Frage von weghdh, 1.364

Sind der Ich-Erzähler aus "Agnes" und Danton aus "Dantons Tod" autonome Charaktere?

Ich habe in Bezug auf den Werkvergleich von Agnes, Homo faber und Danton´s Tod zum Aspekt Autonomie (selbstbestimmtes Handeln) noch ein paar Unklarheiten. Dass es sich bei den Figruen Agnes, Walter Faber und Robespierre um nicht autonome Charaktere handelt ist klar (Agnes exitiert nur im Spiegel des Ich-Erzählers und lässt sich von der Geschichte kontrollieren // Walter Faber hat seine Rolle als Techniker, die ihn unfrei macht und in seinem Handeln leitet // Robespierre lebt nur für sein Ideal der Tugend). Doch was ist mit dem Ich-Erzähler und Danton? Schließlich entscheidet sich der Ich-Erzähler frei für seine Autorkarriere und damit gegen die Liebe. Bei Danton ist es so, dass er seine Identität durch dem aus dem Ruder gelaufenen Revolutionsprozess verliert und sich dadurch dem Nihilismus und Fatalismus bekennt. Ergo wäre er also eher unfrei, weil er durch den Revolutionsprozess definert wird. Was meint Ihr, handelt es sich bei dem Ich-Erzähler und Danton um autonome (freie, selbstbestimmte) Charaktere?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von iamgirl97, 1.088

Ergänzend zu Walter Faber würde ich noch sagen, dass er jedoch gegen Ende vielleicht ein bisschen autonomer wird, da er anerkennt, dass er keine Kontrolle über den Tod hat und die Natur immer mehr wertschätzt und sich nicht mehr so von der Technik abhängig macht. Aber im Großen und Ganzen ist er nicht autonom. Zum Ich-Erzähler: er handelt insofern selbstbestimmt, dass er Karriere als Sachbuchautor macht. Des Weiteren ist er nicht abhängig von Agnes und schreibt die Geschichte zunächst auch unabhängig von Agnes..Es gibt aber auch einige Aspekte bei denen er nicht autonom handelt: er lässt sich von Agnes überreden, die Geschichte zu schreiben und lässt sich zunehmend von ihr leiten, sobald sie die Realität einholt. Dadurch dass die Fiktion die Wirklichkeit bestimmt, verliert er an Autonomie. Er schreibt die Geschichte zwar selbst, aber sein handeln wird fremdbestimmt und nicht mehr selbstbestimmt..Er lässt auch Agnes keine Alternative mehr, wo er sie z.B. fragt, warum sie nicht das rote Kleid anhat. Ich würde also sagen beim ich Erzähler gibt's sowohl Punkte die für als auch welche die gegen die Autonomie sprechen. :)  bei Danton weiß Ichs nicht so recht.. Er übergibt sich ja dem Schicksal, was schonmal nicht autonom ist. Bekannt ist ja auch dass er sich sehr passiv verhält die ganze Zeit über. Er hat aber z.B. Gegen Ende auch eine Passage wo er handeln will, als er die not seiner Mitstreiter sieht, aber da ist es schon zu spät. Autonom ist auch noch , dass er nicht auf das mehrmalige Warnen seiner Freunde eingeht sondern weiter Fatalist bleibt. Aber bei Robespierre bin ich mir nicht so sicher ob er nicht autonom ist.. Bist du dir da sicher? Weil er will ja auch Danton guillotinieren lassen.. Naja wär cool wenn du nen kurzen Kommentar abgibst, was du von meinen Gedanken hältst und ob du dir bei Robespierre sicher bist :D Liebe Grüße :)

Kommentar von weghdh ,

Erstmal danke für deine Antwort : )

Stimmt, Danton ist insofern nicht autonom, weil er sich vom Fatalismus und Nihilismus leiten lässt und dadurch politisch untätig wird. Aus dem Fatalismus folgt ja schließlich, dass der Mensch im Allgemeinen unfrei ist, da er von einer übergeordneten Macht gesteuert wird. Sichrlich gibt es auch bei ihm wie bei allen anderen Figuren Stellen, an denen sie autonom handeln, da hast du recht. 

Zu Robespierre: Bei uns im Unterricht haben wir besprochen, dass Robespierre zu fixiert ist in seiner Rolle als tugendhafter Revolutionär. Deshalb will er ja Danton töten lassen, weil dieser in seinen Augen lasterhaft ist (Epikureer). Diese Fixierung macht ihn nicht autonom und lässt ihn als Märtyrer sterben.

Liebe Grüße zurück :D 

PS: Würde mich freuen wenn wir uns zum Abi austauschen könnten.

Kommentar von LilliKrolock ,

Hallöchen :)

Kann deine Argumente richtig gut nachvollziehen und hat mir super geholfen :) Allerdings schreibt der Ich-Erzähler in Agnes doch auf S. 61, dass er zunehmends abhängiger von ihr wird?
"Meine Liebe zu Agnes hatte sich verändert [...] Ich fühlte eine fast körperliche Abhängigkeit, hatte das demütigende Gefühl, nur ein halber Mensch zu sein, wenn sie nicht da war." 
Das würde doch dann auch wieder gegen die Autonomie sprechen? 

LG Lilli

Antwort
von sarahmelina, 612

Es spricht auch dafür, dass Robespierre nicht autonom ist, weil er Camille ja eigentlich nicht wirklich töten lassen möchte, aber sich von St. Just überreden lässt, es doch zu tun. Damit sind seine Entscheidungen von anderen abhängig und man kann nicht sagen, dass er autonom ist.

Kommentar von weghdh ,

Danke : ) Stimmt, habs gerade nachgelesen. Aber was ich noch nicht verstanden, hab: Waren Robespierre und Camille Freunde oder politische Gefährten? Weil Robespierre meint: "Mein Camille! Sie gehen Alle von mir-es ist Alles wüst und leer- ich bin allein" (S.35).

Kommentar von hierlang ,

So wie ich das verstanden habe, waren Camille und Robespierre in der Schule sehr gut miteinander befreundet. Das erzählt Camille Lucile im 2. Akt, 3. Szene.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten