Frage von SchwertKatze, 56

Ich habe ein riesen Problem, ich fühle mich wie ein Junge, wie kann ich es lösen?

Ich habe ein großes Geheimnis, ich bin ein Mädchen (14 Jahre) fühle mich aber eigentlich wie ein Junge. Das war schon immer so, ich habe schon als kleines Kind lieber Jeans und T-shirt getragen und habe mit den anderen Jungs gespielt (Fußball). Nur selten habe ich mich mit Mädchen abgegeben, weil ich einfach nicht so gut mit ihnen zurecht kam. Meine Muttter hatt es ganz schrecklich gefunden, das ich mich wie ein Junge angezogen habe( ich wollte nie Kleider und Röcke tragen, und auch nichts in rosa und lila). Am liebsten hätte ich kurze Haare gehabt, aber das haben mir meine Eltern verboten als ich gefragt habe.

Ich habe mich deshalb nie getraut es meinen Eltern zu erzählen, ich habe mir das Verhalten der anderen Mädchen abgekuckt, weil ich mich normal anders verhalten hätte. Mittlerweile kann ich mich komplett wie ein Mädchen verhalten, aber es fällt mir schwer, den eigentlich bin ich ja unehrlich. Normal würde ich anders reagieren (ich mag Fußball und nicht tanzen, ich mag blau und nicht rosa).

Als ich dann in die fünfte kam hat meine Mutter gemeint es müsste sich einiges ändern, sie hat meinen Kleiderschrank aussortiert und mir lauter Mädchensachen gekauft.

Aber ich komme damit nicht mehr zurecht, und jetzt wo die Pubertät anfängt verschlimmert sich das alles, ich weiß nicht was ich tun soll.

Was kann ich tun?

Antwort
von Merkantil, 2

Hallo SchwertKatze,

ich empfehle Dir: Horch erst mal in Dich hinein, um genauer herauszufinden, was mit Dir los ist.

Jetzt, wo Deine Brüste wachsen, und wo Du Deine Tage bekommst: Empfindest Du das alles als total fremd, beneidest Du Jungen um ihren Penis und störst Du Dich an Deiner Vagina? Fühlst Du Dich also so, als ob Du schon seit jeher im falschen Körper steckst?
Oder bist Du mit Deinem Körper eigentlich ganz zufrieden, störst Dich aber an dem Verhalten, das man von Dir als Mädchen erwartet: Kleider und Röcke tragen, Haare lang wachsen lassen, schminken, Nagellack benutzen und Haare färben, unbequeme Schuhe mit hohen Absätzen tragen, BH anziehen usw. (Dir fällt bestimmt noch viel ein).

Es könnte nämlich sein, daß Du Dich als Mädchen eigentlich ganz wohl fühlst, daß Du Dich aber durch das, was die Leute normalerweise von einem Mädchen erwarten, total eingeschränkt fühlst: Warum sollst Du nicht kurze Haare tragen, im T-Shirt, Hosen und bequemen Schuhen rumrennen, Fußball spielen, auf Bäume klettern, Dich für Mathematik und Naturwissenschaften begeistern usw.?

Es könnte aber andererseits auch sein, daß Du nur glücklich werden kannst, wenn Du Dich (zu einem passenden Zeitpunkt) einer Geschlechtsumwandlung unterziehst und zukünftig als Junge bzw. als Mann lebst, mit allen Konsequenzen inkl. Namensänderung.

Es geht für Dich also darum, erst mal herauszufinden, wo Du persönlich wirklich stehst. (Ich habe nur mal 2 Positionen benannt: Das Spektrum ist sicherlich noch weiter.)

Ich bringe mal 2 Beispiele aus meinem Umfeld:
Ich bin ein Mann, ich bin zufrieden damit und habe mich auch in meiner Jugend immer schon als männlich empfunden. Dennoch empfand ich es in Deinem Alter nicht als gerecht, daß sich Mädchen jede denkbare Frisur aussuchen durften, daß man es bei Jungen aber komisch fand, wenn sie lange Haare trugen. Ich setzte mich darüber hinweg, ließ mir die Haare gegen alle Widerstände richtig lang wachsen, schon zu Schulzeiten, aber auch noch während des Studiums. Selbst jetzt, wo ich mich gemäßigt habe, trage ich immer noch deutlich längere Haare als die meisten anderen Männer.
In Deinem Alter war ich immer stolz, wenn man mich wegen meines Aussehens aus Versehen für ein Mädchen hielt. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, Mädchenkleider anziehen zu wollen (außer an Karneval), und ich fühlte mich immer eindeutig als Junge.

Ich hatte eine Studienkollegin, die in ihrem Fach sehr gut war und auch ganz gut aussah. Schon früh lebte sie mit einem anderen Studienkollegen zusammen und heiratete ihn dann bald, noch bevor sie ihre erste Abschlußprüfung absolviert hatte.
Wenige Jahre später ließ sie sich wieder scheiden, weil sie mit ihrer Rolle als Ehefrau nicht zurecht kam: Sie hatte sich schon seit ihrer Kindheit als Junge gefühlt.
Sie nahm nun männliche Hormone, sodaß ihre Brüste immer mehr verschwanden, ließ ihren Vornamen in einen männlichen Namen ändern und ließ sich schließlich chirurgisch einen voll funktionsfähigen Penis statt ihrer bisherigen Scheide anoperieren. (Beim Nacktbaden konnte ich mich auch mal mit eigenen Augen vom Erfolg dieser chirurgischen Bemühungen überzeugen. Nun ja: Wie gelungen man die neue Optik findet, ist jedenfalls Geschmacksache.)

Er (inzwischen war sie ja zu einem Er geworden) war so begeistert von dieser Geschlechtsumwandlung, daß er seinen bisherigen Beruf, in dem er erfolgreich gewesen war, aufgab, um Medizin zu studieren mit dem Ziel, als Chirurg irgendwann selbst solche Geschlechtsumwandlungen vornehmen zu können.
Für mich, der ich sie als junge Frau kennengelernt hatte, war es schon etwas komisch, ihn nun als Mann zu erleben. Leuten, die ihn nicht vorher gekannt hatten, und die nichts von seiner Vorgeschichte wußten, empfanden ihn dagegen als ganz normalen, attraktiven jungen Mann.

Interessanterweise fühlte er sich immer noch zu Männern hingezogen und wollte von ihnen geliebt werden, nur eben nun als (schwuler) Mann. Er meinte, seine Ehe sein daran gescheitert, daß er es nicht ertragen habe, als Frau geliebt zu werden, obwohl er sich als Mann gefühlt habe.
Du siehst also: Es sind ganz verschiedene Ausprägungen möglich.

Wie ist das eigentlich bei Dir: Fühlst Du Dich erotisch eher zu Jungen hingezogen, oder zu Mädchen, oder zu beiden, oder (zumindest bisher noch) zu keinem von beiden? Das hat allerdings nichts zu bedeuten hinsichtlich der Frage, ob Du Dich selbst eher als Junge oder eher als Mädchen fühlst. Das eine ist die Frage der sexuellen Orientierung, das andere die Frage der sexuellen Identität.

Noch etwas: Liebst Du Kinder? Möchtest Du irgendwann mal eigene Kinder haben, mit ihnen leben und sie großziehen?
Dann wäre es sicher besser, Dich auch dann, wenn Du Dich eindeutig als Junge fühlst, vorerst mit Deinem weiblichen Körper zu arrangieren (zumindest, bis die Kinder geboren sind) und Dir zum gegebenen Zeitpunkt zu diesem Zweck einen Partner zu suchen, der Deinen inneren Zwiespalt akzeptieren kann, auch wenn Du ihm gegenüber in diesen Dingen völlig offen bist, und der Dich so lieben kann, wie Du bist.

Erst wenn Du diese Fragen eindeutig für Dich geklärt hast (eventuell auch mithilfe eines Psychologen), geht es darum, konkrete weitere Schritte zu überlegen.

Falls Du stattdessen erkennen solltest, daß Du mit Deinem weiblichen Körper und Deinen weiblichen Gefühlen eigentlich ganz zufrieden bist, daß Du es aber nicht mehr erträgst, Dich irgendwelchen für Dich absurden Rollenklischees zu unterwerfen, könntest Du ja mal daran gehen, Schritt für Schritt einzelne Rollenklischees einfach zu mißachten. Da wäre es natürlich wichtig, zu schauen, welche Punkte für Dich besonders wichtig sind.

Im Fußballverein spielst Du ja schon. Was spricht dagegen, Dir die Frisur schneiden zu lassen, die Dir gefällt, und nun wieder nur noch T-Shirts (eventuell auch ohne BH, falls Deine Oberweite dies zuläßt) und Hosen zu tragen? Den Ärger, den Du Dir mit Deinen Eltern dadurch einhandelst, müßtest Du eben ertragen.

Du bist in der Pubertät: Das bedeutet nicht nur die einschlägigen körperlichen Veränderungen, Gefühlswallungen und Stimmungsschwankungen, die das aufgrund der Hormone eben so mit sich bringt, sondern außerdem auch, daß eine Deiner momentanen Entwicklungsaufgaben darin besteht, für Dich in bestimmten Lebensfeldern immer mehr Deinen eigenen Weg zu suchen und zu finden. Wenn Du Dich mutig und auch gegen Widerstände dieser Aufgabe stellst, werden sich dabei Übertreibungen und Irrwege nicht vermeiden lassen, aber der Aufwand wird sich lohnen.
Die Aufgabe Deiner Eltern wiederum besteht darin, Dich vor selbstschädigendem Verhalten zu bewahren, Dich aber auf dem Weg zu immer größerer Selbstständigkeit zu unterstützen. Da sowohl Du als auch Deine Eltern teilweise in der jeweiligen subjektiven Sicht gefangen seid (das läßt sich gar nicht völlig vermeiden), ist in dieser Lebensphase Ärger für beide Seiten vorprogrammiert. Es wird also sowohl für Dich als auch für Deine Eltern nicht einfach, zumal Deine spezifische Thematik besondere Schwierigkeiten mit sich bringt. Wäge also nach Möglichkeit ab, wo sich der Ärger lohnt, und wo nicht.

Ich finde es gut, daß Du die Fähigkeit entwickelt hast, Dich (gegen Deine inneren Widerstände) anzupassen und in ein weibliches Rollenklischee einzufügen. Du wirst somit in gewissem Maße die Fähigkeit haben, die Fäden in der Hand zu behalten, also selbst zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt es angebracht ist, Dich wem gegenüber in welchem Maße zu outen, und ansonsten vorerst weiter angepaßt zu leben, um unnötigen Ärger zu vermeiden.

Solltest Du Konflikte aber als nötig erachten: Scheue sie nicht, auch wenn sich das Ergebnis nicht immer vorauskalkulieren läßt.

Viel Erfolg!
Es grüßt Dich
Merkantil

Antwort
von SVKturnerin, 30

Du musst auf jeden Fall mit deinen Eltern reden. Oder vielleicht kannst du zuerst mal mit deinen Freunden reden, wenn du ihnen vertraust und sie dir auch zu hören. Und dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel würde ich dann danach mit meinen Eltern zu nem Psychologen oder zu so ner ( ich weiß grad ned wie man des nennt ) Familienberatung oder so gehen.

Antwort
von Unknown199900, 15

Also ich weiß nicht wie eure Beziehung zwischen euch ist, deshalb würde ich dir raten mit der Mutter zu reden. Du bist schon 14 und bist schon im Pubertät d.h. du wirst langsam reif und kannst bestimme Dinge selber entscheiden. Es gibt auch Jungs, die sich wie ein Mädchen fühlen und natürlich auch anders rum deshalb würde ich an deiner Stelle mit der Mutter oder mit dem Vater darüber reden und sagen dass du bisschen anders bist als die "typische" Mädchen. NIEMAND darf dich verändern, du bist so wie du bist, du wurdest so erschaffen d.h. erst mal musst du dich akzeptieren und respektieren und danach deine Eltern. Ich wünsche dir viel Glück!

LG

Kommentar von JustNature ,

Tausendmal einfacher und besser ist, die "innere Einstellung" nicht als ultimativen Fakt zu erklären sondern diese zu ändern. Anstatt an der biologischen Grundausstattung herumzuflicken, was niemals Erfolg haben wird - denn jede Zelle weist den Mensch als männlich oder weiblich aus (XX Chromosomen bzw. XY Chromomen). Vieles mehr kommt dazu (Gebärmutter, Eierstöcke usw. usw). Genderwahn bleibt Genderwahn.

Antwort
von SuterVampire, 6

da kannst du nix gegen tun. Steh einfach dazu, es ist ja nix schlimmes

Antwort
von JustNature, 21

Daß man das eigene Geschlecht schwer akzeptieren kann, kommt rel. oft vor, vielleicht sogar bei jedem vierten Mensch.

Es ist nun "maximaler Zeitgeist", zu empfehlen, "lebe als Transsexueller, das ist gut so". Das hat mit dem spinnerten "Genderwahn" zu tun, deshalb werden das hier auch Einige empfehlen.

Ich empfehle, nimm das eigene Geschlecht an, denn alles andere ist mit endlosem Ärger und Leid verbunden. Es ist leicht, Dir dabei ärztlicherseits zu helfen. Viele Frauen brauchen nur etwas mehr Östrogen etc.


Antwort
von 20Hansch02, 20

Erzähl es deinen Eltern! Sag ihnen: ,,Mama, Papa, ich muss euch jetzt etwas erzählen..." Wenn du es nur verheimlichst wirst du in deinem Leben nicht mehr froh!

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