Wie kann ich meinem Hund die Angst nehmen?

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6 Antworten

Hallo,

ich habe zwar keinen ängstlichen Chi, aber als wir vor einigen Monaten unsere 2. Straßenhündin aus Spanien bekommen haben, standen wir vor ziemlich dem gleichen Problem.

Sie hatte auch Angst vor allem und jedem - jeder Spaziergang war für sie eine Qual. Zum Glück haben wir einen großen Garten, so dass das Pipi-Problem nicht aufkam.

Da hilft nur Geduld - Geduld - Geduld und viel Zeit. Wenn der kleine Hund in seinem Leben bisher nichts gelernt hat - dann ist das ein völlig normales Verhalten.

Aber es ist nie zu spät - unsere Fellnase wird auf 8 Jahre geschätzt und mittlerweile hat sie sich an Autos, Menschen, Busse, Hupen - den üblichen Krach eben - gut gewöhnt.

Immer wieder raus gehen, vorzugsweise früh am Morgen oder später am Abend, wenn nicht so viel los ist, viele viele Leckerchen, viele Ermutigungen und Streichler haben sie mittlerweile Vertrauen fassen lassen.

Auch das fehlt eurem Hund nach 1 Wochen noch - das Vertrauen in euch, dass ihr ihn vor allen bedrohlichen Situationen beschützt. Also beschäftigt euch viel mit ihm, lobt ihn, ermutigt ihn.

Eine Situation, die ich bei unserer Maus sehr bezeichnend fand und immer noch finde: Um zu unserem Lieblings-Spaziergebiet zu kommen, müssen wir eine Unterführung durchqueren, über die häufig Züge fahren. Das war die schlichte Katastrophe. Ich habe dann - wenn ich hörte, es kommt ein Zug, vorher angehalten, habe sie direkt neben mir "Sitz" machen lassen, ganz eng an meinem Bein und habe ihr erzählt: "Frauchen schickt den Zug fort". Und bin dann mit ihr erst durch den Tunnen gegangen, wenn der Zug wieder weg war.

Dieser Ausspruch "Frauchen schickt den Zug fort" wirkt mittlerweile Wunder in allen Situationen, die ihr immer noch Angst machen (weil ja auch oft etwas Neues "passiert".) Dieser Spruch flößt ihr wohl starkes Vertrauen ein, jedenfalls entspannt sie sich dann immer sofort. Rituale sind extrem wichtig bei Angsthunden.

Also, arbeite an der Vertrauensbeziehung, lobe viel, schimpfe nie und hab ganz ganz viel Geduld - in einigen Monaten wirst du den Hund nicht wiedererkennen.

Alles Gute und noch ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest

Daniela

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Kommentar von raghadrkn
25.12.2015, 12:50

Das Problem ist das die noch nicht einmal sitzt kann .
Sie kennt ihren Namen und weiß was "nein" oder "aus" bedeutet aber das wars auch

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Kommentar von wotan0000
25.12.2015, 12:57

**wir eine Unterführung durchqueren,**

Jaa, bei uns waren es Holzbrücken und Bahnübergänge. Dann noch die es nett meinenden Mitmenschen, die sich meinen Lockrufen angeschlossen haben und uns damit in keiner Weise hilfreich waren. :-))))

Im dunkeln Sicherheit durch Gelassenheit vermitteln und Lieder singend meinem Hund helfend und meine Mitmenschen vergraulend (singen = ohoh).

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Wenn ein Hund derart ängstlich und reizarm aufgewachsen ist, wirst Du das weder mit Tipps aus einem Forum, noch mit einem normalen Hundetrainer hinbekommen. Um dem Kind einen Namen zu geben: Dein Hund leidet an einem sog. Deprivationssyndrom. 

Du musst Dir über folgende Dinge bewusst sein:

1. Dein Hund kann nicht wie ein normaler Hund lernen. Er wird dazu wesentlich länger brauchen, als jeder andere Hund, und deshalb greifen auch die üblichen Methoden nicht, die bei jedem anderen Hund funktionieren.

2. Dein Hund wird niemals leben wie ein normaler Hund. Auch wenn Du einen richtig guten und spezialisierten Trainer findest, wird Dein Hund immer ein Angsthund bleiben, der Dich im Alltag nicht überall hin begleiten kann und seine "Macken" behalten wird.

3. Es wird extrem viel Zeit, Geduld, Wissen und auch Geld brauchen, um dem Hund ein erträgliches Leben zu bieten. Überleg Dir sehr gut, ob Du dazu bereit bist. Mitleid ist hier ein ganz schlechter Ratgeber.

4. Jeder Erziehungstipp, den Du hier bekommst und den Du an Deinem Hund ausprobierst, kann dem Hund extrem schaden und die Situation für ihn verschlimmern.

Mein Rat:
Gib dem Hund einen Rückzugsort, an dem er sich sicher fühlt und an dem er vollkommen in Ruhe gelassen wird! Zieh ihn niemals aus seinem Korb! Wenn Du Annäherung willst, hock Dich seitlich neben den Hund, guck ihn nicht an, nimm ein Leckerchen (etwas besonders Tolles wie Käse oder Wurst) in die Hand und lock ihn. Wenn er nicht will, lass ihn.

Such Dir eine extrem ruhige Strecke zum Gassi gehen aus. Ohne Autos, ohne Menschen, ohne andere Hunde. Zieh den Hund nicht. Wenn er Schutz bei Dir sucht, dann gib ihm Schutz, indem Du versuchst, Dich hinzuhocken und ihn zwischen Deine Füße zu nehmen.

Besorg Dir ganz schnell ein ausbruchssicheres Geschirr (google bitte) und pass höllisch gut auf, dass Dein Hund sich bei den ersten Silvesterknallern nicht erschreckt, aus dem Geschirr windet und abhaut!

Besorg Dir ein Advantix- Halsband und probier aus, ob es den Hund beruhigt (google fragen, woher Du es bekommst)

Wisch jeden Unfall des Hundes in der Wohnung kommentarlos weg. Geh alle zwei Stunden und nach jedem Fressen, jedem Trinken, jeder Aktivität in der Wohnung mit ihm raus. Lob ihn, wenn er sich draußen löst. Sag nichts, wenn er sich drinnen löst.

Such Dir ganz schnell einen verhaltenstherapeutisch Geschulten Trainer, der absolut Gewaltfrei arbeitet, die vorgenannte Zusatzausbildung hat und über ausreichend Erfahrung verfügt! Bloß keinen selbst ernannten Hundeflüsterer, der den Hund vollends versaut!

Falls Dir das alles zu viel ist oder Du die vorgenannten Punkte nicht leisten kannst, setz Dich mit dem Tierheim in Verbindung. Was zählt ist nicht Dein Empfinden, sondern einzig und allein das Wohlergehen des Hundes. Nach allem, was er erlebt hat, hat er ein Recht auf einen Halter, der ihm ein optimales zu Hause bieten kann.

Alles Gute für Euch!

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Kommentar von raghadrkn
25.12.2015, 11:22

Ich danke dir für deine Ratschläge!

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Kommentar von wotan0000
25.12.2015, 12:49

Einspruch:

Der Hund kann genauso schnell lernen, wenn Vertrauen aufgebaut ist.

Viele Macken / Ängste kann man abtrainieren.

Die Grunderziehung funktioniert wie bei jedem anderen Hund auch.

Er kann aber muss kein Angsthund bleiben, das liegt in der Hand des Halters. Mein Chi begleitet mich überall hin, wo auch ein anderer Hund dabei wäre.

Das ein Hund einen Rückzugsort erhält, wo er sich sicher fühlt ist eigentlich selbstverständlich.

Zur Erklärung: ich habe selbst so einen kleinen Knaller zu Hause. Er ist inzwischen 12 3/4 Jahre alt und hat seine Ängste weitgehend im Griff. Er ist wenn überhaupt *misstrauisch* geblieben.

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Kommentar von Einafets2808
25.12.2015, 14:37

So finde ich deine Antwort richtig klasse, aber hier irgendwas zu Diagnostizieren ist mutig , aber nicht angebracht ***Deprivationssyndrom***

***Es handelt sich dabei um einen irreversiblen neurologischen Schaden***

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Kommentar von Einafets2808
27.12.2015, 01:11

Wie kannst du dann diagnostizieren das es sich hier um einen neurologischen Schaden handelt, aus der Ferne und hier im Internet?!? Selber redest du es anderen FS aus , nach Diagnosen zu suchen und machst es selber :-/

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Sauberkeitserziehung dürfte vorrangig sein. Wie beim Welpen anfangen. Alle 2 Std raus ggf. auch nachts. Dafür eine ruhige Ecke aufsuchen (hintragen), wo möglichst keine Ablenkungen sind. Macht sie, loben wie hulle. Dann nach Hause gehen. Zuhause alles kommentarlos wegwischen.

Achte darauf, was ihr besonders Angst macht, bedauer sie nicht. Hat sie z. B. Angst vor einer Mülltonne, dann lässt Du ihr einen Abstand und zeigst ihr, durch anfassen der Tonne, dass es keine Gefahr gibt. Hocke Dich hin und versuche sie ranzurufen.

Bei Hunden gehst Du erstmal einen Bogen und bist ständig zusätzlich zwischen ihr und dem Hund(Menschen usw). Diesen Gefahrenabstand passt Du an der Sicherheit des Hundes an.

Zwinge sie NIE zu etwas was sie fürchtet.

Bei solch einem Hund ist es besonders  wichtig, dass sie weiss, dass Du sie schützt.

Nichts und niemand kommt an sie ran, wenn sie es nicht will.

Der Hauptpunkt für Dich ist zu verstehen, dass Du vieles nicht beheben wirst. Vieles was für andere Hunde Instinkt ist, wird Dein Hund nur im ERLERNTEN VERHALTEN umsetzen.

Ich wünsche Dir viel Geduld und Verständnis.

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Kommentar von wotan0000
25.12.2015, 12:35

Fange keinesfalls mit einer Saugmatte oder einem Katzenklo an. Der Versuch geht meist nach hinten los.

Ebenso sollte ein solcher Angsthund zu Beginn nicht alleine bleiben müssen.

Nähe und Vertrauen sind wichtig.

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Kommentar von raghadrkn
25.12.2015, 12:48

Ich danke dir für deine Ratschläge

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mein Chi ist zwar nicht so Ängstlich aber er ist ansonsten genau so! er hat erstmal Angst vor Fremdem Menschen, vor anderen Hunden hat er immer Angst und haut ab ;D 

Kläfft dein Chi auch Leckerlis Ungefähr 5 Minuten bevor es Gefressen wird an? 

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Geht es langsam an. Um sie stubenrein zu bekommen, geh öfter am Tag mit ihr raus und lobe sie, wenn sie draußen etwas macht. Damit Dein Hund sich an die Umgebung gewöhnen kann, gehe mit ihm an ruhigere Plätzchen, wo nicht so viel los ist. Habt ihr solche? Führe nur kurze Spaziergänge und immer wenn sich dein Hund überwindet, ein paar Schritte weiter zu gehen als beim vorherigen Spaziergang, lobe sie schön und viiiiel viiiiel Liebe schenken :).  Viel erfolg :)

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Hey,
Habe auch einen Chihuahua. Meiner war auch ziemlich ängstlich und scheu. Nach und nach gewöhnte er sich an uns und die lautwerdende Umwelt. Zuerst haben wir ihn oft zu Hause gelassen. Da legten wir solche Saugmatten hin. Die bekommst du in der Apotheke bzw. Online durch Amazon. Des weiteren versuche erstmal mit deinem Chihuahua dort spazieren zu gehen wo nicht viel los ist. Bei mir ist in der Nähe ein Waldweg. Sehr angenehm. Viel hat uns auch noch geholfen als wir zu bekannten gegangen sind. Da lernt er andere Menschen kennen und sieht das andere Menschen auch nett sein können. Streichle ihn und bleib öfter in seiner Nähe. Diese Sachen geben ihm mehr Vertrauen und Sicherheit. Es braucht seine Zeit, bis ein Hund (wenn er misshandelt wurde) wieder Mut zu bekommen und Stärke. Wie gesagt, sei bei ihn und zeig ihn ganz viel Liebe 👍

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Kommentar von raghadrkn
25.12.2015, 11:19

Also hat ihr Alter kein Einfluss darauf ? Ich meine damit , das sie es irgendwann lernen wird oder ist es zu spät 😅

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