Frage von McClory,

Ich hatte mir am 02.06 die Panasonic L. G70 gekauft, die allerdings am Sensor einen Materialfehler hat. Mit dieser war ich 3 Wochen im Urlaub..?

Ich hatte mich dann an Panasonic gewand, hatten sich dann gemeldet, das dies nur der Vertragspartner macht. Das heißt das auch nur dieser das Gerät umtauscht.

Da ja nun über ein Monat her ist, frage ich mich, ob ich das Gerät noch umtauschen darf? Also nicht umtauschen, sondern ein Tausch gegen ein anderes Gerät.

vielen dank gruß

Antwort
von Jurasuppe,

Hi McClory,

deine Gewährleistungsrechte bestehen nur gegenüber deinem Vertragspartner (Verkäufer).

Es muss eine Frist zur Nacherfüllung gesetzt werden. Ob du Nachlieferung (Neue Sache) oder Nachbesserung (Reparatur) wählst, obliegt richtigerweise dir entgegen der herrschenden Meinung auf gutefrage.net. Das ergibt sich aus einfachem lesen des § 439 I BGB "Der Käufer kann nach seiner Wahl ...". Der Verkäufer hat nur bei relativer Unverhältnismäßigkeit der Nacherfüllungskosten die Möglichkeit die gewählte Art der NE zu verweigern und den Käufer auf die andere zu verweisen vgl. § 439 III BGB.

Abweichend von der herrschenden Meinung auf gutefrage.net ist der Käufer keineswegs dazu gehalten, dem Verkäufer zwei oder gar noch mehr Nacherfüllungsversuche einzuräumen. Ist die Frist zur NE fruchtlos verstrichen, kann der Käufer vom Vertrag auch zurücktreten. Ein solches Recht ergibt sich insb. nicht aus § 440 S. 2 BGB. Wer soetwas behauptet verkennt die Rechtsnatur der Vorschrift als Entbehrlichkeitsvorschrift die den Umständen des Kaufrechts besonders Rechnung tragen soll.

Die Ansprüche aus dem Gewährleistungsrecht verjähren regelmäßig nach 2 Jahren § 438 I Nr. 3 BGB. Jeder trägt die Beweislast für die ihm günstige Norm. Eigentlich müssten die Voraussetzungen daher bewiesen werden (insb. Mangel zzt. Gefahrübergang). Im Verbrauchsgüterkauf gilt die Beweislastumkehr nach § 476 für die ersten 6 Monate. Daher stammen meist die Aussagen, dass eine Gewährleistung jedenfalls 6 Monate unproblematisch durchgesetzt werden kann. Im Wesentlichen ist dem zuzustimmen. Keineswegs gehen die Ansprüche aber nach 6 Monaten unter.

Für dich also: Da du, ähnlich wie die meisten Leute, verhasst von den Verkäufern, kein Interesse an einer Reparatur hast solltest du m.E. daher folgendes machen.

- Dem Verkäufer eine angemessene Frist (1-2 Wochen) zur Nachlieferung einer neuen Sache setzen (wenn es ein Shop vor Ort ist werden sie wohl direkt eine neue Sache haben, außer sie müssen diese bestellen?). Sollte der Verkäufer sich weigern, Aufforderung zum Nachweis einer relativen Unverhältnismäßigkeit stellen. Der Verkäufer hat ansonsten nicht das Recht den Käufer auf die andere Art der NE zu verweisen, vgl. s.o.

Edit: Wenn du glaubst der Verkäufer stelle sich quer kannst du vorsichtshalber ja gleich schonmal ein BGB mitnehmen. Da freut man sich immer drüber.

- Nach Fristablauf zurücktreten.

Viele Grüße, JS


Kommentar von Ifm001 ,

Ein kleiner Einspruch: Man muss keine Frist setzen. Der Verkäufer hat "sofort" zu erfüllen.

Hat man im stationären Laden gekauft und dort steht die gleiche Ware noch im Laden, muss der Verkäufer den Käufer also daraus direkt bedienen.

Beim Online-Kauf oder im Falle der Wahl der Reparatur macht es aber Sinn, eine Frist zu setzen.

Mit dem BGB rumzuwedeln macht wenig Sinn. Der Verkäufer wird schlicht was von AGB murmeln und/oder auf das Ausschlagen bei Unverhältnismäßigkeit hinweisen (auch wenn es in den meisten Fällen rechtlicher Quatsch ist). Da würde ich eher eine der erklärenden Seiten einer Anwalts-Kanzlei ausdrucken. Faktisch hilft beim querstellendem Händler aber IMHO nur ein Zeuge+Verbraucherzentrale bzw. Anwalt und das geltendmachen der Kosten dafür.

Kommentar von Jurasuppe ,

So meinte ich das durchaus, falls das etwas verwirrend war.

Die Nacherfüllung wird ja sofort verlangt.. Sollte der Verkäufer die Ware nicht vorrätig haben, muss sie eben entsprechend bestellen, solange nicht die Voraussetzungen des § 439 III o.Ä. vorliegen. Die Fristsetzung dient nur einem künftigen Rücktritt soweit nicht Entbehrlichkeitsvorschriften vorliegen. Nach gängiger Rechtsprechung ist es natürlich auch ausreichend "sofortige"/"unverzügliche" Nacherfüllung zu verlangen. Allerdings sollte man es wohl trotzdem irgendwie schriftlich machen... einfach der besseren Beweislage halber.

Mit dem BGB "rumzuwedeln" macht durchaus Sinn, wenn der Verkäufer etwas von AGB erzählt wedel ich gleich nochmal mit § 475 I BGB der jede Erschwerung der Geltendmachung verhindert. Dazu zählt unzweifelhaft auch das dem Käufer zustehende Wahlrecht. Sollte er behaupten, es läge relative Unverhältnismäßigkeit vor, trägt auch er die Beweislast für die ihm günstige Norm. Dann soll er das beweisen und alles wird in Ordnung sein. Das wäre meine Antwort an einen solchen Verkäufer.

Naja, wenn man weiß, dass man sicher im Recht ist kann man mit Freude im Zweifel eine Klage androhen, dann wird es halt nochmal schön teuer für den VK wenn er das möchte. Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass sich niemals ein Verkäufer questellt, wenn man ihm die Rechtslage schildert und klarmacht, dass der Spaß ein Ende gefunden hat. Jedenfalls warte ich noch auf den Verkäufer, der sich das traut. Bisher ist jeder bei Gewährleistungsfällen nach dem ersten Schreiben eingeknickt... Nur einer ließ es im Übrigen (kein Gewährleistungsfall) auf ein zweites Schreiben ankommen.

Viele Grüße, JS

Antwort
von McClory,

Und wie lange kann man einen Sachmängel reklamieren? Ist ja jetzt schon ü. 4Wochen her. Hab etwas Angst.

Ich will ja ein tadeloses Gerät, auch da ich viel am filmen bin.

Bei meiner Konsole (xbox) hatte/ habe ich auch einen Mängel, konnte sie aber nicht umtauschen, da ich keine kreditkarte habe, sondern musste sie reparieren lassen. Sie war ca. 3-4 mal in der Rep. (immer wegen des Laufwerks) und nun ist sie am knistern. Ich mag keine Rep.

Kann man eigentlich die Kamera in jedem Geschäft umtauschen? oder nur da, wo man sie gekauft hat? Die Filiale gibt es ja überall

Kommentar von Ifm001 ,

Unterscheide die gesetzlich vorgegebene Sachmängelhaftung (= ehemalige Gewährleistung) und freiwillige (und somit frei definierbare) Garantie.

Für die gesetzliche Sachmängelhaftung musst Du dich an deinen Verkäufer wenden, der dich nicht einfach an Dritte verweisen kann. Genauso hat da der Käufer(!) die Wahl zwischen neuer Ware und der Reparatur. Dieser hat nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten deine Wahl auszuschlagen. Genauso musst Du dich nicht auf ein Einsenden zum Prüfen einlassen.

Du hast auch keine Pflicht, sofort zu reklamieren. Ganz im Gegenteil hast Du das Recht alle nötigen(!) Maßnahmen zu treffen, um die Nutzbarkeit herzustellen und die Kosten dem Verkäufer aufs Auge zu drücken. Im Urlaub bedeutet das, dass er dir eine fachmännische Reparatur am Urlaubsort ersetzten müsste. Der Verkäufer kann also eigentlich über dein "kulantes" Verhalten froh sein.

Antwort
von ronnyarmin,

Du reklamierst einen Sachmangel. Das geht auch nach 4 Wochen noch. Wie lange gibt der Hersteller Garantie oder Gewährleistung? Meist sind es 2 Jahre.

Ob der Vertragspartner das Gerät umtauscht oder dein Defektes repariert, ist dessen Entscheidung. Darauf hast du keinen Einfluss.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten