Frage von Bernhard1993, 32

Ich brauche eine Quelle für evenutelle Strafen im Mittelalter, wenn man sich als Komponist nicht an die Tonsatzregeln gehalten hat. Gibt es da etwas?

Antwort
von Grobbeldopp, 15

Das Mittelalter meinst du vermutlich nicht wirklich. Tonsatz in heutigem Sinne gibt es erst im Spätmittelalter, und diese Musik ist für heutige Ohren eher befremdlich und man weiß blöderweise auch oftmals nicht so genau wie sie tatsächlich geklungen hat.

In der frühen Neuzeit galt man zunächst einmal nicht als Musiker, der sich auf einem bestimmten Niveau blicken lassen kann, wenn man keinen Tonsatz beherrschte. Von der Renaissancezeit an war es völlig selbstverständlich für jeden guten Musiker, im aktuellen Stil improvisieren zu können. Die (dem wechselnden Zeitgeschmack unterliegende) übliche Satzweise lernte man gleichzeitig mit dem Singen und Instrumentalspiel.

Einzelne Abweichungen davon, hie und da ein Fehler oder auch bewusste Regelverstöße oder "Kühnheiten" und stilistische Besonderheiten sah man etablierten Musikern bisweilen nach, oder kritisierte oder lobte sie dafür sogar. 

Jemand, der jedoch grundsätzlich keine Satzregeln beherrschte oder sie wissentlich vollständig ignorierte oder versucht hätte, eine ganz unverwandte, neue Musik zu schreiben (atonal z.B.) hätte man als einen Stümper oder Spinner nicht weiter beachtet. Einer Strafe bedarf es dazu nicht, die Meinung der Kollegen und Auftraggeber hätte völlig ausgereicht. Man kann sicher sein, dass der Musikgeschmack sehr viel homogener und "engstirniger" war, man kann sich das heute nur schwer vorstellen.

Expertenantwort
von WebThoWeb, Community-Experte für Musik, 15

Es gab bestimmt keine flächendeckend gültigen Strafen. Insofern sind dann eng regionale Quellen sehr schwer auszumachen. Allenfalls im Bereich Kirche wurde verbreitet versucht, den Tritonus zu verbieten, weil das angeblich einer Teufelsbeschwörung gleichkam, aber Konsequenzen ....?

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Was wäre der Bebop ohne Tritonus? :)


P.S.: Wenn es wirklich wichtig ist, würde ich mal direkt in einem musikwissenschaftlichen Institut anrufen.


Antwort
von archibaldesel, 32

Die Strafe war ein ungehaltenes Publikum.

Antwort
von Loeschi7, 25

Da gab es keine rechtlichen Strafen dafür.

Antwort
von Tokij, 13

Meinst du Strafen für Schüler oder beschäftigte Komponisten?

Wenn den Mäzenen die Musik nicht gefallen hat, haben sie den Komponisten schlichtweg nicht mehr engagiert. Deshalb mussten die Komponisten immer wieder ein Kompromiss finden wie Palestrina in der Missa Papae Marcelli. Das Konzil von Trient wollte die Polyphonie aus  Textunverständlichkeit verbieten, doch er komponierte nur in den Passagen polyphon, wenn der Text allgemein bekannt war wie in dem Fall in der Kyrie.

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