Frage von Annapferd, 118

Ich komme nicht weiter bei meinem reithof?

Ich reite schon fast zwei Jahre und beherrsche die Grund Gang Arten war auch im Gelände aber auch nur im Schritt und Trab 😥 Kann auch noch keinen entlastungssitz oder leichten Sitz bin echt verzweifelt was sagt ihr meine Grundgangarten festigen oder Stall wechseln

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 46

Wir kennen den Unterricht nicht, den Du erhältst. Es kann daran liegen, dass Du Unterricht bekommst, wo das einfach erst später Thema ist, es kann sein, dass einfach Voraussetzungen nicht gegeben sind, die nötig wären, es kann aber auch sein, dass Du das unbeschreibliche Glück hast, im Gegensatz zu vielen, vielen Schülern hierzulande einen top Unterricht zu bekommen.

Eigentlich tötet dieses schnell-schnell, das man heutzutage sieht, oft das gute Reiten und was man mal oberflächlich antrainiert hat, lässt sich kaum mehr korrigieren, außer man hat wirklich den eisernen Willen, es besser zu machen.

Ich hatte seinerzeit einen Lehrer, der uns erst mal eingeladen hat, zuzusehen. Bei etlichen Reitstunden waren wir an der Bande geklebt und hatten beobachtet, was er wann korrigieren wird und warum. Dazu lernten wir Pferde führen, putzen, wir lernten die Ausrüstung kennen - oftmals durch reinigen und irgendwann kam die Zeit, wo wir sie dem Pferd anlegen lernten und dann der große Tag, wo wir rauf klettern durften. Da wussten wir über sehr vieles schon Bescheid, kannten die Fußfolgen in den Gangarten, wussten, wann sich der Rücken hoch und runter bewegt und hatten von den Schülern vor uns gehört, wie sich das anfühlt, das heißt, in unserem Kopf passte das Puzzle schon so weit, wir mussten "nur" die Koordination einpuzzlen. Das war schwierig genug und deshalb wollte er es entkoppelt haben von der Theorie, vom Wissen, wollte das Wissen gefestigt haben, bis wir uns um den Motorikkram kümmern mussten.

Da wir keine Ausbinder verwendeten - aus gutem Grund, denn die Pferde KÖNNEN damit nicht die reellen Bewegungen ausführen und falsche Bewegungen sollten wir gar nicht erst lernen -, saßen wir oben und erfühlten das stehende Pferd. Es wurde los geführt und wir mussten abrufen, was wir über den Schritt wussten, am stehenden und am gehenden Pferd mussten wir das nachvollziehen lernen, was wir vorher über Zügelhilfen erfahren hatten, dann übten wir aus dem Halten anreiten und wieder anhalten, ohne dass das Pferd seine Traghaltung aufgab. Das dauerte also schonmal etliche Stunden, bis wir einfach nur anreiten und wieder halten wirklich top konnten. Dann kamen die sauberen Linien hinzu.

Wir hatten sicher die fünfzigste Reitstunde, bis wir antrabten, aber der Rücken der Pferde schwang da sehr angenehm und Trab war bequem - zumindest die drei Tritte, die wir machten. Bevor es unbequem und damit für Pferd und Reiter ungesund wurde, wurde wieder durchpariert ... laaaangsam wurden die Trabstrecken erweitert und auch Leichttraben und wieder tausende Male die sauberen, korrekten Linien geübt. Während wir den einen Teil der Unterrichtszeit schon ein bisschen am Trab bastelten, kamen in anderen Teilen der seitswärts treibende Schenkel und noch korrektere Stellung und Biegung im Schritt hinzu.

Erst als wir in den symmetrischen Gangarten so sicher waren, dass wir uns die nicht kaputt gemacht haben, kam der Galopp, die unsymmetrische Gangart, die deshalb neue Anforderungen mitbringt.

Noch heute halte ich es so: Wenn ich ein Pferd aufgrund meiner (oder wie es bei unseren Patienten ist, meist seiner) körperlichen oder koordinativen Schwierigkeiten nicht sauber getrabt bekomme, galoppiere ich es an diesem Tag nicht an. Ich werd den Teufel tun und mir für ein bisschen Spaß am Galopp (ja, es macht Spaß) das kaputt machen, was ich mühsam erarbeitet habe. Lieber arbeite ich an solchen Tagen genauer im Schritt. Der einzige Grund ein nicht sauber laufendes Pferd zu galoppieren ist, wenn ich merke, es erreicht aufgrund eines Energiestaus mental keine Losgelassenheit. Da muss ich ihm mal die Möglichkeit geben, Dampf abzulassen. Das ist dann aber im Gelände auf gerader Strecke sinnvoller als in der Halle. In der Halle ist ein nicht ordentlich gelöstes Pferd galoppieren wirklich die absolute Notlösung in der Hoffnung, doch noch den Kopf frei zu bekommen.

Ist es möglich, dass Du einen derart korrekten Lehrer gefunden hast, dem auch wichtiger ist, dass das Pferd seiner Anatomie entsprechend top läuft, gesund bleibt als schnell durch die nur oberflächlich ausgeführten Lektionen zu jagen? Dann gratuliere ich Dir sehr. Wenn Du den Eindruck hast, so genau wie ich geschrieben hast, lernst Du auch nicht, kannst nicht sagen, ob Du gelernt hast, korrekte Linien zu reiten, ob Du einen offenen, frei schwimmenden Rücken erspüren kannst, dann ist natürlich die Frage, ob es an anderem liegt als der Genauigkeit.

Kommentar von MilleW ,

Wie heißt der Stall bei dem du den Unterricht beschrieben hast?
Das klingt nämlich fantastisch!

Kommentar von Baroque ,

Den gibt es so nicht mehr, angefangen zu reiten habe ich dort mit 8 Jahren, also 1983 und den Unterricht gab es bis mein Lehrer ca. 10 Jahre später in Rente ging. Ansonsten kenne ich eine mobile Lehrerin (die hat keine Schulpferde), die so arbeitet und arbeite selbst auch so, wenn ich jemanden mal privat coache - hab's halt so gelernt. Aber nach meiner (mobilen) Trainerin musste ich lange suchen, weil ich keine Lust auf diesen schnell-schnell-Unterricht hatte, der einem an jeder Ecke verkauft wird. Da nehm ich mit fast 36 Jahren Reiterfahrung dann lieber gar keinen Unterricht.

Ich hör immer wieder mal, dass es wieder Ställe geben soll, in denen exakt und sauber gearbeitet wird, aber da ich keinen Bedarf hab, hab ich mich nie drum gekümmert, so die sind.

Antwort
von Annapferd, 20

Also wir haben gut ausgebildet und sehr liebe reitponys die fast nie krank sind in der Reitstunde Reiten wir erst ein wenig Schritt und dann sehr viel Trab und üben die Hufschlagfiguren dann galoppieren wir meistens  ganze Sehbahn oder aber auch in zirkel und sehr sehr selten springen wir auch übers Cavalettis oder über 2 "gestapelte" Stang und aber immer in der halle

Antwort
von HaloofDeath, 51

Übe fleißig weiter das ist immer so ... man muss üben und üben und üben usw.

Du wirst immer sicherer und dann kannst du neue Sachen ausprobieren. Wenn dein Reitlehrer oder wer auch immer dir das Reiten beibringt sich weigert dir etwas neues beizubringen dann solltest du überlegen ob du den Hof wechselst

Antwort
von MichelleSally, 42

Du könntest mal mit deinem Reitlehrer/deiner Reitlehrerin sprechen, ob er/sie dich da weiterbringen kann. Nicht jeder Reitlehrer macht das. In meinem Stall war es so, dass man den leichten Sitz erst in der ersten Springstunde beigebracht bekommt, oder wenn man wirklich sicher im Sattel ist. Wenn dein Reitlehrer/deine Reitlehrerin dich da nicht weiterbringen kann solltest du in Betracht ziehen den Stall zu wechseln.
Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Viel Spaß im Reiterleben ;)

Kommentar von Annapferd ,

Danke

Antwort
von cookie454, 43

Was habt ihr denn immer gemacht in den reitstunden ? 2 jahre sind ganz schön lange...

Kommentar von Baroque ,

Kommt drauf an, wie häufig geritten wird ;-) 2 Jahre können 40 Reitstunden sein, aber auch 150.

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 78

Reitet ihr auf einem kaum befestigen außenplatz?

Das würde vieles erklären, aber mit Halle ist es wenig.

Sind die Pferde alt und öfter krank?

Oder so aufgeregt, daß es zu gefährlich wäre, intensiver zu arbeiten?

Mach doch mal in Urlaub  wo anders einen guten Lehrgang.

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