Frage von LisaBayer, 68

Ich habe eine Frage an Biologie Laboranten?

Ich finde den Beruf Biologie Laborant/in sehrinteressant und könnte ihn mir eigentlich auch gut vorstellen bis auf eines.. Ich weiß nicht ob ich Versuche an lebendigen Tieren mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Deshalb würde es mich interessieren ob ihr in eurem Beruf oft an lebenden Tieren experimentiert und ob oft Tiere bei dem Experimenten sterben.

Antwort
von tessa5, 7

Hallo! Ich habe mir auch oft diese Frage gestellt, da ich Tiere sehr mag. Trotzdem beginne ich meine Lehre als Biologielaborantin im Sommer. Ich war in Basel schnuppern, bei der Novartis, Roche und bei der Syngenta. Vielleicht solltest du auch schnuppern gehen, wenn du dir nicht so sicher bist ob du Tierversuche durchführen kannst. Ausserdem solltest du wissen, dass man nur während der Lehre (hauptsächlich im ersten Jahr) gezwungen ist, mit Tieren zu arbeiten. Danach kannst du dich zwischen in vitro und in vivo entscheiden. In vitro sind organische Vorgänge, ausserhalb eines lebenden Organismus. In vivo ist halt mit den Versuchstieren.
Bei der Novartis muss man beim praktischen Eignungstest Mäuse wiegen, ihre Atemzüge pro Minute zählen und eine Tabelle dazu erstellen mit den Werten und mit dem Durchschnitt von jeder Mäuschenbox (sind etwa 3-4 Boxen, bei denen man das machen muss). Zusätzlich muss man noch eine Substanz (Orange II) verdünnen. Die Präzision wird dann mit dem Photometer messen.  
Bei der Roche muss man eine Maus sezieren und ihre Milz herausnehmen. Es ist sehr interessant, trotzdem hat es mir leid getan, denn diese Mäuschen waren alle gesund und es wurde eine extra Genehmigung verlangt. Also waren die Mäuschen nur dort, um von una Schnuppis seziert zu werden. Das andere Experiment ist mit Darmbakterien, die man auf 38º C erhitzen muss, um dann zu sehen, welche die kleinste Menge Antibiotika ist, die noch wirk. Also da sind so etwa 8 Tubes, die mit Bakterien gefüllt sind und jedes Tube hat einen anderen Anteil Antibiotika.
Bei der Syngenta wird mit Insekten, Pflanzen und Pilzen gearbeitet. Die Schnupperlehre dauert drei Tage. Am Anfang lernt man wie man die Versuche vorbereitet und wie man sich allgemein organisiert. Am zweiten Tag arbeitet man mit Pilze in Petrischalen. Man stellt die Nahrung für die Pilze her, und zwar tut man Agar autoklavieren (damit's keimefrei ist) und füllt damit die Petrischalen, in denen sich später die Pilze befinden. Am dritten Tag, für mich der schlimmste, arbeitet man mit Malaria- und Gelbfiebermücken, Kackerlacken (und zwar aller Arten), Fliegen, usw. Man muss sie füttern. Die Mücken mit Pferdeblut, die Fliegen und Kackerlacken mit Pulvermilch und mit einer Sorte Haferflocke(bin mir nicht mehr so sicher, was es genau war). Das schlimmste ist sicherlich, dass es stinkt, da die Räume so erhitzt sind, dass es zB den Malariamücken gut geht.
Ich glaube, das alles muss man zu erst sehen, am Anfang mochte ich am meisten die Syngenta, weil man dort nicht mit Säugetiere arbeitet. Als ich jedoch mit den Insekten arbeiten musste, wurde mir bewusst, dass ich eindeutig lieber mit Mäuse arbeite.

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte.
Lieber Gruss☺️

Kommentar von tessa5 ,

Wollte noch sagen, dass alle Tiere, für die man eine Genehmigung bekommen hat, sterben. Eigentlich kommt kein Tier mehr lebendig wieder raus. Die Ratten für die Lehrlinge leben jedoch länger, ein - mehrere Jahre und haben grössere "Käfige". Später natürlich kann man (je nach Versuch) die Tiere nicht so lange am leben halten. Deswegen werde ich auch nach der Lehre eine Weiterbildung als Biomedizinische Analytikerin machen, d.h., dass ich persönlich auch nicht unbedingt länger mit dem "tierquälen" zu tun haben möchte.

Antwort
von Obvious5, 46

Je nach Forschungsgebiet wird mehr oder weniger mit Tieren experimentiert. Für diese Versuche gibt es sehr hohe Richtlinien, das heißt , man benötigt einige Genehmigungen und hat darauf zu achten, dass den Tieren so wenig schaden wie möglich zugefügt wird. Tierversuche für Kosmetika sind meiner Meinung nach unethisch und die für die Humanmedizin umstritten. Alles was den Organismus selbst betrifft, versucht man anhand von Modellen oder künstlichen Kulturen zu erforschen, und erst dann geht es ans Tier. 

Es ist bestimmt keine schöne Sache, aber in manchen Fällen auch Notwendigkeit, um universell gültige Schlüsse zu ziehen und die Welt ein bisschen besser zu machen. 

LG Obvious5

Kommentar von LisaBayer ,

Diese Meinung vertrete ich eigentlich auch also für Kismetik würde ich niemals Tiere "quälen". Für Krebsforschung finde ich es schon eher verzeihlich, da es dem allgemeinwohl hilft und die tiere, falls sie sterben, wenigstens für eine wichtige Sache gestorben sind. 

Antwort
von Sunnyshoshi, 41

Wenn du dir diese Fragen schon stellen musst, ist der Job nichts für dich.

Kommentar von LisaBayer ,

bist du Biologie laborantin?

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