Frage von HvonAbendroth, 107

Ich habe eine Frage zu Erbschaften und Adoption?

Es ist so. Ein Onkel hat keine Nachkommen und würde mir sein Anwesen vererben. Aber er lebt noch momentan und möchte dafür unbedingt, dass ich mich von ihm adoptieren lasse.

Meine Frage: Hat so eine Adoption weitreichende Folgen und sollte ich auf irgendetwas achten? Wisst ihr vielleicht warum er das will. Ich kann mir nur einen emotionalen Akt darunter vorstellen oder sonstiges. Und wisst ihr wie lange dieser Prozess dauert, die Kosten will er übernehmen, sind die hoch?

Mit dem Rest meiner Familie habe ich auch Ärger deswegen, weil meine Eltern nur meinten, ich würde meine familie verraten (Kurz erklärt: es gab schon immer konflikte zwischen den eltern und dem onkel, weil sie einfach in ganz verschiedenen welten leben sage ich mal)

Ich freue mich über Antworten.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 11



dass ich mich von ihm adoptieren lasse.



Das dürfte schwierig werden: Gemäß § 1767 BGB kann man als Kind angenommen werden, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden eine dem natürlichen Eltern-Kind-Verhältnis entsprechende Beziehung bereits entstanden oder zu erwarten ist.

Prägendes Merkmal eines Eltern-Kind-Verhältnisses ist bei einer Erwachsenenadoption die von gegenseitigem unbedingten Beistand getragene dauernde innere Verbundenheit zwischen Annehmendem und Anzunehmendem.

Ein bloßer guter Kontakt, u.a. durch Besuche, eine gute Freundschaft und ein herzliches Vertrauensverhältnis allein reichen regelmäßig nicht aus.
 
Selbst wenn: Dann gäbe es zwei Familien, eure kleine und die bestehende.

Wenn du das nur wegen eines erwarteten Erbes seines Anwesens machen solltest, würde ich es lassen:

Erstens weist du nicht, ob das Anwesen nicht für Pflegekosten draufgeht. Zweitens schuldest du ihm andernfalls vorrangig Unterhalt. Drittens dürfte es die erwartete Löslösung und Abkehr von Eltern und Verwandten nicht wert sein.

Wenn er dich nicht so als Erbe einsetzen möchte, lass es einfach.

Denn wenn du nicht springst, wie er will, enterben kann er dich jederzeit trotzdem, sein Anwesen lebzeitig verkaufen und das Geld verschleudern, so dass dein Pflichtteil 12,56 EUR betrüge. Dafür willst du deinen Familie aufgeben?

G imager761



Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 32

Wenn er dich adoptiert, hättest du auf jeden Fall einen höheren Freibetrag bei der Erbschaftssteuer.

Außerdem würde dadurch die Erbfolge  neu gestaltet. Wenn er keine eigenen Kinder hat, wären ja die Geschwister seine nächsten Verwandten.

Als adoptiertes Kind kämst du vor allen anderen in die Erbfolge

Kommentar von webya ,

und kannst bei deinen leiblichen Eltern nicht mehr erben. 

Kommentar von DerHans ,

Bei den Eltern dann immer noch als Neffe/Nichte 

Antwort
von sergius, 28

Ich vermute, dass das Hauptmotiv die Erbschaftssteuer ist: Wenn der Onkel Sie zum Alleinerben einsetzen würde (was er ohne weiteres tun könnte und auch keine Pflichtteilsansprüche anderer Personen befürchten müsste, weil nur Kinder, Ehegatten und ggf. Eltern solche Ansprüche hätten), hätten Sie als Neffe nur einen Freibetrag von € 20.000 und müssten 30% des Nachlasswertes als Steuer abführen (bei höheren Nachlasswerten sogar 50%). Als adoptiertes Kind hätten Sie einen Freibetrag von € 400.000, könnten außerdem sein Familienheim (bis 200 m2 Wohnfläche !)steuerfrei erben (wenn Sie es 10 Jahre lang weiter bewohnen). Der den Freibetrag übersteigende Nachlasswert würde für Sie als "Kind" auch erheblich geringer besteuert als die vorgenannten 30% .  

 Allerdings würde die Adoption durch Ihren Onkel bedeuten, dass Sie als "sein" Kind gelten, aber zugleich die Verwandtschaft mit Ihren eigenen Eltern beenden und diese nur noch wie ein "Fremder" beerben würden (d.h. Wegfall der gesetzlichen Erbfolge, Wegfall des Pflichtteilsrechts, Erbschaftssteuerfreibetrag nur noch € 20.000 pro Elternteil usw.)  Es gilt für Sie alle Vor- und Nachteile gegen einander abzuwägen und den Konsens der Familie einzuholen, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Auch die von einem Antwortgeber erwähnten Pflichten, die Sie gegenüber dem Onkel als Ihrem "neuen" Vater hätten, müssten Sie in die Überlegungen einbeziehen. Vielleicht sollten Sie und Ihr Onkel sich gemeinsam von einem Fachanwalt für Familienrecht beraten lassen.

Antwort
von Hufnagl, 52

Die Folgen einer Adoption sind schon weitreichend.

Zunächst einmal muss ein Vater-Kind-Verhältnis zwischen dir und deinem Onkel bestehen. Das wird vom Familiengericht, welches die Adoption ausspricht, überprüft, ggf. auch durch Anhörung deiner leiblichen Eltern oder anderen Verwandten.

"Verhandlungs- bzw. Vertragsspielraum" hat man bei einer Adoption schlichtweg nicht. Man wird Kind des Annehmenden, und zwar mit allen Rechten und auch Pflichten.

Zum Status als Kind gehört es natürlich, dass man erbberechtigt ist und einen weit höheren Erbschaft- und Schenkungsteuerfreibetrag (400.000 € statt nur 20.000 €) hat - im Gegenzug hat man aber auch eine gegenseitige Unterhaltspflicht. Kann er also nicht für seinen Unterhalt sorgen und du verdienst ausreichend, dann müsstest du für deinen Onkel evtl. Unterhalt zahlen.

Die Adoption wird zunächst beim Notar beurkundet und wird von diesem dann an das zuständige Familiengericht weitergeleitet. Bis die Adoption rechtskräftig ist, können durchaus 2-3 Monate ab Beurkundung vergehen. An Kosten sollte man auch mit ca. 500,00 € rechnen. Die genauen Kosten berechnen sich aber anhand des Vermögens deines Onkels (ich gehe davon aus, dass du bereits volljährig bist?), sodass es hier auch mehr sein kann.

Kommentar von HvonAbendroth ,

Vielen Dank für die Antwort.

Also er meinte nur, dass mit der Adoption bekommt er leicht geregelt, ich weiß nicht, was er damit meint.

Soweit ich weiß ist er nicht wirklich reich in dem Sinne, aber er hat eben dieses wirklich große Anwesen mit sehr viel Möbilar usw. und dann ist auch noch Landfläche dabei.

Antwort
von webya, 31

Natürlich hat das weitreichende Folgen. Du sagst deinen Eltern auch ganz klar: "Ich bin nicht mehr euerer Kind." Erbberechtigt bist du dann bei deinen Eltern auch nicht mehr.

Würden meine Kinder das machen, dann würde ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen.

DeinOnkel kann dich doch als Erbe im Testament einsetzen, wenn er will das du erbst.

Kommentar von FuerstVerres ,

Ist das nicht etwas hart, nichts mehr mit seinen Kindern zu tun haben zu wollen?

Kommentar von webya ,

umgekehrt genau so. Da will sich mein Kind von jemand anderen adoptieren lassen?!

Kommentar von DerHans ,

Es geht dabei ja wahrscheinlich um sehr viel Geld. Dadurch ändert sich an der tatsächlichen Verwandtschaft ja nichts.

Dafür muss man ja nicht den Kontakt abbrechen

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community