Ich habe bei einem Mietwagen mit Vollkasko Schutz eine Delle rein gefahren. Ich soll den Schaden trotzdem zahlen (wg. Kleingedruckten). Ist das rechtens?

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4 Antworten

Hallo Selfmadesteaks,

Unter https://www.ostfalia.de/cms/de/ifbw/Farhzeugfertigung/mueller/fahrzeugaufbau.html kannst Du nachlesen, was alles unter dem Begriff Fahrzeugaufbau zählt.

Demnach zählt die gesamte Karosserie, samt Türen zum Fahrzugaufbau.

Da der Sinn und Zweck einer Vollkaskoversicherung der ist, dem Fahrer vor Schadensersatzansprüche zu schützen, wenn er aufgrund eines Fahrfehlers Schäden an der Karosserie verursacht, würde der Ausschluss solcher Schäden ja dazu führen, dass man für eine Versicherung zahlt, die im Falle eines Schadens nie zahlen müsste.

Solche Klauseln dürften meines Erachtens nach  Sittenwidrig und somit nichtig sein.

Siehe § 817 des Bürgerlichen Gesetzbuches (https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__817.html)

Diesbezüglich würde ich einen Rechtsanwalt mit der Vertretung Deiner Interessen beauftragen, denn immerhin geht es um eine 3300 (3800 - 500 SB) Euro hohe Forderung, die die Vollkaskoversicherung übernehmen müsste.

Schöne Grüße
TheGrow

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Kommentar von uni1234
20.07.2016, 07:18

Mit § 817 hat dies relativ wenig zu tun, TheGrow. Wenn dann wäre § 138 BGB einschlägig. Auch dies ist allerdings nicht der Fall, da es sich um AGB handelt, sodass § 307 Abs. 1 BGB anzuwenden ist ;)

In der Sache muss ich Dir allerdings Recht geben. Wenn die Versicherung für selbst verschuldete Schäden am Aufbau gar nicht greift, dann erfüllt sie ihren Zweck als Versicherung nicht.

Die betreffende Klausel in den AGB deutet zwar an, dass nur Fälle gemeint sind, in denen der Mieter z.B. die Durchfahrtshöhe missachtet hat (https://studibus.de/downloads/studibus_agb.pdf). Allerdings ist die Ausnahme nicht auf dieses Beispiel beschränkt.

Daher würde ich auch dafür plädieren, dass die Klausel gem. §§ 305c, 307 Abs. 1 BGB unwirksam ist.

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Es ist alles völlig korrekt.
Die Klausel ist auch nicht sittenwidrig….

Du hast nur einen SEHR schlechten Versicherungsvertrag unterschrieben.

Deine Bedingungen schließen den „ Einwand auf grobe Fahrlässigkeit“ nicht aus…

Dadurch wird eine Kaskoversicherung natürlich leistungsfrei, sofern ein
grobfahrlässiges Verhalten vorliegt.

Deinem Unfallhergang nach, liegt zweifelsohne grobe Fahrlässigkeit
vor.  

Sorry, aber an der Stelle hättest du dich besser informieren müssen gegen welche Risiken du versichert bist
und was deinen Schutz gefährdet.

Sei froh, dass nichts mit der Ladung passiert ist, denn dafür gibt es wieder andere Regeln ;-)  

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Kommentar von Selfmadesteaks
20.07.2016, 13:34

Da ist nun die Frage, was grobe Fahrlässigkeit ist.

Aber wenn man mit einem Transporter mit ungewohnten Maßen fährt und durch eine Unterführung ohne jegliche Warnhinweise oder Höhenangaben fährt, ist das doch keine grobe Fahrlässigkeit?

Das kann ja wirklich jedem mal passieren, dass man die Maße des Fahrzeugs unterschätzt bzw. einem nicht bewusst wird, dass das Fahrzeug noch größer als die Durchfahrt ist. Wenn die Einfahrt 1,5m hoch gewesen wäre, dass absolut offensichtlich ist, dass ich da nicht durch passe, kann man darüber streiten, ob es grob fahrlässig ist. Aber das war in dieser Situation nicht der Fall.

http://www.verbraucherrecht-online.de/rechtgeb/verkehr/versich/kasko/grobfahr/gfdefin.htm

Hier steht als letzter Satz zum Verständnis eines Laien:

"Populär ausgedrückt: Grob fahrlässig ist ein Handeln immer dann, wenn sich jeder vernünftige Mensch an den Kopf langt und sagt: "Wie kann man nur...!!"

Das ist hier ja wirklich nicht der Fall...

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Alles was oberhalb des Chassis ist, ist Fahrzeugaufbau.

Aber welche Summe wird denn jetzt von Dir gefordert?

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Kommentar von Selfmadesteaks
20.07.2016, 02:05

Selbstbeteiligung liegt bei 500€. Ich soll aber alles zahlen, d.h. ca 3800€...

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Solch eine Klausel ist unwirksam, siehe dazu §307 BGB.

Daher der Forderung widersprechen und nur die SB von 500€ zahlen.

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