Frage von IJoeI, 122

Ich bin Schwul, soll ich mich outen?

Hallo an alle! Ich bin in einer kniffligen Situation, da ich nicht weiß ob ich mich outen soll oder nicht und wenn ja an wen. Ich bitte alle die dies interessiert es durchzulesen und mir einen ernsthaften Ratschlag zu geben.

Ich bin jetzt 16,5 Jahre alt und gehe in die 10. Klasse, ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass ich schwul bin und akzeptiere es auch. Ich denke nicht, dass jemand aus meinem umkreis damit nicht klar kommen würde, deswegen hätte ich eigentlich kein Problem mich zu outen. Allerdings bin ich übergewichtig und habe schon immer vor mich erst zu outen wenn ich abgenommen habe, damit ich dann zufriedener und selbstbewusster sein kann, es hat sich bis jetzt einfach nicht richtig angefühlt. Noch dazu gehe ich ab diesem Sommer für ein Jahr nach Amerika, ich habe meine Gastfamilie noch nicht und bezweifle, dass ich mich traue es ihnen mitzuteilen, da ich sie nicht so gut kenne wie meine jetzige und ich meine sexuelle Orientierung auch nicht in meiner Bewerbung erwähnt habe. Auch habe ich angst, dass wenn ich mich hier oute, dass sie es dann irgendwie mitbekommen könnten über Social Media oder der gleichen.

Wie würdet ihr an meiner Stelle verfahren? Danke im Voraus ;)

Antwort
von Garlond, 38

Das mit dem Outen geht ganz leicht, wenn man einen Grund hat, zum Beispiel, weil du einen Freund hast und ihn vorstellen willst, weil du mit der schwulen Jugendgruppe in deinem Ort etwas unternehmen willst und deine Eltern wissen sollen wo du bist, weil dir deine Eltern damit auf die Nerven gehen, warum du noch keine Freundin hast, oder weil du dein Zimmer einfach mit sexy Pinups aus der Bravo dekorieren willst.

Was ist der Grund für dein Outing?

Schau mal, im Grunde geht es keinen etwas an wie du auf sexueller Ebene fühlst. Wärst du nicht homosexuell, würdest du dich auch outen, nur fällt das niemandem als Outing auf, weil alle als selbstverständlich davon ausgehen. Aber wenn der Sohn irgendwann eine Freundin mit nach hause bringt, ist das nichts anderes als ein Outing, wenn er anfängt sich für Playboy zu interessieren, ist das ein Outing, oder wenn er anfängt über Mädchen zu schwärmen ist das ein Outing.

Da Homosexualität ja nach den Wünschen der toleranteren Gesellschaft und der Homosexuellen selbst, als normal angesehen werden soll, sollte man es auch ganz normal behandeln. Sprich, man muss es nicht unbedingt in Worte fassen, es reicht völlig aus, wenn du dich nicht verstellst und dich so gibst wie du bist und dich fühlst. Solange du anderen nichts vormachst, outest du dich irgendwann von ganz alleine.

Aber vorsicht, es gibt durchaus auch Zeitgenossen, die gar nicht
damit umgehen können, sei es aus religiösen Gründen oder weil sie in
alten überholten Traditionen festhängen. Vor solchen Leuten solltest du
dich gar nicht outen. Hier gilt besonders, wie oben schon erwähnt, es
geht niemanden etwas an.

Antwort
von Nea1985, 30

Dein Gewicht wird dein Selbstbewusstsein nicht verändern. Klar ist es angenehmer, wenn man sich in seinem Körper wohlfühlt. Aber man kann abnehmen und sich immer noch unwohl fühlen, weil dann wieder neue Gründe hochkommen, die es unmöglich machen, das zu tun, was man eigentlich machen wollte.

Ich würde mich an deiner Stelle fragen: Was erwarte ich vom Outing? Ich meine am Ende ist es allein deine Sache und geht niemanden etwas an. Menschen hören dir zu, werden sicher auch mit dir reden. Aber am Ende ändert sich nichts für dich.

Du bist wer du bist, wirst dich verlieben in wen du willst und wirst zusammen sein mit wem du willst. Du brauchst kein OK von anderen.

Das ist was meistens das Outing bewirken soll: "Ich sage euch wer ich bin und ich will, dass ihr mich akzeptiert!" Doch ganz ehrlich, du bist es schon. Du brauchst es niemanden mitzuteilen.

Wenn Menschen an dir interessiert sind und dich drauf ansprechen - kannst du immer noch sagen: Klar ja bin ich. 

Aber ich denke, es wird aus diesem Thema eine viel zu große Nummer gemacht. 

Ich verstehe, dass du auch Angst hast. Aber sei dir einfach selbst treu. Verhalte dich wie immer und wenn du dich nicht so verhälst, wie du eigentlich willst. Dann ändere das.

Ich glaube das ist das wirkliche Problem. Die meisten die sich outen, wollen sich doch endlich so verhalten können, wie sie sich die ganze Zeit nicht verhalten - weil sie Angst vor Ablehnung haben.

Doch ganz ehrlich - andere haben ihre eigenen Sorgen. Wenn dich jemand mag - mag er dich - nicht deine Sexualität. Wenn er dich nicht mag - mag er dich nicht - nicht wegen der Sexualität.

Alles Gute!

Kommentar von Mindermeinung ,

Es ist doch auch ein "Coming Out" wenn man jemandem im Einzelfall auf seine Frage hin sagt: "ja, klar bin ich". Das Ergebnis wird natürlich sein, dass derjenige diese "Neuigkeit" weiterverbreitet. Es ist nämlich eine exklusive Information, deren Nachrichtenwert hoch ist. Dann kann man es aber auch gleich allgemein sagen. Die Kontrolle, wer davon erfährt, verliert man so oder so.

Natürlich ändert sich nichts - andere wissen nur mehr von einem (nämlich, dass man nicht Hetero ist - wovon doch die meisten per se erstmal ausgehen). Wenn jemand einen deshalb nicht mehr mag, obwohl man sich selbst nicht verändert und obwohl das ja nur eine Eigenschaft von vielen ist, kann man die Person sowieso vergessen.

Ein Coming Out hat, über die von Dir genannte Funktion hinaus, meiner Meinung nach auch den Zweck, dass andere nicht (mehr) nach einer Freundin fragen oder welche Frau man toll findet. Es hat außerdem - so ganz nebenbei - ja auch partnerschaftliche Aspekte: andere die auch schwul sind oder andere schwule kennen, wissen das man "so" ist - und daraus ergeben sich eben womöglich ganz andere Chancen in partnerschaftlicher Hinsicht.

Insofern: es ist natürlich Gemackssache ob man es nur Leuten bestätigt, die einen Ansprechen oder gleich allen sagt. Es bleibt allerdings dabei: beides stellt ein Coming Out dar; Im Ergebnis (= andere erfahren, dass man nicht Hetero ist) sind die Unterschiede beider Strategien doch eher marginal.

Andere interessieren sich eben für sexuelle Orientierung ihrer Mitmenschen. ;-)

Antwort
von Yuna1, 37

Ich an deiner Stelle würde es entweder direkt sagen oder wenn ein paar Wochen vergangen sind, du kannst ja durch Gespräche mal ihre Meinungen zur Homosexualität heraus finden (du musst ja nicht direkt auf das Thema ansprechen, so um 2 Ecken wenn du verstehst was ich meine).

Mehr kann ich jetzt auch gar nicht sagen, aber ich hoffe für dich, dass alles gut wird!:)

Antwort
von HERRBERND22, 6

Zuerst darauf achten dass du wieder normale und schöne Figur hast ist bestimmt sehr wichtig. Outen würde ich mich nur wirklich wenn es keinen anderen Ausweg gibt. Eine Outing muss deshalb sehr gut überlegt sein, denn es hängt dann viel daran was für die Zukunft wichtig ist.

Antwort
von Flintsch, 29

Dein größtes Fehler ist, dass du meinst, dass deine sexuelle Orientierung etwas ist, wofür du dich schämen, entschuldigen und rechtfertigen müsstest. Tatsache ist aber, dass die Menschen, die dich deswegen mobben, verachten und verurteilen in Wirklichkeit die Unnormalen sind und zumindestens eine Art "geistigen Defekt" haben.

Antwort
von PrinzEugen3, 5

kurze Gedanken: Es gibt sicherlich das große und das kleine Outing. Das kleine ist das Einweihen von Leuten, die verständnisvoll sind und von denen du glaubst, dass du wie auch immer akzeptiert wirst. Das große Outing ist das Publikmachen deiner Orientierung an alle oder so, dass alle es erfahren können.

Das a und o muss sein, dass du in deinem Leben - vielleicht nicht jetzt - sondern in drei Jahren - vielleicht wenn du eine starke Supportgruppe hast - den richtigen - den für dich richtigen Zeitpunkt wählst.

Grundsätzlich bist du gesellschaftlich nicht verpflichtet, ein Outing vorzunehmen, also wenn du es möchtest und den richtigen Zeitpunkt in deinem Leben wählst, dann sollst du es tun.

Eines muss dir klar sein, es wird in dieser Gesellschaft immer Spieser, Moralisten, Kleingeister, Rassisten geben und die werden dich dafür nicht mögen, ich weiß wovon ich sprechen.

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