Frage von lolamitice, 377

Ich hasse mein Studium, studiere nur wegen guten Jobchancen?

Ich studiere aktuell im ersten Semester Chemie und bin aber momentan wahnsinnig unglücklich damit. ich habe chemie angefangen, weil es mich in der schule immer wirklich sehr fasziniert hat, habe aber, was ziemlich dumm ist, nicht bedacht dass mathe, physik und chemie auf der uni extrem anspruchsvoll sind. ich bin zwar davon überzeugt dass ich mit viel aufwand das studium schaffen könnte, aber ich habe aktuell gar keine motivation. alles, wirklich alles auf der uni kotzt mich an, ich finde den stoff zu vielleicht 5% interessant und freue mich nur auf die uni weil ich super liebe freunde dort habe. ich interessiere mich aber auf der anderen seite sehr für sprachen oder auch soziale berufe - nur hat mir mein vater immer eingeredet, dass ich mit meiner intelligenz kein so anspruchsloses studium machen soll und so... ich weiß nur dass ich auf jeden fall dieses jahr genug ects machen werde, um mein staatliches geld zu bekommen. aber ob sich 6-8 semester in einem studium, welches mir so gar nichts gibt lohnen? ich habe solche angst wieder depressionen zu bekommen nur weil ich mir von meiner familie etwas einreden lies, was ich eigentlich aus freier entscheidung jetzt nicht mehr machen möchte...

Antwort
von theantagonist18, 287

Natürlich solltest du nichts studieren, was dir keinen Spaß macht und wo du für dich keine Zukunft siehst. Andererseits möchte ich auch erwähnen, dass du erst seit ein paar Monaten studierst und besonders am Anfang auch mal Stoff behandelt wird, der einfach nur nervt. 

Ich studiere nicht direkt Chemie, sondern bin in der pharmazeutischen Sparte, aber die Grundvorlesungen sind für beide Fächer quasi gleich. Und ich hatte auch keine Lust auf Mathe, Physik etc. aber ich hab's hinter mich gebracht und bin jetzt im 5. Semester und habe durchaus Spaß am Studium.

Was ich damit sagen will ist eigentlich hauptsächlich, dass ein einziges Semester möglicherweise nicht genug ist, um entscheiden zu können, ob einem das Studium gefällt. Im ersten Semester war ich auch total überfordert und hatte keine Lust mehr. Aber ans aufhören hab ich einfach nicht wirklich gedacht :)

Es sei denn es macht dir wirklich absolut null Spaß, dann kannst du auch aufhören ;) Aber du sagtest ja, dass du Chemie eigentlich magst..

Kommentar von lolamitice ,

Danke dir :) dass ich nicht sofort aufgeben will, ist mir auch klar, ich bin tendenziell ja auch eine, die halt auch irgendwie den anderen zeigen will dass ich sowas schaffe. 

ich bin halt leider einer dieser menschen die generell sehr faul sind, wenns drauf ankommt zwar immer genug machen um alles zu schaffen aber diese einstellung funktioniert halt bei 20 seiten stoff für einen test besser als bei 400 folien voll mit reaktionsgleichungen und berechnungen :D

Kommentar von theantagonist18 ,

Naja, also ich würde es mir nochmal überlegen. An den deutlich größeren Umfang des Stoffes im Vergleich zur Schule gewöhnt man sich. Ich bin selbst sehr lernfaul aber das geht trotzdem. Man muss nur etwas mehr tun als man das gerne möchte. Das ganze ist gerade am Anfang wirklich sehr abschreckend. Es wird besser. Viele hören aber auch einfach so auf. Spätestens im 2. Sem. Danach wird es besser :)

Was mich am Chemiestudium z.B. nicht so begeistert sind Sachen wie theoretische Chemie und Quantenmechanik und sowas. Das habe ich nur in Grundlagen (wenn überhaupt), aber ich kenne einen Chemie-Studenten, der musste ganz schön viel von dem Zeug machen. Und das muss man schon mögen ;)

Antwort
von OlliBjoern, 207

Guten Abend. Das hört sich ja nicht so gut an. Ich habe selber Chemie studiert, daher kenne ich auch das mit der Mathematik und der Physik recht gut (was das Studium angeht). Allerdings war es bei mir so, dass ich schon immer Chemie studieren wollte, und es mir immer Spaß gemacht hat. Auch dann, wenn es im Studium mal wieder wegen Physik etwas stressig war. Notfalls habe ich mal ein Semester etwas langsamer gemacht (geht manchmal nicht anders). Auch mal ein Praktikum ein Semester geschoben.

Ich finde es interessant, dass dich Sprachen interessieren (mich auch, ich mache das aber nur so hobbymäßig heute). Wenn dir das mehr Spaß macht, warum nicht etwas in der Richtung machen?

Sprachen sind m.E. nach nicht anspruchslos. In dem Bereich gibt es sicher auch vieles, was durchaus anspruchsvoll ist (den Bereich kenne ich aber nicht aus dem Studium).

Heute lese ich (freizeitmäßig) kaum noch über Chemie (im Job habe ich damit zu tun). Ich lese, was mir Spaß macht, mal Teilchenphysik, mal eben etwas über Sprachen.

Ich denke, die eigene Intuition ist wertvoller als das, was andere über einen zu glauben wissen. Ich kenne auch die Situationen, in denen die eigene Psyche nicht so recht will, oder Situationen, in denen man Probleme mit den Eltern hat (oder dem Partner/der Partnerin).

Dann habe ich mir gesagt, du musst etwas auf die Bremse treten, schauen was dir selber gut tut, und dann habe ich mitunter eine gewisse freundliche Sturheit entwickelt. Und etliches hat sich besser entwickelt, als ich dachte.

Expertenantwort
von mgausmann, Community-Experte für Chemie, 170

Ich denke die Antwort liegt auf der Hand - du studierst das Falsche.
Aber da dir das schon im ersten Semester bewusst geworden ist, ist das kein Bein ab! Wechsle einfach den Studiengang und studiere das, was dich interessiert. Das Leben ist zu lang, um ein Fach nur wegen der Jobchancen zu studieren und sich sein lebenlang beruflich in einer Fachwelt bewegt, die einen nicht im Mindesten interessiert.

Aber du kannst dich eigentlich sogar glücklich schätzen. Viele merken erst im 3,4,5 Semester, dass Chemie doch nicht ihr Ding ist. Dann ist nicht nur viel Zeit vergangen, sondern man bekommt dann auch Probleme mit Bafög etc., falls man dann den Studiengang wechselt.
Für Chemie muss man schon ein Faible haben oder zumindest eines entwickeln. 6-8 Semester ist übrigens utopisch. Eine realiste Zahl bis zur Promotion sind mindestens 16-20 Semester (3 Jahre+ bachelor, 2 Jahre Master, min. 3 Jahre Promotion).

Lass dir von deinem Vater nicht einreden, was du tun sollst. Du bist alt genug, selbst über deinen Lebensweg zu entscheiden!

LG

mgausmann

Kommentar von lolamitice ,

meinte mit 6-8 semestern die mindestudienzeit für bachelor! auf meiner uni ist selbst das aber auch noch relativ utopisch, da liegt der durchschnitt glaube ich bei 10 -11 semestern nur für den bachelor. passiert nämlich sehr schnell dass man eine prüfung nicht schafft, deshalb keinen laborplatz rechzeitig bekommt und schon ein semester hinten ist.

Kommentar von mgausmann ,

Ja das stimmt wohl, ist bei uns auch der Fall... man muss sich schon echt ranhalten für die Regelstudienzeit.

Bedenke jedoch, dass der Bachelor für einen Chemiestudenten defacto kein wirklicher Abschluss ist. Außer den Umstieg in eine Ausbildung hat man damit keine Berufschancen. In der Regel ist dort eine Promotion erforderlich.

Kommentar von lolamitice ,

klar, aber danach kann ich mich immer mehr in eine richtung bewegen, die mich interessiert, oder einen master machen, der zwei studien miteinander verbindet.

ich fand halt organische chemie immer wirklich extrem interessant, nur haben wir davon abgesehen von einigen lösungsmitteln, deren polarität und strukturformeln wir können müssen, bis jetzt genau gar nichts gemacht. OC war auch daher das teilgebiet, welches mich ursprünglich so in richtung chemiestudium getrieben hat. das trägt sicherlich nicht zu meiner allgemeinen motivation bei :)

Kommentar von Bevarian ,

Ich kenne ja Deine Uni nicht aber die OC kommt in der Regel erst im 4. Semester zum Tragen - dann aber dicke... ;)))

Antwort
von Sulphur, 111

Moin,


Habe selbst zwei Semester Chemie studiert, ehe ich es gerade wegen den Berufsaussichten abgebrochen habe. Ich hatte noch diverse andere Gründe z.B. hat mich eher die mathematische und physikalische Seite interessiert, weswegen ich auch in die Richtung gewechselt habe, aber Chemie hat nicht wirklich berauschende Aussichten.

Es stimmt zwar, dass die Chemie- und Pharmabranche mit am Besten bezahlt, aber Fachkräftemangel herrscht da eher wenig. Das heißt man sollte schon gute Noten mitbringen, wenn man zu Läden wie BASF oder Bayer will.

Was gesucht wird sind vorallem Chemieingenieure bzw. Verfahrenstechniker im Anlagebau bzw. Konzeption.

Das geht dann in die Richtung von Bilanzierung von Stoff- und Energieströmen, bzw. generell in Strömungsmechanik, Thermydynamik, Kinetik etc. Und das sind Bereiche die notorisch verhasst sind, vorallem in der Chemie.

Niemand hat bei uns physikalische Chemie gemocht oder technische Chemie, aber das sind genau die gesuchten Bereiche. Natürlich werden auch Analytiker, Organiker und Anorganiker gesucht, aber da ist die Konkurrenz höher.

Mein Fazit: Mit durchweg guten und sehr guten Noten hat man mit der Chemie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man aber ein faible für Technik hat, sollte man sich überlegen, ob man nicht direkt Verfahrenstechnik/Chemieingenieurwesen studiert und dann in die Branche geht.

Chemie ist immerhin eine Naturwissenschaft, die im Gegensatz zu den Ingenieurwissenschaften eher weniger auf praktische Anwendungen setzt, sondern forschungsorientiert ist, was für die Jobsuche in der Industrie hinderlich sein kann.

Kleiner Anstoss: Schau dir mal die Statistik der GdCh an. In der letzten Erhebung von 2013 (?) waren 13% der promovierten Chemiker stellensuchend und eine Vielzahl hockt befristet in Instituten rum.



Expertenantwort
von DieChemikerin, Community-Experte für Chemie, 111

Hi,

ich liebe die Chemie wirklich abgöttlich - bin aber noch in dem zweiten Semester im Chemie Leistungskurs :D

Wir machen jetzt schon relativ viel Mathematik und Physik...eigentlich nur :D
Von daher würde es mich nicht überrasche. Es ist eben die Uni und das Zeugsda ist eben wirklich knallhart; was denkst du, warum das Studium nur so wenige schaffen? ^^
Unser alter Chemielehrer hat uns immer gern "Horrorstories" aus dem Chemie-Grundstudium erzählt.

Dein Fehler war, dass du dir zu viel einreden lässt und dich zu viel von der Meinung deiner Familie abhängig macht. Mein Traum ist es, Latein und Chemie auf Lehramt zu studieren. Das Lehramtsstudium will ich schon seit der dritten Klasse in Anspruch nehmen - kein Scherz! Mir ist allerdings durchaus bewusst, dass das hart ist.

Dass das Studium am Anfang ziemlich trocken ist, ist absolut normal! Kenne ich aus Mathe (habe mal ein Schülerstudium gemacht) - ich habe Mathe zwar als Leistungskurs, aber jetzt weiß ich schon mal, was mich nicht so wirklich an der Uni reizt und was ich eher nicht studieren möchte; zumal es, wie du schon selbst gesagt hast, genug Mathematik in der Chemie gibt! Ich denke, nach dem Bachelor ist es eeetwas entspannter. Was studierst du denn genau? Ich meine, Laborpraktika müsstest du ja auch schon einige absolviert haben - oder irre ich mich? Das ist doch super cool!

Letztendlich bleibt es natürlich dir überlassen, welchen Studiengang DU wählen möchtest. Meine Familie und sogar mein ehem. Chemielehrer sagen, ich soll unbedingt Chemie studieren - allerdings nicht auf Lehramt. Im letzten Punkt ist mir die Meinung meiner Familie ziemlich egal, um ehrlich zu sein; mein momentaner Chemielehrer hatte allerdings die gleichen LKs und auch den gleichen Traumberuf wie ich (allerdings Chemie-Mathe auf LA), weshalb der mich dahingehend total unterstützt. Dennoch werde ich MEINEN Wunsch wahr machen. Auch, wenn es Phasen gibt, in denen das Studium ziemlich öde ist, musst du dich - wenn du es WIRKLICH willst - da durchbeißen! Jedes Studium hat solche Phasen, ein Wechsel macht dich vielleicht unglücklicher...um dies allerdings beurteilen zu können, müsste ich dich kennen, und das tue ich nicht.

Du könntest auch irgendeine Sprache studieren und damit irgendwas machen...oder du studierst eine FS und noch ein anderes Fach auf Lehramt. Du meintest, dass soziale Berufe etwas für dich wären, das wäre eine Idee. Ich interessiere mich nämlich für alte Sprachen, Naturwissenschaften und den Lehramtsberuf (und auc generell Soziales) . ich liebe es unglaublich, Wissen zu vermitteln und auch einige meiner Lehrer sehen mich in diesem Beruf und meinen, ich solle Lehramt studieren! Du siehst: Die Meinungen spalten sich ziemlich. Ich werde doch MEINEN Weg gehen und das Lehramtsstudium wählen.Gehe bitte den Weg, den DU für richtig hältst. Wenn deine Familie einigermaßen tolerant ist, wird sie dich unterstützen - egal, welchen Weg du diesbezüglic gehst! Also Lehramt FS und irgendein anderes Fach wäre eine Möglichkeit. Notfalls machst du FS und Chemie, im Lehramtsstudium ist das weniger anstrengend (sagen mir alle Chemiestudenten, die ich kenne) ^^

Das war es soweit von mir dazu. Wie gesagt bin ich noch Schülerin und kenne dich nicht, weshalb ich keinen persönlicheren Rat geben konnte, Das tut mir leid - hoffentlich konnte ich dir mit meinem Beitrag trotzdem etwas weiter helfen. Wenn du noch Fragen dazu haben solltest, kannst du dich trotzdem gern melden!

Ich wünsche dir auf deinem weiteren Werdegang alles Gute. :)

LG

Kommentar von lolamitice ,

oh danke für deine liebe antwort! :) 

also erstens respekt vor deiner zielstrebigkeit und viel erfolg noch! :)

ich hatte ein laborpraktikum, das war meistens von den versuchen her ganz lustig aber dennoch habe ich die tage gezählt bis es zu ende war..

tatsächlich habe ich einfach wirklich angst vor der reaktion meiner familie - meine mutter und schwester würden mich zwar bestimmt unterstützen, von meinem bruder und vater dürfte ich mir allerdings nur anhören dass ich mit lehramt ja total unter meinem niveau bin und nie was erreichen werde und lehrer werden ja nur leute die nichts anderes können :/. plus, meine chemielehreren hat normal den bachelor gemacht und dann auf pädagogik umgeschwenkt, was andere auch als argument nehmen werden, mich dabei motivieren zu wollen. 

allerdings merke ich selbst jetzt im studium, dass eines der dinge, die mir am meisten spaß machen, es ist, die sachen die ich verstehe meinen mitstudis zu erklären :D


Antwort
von Coriolanus, 78

Chemie ist ein schweres und auch sehr langes Studium (da man die für eine gute Karriere unbedingt nötige Promotion noch dazu rechnen muss). Wenn Du weder Freude am Studium hast noch mit den Anforderungen zurecht kommst, dann brich´das Studium ab (allerdings erst, nachdem Du eine Alternative hast). Du bist als Abbrecher kein Versager sondern zeigst Mut und Verantwortungsgefühl. Als ehemaliger Leiter einer Hochschulberatungsstelle habe ich in vergleichbaren Fällen meist zum Abbruch geraten, denn es macht keinen Sinn, über 40 Jahre Deines Lebens in einem ungeliebten Beruf zu verbringen. Leider ist es Dir so gegangen wie vielen, die von Schulfächern auf ein Studium schließen (obwohl die in der Regel nichts miteinander zu tun haben). Brichst Du später ab oder scheiterst in dem Chemiestudium (was ja nicht unwahrscheinlich ist), wären die beruflichen Folgen viel größer.

Antwort
von Bevarian, 92

ich bin halt leider einer dieser menschen die generell sehr faul sind,
wenns drauf ankommt zwar immer genug machen um alles zu schaffen aber diese einstellung funktioniert halt bei 20 seiten stoff für einen test
besser als bei 400 folien voll mit reaktionsgleichungen und berechnungen
:D

Und wenn es Dir nicht zufliegt, weil Du es aus vollem Herzem machst, dann wirst Du in absehbarer Zeit Schiffbruch erleiden, weil Dich die Lernmenge überwältigen wird. Ich würde Dir zum Ende mit Schrecken raten als zum Schrecken ohne Ende...

Antwort
von gfuser1337, 103

Mit der Familie darüber sprechen.

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