Frage von Chole, 85

Ich möchte fasten (Ramadan) - Tipps?

Guten Abend!

Ich bin weiblich, 19 Jahre jung und bosnische Muslimin, jedoch nicht praktizierend. Da innerhalb meiner Familie viele chronischen Krankheiten haben, wurde es mir nie direkt vorgelebt, wie der Fastenmonat genau verläuft und so war mir die Wichtigkeit des Zuckerfestes am Ende des Monats auch nie ganz bewusst. Erst vor kurzem habe ich von dem Gebet Tarawih gehört, und das finde ich wirklich schade, dass mir das so lange nicht bekannt war. Das möchte ich jetzt ändern!

Da leider auch ich eine chronische Krankheit habe und aufgrund meiner eher schwächlichen Natur mich im jetzigen Zeitpunkt meines Lebens nicht in der Lage sehe, den ganzen Tag bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken zu verzichten, möchte ich mich dennoch so weit einschränken, wie es mir möglich ist und möglich bescheiden leben. Folgendes habe ich vor:

- Verzicht auf Süßigkeiten, Fast Food und Limonaden/Softgetränke
- Kein Alkohol (auch, wenn ich diesen ohnehin nicht trinke)
- Möglichst "natürlich" essen, sprich keine verarbeiteten (Fertig-)Gerichte und selber kochen
- Internetkonsum minimieren und sonstigen Konsum von "Luxus" beschränken/vermeiden
- Den Koran lesen
- Mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen analysieren und bessern
- Möglichst viel helfen und Gutes tun

Ist dies für den Anfang und für meine momentanen Umstände "genügend", oder kann ich noch etwas hinzufüge/besser machen? Wie kann ichmehr über meinen Glauben lernen, abgesehen natürlich von meinen Familienmitgliedern? :) Ich möchte nun einfach mehr über meinen Glauben erfahren, mehr über dessen Tradition und Geschichte. Da meine Oma rahmetli jedoch verstorben ist, die prakitzierende Muslimin war und mir in meiner Kindheit zumindest 3-4 Gebete beigebracht hatte, weiß ich nicht so recht, woher ich mir die seriösen Informationen meines Glaubens hernehmen soll und woher ich die Gebete lernen soll. Seriös, weil ich weiß, dass leider Gottes gerne bei religiösen Bezügen Falschinformationen vergeben/verbreitet werden.

Ich danke jedem, der mir hilfreiche Ratschläge gibt und mir somit eine Unterstützung in meinem Vorhaben bietet! :) Einen schönen Abend wünsche ich euch!

Antwort
von AbuAziz, 16

Assalamu alaikum

Ich empfehle dir, aufgrund deiner Gesundheit das Fasten auf den Winter zu verschieben. Als kranker Mensch brauchst du nicht zu fasten. Du kannst versuchen im Winter(Dezember), wenn die Tage ganz kurz sind nachzufasten. Sollte dies auch nicht gehen, dann spende für jeden Tag, den du nicht fasten kannst einem armen Menschen für einen Tag Essen.

Du findest zu allen fünf Säulen des Islam hier Bücher(Pdf-Dokumente).

http://www.way-to-allah.com/e-books/5Saeulen.html


Hier gibt es weitere Informationen:
http://www.way-to-allah.com/e-books

Und auch zum Beispiel hier:

http://www.islam.de/27 - hier geht es ums Gebet aber es gibt auch viel mehr Informationen über den Islam
http://www.islam.de

wassalam

Antwort
von hourriyah29, 26

ht. Hallo Chole, salam aleikum!

ich finde es sehr schön, dass Du Deine Religion entdecken und leben möchtest, obwohl Dir Deine Familie dies nicht beigebracht hat.

Ramadan alleine zu feiern ist nicht einfach und Du hast Dir viel vorgenommen.

Wenn Du wegen Krankheit oder Konstitution nicht fasten kannst, dann musst Du das nicht. Gesunde Ernährung und Verzicht sind gute Übung, gut für Deinen Körper und gut für Deine Seele, aber kein Ersatz für das Fasten.

Wenn Du ein wenig "Fasten-Feeling" haben möchtest versuche die letzten Stunden des Tages zu fasten und geniese das Iftar zusammen mit anderen Muslimen. So bist Du nicht ganz vom Fasten und den Fastenden getrennt. Suche Dir eine Moschee in der Du das Iftar und das Gebet mit anderen erleben kannst.

Als Ersatz für das Fasten solltest Du spenden. Informationen dazu findest Du z.B. auf der Seite von Muslime helfen. Wenn Du dort spendest erhälts Du auch ein Magazin mit interessanten Informationen und gelegentlich nützlichen Beigaben wie z.B. einen Kalender mit den Feiertagen oder Karten mit Gebeten.

Kennst Du schon die 5 Säulen des Islam? Die wären das Wichtigste für den Anfang. Es gibt eine Menge guter Bücher z.B. von Mourad Hoffmann (einem deutschen Konvertiten), Fatima Mernissi (gerade wenn Dich soziale und politische Aspekte interessieren) oder sogar von der "Für Dummies" Reihe für Basic-Informations und schnellen Überblick (z.B. Quran für Dummies).

Vielleicht kannst Du jeden Tag ein wenig in einem Buch und ein wenig im Quran lesen. Ein Tip: Fange von hinten her an. Hinten sind die kleineren und leichteren Suren, vorne die längeren und schwierigeren. Es wäre gut, wenn Du jemanden hättest, der Dir Fragen beantwortet oder etwas erklären kann.

Du kannst mich gerne anschreiben, aber jemanden direkt bei Dir wäre besser.

Der nächste Schritt wäre das Beten zu lernen. Das kann man z.B mit youtube videos, Büchern oder von anderen Muslimen.

Lerne erst einmal die Haltungen und Abläufe. Danach Schritt für Schritt die Worte, die zu den Haltungen gehören. Das ist effizienter, als wenn man von vorne nach hinten auswendig lernt und die Haltungen alleine sind schon wichtig und wohltuend ;)

Es wäre gut, wenn Du Musliminnen triffst, aber wie Du selbst schon geschrieben hast...glaube nicht jedem. Sammle viele Informationen und lerne die Unterschiede kennen. "Den Islam" gibt es nicht. Jeder Muslim hat seinen eigenen Islam. Du hast das Recht und die Verpflichtung Dir eine eigene Meinung zu bilden und den Islam so auzuleben wie Du es für richtig hälts und Allah wird uns am Ende die Wahrheit offenbaren.

Es wird gesagt Mohammed saaws habe empfohlen den Islam von den alten Frauen zu lernen. Deine Oma wäre vermutlich so eine Frau gewesen ;)

Als ich den Islam kennengelernt habe hat mit einer meiner Lehrer gesagt "If it is not good, it is not my Islam", also lasse Dich von Deinem Herzen leiten, was Du glauben willst und was nicht. Je mehr Wissen Du hast, desto besser wird Dein Islam sein.

LG und alles Gute!

Hourriyah

Kommentar von CountDracula ,

Ich habe mir neulich "Der Koran für Kinder und Erwachsene" von Lamya Kaddor und Rabeya Müller aus der Bücherei ausgeliehen: Auf einer Seite stehen dort die Suren auf Arabisch und auf der anderen Seite auf Deutsch. Dazu gibt es noch einige Erklärungen, die sehr verständlich geschrieben sind.

Kommentar von hourriyah29 ,

Ja, das ist auch ein gutes Buch! :)

Antwort
von saidJ, 12

Esselamu alejkum
Du bist nicht verpflichtet zu fasten wenn du körperlich dazu nicht in der Lage bist .
Das fasten beinhaltet nicht nur das enthalten vom essen und trinken sondern auch von allen schlechten angewohnheiten die man hat .
Kurz gesagt : Tu soviel gutes wie möglich und so wenig schlechtes wie möglich .
Widme den ganzen Monat voll und ganz Allah s.w.t und enthalte dich von allem das ihn unzufrieden macht .
Meide es Filme zu schaun , Musik zu hören , den Kontakt zu nicht Mahrams ( Mahram = Jemand den du islamisch gesehen nicht heiraten darfst beispielsweise dein Vater oder dein Ehemann ) .
Meide es schlechte Wörter zu benutzen und sei noch besser als sonst zu deinen Eltern .
Hilf ihnen wo auch immer du kannst , Allah s.w.t sagt im koran das wir nicht einmal "Uff" sagen dürfen .
Bete das Nachtgebet ( Qiyam ul Lail ) .
Dieses betet man im letzten drittel der Nacht . (Kannst du überhaupt beten ? )
Falls du aufgrund deiner Krankheit nicht fasten kannst kannst du wie AbuAziz schon sagte im Winter nachfasten falls es dir da möglich wäre .
Falls nicht musst du für jeden versäumten Tag einen armen speisen .
Sei vorsichtig beim erlangen von Informationen .
Die bosnisch-islamische Glaubensgemeinschaft hat leider auch viel von ihrer Tradition in den Glauben eingebunden . ( nicht nur in Bosnien ist das so sondern in vielen Teilen des Balkans )
Vieles das vielleicht nicht ganz so gut ist .
Ich kann dir  "Safet Kuduzovic " empfehlen  er ist ein bosnischer Sheikh und definitiv vertrauenswürdig .
Falls du sonst noch Fragen hast kannst du mich entweder hier Fragen oder privat anschreiben falls dir das lieber ist .
Möge Allah s.w.t es dir leicht machen und dich von deiner Krankheit befreien .

Antwort
von CountDracula, 13

Hallo,

erst einmal Respekt, dass Du es versuchen möchtest. Ich bin mir sicher, dass Du es schaffen kannst.

Ich habe schon einige Ernährungsumstellungen hinter mir. Die letzte davon war bei mir, dass ich mich gesünder ernähre, sprich: Weniger Süßigkeiten und Fertiggerichte. (Alkohol trinke ich sowieso auch nicht.)

Heilsames tun, den Konsum von Luxus einschränken und mein Verhalten gegenüber Mitmenschen analysieren und bessern gehören für mich als Buddhistin sowieso zum Programm. Und ersetzt man "Koran" durch "Dhammapada" (das sind überlieferte Lehrreden des Buddha), passt der Punkt "Koran lesen" sogar auch.

Das alles ist nicht immer einfach, aber es ist zu schaffen. Es gibt auch Tage, an denen es einmal nicht so gut klappt und ich meinen Gelüsten verfalle, aber das ist völlig in Ordnung. Das geht vielen so, vor allem am Anfang. Sei in solchen Situationen also nicht zu hart zu Dir selbst.

Wenn Du großen Appetit auf Süßes hast, können süßes Obst, ein selbst gemachter Shake oder Smoothie oder auch ein süßer Tee Abhilfe verschaffen; ansonsten eignet sich Obst (z. B. Gurken oder Möhren) gut als Snack.

Zum Bekämpfen von Verlangen habe ich einen Trick: Im Buddhismus wird das Verlangen durch einen Dämon namens Mara personifiziert. Wenn ich starkes Verlangen habe, hilft es mir, mir zu sagen: "Mara, ich kenne Dich. Du kannst mich nicht besiegen."

Ich kann Dir als Lektüre "Kraftstoff" von Mark Lauren empfehlen: Das ist ein Koch- und Backbuch, das sich an genau diese Regeln (keine Süßigkeiten, kein Alkohol) hält.

Mark Lauren hat auch einn Schlachtruf, der ermutigen soll: "Hooya!" Das ist eigentlich ein Ruf, der bei den Navy SEALs gerufen wird, aber er hilft auch in anderen Situationen wirklich gut. Er signalisiert: "Ich schaffe das." Oder: "Wir schaffen das."

Nach einer Ernährungsumstellung kann es sein, dass es Dir ein paar Tage lang schlecht geht. Lass Dich davon aber nicht entmutigen: Spätestens nach zwei Wochen hat sich Dein Körper an die neue Ernährung gewöhnt, und es geht Dir wieder besser.

In diesem Sinne: Hooya!

Antwort
von Sanjanko, 3

Esselamu Aleykum,

ich bin selber aus Bosnien und weiß ganz genau wie es dir ergeht.

Wenn du krankheitsbedingt nicht fasten kannst, so versuch wenigstens Essen oder Geld zu spenden, versuch es mal bei einem Flüchtlingsheim in der Nähe und organisiere ein Iftar für alle :)

Weiterhin solltest du wenigstens beten und dies zu deiner Angewohnheit machen und nach dem Ramadan fortsetzen, dies wird inshallah eine hohe Belohnung geben.

Bezüglich Gebet und Bücher: Eins vor weg, meide unbedingt Bücher von Kaddor, Abdel-Samad und Khorchide. Sie werden dich auf den Irrweg führen. Stattdessen empfehle ich dir, falls du bosnisch kannst, dem Ilmihal auf bosnisch oder ggf. auf deutsch. Versuch es mal bei der bosnischen Moschee in deiner Nähe, die verkaufen/verschenken die in der Regel (ansonsten ein Onlineshop wie basari.de). Darin wird auch das Gebet und alles andere Wichtige erklärt.

Das Gebet kannst du ansonsten auch hier erlernen: http://islam.de/50.php

Ansonsten wünsche ich dir viel Erfolg und Kraft, und bei Fragen kannst du dich an mich wenden.

Antwort
von Chole, 8

Aleikum selam und vielen Dank euch für eure bisherigen Ratschläge, Informationen und Zusprechungen. Ich versuche, mein Bestes zu geben und möchte im kommenden Monat auch mindestens ein Mal versuchen, einen ganzen Tag lang zu fasten - ich hoffe, dass ich das schaffen werde.
Außerdem nehme ich eure guten Ratschläge entgegen und werde ihnen nachgehen. Zwei Fragen hätte ich noch, die mir erst jetzt eingefallen sind:

1 ) Soll man nur Essen spenden, oder dürfen es auch Klamotten sein und bspw. Spielzeuge für Kinder?

2) Was mache ich, wenn ich tatsächlich einen Tag ganz faste und mir jedoch unwohl/übel/schwindelig wird? Darf ich dann Wasser zu mir nehmen?

Einen schönen Abend euch noch!

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