Frage von SeineTochter, 50

Ich fühle mich nicht zugehörig- Gruppengefühl fehlt, wie baue ich "Beziehungen" auf?

Hallo,

Die Frage ist vielleicht ein bisschen unglücklich ausgedrückt. Es geht darum, dass ich(17/w) mich nicht zugehörig fühle. Weder zu meiner Familie, noch zu meinen Mitschülern, nicht zu meiner Gemeinde oder meinem Freundeskreis.

Meine Familie ist so standfest und offen, herzlich und liebend. Ich dagegen bin eigentlich eher verschlossen, kann über Sexualität, Liebe usw gar nicht offen reden, stehe zu vielen Dingen ganz anders und interessiere mich für andere Dinge. Ich habe einen ganz anderen Charakter und habe oft das Gefühl "adoptiert" zu sein. Ich sehe auch ganz anders aus als meine Geschwister, aber ich bin wirklich nicht adoptiert.

Ich habe auch ein ganz anderes Verständnis von Liebe. Gar nicht so "Jugendlich" und "Offen". Ich denke ich würde eher in die Zeit 1930 passen, was meine Art angeht. Ich achte stets auf meine Klamotten, dass nicht zu viel Ausschnitt zu sehen ist, dass ich zu jedem Thema passend angezogen bin, trage Rücke, Blazer, keine Ohrringe usw Ich tanze gerne- vor allem Walzer, liebe Klassik, bin fasziniert von (alter-) Kunst, ich liebe Bücher und Poesie, von Lyrik könnte ich leben.

Ich mag es nicht, in Discos zu gehen, bin kein "shopping"-Mensch und eigentlich sind mir ganz andere Dinge wichtig. Recht, Ordnung, Ehre, Vertrauen, Erhabenheit, Demut- das sind meine Grundwerte. Ich orientiere mich an den älteren Menschen. Ich rede ganz anders, als meine Freunde.

Leider werde ich dadurch oft arrogant genannt, werde "ausgeschlossen" oder wirke desinteressiert. Langsam bin ich das sogar. Mich interessiert dieses "Jugend-Gehabe" nicht wirklich. Ich liebe Diskussionen mit Erwachsenen bzw Älteren.

Ich habe durch diese endlose "Sonderrolle" (das fing in der Grundschule schon an) das Zugehörigkeitsgefühl verloren und habe Angst, dass ich nicht mehr in der Lage bin, richtig Beziehung aufzubauen. Ich habe Freunde, sehr gute sogar. Aber mein Verhältnis ist eher "distanziert". Ich erzähle ihnen schon viel, es ist auch einfach normal, aber ich fühle mich nie wie "eine von ihnen".

Wie kann ich das ändern?

Antwort
von Pusteblume8146, 12

Also ich finde es gut, dass du weißt, was du willst, dass du so einen individuellen Geschmack hast. Das ist gut!

Allerdings glaube ich auch, dass du dich unterbewusst auch von den Anderen selbst abgrenzt, indem du sagst "Ich bin so anders". Klar hast du andere Interessen, als wohl die meisten Jugendlichen, was aber nicht bedeutet, dass du gar keinen gemeinsamen Nenner finden kannst. Und: JEDER Mensch hat ein bisschen andere Interessen, auch wenn es einen "Mainstream" gibt, mit dem sich die Meisten identifizieren können. Aber Jeder ist anders. Und das ist auch gut so.

Mein Tipp an dich wäre, auch anzuerkennen, dass eben jeder Mensch andere Interessen hat, auch deine ganzen Freundinnen sind alle unterschiedlich, selbst wenn sie dir gleich vorkommen. Öffne dich den anderen und sei ganz unvoreingenommen. Vielleicht findest du mit deinen Freunden auch Themen, die dich auch begeistern können. Das kannst du aber nur durch aktiven Austausch entdecken. Grenze dich nicht ab, sondern sei auch in deinem Kopf Teil von ihnen. Vielleicht kannst du dann nicht mit ihnen über Kunst und Lyrik reden. Aber dafür vielleicht über andere interessante Dinge. Ich finde ohnehin, dass einem kein Mensch "alles geben" kann, bzw. alle seine Interessen abdecken kann. Jeder Mensch, bzw. jeder Freund lässt einen einen unterschiedlichen Teil von sich selbst ausleben. Mit dem einen kann man gut reden, der andere kann einen gut aufheitern. 

Also sei offen und neugierig :)

Kommentar von Aabaab ,

Pusteblume, du hast so was von Recht! DH

Antwort
von whatatragedy, 9

Liegt es vielleicht daran dass du gerade am Übergang von der Pubertät zur Erwachsenen bist und dadurch deinen Stand so bewertest obwohl es gar nicht wirklich so ist? Ich bin etwas jünger aber ich glaube auch manchmal irgendwie eine andere Position als mein Bruder in der Familie zu haben. Wenn ich drüber nachdenke meine ich das war schon immer so. Vermute aber dass es von aussen gesehen gar nicht so ist.

Vielleicht weil man sich in der Pubertät verändert und dann noch nicht so sicher mit all dem ist..

Kommentar von SeineTochter ,

Das habe ich auch oft gedacht bzw denke es immer noch, aber ich habe mich mit einigen Schulkollegen aus der Grundschule und Mittelstufe darüber unterhalten und sie haben mich immer so gesehen. Also vor und in der Pubertät. Wenn es allerdings doch so sein sollte, beruhigt es mich schon. Danke für deine Antwort

Antwort
von Aabaab, 13

Warum willst du das überhaupt ändern?

Du bist eine ganz besonders wertvolle Persönlichkeit mit beachtlichem Niveau. Das erkennt man daran, daß du die langweiligen, oberflächlichen Verhaltensweisen mancher Zeitgenossen ablehnst. Das ist nur klug. Du bist dabei, deine eigenen Anlagen ( viellciht schlägst du ja einem entfernten Verwandten nach oder hast das Genmuster dir unbekannter Verwandter geerbt) zu entwickeln und zum TRagen zu bringen. Laß dich da nicht einengen.

Es immer gut, die Aussage im Sinn zu behalten "nur tote Fische schwimmen mit dem Strom". 

Natürlich ist der Preis für soviel Souveränität eine gewisse Einsamkeit. Aber war das leider nicht schon immer das Schicksal außergewöhnlicher Menschen, von der Masse nicht verstanden zu werden?

Du steht noch am Anfang deiner Entwicklung. Bestimmt wirst du im Laufe der Zeit auf Menschen deines Typs treffen, auch wenn sie nicht  haufenweise an jeder Ecke stehen. DAs sind dann besonders kostbare Begegnungen. 

Es lohnt sich aber, auszuharren und nicht um jeden Preis, nur um integriert zu sein, faule KOmpromisse zu machen.

Viel Glück!               

Antwort
von Viktor1, 7
Wie kann ich das ändern?

Mit Hilfe eines guten Therapeuten - wenn es denn sein muß !!!
"Hilfe" von hier zu erwarten ist daneben.
Außerdem sehe ich nicht, daß es erstrebenswert wäre wegen einer Befindlichkeit der Nichtzugehörigkeit etwas an sich zu ändern, was man selbst (oder auch andere) eigentlich ganz in Ordnung findet.

Leider werde ich dadurch oft arrogant genannt

Du hast das Problem erkannt und kannst dem entgegen wirken, soweit du dies willst.

Antwort
von Step44, 7

erstmal du bist wie du bist. Du solltest dich nicht verbiegen lassen bloß um dazu zu gehören.

Mit deiner Familie solltest du reden, sicher hast du dieses Gefühl  adoptiert zu sein entwickelt, weil sie dich immer so ein bißchen als sonderbar angesehen haben. Vielleicht fühlst du dich auch von deiner Familie als unakzeptiert.

Um mit dir ins Reine zu kommen, musst du zu aller erst dich selbst zu akzeptieren, wie du bist.

Dann machen das auch die Anderen.

Kommentar von SeineTochter ,

Es ist sehr schwer... Mit meiner Familie habe ich schon geredet. Es liegt wohl wirklich eher an mir, als an meiner Familie. 

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