Ich habe ein 6 ha großes Grundstück gepachtet mit unzähligen Obstbäumen darauf. Nun steht darauf ein Hochstand. Kann ich darauf bestehen, dass er abgebaut wird?

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5 Antworten

Du als Pächter darfst weder den Hochstand abbauen, noch beschädigen, auch vom Jagdpächter nichts derartiges verlangen.

Der Hochstand, wie jede andere jagdliche Einrichtung auch,   gehört dem Jagdpächter - es ist sein Eigentum.

Der einzige, der hier fordern könnte, daß er entfernt wird, wäre der Grundeigentümer, der ihn allerdings bisher genehmigt zu haben scheint.

Aber auch das geht nicht so einfach, wie sich manche das vorstellen, denn der Grundeigentümer ist Mitglied der Jagdgenossenschaft - und hat somit (nach geltendem Jagdrecht) die Jagd auf seinem Grund zu dulden (Zwangsmitgliedschaft). Der Jagdpächter hat das Recht, hier zu jagen, sich das Wild anzueignen. Dafür bezahlt er dem Jagdgenossen (dem Eigentümer) einen Pachtzins.

Außer, der Grundeigentümer stellt einen Antrag zur Befriedung von Grundflächen aus ethischen Gründen.

Diese Anträge können gestellt werden. Man sollte jedoch auch bedenken, daß der Jagdpächter dann aus allen Verpflichtungen ausgenommen ist.
Er muß u.a. keinerlei Wildschaden  mehr ersetzen.
Daran knabbern heute schon manche, die ihren Grund aus der Jagd haben nehmen lassen. Schalenwild (z.B. Reh- und Rotwild, auch die gefürchteten Wildschweine), Fasane und Wildkaninchen richten mancherorts beträchliche Schäden an. Angeknabberte junge Bäume, das Schälen der Rinde, das "Umpflügen" der Sauen auf Ackern und Wiesen etc.... , um nur etwas zu nennen.

Ich denke, daß der Verpächter des Grundstückes diese Schäden dann dem Pächter in Rechnung stellt bzw. ihn das "beheben" lassen wird.
Auch bekäme er keine anteilige Jagdpacht mehr.

Aber genau das mußt Du mit dem Grundeigentümer besprechen, der dann, wie geschrieben, erst einen Antrag stellen muß, um besagtes Grundstück evtl. aus der Jagd nehmen zu können.

Bundesjagdgesetz - § 6a Befriedung von Grundflächen aus ethischen Gründen,

u.a.:

Der Antrag ist schriftlich oder zur Niederschrift bei der zuständigen
Behörde zu stellen. Der Entscheidung über den Antrag hat neben der
Anhörung des Antragstellers eine Anhörung der Jagdgenossenschaft, des
Jagdpächters, angrenzender Grundeigentümer, des Jagdbeirats sowie der
Träger öffentlicher Belange vorauszugehen.

http://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/__6a.html

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Kommentar von Apfeltantchen
20.01.2016, 11:37

Danke, das ist eine sehr hilfreiche Antwort!!

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Nein, denn du bist nicht der Besitzer des Grundstückes, aber ich würde den Besitzer oder Verpächter des Grundstückes mal fragen, vielleicht gibt es eine Lösung.

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Kommentar von Rushter
19.01.2016, 12:34

Als Pächter ist er der Besitzer. Allerdings nicht der Eigentümer. Das ist ein Schiet unter äh Unterschied

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Kommentar von Apfeltantchen
19.01.2016, 12:36

Da hast du recht, vielleicht braucht den Stand ja auch niemand wirklich mehr oder ähnliches. 

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Da du "nur" Pächter bist, wohl kaum, aber genau für solche Dinge gibt es den Pachtvertrag.

Grundsätzlich fände  ich das aber gar nicht schlimm. Ich würde eher versuchen, mal den Jagdpächter zu treffen und was mit ihm zu vereinbaren. So nach dem Prinzip "ich gib dir Obst, du gibst mir was vom Wildfleisch ab" oder so.

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Kommentar von Apfeltantchen
19.01.2016, 12:40

Ich möchte nicht, dass dort irgendwas erschossen wird ;). Den Jagdpächter werde ich aber dennoch ausfindig machen und das Gespräch suchen, ja.

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"In Deutschland mussten Grundstückseigentümer vor 2013 die Errichtung von Hochsitzen in jedem Fall dulden, soweit sie für die Jagdausübung erforderlich waren. Seit der Änderung des Bundesjagdgesetzes vom 6. Dezember 2013 kann die Bejagung (und damit auch die Errichtung von Hochsitzen) auf eigenen Grundstücken abgelehnt werden."
Quelle: Wikipedia

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Kommentar von nope23
19.01.2016, 12:42

In Deutschland mussten Grundstückseigentümer[...]

Fragestellerin ist nur Pächter

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Wenn der Hochstand nicht zur Jagd benutzt wird, wirst du seine Entfernung (bzw. wohl eher Stilllegung) kaum verlangen können.

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