Frage von Eidolon150, 101

Ich hasse meine Familie! - Und zwar vor allem für meine Erziehung, und alles, was damit zusammenhängt.?

Immer wieder bin ich im Leben auf Fragen gestossen, die ich eigentlich - bei einer enstprechenden Erziehung selbst beantworten, bzw. handeln und reagieren könnte. Vor allem im umgang mit Frauen habe ich sehr große Defizite. Ich weiß mur noch eins: als meine Schwester auf die Welt kam, war ich abgeschrieben. Mein Vater (lebt nicht mehr), der von meiner Oma sehr abhängig war und der gesamte Anhang väterlicherseits haben meine Schwester bevorzugt, in jeder Richtung. Und das - nur weil die Oma in dem kleinen Baby ihr Ebenbild gesehen hat. Ich dagegen war das ganze Leben lang nur ein Gegenstand, den man halt so mitgeschleift hat. So richtig geborgen habe ich mich nicht mal als Kind gefühlt. Jetzt bin ich auch schon in die Jahre gekommen. Mittlerweile habe ich auch den Eindruck, dass mine Schwester für meine Mutter das Maß aller Dinge ist. Der Hass wird immer grösser. Wenn ich wüsste, das es meiner Mutter und meiner Schwester so richtig wehtut, dann würde ich mich auch selbst umbringen!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von teafferman, 23

Im Ehrenamt ist mir mal ein 72-jähriger Mann begegnet, der fest davon überzeugt war, seine Eltern würden ihn bis zu diesem Zeitpunkt daran hindern, selbständig zu sein, ein normales Verhältnis zu seiner Umwelt und eben auch zu Frauen zu entwickeln. 

Dem Mann habe ich dann mal nach längerem anhören seiner Jammereien gehörig den Kopf gewaschen. Nun war er auf mich stinksauer. Es kam tatsächlich zwischen uns zu Handgreiflichkeiten. Mehrmals im Abstand von jeweils einer Woche. 

Danach sah ich ihn ein gutes halbes Jahr nicht mehr. Bis ich mit einer Freundin einen Spaziergang in ihrer Nähe machte. Da kam mir ein etwa 50-Jähriger freudestrahlend entgegen, am Arm eine Frau in etwa gleichem Alter. 

Mann und Frau bedankten sich bei mir überschwenglich. Es stellte sich heraus, es war jener Mann, mit dem ich die Prügeleien hatte. Und jedes Mal hatte ich ihm ein einziges Wort an den Kopf geworfen

JETZT

Denn Gestern ist gewesen. Gestern mag schlimm gewesen sein. Es gehört trotzdem der Vergangenheit an. 

Du kannst Dich entscheiden: Du kannst weiter im Gestern leben, in der Schxyße von Gestern wühlen und Dich über den so entstehenden Gestank beschweren. 

Du kannst Dich auch entscheiden, das Hier und Jetzt leben zu wollen. Dann verfliegt nach und nach der Gestank von Gestern. 

Du kannst Hier und Jetzt damit beginnen eine Liste zu machen all der Dinge, die DU gerne machen würdest. Fange mit scheinbaren Kleinigkeiten an wie der Einrichtung der Wohnung, Deiner Kleidung, Deinen Essgewohnheiten. 

Mache es unbedingt von Hand auf Papier. Denn so können wir nur einen Gedanken zur Zeit denken. Das Gestern verschwindet nach und nach, denn es hat keinen Platz mehr im Kopf bei dieser Schreiberei über das Hier und Jetzt. 

Denke über Hobbys nach. Da Du viel Energie in Dir hast wäre zu überlegen, ob Du nicht in einen Sportverein gehen könntest. Es gibt da ja reichlich Angebote.

Vielleicht meldest Du Dich auch zu einem Tanzkurs an.  

Da war ich als erwachsener Mensch noch mal und habe seltsame Erlebnisse gehabt: Je nach Tanzschritt steckt eine Mentalität oder Aussage dahinter. Mir waren sie bekannt. Also habe ich mich gleich mal auf diese Mentalität oder Aussage eingelassen. Die meisten meiner Gegenüber waren arg verstört deswegen. Dabei behaupteten sie, sie hätten sich mit diesen Tänzen im Vorfeld ausführlich beschäftigt. 

Woraus sich folgern lässt: Du wirst nicht die erste Person sein, welche da noch manche Dinge erlernen kann. 

Das Paar erzählte mir noch kurz seine Geschichte: 

Die Frau hatte schon lange ernstes Interesse an dem Mann, kam aber nicht an ihn heran, da er nur im Gestern gelebt hatte. Als sie wahrnahm, dass er im Hier und Jetzt ankam, sprach sie ihn an. Sie waren geradeaus dem Urlaub zurück gekommen, Mitglieder in einem Wanderverein und planten tatsächlich ihre Hochzeit. 

Alter spielt keine Rolle. Das glaube mir. 

Vielleicht brichst Du bestenfalls den Kontakt zu Deiner Verwandtschaft komplett ab. Daran stirbt kein Mensch. In meinem Umfeld gibt es manche Menschen, die schon lange gut und in Frieden mit sich ohne diesen Klotz am Bein leben. 

Oft ist auch ein Umzug sinnvoll.  

Einfach? Nein, das kann es nicht sein. Denn Du wirst ja einen vollkommen neuen Lebensweg einschlagen. Da gehört nun mal immer wieder eine Entscheidung hin, vor allen Dingen zu Beginn. Und es braucht Übung, Übung, Übung. Diese darfst Du Dir wert sein. Dazu bist Du berechtigt. 

Kommentar von teafferman ,

Gestern - Heute - Morgen

Sprüche. Spruchgedicht von Günter Fritsch

Gestern - sag' wer's ändern kann.
Morgen - das ist irgendwann . . .
Denke jeden Tag daran:
Heut' fängt neu mein Leben an.

Gestern - Heute - Morgen

- Für C. R. -

Nein, ich will ihn nicht verlästern,
diesen Tag, benannt mit gestern.
Doch heute liegt er schon sehr weit,
als winz´ger Teil der Ewigkeit.
Heut ist heute, spür das Leben,
das dir als Geschenk gegeben.

Es kann sein, dass dir schon morgen
auf Schritt und Tritt begegnen Sorgen.
Doch heute soll es dich nicht kümmern,
kann dir nur die Furcht verschlimmern.
„Carpe diem“*) allein birgt Kraft,
womit der Mensch sein Da-Sein schafft.

Verschwende doch nicht so viel Zeit
mit dem Gestern, das bereut,
mit dem Morgen, das erst wird.
Freu dich lieber unbeirrt,
wenn heut´gen Tags der Sonne Licht
wärmend durch die Kälte bricht.

Wenn du spürst, zustiefst erfreut:
Ich leb ja noch, ´s ist meine Zeit.
Was gestern war und morgen wird?
Das heute ist´s, das um mich schwirrt.
Und küsst mich heut ein Sonnenschein,
so will ich dafür dankbar sein.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 51

Hallo Eidolon150,

so viel Verständnis ich für Deine Stimmungslage aufbringe, so besorgt macht mich aber auch Dein letzter Satz. Das wäre die größte Selbstbestrafung, von der Du zudem nichts mehr hättest.

Außerdem haben Manioro und Mira mit ihren Ausführungen recht:

        Erziehung = Basis + eigenes Bewußtsein + Entwicklung

          -> eigener Persönlichkeit

Da all diese Ereignisse Dir Leid, Schmerzen und selbstzerstörerischen Hass bereiten, empfehle ich Dir dringend eine Traumatherapie. Bitte lasse Dir helfen.

Alles Liebe und Gute für Dich wünscht Dir

Buddhishi

Kommentar von Eidolon150 ,

Vor längerer Zeit hab ich - aus eigenem Antrieb - mehrere Therapien angestrengt. Es hat mir -unterm Strich- nichts eingebracht. Bei jeder Therapie hatte ich den Eindruck, der Patient (Ich) liegt auf der Couch- oder sitzt auf dem Stuhl, erzählt sein ganzes Leben. Auf einen guten Rat, was er selbst machen kann - als Resultat der Diagnose- wartet er jedoch vergebens!

Kommentar von Buddhishi ,

Dabei handelt es sich immer um die drei kassenärztlich zugelassenen Therapieformen. Was ich aber meinte, ist eine Zusatztherapie, die viele der kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten in einer Fachfortbildung erlernt haben, in der es speziell um solche traumatischen Ereignisse wie bei Dir handelt.

Suche Dir bitte jdn. mit Traumatherapie, dann findest Du auch die für Dich richtige Hilfe :)

Kommentar von Buddhishi ,

Hatte ich noch vergessen: gute Therapeuten geben keinen Rat, sondern weisen ihren Klienten den Weg, selbst auf eine Lösung zu kommen. Und leider, ganz unter uns - alle anderen bitte mal wegsehen - nicht jeder mit Kassenzulassung gehörte zu den Besten.

Kommentar von Eidolon150 ,

Selbstbestrafung? Ich denke da eher, das Leiden ein für allemal  beenden!

Kommentar von Buddhishi ,

Und damit Dich selber aller Chancen auf ein besseres Leben berauben. Mir scheint Du willst nur anklagen, statt die Verantwortung für Dein eigenes Leben zu übernehmen. Aber so  kann Dir leider niemand helfen. Du mußt es schon vor Dir aus wollen und Hilfe gäbe es wie gesagt in Form einer Traumatherapie.

Kommentar von Eidolon150 ,

Ich bin jetzt - obacht - 57 - und ich glaube weder an den Weihnachtsmann, noch an ein besseres Leben. Meine Existenz ist vermutlich ohnehin sinnlos. Aber ich will sowas wie späte Rache!
Ja - ich bin ein böser Bube - und dazu stehe ich auch!

Kommentar von Buddhishi ,

Was war denn jetzt eigentlich Deine Frage an uns?

Kommentar von Buddhishi ,

Du hast vielleicht noch 10, 20, 30 oder mehr Jahre vor Dir. Die willst Du einfach wegwerfen. Es ist nie zu spät für ein besseres, schöneres Leben, sagt Dir ein Mensch von - obacht 56 - der genauso viel Sch''sse wie Du hinter sich hat!

Kommentar von Eidolon150 ,

Rein physisch betrachtet - mag das stimmen. Aber ich demke, */Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein" als alter Spruch  dass ich seelisch gesehen -- schom lange resigniert habe,. und gegangen bin

Kommentar von Buddhishi ,

Hey Du, dann komme doch wieder zurück. Die Antwort von 'Teafferman' zeigt doch sogar, wie das geht. Es liegt bei Dir und Du hast nichts zu verlieren, kannst nur gewinnen, wenn Du es versuchst. LG

Kommentar von Eidolon150 ,

Ich danke Dir für Deine Beiträge. Meine Stimmungslage kannst Du zwar nicht kennen, auch nicht den Anlass. Ich stelle aber fest, dass mich die gesamte Lebenssituation mehr und mehr fertig macht, und ich kein Land mehr sehe. Meine Bitterkeit ist riesengroß. Niemand hat sowas verdient!

Kommentar von Buddhishi ,

Ich kann gut verstehen, was Du meinst. Nein, niemand hat sowas verdient. Du ebenso wenig  wie ich. Aber ich habe es geschafft, mit dieser Vergangenheit abzuschliessen, und das könntest Du auch.

Nur mal angenommen, wir wären auf der Welt, um zu lernen, bestimmte Lektionen abzuarbeiten und müßten so lange wiederkommen, bis wir das geschafft haben, dann fände ich eine Flucht über einen Suizid davor riskant, denn man würde nach dieser Theorie in jedem Leben diese Aufgaben mit noch mehr Nachdruck aufgebürdet bekommen, bis man sich ihnen stellt.

Einige Menschen vertreten sogar die Ansicht, dass jede/r sich seine/ihre Eltern gerade wegen der Lektionen im künftigen Leben ausgesucht hat. Ich habe diesen Gedanken mal fortgesetzt: Das würde bedeuten, dass wir uns alles selbst ausgesucht haben, um zu lernen, zu reifen und uns zu entwickeln.

Vielleicht beziehst Du diese Gedanken mal in Deine Überlegungen ein. Ich wünsche Dir die Kraft dazu.

Antwort
von Mira1204, 50

Versuch einfach damit abzuschließen. Bei mir wurde auch einiges verkorkst, ich habe dann den Kontakt abgebrochen und meinen Frieden damit gemacht und gelernt, dass ich selbst mein Leben nun in der Hand habe und das Beste daraus machen kann

Kommentar von Eidolon150 ,

Wenn  es nur so einfach wäre - gerne!! - ich gehöre schon längst zum alten Eisen - schade!

Kommentar von Mira1204 ,

Irgendwann wird es einfacher werden, wenn du merkst, du trennst dich von Menschen die dir nicht gut tun und es geht dir damit besser

Kommentar von Eidolon150 ,

Hmm: Menschen , die mir nicht gut tun: Langsam denke ich, meine Ex gehört auch zu dieser Gattung. Da ist es mit der Trennung ganz besonders schwer. Seelisch bin ich ihr immer noch sehr verbunden, das habe ich gemerkt. Das ist auch so eine unglückliche Geschichte.

Kommentar von Eidolon150 ,

..und wenn sie nicht gestorben sind...
tja - dann werde ich noch ewig auf die Fresse fallen... Das ist sprachlich betrachtet zwar ordinär, beschreibt aber meinen momentanen Zustand ziemlich perfekt. Ich weiss einfach nicht mehr weiter, mit meiner ganzen Verbitterung. Es tut alles nur noch weh.

Antwort
von Seanna, 7

Abgesehen davon dass ich da keine Frage sehe...

Was hilft jammern und die Schuldfrage? Ändert das was? Die werden auch WENN sie Schuld sein sollten, keinen Sinneswandel haben und alles wieder gut machen.

Also Arsch hoch bekommen und selbst was tun um zufriedener zu werden oder weiter unglücklich sein.

Erinnert mich etwas an ein Kind, das sich auf den Boden wirft und brüllt...

Kommentar von Eidolon150 ,

Irgendwann darf ich mich doch wohl fragen, warum bin ich so -wie ich bin. Sicher wird das nicht mehr gut. Es hat auch mehr mit Leiden als mit Jammern zu tun. An Deinem Kommentar ist etwas dran, aber ich finde ihn auch etwas gehässig.

Kommentar von Eidolon150 ,

Sei lieber froh, wenn Du mit solchen Problemen nicht belastest bist, statt geässig abzulästern!

Kommentar von Seanna ,

Das hat nix mit gehässig ablästern zu tun. Im Gegenteil, kenne ich genug ähnliche Probleme, habe aber festgestellt, dass einen die Schuldfrage und Jammern nicht weiter bringt und man was tun muss, wenn sich was ändern soll - und zwar man selbst, egal wer Schuld hat. Und nichts anderes schrieb ich auch. Es handelt sich also um Erfahrung, nicht Gehässigkeit.

Antwort
von Manioro, 53

Klar. Du kannst alle Dinge die schief laufen auf Deine Erziehung schieben. Vielleicht hast du mit dem ein oder anderen sogar Recht. Tatsache ist aber, dass jeder selbst schauen muss, dass er aus dem was ihm mitgegeben wurde, das Beste macht.  Für Deine Erziehung kannst du nichts. Wenn du dich aber damit zufrieden gibt und dein verhalten nicht ändern willst, bist du und nicht deine Eltern verantwortlich.

Kommentar von Eidolon150 ,

Mit der Eigenverantwortung hast Du natürlich Recht - schon klar.
Aber: sowas wie Selbstliebe zu empfinden, auch wegen des eigenen "Seelenheils", fällt mir persömlich unheimlich schwer.

Kommentar von Buddhishi ,

Selbstliebe konntest Du in diesen Verhältnissen leider auch nicht lernen. Mache Dir bitte keine Vorwürfe deshalb :) LG Buddhishi

Kommentar von Eidolon150 ,

Hallo, ich glaube,  Du verstehst mich - zumindest teilweise. Was ich mit Selbstliebe meine, ist sozusagen - eine Art Schutzschild u.a. gegen "Partner" ,die einen nur ausnutzen - das ist nicht nur finanziell sondern vor allem auch emotionell gemeint. Ich bin halt so: Ich liebe
jemanden - oder auch nicht! Es ist ein großer Unterschied zwischen Liebe, Sympathie etc. Das will ich damit sagen.

Kommentar von Manioro ,

Das glaube ich dir. Das ist auch wirklich schwer. Ich glaube, das kannst du schaffen.

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