Frage von MuttiSagt, 11

Ich habe eine ( begründete ) Angst vor neuen Jobs, wie könnte ich damit umgehen?

Vor ca 10 Jahren war ich schon mal auf der Suche nach einen neuen Arbeitsplatz. Ich bin Sozialarbeiterin und hatte ein Vorstellungsgespräch in einer Wohngruppe für psychisch Erkrankte Menschen. Ich hatte bei diesem Vorstellungsgespräch ein ungutes Gefühl, weil es in meinen Augen der Leitung an Professionalität und Führungsqualität mangelte. Eine gute Freundin von mir wollte den Job und nahm den an .... Und zwei Tage später war sie Tod... Umgebracht in der Nacht von einem psychisch Erkrankten der in dieser Einrichtung offensichtlich nur aufgrund wirtschaftlicher Notlage der Einrichtung völlig fehl untergebracht war. Diese Frage ist kein Fake, wer mir nicht glaubt, möge diesen Vorfall ergoogeln, in der Nähe von Hamburg. Aber seit dem bin ich irgendwie absolut traumatisiert und traue mich nicht mehr, meinen Arbeitsplatz zu wechseln , in dem ich seit 10 Jahren bin. Obwohl ich mir nichts mehr wünsche als ein anderen Arbeitsplatz und die Arbeitsplatzlage das auch her gibt, taucht immer wieder dieser Vorfall auf. Der Gedanke, das auch ich hätte das sein können. Aber das muss ich nun mal wegbekommen. Ich brauche dringend einen neuen Arbeitsplatz und muss jetzt auch wechseln, sonst bin ich irgendwann zu alt. Aber ich weiß nicht wie! Auch wenn mein Verstand mir sagt, das so ein Vorfall quasi nie vorkommt und es die absolute Ausnahme war. Aber ich stand schließlich 5 Minuten davor...Bin ansich kein ängstlicher Mensch, aber das war etwas krass!

Antwort
von nobytree2, 6

Natürlich ist das krass, z.B. bin ich in zeitlicher Nähe zum Lubitz-Flug nach Barcelona und zurück geflogen. Da kam mir auch der Gedanke, dass der Tod allgegenwärtig ist. Ebenso wenn ich im Meer schwimme und schwarze Wolken aufziehen. Dann Fahrradunfall, Autounfall, plötzliches Organversagen (einem Kollegen passiert), München Olympiazentrum 2016, Paris etc. Dass man Altersschwäche stirbt, garantiert niemand und hat auch nur eine Wahrscheinlichkeit.

Du kannst Dich aber mit Sport, Kampfsport, Fitness auf lebensgefährliche Situationen besser vorbereiten. Das mag vielleicht nur in wenigen Situationen wirklich helfen, zeigt Dir aber mental auf, dass Du Dich mit Deinem Körper in einer mitunter lebensfeindlichen Umgebung durchkämpfen muss, stärkt Dich geistig und körperlich und nimmt die Angst, abzutreten. Natürlich weichen wir dem Tod aus, aber wir sollten deswegen nicht dem Leben ausweichen. Man sollte mit sich im Reinen sein.

100 % sicher ist man nie, der Tod lauert permanent, die Chancen kann man gering halten, sollte das aber nicht zu Lasten des Lebens machen (keine Flüge mehr, kein Schwimmen mehr, kein Fahrrad mehr, keine Großstädte mehr?). Hierzu gibt es eine symbolische Geschichte: Jemand wollte ganz sicher sein und mauerte sich in einem Turm ein, welcher einstürzte und ihn unter sich begrub. Sicherheit sollte man nur mit einem normalen Leben anstreben.

Habe einen klaren Kopf, sei Dir des Todes bewusst und triff die Entscheidungen mit Verstand und Herz.

Kommentar von lisalefreak ,

Super Antwort ! 

Kommentar von DanBam ,

Ja aus der Warte eines gesunden Menschen heraus ist die Antwort goldrichtig.

Wenn die Fragestellerin so lange Zeit darüber nachdenkt, ist professionelle Hilfe erforderlich.

Antwort
von Eselspur, 7

Durch den Tod deiner Freundin bist du eine Betroffene in einem traumatisierenden, also massiv verletzenden Vorfall geworden. Es ist normal, dass normale Menschen nach einer außergewöhnlichen Situation nicht normal reagieren.
Vom Verstand verstehst du das. Emotional hast du einfach Angst.

Was kannst du tun?
Du kannst dir das weiter klar machen und auch mit einem Menschen deines Vertrauens besprechen. Mehrmals.
Vielleicht schaffst du dann die irrationale Angst zu überwinden und dir doch eine neue Stelle zu suchen.

Vielleicht kommt aber in dir dann nur Panik auf. Wenn dem so ist, empfehle ich dir, dir von einem Psychotherapeuten oder Psychologen helfen zu lassen.

Antwort
von DanBam, 8

Es gibt in Deutschland sehr viele Berufe mit hohem Berufsrisiko, ich wusste leider nicht, dass das Pflegepersonal in geschlossenen Einrichtungen dazu gehört - Deine Geschichte ist erschütternd.

Eine Konfliktberatung in einer Einzel- oder Gruppentherapie dürfte Dir bei der Überwindung von Ängste helfen, was Dich plagt sind einfache Angstzustände.

Du solltest Dich auf die Suche nach einer psychotherapeutischen Praxis machen, sie werden Dir bei der Überwindung dieser Ängste helfen. 

Alles Gute und viel Kraft für Dich!

Antwort
von Seanna, 5

Es ist 44 mal wahrscheinlicher von einem psychisch Gesunden Menschen ermordet zu werden als von einem psychisch Kranken. (Soziale Psychiatrie 4/2015)

Das sollte jemand mit dem Beruf und der Erfahrung aber auch wissen, dass diese Vorurteile Blödsinn sind und die Gefahr generell extrem gering ist, dass sowas passiert.

Genau genommen dürftest du dann gar nicht mehr arbeiten, weil dir das jetzt ja auch passieren könnte.

Antwort
von MaggieundSue, 7

Lass dich nicht von deiner Angst einnehmen. Du bestimmst dein Leben und nicht deine Angst. 

Klar, ich verstehe dich...nach dieser Geschichte! Aber das Leben ist ja nicht mehr Lebenswert, wenn du nur in dieser Angst lebst. Da man das übel auch anzieht, wenn man nur in der Angst lebt.

Also vernichte das übel ;) sage ihr Lebewohl und lebe wieder ohne angst.....

Antwort
von ThadMiller, 7

Nun ja, eigentlich bist du schon ängstlich. Mach dir bewusst das täglich die grausamsten Dinge geschehen - es dir aber doch eigentlich gut geht.

Mach den Schritt. Du wirst das sicher nicht bereuen.

Antwort
von rednblack, 7

Du standest nicht 5 Minuten davor. Es ist ja nicht mal gesagt, dass du in der gleichen Situation angegriffen worden wärst. Genauso wenig ist dir das ewige Leben in deiner aktuellen Lebenssituation gewiss.

Muss man das wirklich einer langjährig tätigen Sozialarbeiterin auseinander legen? Erkennst du nicht - wenigstens aus deiner eigenen beruflichen Praxis - die Vermeidungsmuster, die du dir da selbst zurechtlegst?

Und was bitte könnten wir jetzt für dich tun? Ab wieviel Antworten lässt du deine Vorbehalte gegen - angebrachte - berufliche Verändungen fallen?

Antwort
von Lumpazi77, 3

Du brauchst dringend eine Traumabehandlung durch einen Psychologen um das Erlebte verarbeiten zu können.

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