein bisschen, es bleibt aber mühsam. Ich kann es nur empfehlen, wenn Du zufällig mindestens eine der Sprachen verstehst.

Wichtige Stichworte sind:

- Hedone (freude, nicht (!) Lust)

- Ataraxia (Nichtaufgewühltsein der Seele)

- Sorgfältige Auswahl der Freuden

- fromme Gedanken über, aber keine Angst vor den Göttern

-keinE Angst vor dem Tod 

Antwort
von Pyramesse27, 7

Epikur war ein Philosoph des Hätte,Wäre,Wenn und Aber. Er wusste schon damals, das sehr viele Bedingungen dafür notwendig sind, um das Leben auf der Erde zu ermöglichen . Und dieses Möglich-Sein nennt man auch Konvergenz.  Auf Epikur geht auch der Hedonismus zurück,das Lustprinzip,worunter man sehr vieles verstehen kann und deshalb nicht zwangsläufig etwas Unmoralisches zu verstehen ist. So z.B. ,,Hast du Lust auf ein Eis ? Aufgefaßt wurde das später als Hemmnis für die Obrigkeit, die kleinen Leute besser ausbeuten zu können. Selbst Kant stand dieser Regel ablehnend gegenüber,da er diese als Konkurrenz zum bedingungslosen Imperativ sah. Beim Lustprinzip wird also selten differenziert noch objektiv geurteilt. Auch geht auf Epikur die Weisheit zurück, das Nichts verlorengeht, nur das Alles stets zurückgegeben wird. Gruß

Antwort
von Hamburger02, 4

Ein Kernsatz (sinngemäß), um die Diesseitigkeit zu illustrieren:

Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Ist er, bin ich nicht, bin ich, ist er nicht.

Antwort
von kubamax, 8

Dass die christliche Kirche ihn 2000 Jahre lang zum Teufel wünschte.

Kommentar von DMD5070 ,

ja aber was möchten er über der Lebenweisheit sagen ?

Kommentar von kubamax ,

Lebensfreude und Genuss mit Mäßigung

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten