Frage von Emily4erdbeer, 57

Ich komme mit meinen Gedanken nicht klar - Was kann ich machen?

Ich komme mit mir und meinen Gedankengängen und dem dadurch folgenden Verhalten einfach nicht klar und selbst 13 Jahre (mit kurzer Pause) Therapie haben bewirkt, dass ich es schaffe wirklich damit klar zu kommen. Ich war sogar 4 Monate in stationärer Therapie. Dort habe ich gelernt mehr über meine Gedanken zu sprechen und als ich mit meiner Schwester darüber geredet habe meinte sie ganz ernst, dass sie froh ist nicht meinen Kopf zu haben, sonst würde sie verrückt werden. Ich denke einfach viel zu viel, bin teilweise laut Therapeuten sehr perfektionistisch und skeptisch/vorsichtig. Was kann ich denn noch tun außer mich umzubringen und einen anderen Therapeuten zu suchen? Hat jemand von euch ne Idee?

Antwort
von missproduced, 45

Generell hilft bei Gedanken, die einem selbst schaden (würden sie dir auch schaden, wenn du nicht in einer Gesellschaft leben würdest?), sich eine Ablenkung zu suchen. Das hast du aber sicherlich schon zu hören bekommen. Trotzdem kann ich aus Erfahrung sagen, dass eine Ablenkung das beste und natürlichste Mittel ist, dass es für Menschen gibt.

Mit Ablenkung meine ich z.B. ein Hobby suchen, über eine Thematik wochenlang informieren, Bücher über interessante Dinge zu lesen. Psychologie, Neurologie und Informatik sind beispielsweise Fächer, von denen man auch im Alltag sehr profitiert, es keine "Lern-Ende" gibt und man täglich neues lernen kann. Hobbys und das Faszinieren für Themen bieten einem einen sehr guten psychischen Ausgleich und Halt.

Selbstmord würde ich niemandem empfehlen, ich meine das Leben (auch wenn es nicht als schön empfunden wird) ist trotzdem grundsätzlich etwas schönes und unendlich faszinierendes. Dass man das Produkt aus so vielen komplexen Zusammenhängen des Universums ist, und man über sich selbst sagen kann "Ich bin", dass hunderte Generationen hinter einem liegen und nahezu unendlich viele Faktoren die dazu geführt haben, dass du heute so bist wie du bist, ist schon Grund genug, das nicht aufzugeben - sondern das Spiel fortzusetzen.

Selbst wenn man viel Leid erfahren musste, hat man immer noch das Geschenk namens "Leben", man kann denken, man weis, dass man existiert, du siehst dich im Spiegel und das nicht umsonst - denn nichts passiert einfach so, vor allem ein komplexes Wesen wie der Mensch nicht.

Mein "Notausgang" ist übrigens (vielleicht ein bisschen weit hergeholt) mit dem gesellschaftlichen Leben abzuschließen und in ein buddhistisches Kloster zu gehen. Wenn es gar nicht mehr geht, ich keinen Sinn mehr "hier" sehe, habe ich vor genug Geld anzusparen, reis aus zu nehmen und ab Richtung Asien zu düsen. Das ist in meinen Augen definitiv die richtigere Lösung, statt mit diesem interessanten Alltags-Chaos einfach abzuschließen.

Denken zu können ist viel zu spannend, als es einfach zu beenden.

Antwort
von NichtZwei, 40

Du musst deine Gedanken als nicht von dir stammend erkennen, sie einfach ignorieren und dich nicht mit ihnen identifizieren. Sehe sie als Papagei, der zu ieden Dreck seinen Kommentar abgibt, egal ob du es wuenscht oder ob du derselben Meinung bist. Gedanken sind ein Betrueger, die dich immer auf Morgen vertroesten, wo dann vielleicht alles besser wird, aber es wird nicht besser, eher schlechter. Wenn du deinen Gedanken misstraust, dann wirst du frei, endlich nicht mehr dieses ganzes Gemurmel fuer echt nehmen,. sondern nur als Rauschen erkennen. Wenn du ueber deine Gedanken sprichst, dann gibst du ihnen Kraft und Bestimmung, das ist sicher der falsche Weg. Du musst sie konsequent ignorieren bzw. sie stoppen. Du kannst bewusst z.B "Stop" oder Piep oder Pup sagen, wenn automatische Gedanken hochkommen, nach kurzer Zeit stellt sich dann ein Automatismus ein. Wenn du einen Gedanken absichtlich denkst, dann hast du danach einige Sekunden Ruhe, bevor das Geplapper wieder losgeht. Das kannst du ausnutzen, um dich von deinen Gedanken abzuschirmen und Ruhe zu finden. Versuche es mal: Gedanke kommt, sage innerlich Stop, warte ab, naechster Gedanke kommt, sage Stop und so weiter. Irgendann gibt  dein Ego dieses Spiel auf, weil es nicht mehr schritt halten kann. Es erfordert sehr viel Bewusstsein, die Kontrolle wieder zu erlangen, aber es lohnt sich, denn du wirst frei und wirst lachen, wenn du an die alten Tage zurueck denkst. Viel Erfolg!

Kommentar von Emily4erdbeer ,

Aber wenn du sagst, dass sowieso alles schlechter und auf keinen Fall besser wird, dann lohnt sich das ganze doch gar nicht.

Antwort
von Kuno33, 39

Du solltest Geduld mit Dir haben, weil Veränderungen lange Zeit brauchen und nicht einfach "per Knopfdruck" umgesetzt werden können. Eine Therapie ist aber schon ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Antwort
von Harald2000, 22

Es kommt darauf an, Herr der eigenen Gedanken zu werden und nicht sich von ihnen beherrschen zu lassen. Jeder hat eine Fülle von Gedanken tgl. und muss sie ordnen, bewerten, verwerfen. Wer es nicht aus eigener Kraft schafft, sollte sich passende Therapeuten suchen - notfalls auch ein passendes Medikament.

Antwort
von max1949, 38

Damit Leben, ich habe da ja noch nen kürzeren gezogen, aber ich habe es geschafft halbwegs damit zu Leben. Auch wenn es sehr schwierig ist. Habe öfters mal aussetzter.

Kommentar von Emily4erdbeer ,

Damit möchte ich wirklich nicht leben. Inwiefern hast du "noch nen kürzeren gezogen"?

Kommentar von max1949 ,

Das will ich hier nicht schreiben, aber wenn du es unbedingt wissen willst kann ich dich Privat anschreiben. Sag bescheid.

Kommentar von Emily4erdbeer ,

Nein, du musst es ja nicht, wenn du nicht magst. Aber es freut mich, dass du es schaffst damit zu leben :)

Kommentar von max1949 ,

Danke, und ich meinte ich will diese Probleme nicht jedem offenbaren. Ich hasse Aufmerksamkeit.

Antwort
von Nacht666, 25

Also , ich vertehe dich aber , sei froh über das was du hast. Ich weiß das , dass blöd klingt sei froh das du so einen tollen Kopf hast und begehe bloß kein Selbstmord!

LG
Jolien  :3

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