Frage von Bruchsaler, 152

Ich komme mit den Schweizern nicht so zurecht, was mache ich falsch?

Ich bin zur Zeit geschäftlich öfter in der Schweiz, geschäftlich, weil ich dort für meine Firma Aufträge erledige. Ich bin da relativ unvoreingenommen hingefahren und bin dann eben an meine Auftragsorte gefahren.

Ich war tatsächlich erstmal überrascht, wie extrem freundlich die Schweizer einen empfangen. Sogar auf der Straße sagen die Menschen zu wildfremden Leuten "Grüzi" und es wird viel öfter, als in Deutschland nachgefragt, ob alles in Ordnung ist.

Aber auf der anderen Seite wirken die Schweizer so unglaublich distanziert und kühl, womit man dann gar nicht rechnen würde. Nach Vollendigung der Arbeit kommt ein nüchternes "guet" (heißt wohl so viel wie: ist okay), da frägt man sich dann immer, wie ist das gemeint?

Oder, man bucht in ein Hotel, wird empfangen wie ein Promi, jeder sagt zu jedem Grüzi und man wird schon umschmeichelt fast schon, aber wenn man an die Bar geht und einfach ein Bierchen will, wird komisch geschaut. Dabei ist das Bier in der Schweiz schon doppelt so teuer wie in Deutschland!

Oder im Supermarkt, man frägt auf Deutsch "Tschuldigung, wo ist denn das Bier" und es kommt eine Antwort in allertiefstem Dialekt, den sie wohl selber nicht verstehen.

Mir ist schon aufgefallen, wenn Schweizer untereinander reden, höre ich wenigstens ein paar Wörter raus, aber wenn sie mit mir reden dann setzen sie einen noch extremeren Dialekt auf :( Klar, das war wohl eher die Ausnahme aber ich steige da nicht durch, was ich da so falsch mache dort, daß die mich ablehnen!

Ich hatte es mir nach ner Weile angewöhnt, auch mal Grüzi zu sagen, wenn ich jemanden sehe, weil es die Schweizer untereinander ja auch so machen. Es war anfangs echt sehr sehr ungewohnt!

Aber ich kann mich auch nicht verstellen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Goodnight, 74

Also...

Solange du kein korrektes Grüezi  ( Grüäzi) raus bringst, bleibst du bei einem höflichen "Guten Tag"  Schweizer bekommen Ohrenkrebs bei einen Grüzi und fühlen sich veräppelt.

"Tschuldigung.." ist nicht gerade höflich.

 "Entschuldigen sie bitte, wo finde ich das Bier? oder "Können sie mir bitte sagen wo ich das Bier finde?" Danke sagen nicht vergessen!

Nur um dich zu ärgern setzt niemand einen Dialekt auf den du nicht verstehst. Wir sprechen unseren eigenen Dialekt, der ist halt nicht bei allen gleich. Einige Dialekte verstehen wir auch nicht besonders gut bis kaum.

In der Regel wechselt ein Schweizer reflexartig auf Schriftsprache, wenn sie merken, dass du Dialekt nicht verstehst.

Der Standardsatz von Deutschen: "Ich bekomme ein Bier. " wirkt auf uns sehr unhöflich.

Besser: "Ich hätte gerne ein Bier bitte." oder: "Ein Bier bitte."

In jedem Land kann man sich durch Unwissenheit in Fettnäpfchen treten, so auch in der Schweiz. So wie in jedem Land gibt es  auch bei uns unhöfliche Menschen.

Versuch es doch einfach nochmal wohlwollend mit uns. Je nach der Region wo du dich aufhältst können auch Schweizer sehr unterschiedlich sein. 

Bedenke bitte, dass in den Geschäften längst nicht nur Schweizer arbeiten und die ihrerseits Mühe haben Deutsch zu verstehen.

Noch ein Tipp. wenn du oft in der Schweiz bist, besuch doch einfach mal einen Kurs in Schweizerdeutsch oder such dir eine Schweizerin als Freundin ,)

Kommentar von Bruchsaler ,

Nun, ich dachte, es käme ihnen vertrauter vor, wenn ich "grüzi" sage, weil wenn ich "Tach" (wie bei uns üblich) sagen würde, merken sie gleich, daß ich ein Deutscher bin.

"Tschuldigung" ist bei uns üblich, oftmals wird aber nicht mal dies gesagt sondern gleich "wo isses Bier". Aber gut, dann formuliere ich den Satz aus ;)

Daß sie reflexartig ins Hochdeutsche wechseln, kann ich so absolut nicht bestätigen, eher im Gegenteil.

Nur einmal hatte mich eine Schweizerin in einem Hotel gefragt, ob ich ihren Dialekt verstünde - den ich aber verstanden hatte, da er schon sehr stark vereinfacht war. hmmm...

Achso, ja gut das wußte ich nicht. Ich sagte einfach, "ich krieg ein Pils", ohne Hintergedanken

Ja ich erkenne sehr wohl, ob einer ein Schweizer ist oder ein Ausländer. Würde von einem Südländer auch nicht erwarten, daß er alles perfekt versteht. Aber es waren Schweizer, alleine schon daran erkennbar, daß Sie in starkem Dialekt antworteten ;)

Ansonsten Danke für die direkte Antwort, denn normalerweise heißt es ja, daß Schweizer niemals direkt sind und man als Deutscher auch nicht direkt sein darf

Kommentar von ponyfliege ,

es gibt unglaublich viele in der schweiz aufgewachsene "ausländer", die schweizerdeutsch sprechen - mit einem deutlichen akzent ihrer muttersprache darin. die habe ich am anfang auch nicht verstanden. 

Kommentar von Goodnight ,

Gerne ! :-)) 

Ja ich bin eine von den direkten Schweizerinnen :) so unüblich ist das nicht.

Bestelle statt ein Pils eine Stange oder eben ein Bier.

Dein Unwohlsein kann ich schon verstehen. Seit so viele Deutsche bei uns sind, wird einfach gefordert, dass die Deutschen lernen unsere Sprache zu verstehen, wenn sie hier arbeiten. Sieht dir eben niemand an, dass du nur sporadisch hier bist.

Bei Touristen spielt unser Sprachreflex.  Dazu muss man sagen, wir Schweizer sprechen sehr ungerne unsere Schriftsprache. Die müssen wir in der Schule lernen  und setzen sie nur im "Notfall" zum Sprechen ein. So zu sprechen ist für uns unbequem.

Wenn du unsicher bist, frag einfach nach. Bin fast sicher, dass man dir die jeweiligen Gepflogenheiten erklärt. Hoffe ich mindestens!

Antwort
von ponyfliege, 60

wenn die schweizer mit dir reden, versuchen sie sich schon im schönsten schriftdeutsch.

und dieses "einen dialekt, den sie wohl selber nicht verstehen..." spricht leider bände.

du wirst auch an der supermarktkasse in der schweiz nie auf dieses unsäglich merkwürdige, aber in deutschland übliche "hallo" treffen. hallo zu wildfremden zu sagen gilt als ausgesprochen unhöflich.

in der schweiz wird sehr auf die umgangsformen geachtet.

wenn du das nächste mal in einem schweizer supermarkt bist, probiere es bitte mal mit folgendem satz: "entschuldigung, könnten sie mir bitte zeigen, wo das bier steht?"

deutsche werden in der schweiz aufgrund ihrer kurz angebundenen ausdrucksweise häufig als arrogant oder fordernd eingestuft. und durchaus als rechthaberisch.

und den abend im hotel zu verbringen ist nicht die allerbeste idee. so bekommst du nie kontakt und hockst immer allein herum. warum fragst du deinen temporären arbeitskollegen nicht einfach mal, ob sie noch mitkommen auf "es bierli" - direkt nach dem schaffen - oder fragst am mittag, ob du mitkommen kannst zum essen. (es wird ja viel im bistro gegessen oder in der pizzeria oder im restaurant). oder geh irgendwo ins public viewing.

die schweizer freundlichkeit gegenüber fremden ist einfach ein gesellschaftliches ritual (davon mal abgesehen, dass sie zumindest im hotel recht gut dafür bezahlt werden) - aber sie ist tatsächlich unverbindlich. und dass du deine arbeit vernünftig erledigst, wird vorausgesetzt. dafür bist du ja da. zeig dich hilfsbereit - und halte um himmels willen die pausen ein. die essenspausen sind heilig.

ich kann dir echt nur raten, nach feierabend vor die tür zu gehen und dich nicht im hotel zu verkriechen.

der unterschied zwischen der deutschen und der schweizer kultur ist mindestens genauso gross wie der unterschied zur französischen kultur. dasselbe ist es mit der mentalität. es werden ja sogar unterschiedliche sprachen gesprochen. 

und - in der tat - distanz ist höflichkeit. 

sie lehnen dich nicht ab. sie wollen dir nicht zu nahe treten und deine persönliche distanz nicht unterschreiten. sie wollen eben nicht unhöflich sein.

und vielleicht solltest du auch einfach ein paar vokabeln lernen. es gibt von langenscheidt ein sehr gutes wörterbuch. die grammatik und die satzstellung sind im grossen und ganzen keltisch, also ähneln der der englischen sprache, es gibt diverse unübersetzbare vokabeln und ein paar grammatische besonderheiten im verstärken und abschwächen von aussagen, dass sich einem erst mal die zehnägel hochrollen.

übrigens sprechen die schweizer keinen deutschen dialekt, sondern eine eigene sprache mit unzähligen mundarten. und ich mag sie.

vielleicht solltest du einfach mehr versuchen, dich anzupassen.

bei "grüezi" bitte das e mitsprechen.

Kommentar von Bruchsaler ,

Ich wollte Dir nicht zu nahe treten, aber wenn eine Person mit mir redet und ich kein Wort verstehe, selbige Person aber mit einem anderen Schweizer redet und ich es wenigstens herleiten kann, da kommt man sich schon verkohlt vor!

Zu mir sagten aber auch schon genug Schweizer "hallo", waren das dann besondere Proleten?

Ich sagte dann auch "hallo" und sie empfanden es nicht unhöflich. 

In der Schweiz habe ich keine temporären Arbeitskollegen, ich bin Dienstleister, ich mache meinen Job und nach der Abnahme sieht man sich in der Regel nie wieder.

Aber ich saß schon an einem Tisch, einen Kaffee trinken, um mich drei Schweizer. Um ganz ehrlich zu sein, ich hätte gerne mit ihnen gesprochen, aber ich wußte nicht, wie man in der Schweiz Kontakt aufnimmt. Man sagte mir schon, daß man besonders höflich sein muß.

Eine Schweizerin fragte mich, ob der Platz noch frei wäre. In Deutschland hätte ich einfach "joa" gesagt, ich sagte "Natürlich dürfen Sie sich neben mich setzen". War das falsch?

Ich wollte eben auch so höflich sein wie die Schweizer und eben nichts falschmachen :(

Sie saß sich auch, die anderen SChweizer schmunzelten aber, aber Kontakt konnte ich nicht aufnehmen, ich wüßte nicht wie, ich wüßte nichtmal wie ich ein bescheidenes "moin" so umschreiben sollte, daß es für SChweizer nicht aufdringlich klingen würde.

PS: Oder ein Mitarbeiter hatte einen Hund dabei, in Deutschland hätte ich das GEspräch so eingeleitet, zu fragen, was das für ein Hund sei. Es hätte mich tatsächlich interessiert, da ich die Rasse nicht kannte - aber es kann ja auch mißverstanden werden als Anbiederung -.-

Kommentar von Bruchsaler ,

Schweizerisch ist denke ich wie Holländisch, eine mit dem Deutschen verwandte Sprache, oder?

Kommentar von ponyfliege ,

nicht wirklich. nur das schweizerdeutsch im oberwallis (das hat übrigens eine dem holländischen ähnliche grammatik) und entlehnt wörter aus dem hollländischen.

ich hab verständnismässig grosse probleme mit dem bärndütsch aus dem oberland.

im thurgau und schaffhausen, sowie im baselbiet spricht man das, was ursprünglich "hochdeutsch" war. das heutige hochdeutsch ist ehemals niederdeutsch und heisst korrekt neuhochdeutsch.

ich habe mich ein bisschen mit den schweizer dialekten beschäftigt. aber die grammatik ist tatsächlich am ehesten keltisch. französische begriffe werden auf deutsch ausgesprochen, ebenso viele englische. die satzstellung ist fast englisch. aber eben nur fast.

Kommentar von OlliBjoern ,

Ok, interessant. Kannst du ein Beispiel für eine holländische Entlehnung schreiben?

Ja, Bärndütsch habe ich auch schon gehört (da verstehe ich Französisch noch besser als das :)). Mit Ostschweizer Dialekt (St.Gallen + ...) habe ich weniger Probleme.

"Hochdeutsch" ist eigentlich ein Ausdruck für südliche (also alpen-nahe) Dialekte. Das "heutige Hochdeutsch" (was die meisten darunter verstehen) ist aber kein Niederdeutsch, sondern eher eine mittel- bis süddeutsche Variante. Niederdeutsch hat die hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitgemacht. Da meine Frau aus Niedersachsen kommt, kenne ich die Gegend auch recht gut.

Früher sprach man im Weserraum einen niederdeutschen Dialekt, das heute dort verwendete Hochdeutsch stammte aber aus einem Raum südlich davon (auch wenn heute in Hannover "Hochdeutsch" gesprochen wird, diese Variante stammt nicht von dort).

Kannst du noch ein Beispiel nennen für "keltische Grammatik"? Würde mich auch interessieren. 

liebe Grüße aus Schwaben

Kommentar von Goodnight ,

Das Büchlein Hoi zäme ist auch sehr hilfreich, ähnelt einem Comic und enthält auch viele Hinweise wie der Schweizer vor allem der Zürcher tickt :-))

Sehr unterhaltsam zu lesen!

Kommentar von ponyfliege ,

merci für den hinweis - ich glaub ich hab das schon mal bei einem bekannten gesehen - da wurde es im züridüütsch-kurs benutzt oder zumindest empfohlen.

Antwort
von plato, 28

Es ist schön, dass Du Dich mit unserer Sprache und Kultur auseinandersetzen willst. Und es tut mir Leid, wenn Du Dich nicht überall willkommen fühlst.

Wir können nicht zwischen einem "tieferen" und einem "leichteren" Dialekt wechseln, nur um Dich zu ärgern: Jeder spricht mit seinem Dialekt, der je nach Herkunft für Dich eben leichter oder weniger gut verständlich ist. Je näher der Sprecher bei den Alpen lebt, um so schwieriger dürfte für Dich der Dielekt werden - geht uns nämlich auch so...

Im grössten Teil der Detuschschweiz sprechen wir Hochalemannisch, in den Alpen (Berner Oberland, Urschweiz, Wallis...) jedoch Höchstalemannische Dialekte. Da ändern die Aussprache und die Worte doch ganz gewaltig. Und in der Region Basel wird Niederalemannisch gesprochen, das entspricht demjenigen in Süddeutschland schon viel eher.

In der Deutschschweiz sprechen wir Alemannische Dialekte, können aber auf die Standardsprache wechseln, wenn wir darum gebeten werden. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Wir tun es nicht zwingend automatisch. Früher ja, da haben wir das immer wie auf Knopfdruck gemacht. Aber weil hier sehr viele Deutsche leben und arbeiten, die alle unsere Sprache verstehen, schalten wir nur noch auf Wunsch um.

Wenn Du als sagst, Du seist Tourist und ob jemand bitte mit Dir Schriftdeutsch (so heisst das bei uns...) sprechen könnte, dann wird er das ohne murren tun. Wenn wir aber das Gefühl haben, dass Du hier lebst, dann haben wir auch zu Recht die Meinung, dass Du unsere Sprache zu verstehen hast.

Wenn wir Standardsprache sprechen, dann werden wir einen mehr oder weniger starken Schweizer Akzent haben. Und viele, erstaundlich viele Deutsche, glauben, dass das unser Schwiizertüütsch sei. Ist es nicht.

Wir mögen unsere Privatsphäre und lassen sie auch den andern. Wir drängen uns nie auf. Oder anders gesagt: Neue Leute kennenzulernen ist auch für uns nicht ganz einfach, da man sich immer einen freien Tisch sucht, in der Bahn immer ein freies Abteil und mit Fremden nur im äussersten Notfall zu sprechen beginnt.

Das wird oft als Distanziertheit gewertet, ist aber Respekt und Höflichkeit.

Auch wichtig: Bitte und Danke. Entschuldigunge und Konjunktive. 

"Guten Tag, könnte ich bitte eine Stange haben? Vielen Dank!". 

"Guten Tag, Entschuldigung. Könnten Sie mir bitte sagen, wo Sie hier das Bier haben? Ah ja, vielen Dank!"

Ich habe viele Deutsche Freunde hier in der Schweiz, die sich zu Beginn sehr schwer mit diesen sprachlichen Umwegen getan haben. Und jetzt aber soweit sind, dass sie die Deutsche Direktheit in Deutschland eben, wie wir, als absolut unhöflich empfinden. "Ein Bier bitte" ist zum Beispiel in unseren Ohren nicht freundlich, das ist ein Befehl.

Wir haben nichts gegen Deutsche, solange Sie respektieren, dass es sich hier um ein anderes Land handelt mit eigener Sprache und eigener Kultur. Es gibt Regeln. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen sind nunmal Regeln und die muss jeder einhalten - die Bussen sind auch für uns schmerzhaft hoch.

Lass das "Grüezi" stecken, sag Guten Tag und weise die Leute darauf hin, dass Du eben Tourist bist. Und schon klappt alles wie am Schnürchen. Oder lerne, den Dialekt zu verstehen. Dafür müssen die Leute aber Dialekt mit Dir reden...

Antwort
von Schwoaze, 73

Wie lange bist Du denn schon dort?

Ich glaube, es dauert einfach ein bisschen, bis man die Eigenheiten eines anderen Landes kennenlernt und sich darauf einstellt. Das ist sicher nicht nur in der Schweiz so. 

Kommentar von Bruchsaler ,

Ich bin ab und an dort geschäftlich, ich lebe dort nicht und habe das auch nicht vor ;)

Seit etwa sechs Wochen regelmäßig, ab und zu auch mal ne ganze Woche, wo ich dort dann übernachte, meistens sind es aber Zwei-Tages-Einsätze und ich übernachte (aus Kostengründen) auf deutschem Boden.

Kommentar von Schwoaze ,

Ja,... wird schon!  Aufmerksam sein, wie was abläuft, bissl Geduld, und auf die Tipps der Schweizer hier hören.

Kommentar von Bruchsaler ,

Meine Hoffnung war ja, daß hier auch ein paar Schweizer sind. Morgen früh muß ich wieder nach Luzern, etwa 350 km von hier.

Auf der einen Seite sind sie freundlich, wo man überhaupt nicht mit rechnet (z.B. mitten auf der Straße), oder locker wo man es kaum vermuten würde (Mülltrennung), aber dann wieder streng wo man denkt, was soll das jetzt (Palette auf einem freien Stück Fläche abgestellt, ohne jemanden zu behindern)

Das macht mich noch närrisch ;)

Das Autofahren dort ist schon genug Anstrengung, muß man ja höllisch aufpassen, habe keine 1000 Franken mal kurz einstecken, weil ich vllt ausversehen fünf km/h zu schnell war ^^

Kommentar von ponyfliege ,

och - die mülltrennung klappt recht gut. wenn man es geschickt anstellt, hat man kaum noch hausmüll.

und ich würde tatsächlich nicht im traum drauf kommen, irgendwo einfach was abzustellen. jedenfalls nicht im öffentlichen verkehrsraum... autsch... ;-))

das dürfte etwa 120 franken gekostet haben. und du darfst NIE mit einem polizisten diskutieren.

ich wohne in der schweiz - ich mag land und leute. sehr. aber ich war vorher immer mal wieder dort - und habe mich so gut wie möglich vorbereitet.

Kommentar von Bruchsaler ,

Ich hatte eine Europalette Abfall, Pappe und Folie, den Schweizern war es relativ egal, wo man was reinwirft, in welchen Container ;) Das verblüffte mich schon ein wenig, da ich damit gerechnet hätte, daß die SChweizer noch strenger bei der Mülltrennung wären, als wir es schon sind.

Nein, im Verkehrsraum natürlich nicht, ich rede von Montage und in Hallen! Da hieß es dann, dieser Platz ist nicht umsonst freigelassen worden (da war aber weder Notausgang noch sonstwas), also ich verstand es nicht so recht ^^

Ja ich versuche mich penibel an die Geschwindigkeit zu lassen und bin sehr froh, wenn einer vor mir schneller fährt, damit man es notfalls wenigstens noch "blitzen" sieht :D Es widerspricht aber ein wenig meinem Fahrstil, auch mal Gas zu geben, damit ein anderer nicht abbremsen muß und so ;)

Warum wohnst Du in der Schweiz? Nach dem, was ich die letzten zwei Monate dort so mitbekommen habe, würde ich mir das dreimal überlegen ;)

Kommentar von ponyfliege ,

ist gefühlt mein zuhause.

das gefühl hatte ich in deutschland nie.

Kommentar von Schwoaze ,

@ponyfliege: Glückwunsch! Ist ja auch ein schönes Land, wenn man sich erstmal eingelebt hat, sicher noch mehr.

Die Sache mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen... wegen 3 km/h zu viel sooo viel zahlen zu müssen, hat mich trotzdem geärgert.  :-)

Kommentar von swissss ,

 3 km/h zu viel kosten genau 40 Fränkli

Kommentar von ponyfliege ,

DU schreibst "fränkli"?

Kommentar von Schwoaze ,

Ist doch ein Vermögen für 3 km/h....Wenn man das hochrechnet...  In Ö gibt's erst einmal 5 km/h Toleranzgrenze.  Z.B. 40 Euros zahlt man bei einer Geschwindigkeitsübertretung von über 15 km/h...

Antwort
von Dunkel, 53

Ich lebe nun schon länger in der Schweiz und kann das meiste davon nicht wirklich nachvollziehen.

Ja, evtl. sind die Schweizer anfangs etwas distanzierter. Das ist wohl wahr, legt sich aber mit der Zeit. Was das mit dem Bierpreis zu tun hat, verstehe ich aber nicht.

Und ja, man bekommt meistens eine Antwort in Mundart. Liegt aber, wie schon jemand schrieb daran, dass die meisten Schweizer nicht gerne hochdeutsch sprechen ("Fremdsprache") und das die meisten Deutschen hier Schwiizerdütsch verstehen. Fast alle Schweizer sind aber so nett und wiederholen auf Nachfrage gerne nochmals auf Hochdeutsch :-)

Also Kopf hoch. Das wird schon. Wenn man selbst freundlich ist, wird man ebenfalls sehr freundlich behandelt ;-)

Kommentar von Bruchsaler ,

Nein, mit den Bierpreisen hat das nichts zu tun, mich wunderte nur die komische Reaktion, weil ich eben ganz normal ein Bier bestellt hatte.

Vielleicht war sie auch verwundert, daß ein Deutscher so teures Schweizer Bier kaufen will, ich weiß nicht ;)

Kommentar von ponyfliege ,

ganze sätze wirken wunder.

Antwort
von hutten52, 27

Versuche nicht, schweizerdeutsch zu reden. Das wirkt nicht echt.

Deutschschweizer sind Alemannen, und die sind verschlossener, fassen sich sprachlich kürzer und machen nicht viele Worte. "Guet" ist also ganz klar ein schönes Lob. Bei den verwandten Schwaben gibt's den Spruch: "Nit gschimpft isch gnueg globt" (Nicht gescholten ist genug gelobt).

Dazu kommt: In der Schweiz arbeiten sehr viele Deutsche. An sich haben die Schweizer keine Probleme damit. Sie schätzen die Deutschen wegen ihrer ähnlichen Arbeitsauffassung, Korrektheit und Pünktlichkeit. Wenn es zu viele "Düütsche" an einer Arbeitsstelle gibt, haben sie aber schon mal das Gefühl, dass es jetzt reicht und dass die "Düütschen" aus dem großen Deutschland nicht in der "kleinen" Schweiz dominieren sollten. Wenn diese Deutschen dann auch noch hochdeutsch, laut und zackig auftreten, mag das der Schweizer nicht so sehr - verständlich.

Schwyzerdütsch ist ein Mittel, die eigene Identität gegen den "großen Kanton im Norden" zu bewahren. Es ist die Muttersprache, die man zu Recht pflegt. 

Insgesamt gesehen: Schon zwischen den kulturell sehr nah verwandten Deutschen und Schweizern ist das Zusammenleben und die Migration nicht so einfach zu haben, wie manche Träumer sich das vorstellen. 


Kommentar von ponyfliege ,

versuche nicht, schweizerdeutsch zu reden. das wirkt nicht echt.

doch - irgendwann sollte man damit anfangen. in england probiere ich es ja auch mit englisch und die franzosen sind teils regelrecht entzückt, wenn ich ihnen brav nachspreche.

alle andern nationalitäten lernen in der schweiz schwiizerdütsch - knur den deutschen wird es allermeist verwehrt. auch eine art ausgrenzung.

wobei ich mit muttersprache hochdeutsch peinlich drauf achte, schriftdeutsch zu sprechen. hochdeutsch wird allgemein NICHT verstanden. wenn man aus deutschland kommt, tut man sich eher mit der schweizerdeutschen grammatik schwer. aber man kann ja bitten, sich korrigieren zu lassen.

Antwort
von LNA2015, 15

Dem Profilnamen nach zu urteilen, kommst du aus Bruchsal, solltest also auch eines Dialektes mächtig sein. Das kommt häufig besser an, als Hochdeutsch.

Antwort
von Unkwnme, 59

Hey ich bin Schweizer.

Ich sags mal so.

Die haben nichts gegen dich, glaub mir.

Die mögen es einfach nur nicht hochdeutsch zu sprechen, was manche in der Schweiz nicht mal richtig können ^^ Die "alten" schweizer zum bsp Antworten jedem auf Schweizer Deutsch. Gehe zu Jüngeren Schweizer die antworten dir auf hochdeutsch ^^

Kommentar von Bruchsaler ,

Ich verlange ja von keinem, daß er astreines Hochdeutsch spricht, das tun auch nur die wenigsten Deutschen im Alltag.

Aber wenn ich eben andeute, daß ich mir schwer mit der Sprache tue, könnte man ja den Dialekt etwas zurückfahren ;) Wenn ich nach Hamburg fahre, rede ich auch nicht tiefstes Kurpfälzisch oder andersrum ^^

Zugegeben, ich sagte auch schon ganz direkt "Könnten Sie das bitte auf Hochdeutsch sagen" und das hat geklappt. Aber es heißt ja auch, wir Deutschen wären zu direkt und man will ja nicht gleich wie ein Prolet auffallen.

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