Frage von Octopamin, 121

Ich bin seit Wochen erkältet und mein Sohn (12, Autist) kann das Geräusch von Husten nicht ertragen. Wie kann ich die Situation entschärfen?

Hallo zusammen,

ich nehme schon immer eine starke Überdosis des Hustenstillers, aber das Husten lässt sich nicht völlig unterdrücken. Leider knallt dieses Geräusch auch durch den stärksten Gehörschutz durch so dass ich mein Kind nicht schützen kann.

N. rastet dann völlig aus, schreit und springt wie verrückt herum und manchmal vibriert dadurch der Boden so stark, dass es sich wie ein leichtes Erdbeben anfühlt. Früher hat N. auch schon mal seinen Kleiderschrank vor Wut umgeworfen.

Was kann ich tun?

LG Octopamin

Antwort
von Pramidenzelle, 34

Erstens: Wenn du seit Wochen Husten hast, musst du damit zum Arzt!
Zweitens: Es ist ja wunderbar, dass du dich so gut um deinen Sohn kümmern willst, aber wenn du dich mit diesen Unmengen Hustenstiller vergiftest und selbst zu krank wirst, um für ihn da zu sein, nützt das auch nichts.

Drittens: Ich kenne deinen Sohn natürlich nicht, aber ich weiß, wie schlimm es für mich selbst ist, wenn man einem Geräusch, das Overloads triggert, nicht entgehen kann. Aber das wird ihm im Leben leider wirklich noch oft passieren, deshalb müsst ihr zusammen lernen, mit der Situation umzugehen. Am besten wäre es natürlich, wenn ein Therapeut dabei helfen würde, also falls N. zur Zeit in Therapie ist, am besten da Mal ansprechen.

Mir selbst hilft es in solchen Situationen schon, wenn meine Umwelt anerkennt, dass ich mit meinen Sinnen voll und ganz beschäftigt bin und nicht nebenbei von mir verlangt, irgendwas "produktives" zu tun. Gibst du ihm die Gelegenheit, zu stimmen, wie er es gerade selber will? Das hilft mir auch, und wenn es gar nicht mehr geht, dann ein stiller Rückzugsort (egal wie unpassend der ist, wenn ich gerne im Schrank sitzen will und es mir dadurch besser geht, dann mache ich das). Allerdings tendiere ich auch grundsätzlich viel eher zu Shutdowns als zu Meltdowns und das ist nur meine Erfahrung und kann für deinen Sohn auch ganz anders sein.

Ohne zu wissen, wie viel dein Sohn kommuniziert, weiß ich natürlich nicht, wie sinnvoll der Ratschlag ist, aber hast du schonmal mit ihm drüber geredet?

Kommentar von Octopamin ,

Hallo Pyramidenzelle,

entschuldige, dass ich erst jetzt antworte. Wir haben noch nicht darüber geredet und das kommt sicher auch daher, dass er nicht sprechen kann. Aber ich habe ein Buchstabenbrett, das auch die Wörter "Ja" und "nein" enthält und wenn ich etwas von N. wissen will, dann frage ich mich durch. Er tippt dann auf "ja" oder "nein".

Vielleicht habe ich das Brett noch nicht für das Thema benutzt, weil mir die Situation so klar erscheint. Ich stelle mir das Husten für ihn ähnlich schlimm vor wie für mich das Quietschen von Kreide auf einer Tafel. Wenn ich das Geräusch den ganzen Tag hören müsste, würde ich auch ausrasten und Möbel umkippen. So habe ich das für mich jedenfalls immer in die eigene Erfahrungswelt übersetzt. Aber natürlich könnte ich ihn mal mithilfe des Buchstabenbretts befragen und mehr herausfinden.

Er hat vor ein paar Tagen auch einen Sprachcomputer bekommen. Da müssen wir uns aber noch etwas einarbeiten. In der Schule wird er schon benutzt und im ATZ werden wir ihn auch benutzen.

Wenn er damit einigermaßen klarkommt, werden wir auch die Sache mit dem Husten dort angehen. Wenn ich mich recht erinnere, hat die Frau vom ATZ anfangs gesagt, dass man Autisten gegen bestimmte Gräusche auch desensibilisieren kann. (Bin mir aber nicht mehr ganz sicher.) Auf jeden Fall werde ich das Problem wieder thematisieren, wenn N. mit dem Computer einigermaßen sicher ist.

Du schriebst:

Gibst du ihm die Gelegenheit, zu stimmen, wie er es gerade selber will?

Was verstehst du unter "stimmen" ? Ich kann mit dem Wort in diesem Zusammenhang nichts anfangen.

Wenn mein Sohn das Bedürnis hätte, sich im Schrank zu verkriechen, dürfte er das.

LG Octopamin

Kommentar von Pramidenzelle ,

Hallo Octapamin,

ich hoffe, dein Husten ist schon ein bisschen besser geworden und du warst beim Arzt :-)

Einerseits finde ich es irgendwie spannend, wie du dich mit dem Tafel-Kreide-Geräusch in ihn hineinzuversetzen versuchst, aber andererseits kann ich selbst mir trotz aller Erklärungen nicht vorstellen, wie es ist, neurotypisch zu sein und denke daher, dass solche Analogien immer ihre Grenzen haben und man sie deshalb nicht zu ausgiebig benutzen sollte.
Mit dem darüber-reden meinte ich auch weniger, dass du herausfindest, was genau ihn daran stört, sondern eher ihn in die Suche nach einer Lösung einzubeziehen. Da du ja schon hier danach fragst, scheint das bei euch ja gerade ein größeres Thema zu sein und ihn in der Diskussion darüber außen vor zu lassen, auch wenn du dir ein Bild davon gemacht hast, könnte problematisch sein - aber natürlich kennst du ihn gut und ich überhaupt nicht, also vielleicht weißt du ja auch, dass das bei ihm nicht weiter hilft ...

Oh ja, sorry, das hat sich wohl noch nicht überall durchgesetzt:
"Stims" sind die englische Version von "Sterotypen Verhaltensweisen" (Hände flattern, schaukeln, usw) und wird zumindest hier in der Gegend ganz gerne Mal eingedeutscht - weil uns im Deutschen dazu einfach das Verb fehlt, das nicht nur flattern sondern eben alle möglichen Verhaltensweisen einschließt.
Zum Glück ist es inzwischen ja den allermeisten Leuten, die was damit zu tun haben klar, dass das bei Autismus quasi dazu gehört, aber Gerüchten zufolge gibt es selbst in Deutschland noch Therapeuten, die es für eine gute Idee halten, das abzugewöhnen. Wenn einem das Ventil fehlt, und man mit ein wenig harmlosem Schaukeln eigentlich die Situation überstehen würde, braucht man dann wohl einen Ersatz, und dann ist Schreien wohl noch einer der harmloseren Wege - aber so, wie du schreibst, scheint das bei euch ja zum Glück nicht das Problem zu sein.

Gute Besserung
Pramidenzelle

Antwort
von ponyfliege, 89

erst mal aufhören, den hustenstiller in überdosis zu benutzen. hast du dich mal über die nebenwirkungen informiert? sind dir die langzeitwirkungen bekannt, die solche mittel auslösen? weisst du, dass du von diesen medikamenten abhängig werden kannst?

und - jeder husten, der nach drei wochen nicht weg ist, gehört ärztlich behandelt. da kann mehr dahinter stecken.

zum beispiel eine ernsthaftere und/oder eine chronische erkrankung (z.b. allergie). geh bitte direkt am anfang der woche zum arzt und lass dich gründlich durchchecken.

wenn du deinem kind und natürlich auch dir selbst gutes tun willst, musst du dich ärzlich untersuchen und die ursache beheben lassen. als mutter eines kindes mit handicap solltest du wieder lernen, zwischendurch auch mal an dich zu denken.

gute besserung.

Kommentar von Octopamin ,

Danke, ich werde wohl zum Arzt gehen müssen.

Kommentar von ponyfliege ,

ist wohl das beste. dadurch, dass durch deinen ständigen husten dein kind so gestresst ist, schaukelt sich sowas im laufe der zeit auf. das kind bekommt immer mehr ausbrüche und du wirst immer gestresster und dadurch geht es dir immer schlechter.

ich habe eine lange zeit ehrenamtlich auf familienfreizeiten und auch jugendfreizeiten kinder, jugendliche und erwachsene mit handicap betreut, bin also mit der alltäglichen situation und der einen oder anderen problematik etwas vertraut.

hast du eigentlich mal eine mutter-kind-kur beantragt? die müsste euch eigentlich zustehen. es würde euch helfen, mal wieder durchzuatmen.

Kommentar von Octopamin ,

Vielleicht sollte ich wirklich mal eine Mutter-Kind-Kur machen. Aber im Moment geht es nicht, weil wir die untere Etage umbauen.

Antwort
von CrispyA, 78

Schick deinen Sohn doch für ein zwei Tage,also übers Wochenende zu Oma und Opa oder zu anderen Verwandten. Sag ihm er macht einen Ausflug und der und der Verwandte freut sich,dass er für paar Tage dort übernachtet. Währenddessen ruhe dich etwas aus und werde gesund. Viel Tee hilft. Am besten nimmst du geschälte Ingwerwurzeln und tust sie in heißes Wasser, dann noch etwas Zitronensaft. Das wird helfen. 

Kommentar von Octopamin ,

Die Omas und Opas sind leider alle schon tot. Für ein paar Stunden könnte ich den Jungen schon bei Verwandten oder einer guten Bekannten abgeben aber nicht länger. Das würde nicht gehen. Die wären sicher überfordert.

Antwort
von einfachichseinn, 32

Ich denke nicht du musst daran arbeiten nicht so laut zu husten o.ä., sondern dein Sohn muss ganz stark an sich arbeiten. Es kann nicht sein, dass er so ausrastet, nur weil er ein Geräusch nicht erträgt. Das ist nicht ok auch, wenn er Autist ist.
Er wird im Laufe seines Lebens noch viel schlimmere Situationen aushalten müssen. Es ist an dir und dem Vater des Kindes ihm darauf vorzubereiten und ihm zu helfen mit solchen Situationen umzugehen.

Eine Verhaltenstherapie kann euch dabei unterstützen. Aber die Quelle der möglichen Störung zu eliminieren, ist definitiv der komplett falsche Weg.

Antwort
von Octopamin, 7

Hallo,

ich wollte mich nochmal zurückmelden. Ich war vorgestern beim Arzt. Der hat mir für die Zeit, in der N. nicht in der Schule ist einen stärkeren Hustenstiller verschrieben. Um den Schleim flüssiger zu machen (für die Zeit, in der N. nicht zuhause ist) hat er mir ACC akut verschrieben und Aufenthalte im Freihen und das Inhalieren von Salzwasserdampf empfolen. Gestern habe ich den ganzen Tag geschlafen und N. war wahnsinnig lieb.

Jetzt hoffe ich, dass sich alles zum Guten wendet.

LG Octopamin

Antwort
von Bauigelxxl, 70

Mir hilft Aspirin Komplex immer recht gut.

LG

Antwort
von KuchenKong, 51

Kauf ihm im Baumarkt solche Gehörschützer, die in Handwerksbetrieben verwendet werden.

Kommentar von Octopamin ,

Er hat den Peltor Optime III. Das ist der stärkste Kapselgehörschutz den ich kenne. Aber wenn du einen noch stärkeren weißt , wäre ich überglücklich, wenn du mir ihn nennst.

Kommentar von KuchenKong ,

Tut mir Leid, da bin ich überfragt, kenne nicht einmal die Peltor Optimine III. Aber halten diese das Husten nicht von seinen Ohren fern?

Kommentar von Octopamin ,

Nein, leider gar nicht. Und Peltor Optime III ist wirklich super. Ich (ADHS) bin selber extrem reizoffen und habe daher ein eigenes Exemplar für Aufenthalte in der Großstadt oder längere Einkäufe. Daher weiß ich, dass das Teil eigentlich richtig gut ist. Auch meinem Sohn hilft es gewöhnlich sehr, aber Husten scheint dieser Gehörschutz, zumindest für die Wahrnehmung meines Sohnes, nicht ausreichend zu filtern.

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