Frage von niles2009, 45

Ich komme als Stammzellspender für einen Leukämiepatienten Frage und mache mir viele Gedanken, hat hier jemand schon ähnliches erlebt?

Ich hatte vor 2 Jahren mit einer Blutentnahme bei einer Aktion als Stammzellspender teilgenommen, mit der Hoffnung eines Tages ein Leben retten zu können. Exakt 2 Jahre und 2 Wochen nach meiner Teilnahme; habe ich vorgestern einen Anruf von dem Heidelberger Stammzellspenderregister bekommen, mit der frohen Nachricht, dass ich in die engere Auswahl für einen Leukämiepatienten im Ausland in Frage komme. Die Freude ist unglaublich gross.

Mein Blutprobenset kam heute an, 2 Röhrchen gehen nach Heidelberg, 5 weitere nach Los Angeles, also in die USA.

Ich werde den Gedanken an den Patienten nicht mehr los, der evtl. mein/e Blutsbruder/Schwester werden könnte. Ich freue mich unglaublich, aber dann ist da auch die Neugier, wer ist er/sie, wie alt, woher, ist er/sie sehr krank, wie lange schon, wie geht er/sie mit der Krankheit um, wie die Familie usw.

Und dann aber auch die große Sorge um ihn/sie. Am Montag habe ich die Blutabnahme wo mein Blut nochmal ordentlich gecheckt und untersucht wird ob meine Stammzellen eins zu eins zu ihrer/seiner passen.

Mich lässt der Gedanke nicht mehr los! Habe 2 Nächte davon geträumt. Klar, ich freue mich, aber es beschäftigt mich doch sehr, ich rede nur noch von dieser Sache. Ein Gefühl, als würde ich die Person schon kennen, sorge mich ständig um ihn/sie.

Hat hier jemand schonmal ähnliches erlebt? Habt ihr den Patienten im Nachhinein kennenlernen dürfen? Man sagte mir, nach 2 Jahren, wenn alles gut läuft, dürfte ich erfahren WER,WOHER,WIE ALT, warum erst in 2 Jahren wenn Spender und Patient im Voraus gerne einander wissen würden? Und wie schaffe ich es mich nicht ständig hineinzusteigern?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von lauracon, 43

Hi, 

ich habe letztes Jahr gespendet nur wenige Monate nach der Typisierung. Ich drücke dir die Daumen, dass du wirklich passt und helfen kannst. Es gibt verschiedene Länderregelungen wenn es um die Kontaktaufnahme zum Patienten geht. 

Die 2 Jahre Anonymität sind wirklich sehr wichtig, damit z.B. auch der Spender im Todesfall keine zu starke Bindung zum Patienten aufgebaut hat und darunter leidet. Außerdem ist es aber auch wichtig, dass z.B. keine Erpressung bei einer zweiten (zwar sehr selten benötigt) Stammzellspende erfolgen kann..es gibt ja leider immer auch schlechte Menschen. Allerdings erfährt man kurz nach der Spende Alter, Geschlecht und Land des Empfänger umd kann dann anonymisiert Briefe oder Mails schreiben. Informationen darüber bekommst du aber noch bei einer Voruntersuchung, wenn bei dir wirklich alles passt.

Ich habe über die DKMS gespendet, zuerst Knochenmark unter OP und dann das deutlich häufiger angewandte Verfahren der Stammzellapherese, weil bei meiner Empfängerin die Stammzellen nach dem ersten mal nicht ausreichend angewachsen sind. Leider hat meine Empfängerin (ebe falls aus den USA) es aber nicht geschafft.

Wie lange eine Person vor einer Stammzelltransplantation schon leiden muss (und auch danach) ist sehr unterschiedlich. Es werden jedoch häufig alle anderen Therapieformen zuvor ausprobiert, denn eine Stammzelltransplantation birgt extrem hohe Risiken für den Empfänger. Das Immunsystem wird durch Chemos- und/oder Bestrahlung komplett heruntergefahren, damit der Empfänger das des spenders annehmen kann. (Auch die Blutgruppe wird übernommen). Als wäre dies nicht schon genug, weil man in der Zeit jeglichen Keimen schutzlos ausgeliefert ist (daher kommt man in Isolation), kommt es auch sehr oft zu Abstoßung (GvHD). Aber trotz allem ist es die letzte Chance für einen Patienten und ohne die Spende würden sie sterben.

Wenn du Fragen hast, kann ich dir bestimmt weiterhelfen. 

Antwort
von Thaliasp, 45

Ein so kranker Mensch kann auch nach so einer Spende sterben. Es braucht auf jeden Fall eine lange Erholungszeit. Eine Stammzelltransplantation ist eine intensive medizinische Behandlung. Der Kranke Mensch muss u.a. eine Hochdosis Chemotherapie über sich ergehen lassen und die ist massiv. Schwere Nebenwirkungen gehören zu so einer Behandlung. Ich kenne, oder ich muss sagen kannte eine Frau im mittleren Alter( zwischen 60-70 Jahren). Die Frau musste das Prozedere erdulden und ist nach all den Qualen gestorben. Die Frau war eine nette stille zurückhaltende Person😂😂Also versuche dich nicht allzu sehr hineinzusteigern sondern hoffe einfach ganz im Stillen für den kranken Menschen auf dass er noch eine zeitlang leben darf.

Kommentar von niles2009 ,

deshalb also die 2 Jahre "Anonymitätszeit".. Danke für die ausführliche Erklärung. ich hoffe und bete seitdem ununterbrochen. Möge deine alte Bekannte in Frieden ruhen. mein Beileid. ich hoffe es bleibt anderen Patienten erspart.

Antwort
von pescehunter, 38

Beruhige dich mal. Das ist an sich keine große Sache. Ich kenne einige Leute, die bereits gespendet haben. Das ist im Grunde wie eine kleine OP oder sie zapfen die die Zellen direkt aus dem Blut ab. Also kein großes Ding. Du solltest nicht zu viele Gedanken an den Patienten verschwenden. Denn Kontakt kannst du erstmal eh nicht haben und je nach Herkunftsland wird das auch nie möglich sein. Außerdem besteht immer noch die Möglichkeit, dass es nicht zur Spende kommt oder der Patient stirbt. Du solltest dich deshalb nicht allzu sehr darauf versteifen. Lenke dich ab und denke an etwas anderes.

Antwort
von aribaole, 31

Ruhig Blut!
Heute nehmen die nur noch Blut.
Vor Jahren wurde bei mir Knochenmark aus dem Beckenkamm genommen. Das ist/war ein Eingriff, der mir heute noch je nach Wetterlage zu schaffen macht.
Also sei entspannt.

Kommentar von niles2009 ,

ich habe keine Angst vor dem Eingriff, darum geht es mir nicht. Eher sorge ich mich seit dem Anruf ständig um die Person. Bin in Gedanken nur noch bei dieser Sache. Es beschäftigt mich viel zu sehr... hast du also gespendet? Durftest du den Patienten im Nachhinein kennenlernen?

Kommentar von aribaole ,

Ich habe gespendet, wollte aber Anonym bleiben. Mach dich nicht selber verrückt, und Denke an was anderes.

Kommentar von niles2009 ,

darf man fragen, wieso? Wollte dies der Patient auch so?

Kommentar von aribaole ,

Keine Ahnung, ob der Patient das auch wollte. Ich weiß nur, dass SPENDEN immer Anonym sein sollen! Was bringt es dir zu Wissen, wer er ist?

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