Frage von Happriberan, 108

Ich möchte meiner Tochter den Wunsch des eigenen Pferdes erfüllen, welche Rasse würdet ihr empfehlen, es sollte eine umgängliche Rasse sein?

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 80

VORSICHT - VIEL TEXT!

Das kann man leider nicht an einer speziellen Rasse ausmachen, sondern zum einen mit dem Pferd selber, mit der Reitweise, in der es geritten werden soll und mit dem Können Deines Kindes. Die Chemie zwischen Pferd und Reiter muss stimmen und das Pferd muss sich für die angestrebte Reitweise eignen. Mach nicht den Fehler, den viele Unwissende machen und kaufe Deinem jungen unerfahren Kind ein junges unerfahrenes Pferd. Das endet sehr oft in frustrierenden Katastrophen. Aber eben auch nicht das andere Extrem - ein zu altes Pferd, welches aufgrund seines Alters recht schnell an seine Grenzen stößt - daran hat ein Kind dann meist auch keine Freude. Genau so wenig halte ich etwas davon, als unerfahrener Mensch ein schwieriges, vernachlässigtes, misshandeltes Pferd retten zu wollen. Schon gar nicht, wenn ein unerfahrenes Kind diesem ausgesetzt wird.

Ideal halte ich in einer solchen Situation ein Pferd zwischen 9 und 12 Jahren, welches gut ausgebildet ist, freundlich und aufgeschlossen und lieb im Umgang. Leider hat genau diese Altersklasse auch ihren Preis - je nach reitweise und Ausbildungsstand.

Meine Kinder sind mit Pferden groß geworden und haben dadurch eine tolle Kindheit gehabt - das sagen übereinstimmend alle drei. Auch wenn unser Ältester mittlerweile nicht mehr reitet, so weiß auch er, dass er dem Reitsport viel zu verdanken hat. Denn neben dem Sport an sich und den erittenen Erfolgen, gab und gibt es eben auch das Kümmern um die Pferde und all das, was man von ihnen zurückbekommt und die Kameradschaft und den Zusammenhalt an unserem Reitstall und all die großen und kleinen Momente, die wir Pferdeverrückten so sehr lieben. Und bevor es jetzt zu sehr nach rosaroter Brille klingt - natürlich gibt es nicht nur Glanz und Gloria - es gibt immer wieder auch mal Zoff am Stall, dass ein Pferd erkrankt, ziemliche Tierarztkosten und das Dinge nicht so laufen, wie man das gerne hätte - aber für mich persönlich überwiegt Gott sei Dank das Positive.

Dass Du Deinem Kind diesen Traum erfüllen möchtest, ist natürlich ein Schritt, um den es viele sehnsüchtige Mädchen beneiden werden. In der Regel ist es ja ehr so, dass hier Mädchen verzweifelt fragen, was für Tipps man hätte, ihre Eltern zum Kauf zu überreden;-)

Aber da Du selber nicht wirklich Ahnung von der Materie zu haben scheinst, empfehle ich Dir, dieses Wagnis nicht alleine anzugehen. Denn sonst kann das unter Umständen übel und mit großen Enttäuschungen und Fehlern  ausgehen. Du brauchst unbedingt jemanden, der sich mit Pferden auskennt, sonst wird Deine Unkenntnis unter Umständen böse ausgenutzt und Du fies übervorteilt. Jemandem, der keine Ahnung hat, kann ein gewiefter Verkäufer alles aufschwatzen, wenn er das richtige Feeling für die für Dich passende Geschichte hat.  Sollte Dein Kind bereits reiten, hat es einen Trainer, einen Reitlehrer, den ich an Deiner Stelle versuchen würde mit in Boot zu holen. Zum einen kennt er den Leistungsstand Deines Kindes und zum anderen wird er hoffentlich genug Ahnung haben, Euch gut zu beraten oder kennt vielleicht sogar das geeignete zum Verkauf stehende Pferd.

Wenn Du ein Pferd kaufst, gibt es aber bereits im Vorfeld viel zu bedenken. Das Ganze fängt schon mit dem richtigen Reitstall und der vorherrschenden Reitweise dort  an und mit den allgemeinen Bedingungen. Gibt es überhaupt eine freie Box? Einen freien Platz? Wie werden die Pferde dort gehalten - entspricht das dem, was Du Dir vorstellst? Gibt es 2 oder 3 mal Futter am Tag? Große helle Boxen? Weidegang? Reitplätze? Ausreitgebiet? Offenstall? Paddockboxen? Führanlage? Kosten für die Unterbringung? Ausreichend Heu? Halle oder Hallen, damit auch im Winter bei jedem Wetter geritten werden kann? Guter und qualifizierter Unterricht? Kosten dieses Unterrichtes? Nette Einstaller? Genügend Kinder im ähnlichen Alter? Kann Dein Kind den Stall auch alleine erreichen? Hat der angeschlossene Reitverein eine gute Jugendarbeit? Gibt es ein Beritt-Angebot von jemand Qualifiziertem, falls das Pferd vielleicht einmal Korrektur benötigt? 

Mach den Pferdekauf nicht an einer Rasse fest - sondern am geeigneten Ausbildungsstand in der angestrebten Reitweise, am Gesundheitszustand (immer eine Anlaufuntersuchung machen lassen!!!) und daran, wie wohl sich Dein Kind mit dem Pferd fühlt und wie geeignet der Trainer es für Dein Kind findet.

Viel Erfolg!

Kommentar von sukueh ,

Perfekte Antwort !

Kommentar von Sallyvita ,

Dankeschön:-)))

Antwort
von sukueh, 56

Umgänglich ist jedes Pferd, wenn es entsprechend gehalten wird.

Pferde sind keine Autos, die je nach Rasse fest geschriebene Eigenschaften haben, sondern sie sind je nach bisheriger Haltung, Umgang und Ausbildung mal so und mal so.

Eltern, die keine Ahnung von Pferden haben, sollten sich vor dem Kauf wirklich mehr mit der Materie befassen, als nur "dieses Pferd scheint nett zu sein und der Preis ist auch okay" .

Sonst wird's einerseits teuerer als ursprünglich geplant und kann - je nach Pferd - auch gefährlich werden !

An deiner Stelle würde ich mir den Reitlehrer der Tochter schnappen und mit dem mal reden, ob er deine Tochter überhaupt für geeignet hält, mit einem eigenen Pferd zurecht zu kommen. Nur weil die Tochter gerne eines hätte, heißt das noch lange nicht, dass sie reiterlich und vom Umgang her auch schon so weit ist, dass das eigene Pferd nicht in einer "will ich nicht mehr, das Pferd ist doof/gefährlich"-Situation endet.

Idealerweise sollte der Reitlehrer nicht zufälligerweise gleichzeitig auch Pferde verkaufen, sonst ist an der Ernsthaftigkeit der Antwort etwas zu zweifeln (wenn er dir gleichzeitig etwas verkaufen möchte).

Den Reitlehrer solltest du dann also mit ins Boot holen, wenn ihr euch Pferde anschaut. Unbedingt mehrfach Probereiten und unbedingt eine AKU machen. Vorab guck dich nach einem Stall um, in dem das Pferd untergestellt wird.

Es wäre wirklich gut, sich soweit mit der Materie Pferd zu befassen, dass auch ihr als Eltern in der Lage seit, einen einigermaßen vernünftigen Stall zu erkennen. Der Stall sollte nach "Qualität" ausgesucht werden und nicht nach Preis.

Bedenke, dass das Kind trotzdem noch Reitunterricht brauchen wird. Ein eignes Pferd "spart" in keinem Fall die Kosten des Reitunterrichts.

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 65

Eine Rasseempfehlung können wir hier nicht geben. Wie bei allen anderen Lebewesen gilt "wie man sich's zieht, so hat man's". Die Pferde reagieren auf uns. Gib einem erfahrenen, guten, gelassenen Pferdemenschen ein Pferd, das von allen anderen nur als Katastrophe bezeichnet wird und er wird ein tolles Pferd draus machen. Gib hingegen einem Hektiker oder einem ängstlichen Menschen ein ruhiges, gelassenes, nettes Pferd und schon nach wenigen Tagen oder Wochen beobachtest Du, wie dieses Pferd immer weniger von seiner Gelassenheit zeigt, immer mehr weg springt, langsam aber sicher zur Gefahr für sich selbst, seinen Menschen und die Umgebung wird.

Würden sich diese durchaus großen und schweren Tiere dem Menschen nicht neugierig anschließen, so wären sie nie unsere Reittiere geworden.

Dummerweise hat das halt auch zur Folge, dass sie beobachten, was wir von einer Situation halten und ihre Schlüsse daraus ziehen, noch lang bevor wir in der Lage sind, selbst uns unserer Äußerungen bewusst zu sein: Wird unsere Atmung etwas anders, weil wir sehen, da vorne kommt eine Situation, in der uns schonmal ein Pferd komisch reagiert hat, weiß das Pferd schon "da müssen wir jetzt auf uns aufpassen, da ist es gefährlich" und uns wird erst später bewusst, was wir da grade wahrnehmen.

Umgekehrt ist es aber genauso: Wer ein Pferd gut handeln kann, wer dabei Ruhe bewahrt, sich in jeder Situation im Klaren ist, was er tun muss, um nicht versehentlich in Gefahr zu geraten (sie sind halt groß und schwer, wir müssen z.B. nicht unbedingt unter sie) und der konsequent mit seinem Pferd umgeht (nicht was dreimal durchgehen lassen und beim vierten Mal plötzlich strafen, nicht gleich mit einer harten Strafe kommen, ohne dem Pferd die Chance zu geben, auf eine leichte Hilfe zu reagieren, ...), der wird immer ein sehr anständiges Pferd haben.

Man kann sich die Umgänglichkeit nicht kaufen, die muss man sich erarbeiten. Es ist nur eine Frage von Wochen, das zu ändern, was der Vorbesitzer geleistet hat, langfristig ist das also nichts wert.

Antwort
von farbenlos, 93

Kann sie denn ueberhaupt etwas reiten? Ein Pferd ist ein Tier mit Gefuehlen - wenn man keine Ahnung davon hat, sollte man sich nicht gleich ein eigenes zulegen

Kommentar von ponyfliege ,

punktlandung! 

super antwort.

Kommentar von dressurreiter ,

Hallo farbenlos, dein Name passt zu deinen antworten

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 83

hallo,

deine ambition ist sehr ehrenwert.

allerdings würde ich dich zunächst gern auf die folgekosten hinweisen.

regelmässige kosten:

haftpflicht (gesetzliche vorschrift!!!) jahresbeitrag je nach versicherungsgesellschaft.

400-500 euro monatlich für stallpension mit futter (das ding mit dem futter ist ein bissel ein "haken". meist kriegen alle pferde das selbe. manche vertragen es, manche nicht.

50 euro für hufbearbeitung

blutuntersuchungen, wurmkuren, zahnkontrolle und - bearbeitung - im schnitt etwa 60 euro monatlich - so das pferd ansonsten gesund ist.

alle drei bis sechs monate muss der sattler kommen. 60-200 euro

reitunterricht und beritt des pferdes - monatlich mindestens 100 euro.

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einmalige, bzw. seltene kosten.

ankaufsuntersuchung - 250-500 euro

erstausrüstung - sattel, trense, satteldecken, halfter, strick, putzzeug und diverse kleinigkeiten - zwischen 2.000 und 4.500 euro.

vielleicht möchte töchterchen aufs turnier und papa soll sie fahren... pferdeanhänger 2.000-8.000 euro.

rücklagen für tierärztliche unvorhergesehene behandlungen: als "stock" sollte ein mittlerer vierstelliger betrag (4.000-6.000 euro) vorhanden sein. da sollte man auch monatlich noch was ansparen. nach möglichkeit mindestens einen hunderter, besser aber mehr. - es gibt dinge, die plötzlich und unerwartet passieren: reheschub, ecs, schwere kolik, lungenentzündung oder auch nur hartnäckiger satteldruck oder ein blöder weideunfall... das kann dann auch mal in einem jahr einen fünfstelligen betrag "fressen".

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monatliche kosten ca. 750 euro plus rücklagenansparung für tierarzt. gesamt also c.a 800 euro.

plus einmalige kosten am anfang von durchschnittlich 3.500 euro.

und natürlich plus die kosten für das pferd. ein solides, braves, gut gerittenes pferd kostet c.a. ab 6.000 euro.

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und dann... scheinst du nicht die meiste ahnung von pferden zu haben. natürlich gibt es rassen, die durchschnittlich eher als erstes pferd geeignet sind, als andere.

aber das kann man nicht an einer rasse festmachen.

erstens schreibst du nicht, wie alt "madame" ist, dann weiss hier keiner, wieviel reiterfahrung sie hat. vermutlich eher wenig.

ausserdem kannst du nicht mit rat und tat zur seite stehen, wenn es mal probleme gibt.

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bitte kauf dem kind KEIN pferd.

aber du könntest ihr ja eine reitbeteiligung erlauben!

Kommentar von farbenlos ,

Nein nein, du hast schon Recht. Ein Pferd ist verdammt teuer

Kommentar von ponyfliege ,

wäre zum beispiel ziemlich übel, wenn man es zum schlachter bringen muss, weil man nicht genug geld für den tierarzt hat...

ums glücklich sein geht es mir vorwiegend für das pferd.

und spass bei der sache... pferde sind keine sache, sondern lebewesen... 

für die bemerkung mit dem spass an der sache muss man sich ja direkt fremdschämen.

Kommentar von Aredhel ,

pferdefreund12, das hat nichts mit spießig zu tun, viele Leute kaufen ein Pferd, haben aber weder das nötige Kleingeld mit, noch genug Ahnung. Der Leidtragende ist dabei immer das Pferd. Aber das scheint dir ja nicht so wichtig zu sein, wenn es nur um Spaß an der Sache geht.

Kommentar von dressurreiter ,

Wenn du hier nicht solche riesen Textevschreiben würdest, und lieber arbeiten gehen, könntest du dir auch ein Pferd leisten. Und wenn du jetzt sagst, ich weiß dich gar nicht ob du nicht doch arbeiten gehst und vielleicht schon ein Pferd hast, dann hast du Recht, aber genau so ohne von anderen was zu wissen gibst du seinen Belehrungen und Antworten!

Kommentar von dancefloor55 ,

Es gitb Leute die 50h die Woche arbeiten und sich trotzdem kein Pferd leisten können - also zwar nett dass du sie arbeiten schickst aber heutzutage verdient man leider nicht in jedem Job so viel, dass man jeden Monat 500 € einfach mal so für ein Hobby ausgeben kann.

Antwort
von Zyrober, 86

Wenn dir jemand sagt: "Such dir ein Auto aus. Du hast die freie Auswahl. Ich schenke dir, das Auto, das du willst." - dann hast du wahrscheinlich entweder schon eine sehr genaue Vorstellung, was du willst, oder es wird der größte Spaß der Welt, das richtige Auto für dich auszusuchen und du wirst dir dabei gewissenhaft alle relevanten Informationen besorgen.

Genauso wird es wahrscheinlich bei deiner Tochter und ihrem Pferd sein. Also wenn das nicht gerade so eine Überraschung wie "Ach ich hab da noch was für dich, es steht dort hinten und wiehert" sein soll (und das ist echt nicht zu empfehlen", dann bezieh nicht die Leute auf gutefrage.net, sondern deine Tochter in diese Diskussion und die Planung mit ein.

Antwort
von yatoliefergott, 96

Es gibt ab und zu mal solche Ausstellungen mit Pferden, dort kann man dich direkt beraten lassen, sonst gibts noch genug andere Seiten, die sich speziell an angehende pferdehalter wenden. Hier auf gf.net sagt dir jeder das, womit er die besten Erfahrungen gemacht hat, aber da jeder Mensch unterschiedlich ist, wird es wohl kaum eine gute Antwort in dem Sinne geben. Viel Glück

Antwort
von horsesayscoffin, 62

Kommt auch drauf an was deine tochter reitet, oder was für pläne sie hat. Wenn sie western reitet, schenk ihr bitte keinen friesen oder DRP. Wenn sie dressur reitet und auch mal auf turnieren glänzen will, keinen haflinger, sondern DRP, oder achte beim pferd wenn du die möglichleit dazu hast, darauf, dass es ein Donnerhallnachkomme ist. Wallache und stuten von ihm kann ich nur empfehlen, wenn sie schon fortgeschritten ist. Die gewöhnen sich zwar schnell schwierigkeiten an, wenn die hand zu hart ist, aber haben wirklich schöne gangarten und einen fleißigen schritt. Hatte jetzt 2 donnerhallis (dorina,Donnerhall+sacramento song,Dublin,donnerhall+? )unterm sattel, beide leider von ihrer RB verritten, aber die sind vor der RB echt wunderbar gelaufen.

Kommentar von Magda1028 ,

Nicht nur Donnerhall hat tolle Dressurpferde als Nachkommen. Auch auf Hengste wie De Niro oder Weltmeyer wären aus der Zucht nichtmehr wegzudenken.

Kommentar von Viowow ,

😂stellt euch vor, es gibt noch 1000de andere tolle pferde, die tolle nachkommen in die welt gesetzt haben. und die einzige schwierigkeit, die ein pferd hat, das mit harter hand geritten wird, ist der unfähige reiter. richlich hochnäsig, dein text.....

Antwort
von Viowow, 83

es gibt keine "umgängliche rasse".
ein pferd muss passen. das ist wie heiraten.
also tochter einpacken und probereiten gehen....

Antwort
von Happriberan, 26

Ich habe heute nochmal den ganzen Tag recherchiert und eure Antworten sind auch alle sehr gut. Bei der suche bin ich immer wieder auf diese Rasse Faliser Pferde gestoßen, wie zum Beispiel diese Seite: https://faliserpferdenews.wordpress.com

Kennt sich jemand damit aus, sie soll sehr umgänglich sein.

Gruß

Kommentar von Viowow ,

es gibt keine umgängliche rasse. nochmal. und faliser sind eine modeerscheinung....

Antwort
von Lemontear77, 21

Sehr wichtig:

Wie gut reitet deine Tochter und wie alt / groß ist sie?

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