Frage von Eidolon150, 55

Ich bin ihr "Kummerkasten". Wie stell ich das ab?

Meine Familie hat mir die Rolle des Sündenbocks zugedacht. Schon als Kind musste ich mir die Klagen meiner Mutter über Ihre Schwiegermutter, Schwägerin und meinen Vater anhören. Nun, da Sie auf eigenen Wunsch in einem Pflegeheim untergebracht ist, verkomme ich zunehmend zu Ihrem persönlichen Kummerkasten. Egal, ob es das Essen, die Verabreichung von Medikamenten oder etwas anderes ist, Ich muss mir alles anhören. Langsam wird mir alles zuviel, weil ich selbst einige Problem habe, mit denen ich wohl oder übel klarkommen muss. Wenn ich mit eigenen Problemen komme, werde ich sehr schnell abgebügelt: "Du steigerst Dich da in etwas hinein", dafür kommt dann eine ganze Latte von Beschwerden auf mich zu. Ich glaube, dass Sie noch nie im Leben ein Problem für sich allein gelöst hat! Und bitte, kommt mir jetzt nicht mit "Vertrauen" oder so.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von adianthum, 9

Wenn du willst, dass etwas passiert was noch nie passiert ist, dann musst du etwas tun, was du noch nie getan hast!

Dreh den Spieß um- wenn sie dich volljammert, dann gib ihr ihren Spruch zurück: Mama, da steigerst du dich in etwas hinein, sooo schlimm ist es doch garnicht!

Chronische Nörgler und Jammerer kannst du nicht ändern, aber du kannst ihnen "einen Spiegel vorhalten".

Nörgeln ist eine probate Methode sich in den Mittelpunkt zu spielen, ohne Stellung zu beziehen oder etwas zu tun.

Wechsle geschickt das Thema. Wenn sie über das Essen meckert, dann erzähle eine (notfalls erfundene) Geschichte über XY die/der das gleiche Problem hat.

Vesuche nicht ihre Probleme zu lösen, sondern gib ihr einfach nur Recht, dass z.B. die Pflegerinnen doof sind, bestätige sie- und wechsel das Thema! Und wenn sie nicht aufhört, dann verabschiede dich.

Die Medikamente? Ach ja, da erinnerst du mich an etwas, ich hab ganz vergessen, dass ich noch....und husch, weg bist du!

Noch eine Möglichkeit- immer nur "Ahhh ja?" oder "Ookeeh?" sagen, oder zustimmen nicken und garnichts antworten.

Agieren, nicht reagieren!

Wenn sie nicht dumm ist, wird sie schon merken, dass du nicht mehr drauf anspringst- und muss eine neue Strategie ersinnen, um dich bei der Stange zu halten. Und im Gegenzug erfindest du wieder eine Gegenstrategie um ihre neue Masche auflaufen zu lassen.

Es gehören schließlich immer Zwei dazu- einer der macht und einer der mit sich machen lässt. Ihr scheint da wie ein "altes Ehepaar" zu agieren, eingefahrene Wege aber kein Ausweg.

Sie wird sich auf ihre alten Tage nicht mehr ändern, aber du bist noch jung genug neue Wege zu gehen.

Antwort
von GunnarPetite, 20

Das Einfachste wäre, den Kontakt einzuschränken. Wenn sie im Pflegeheim ist, dürfte das ja nicht allzu schwierig sein. 

Und wenn du sie gezwungener Maßen doch häufiger sehen musst, kannst du in den Unterhaltungen einsilbiger werden oder im nächsten Schritt subtil deine Ablehnung gegen diesen Missbrauch äußern (z.B. öfters mal ein WhatsApp beantworten, während sie mit dir spricht; aber das würden einige schon als zu hardcore abtun). 

Letzendlich liegt es bei dir, da musst du schon mal etwas deutlicher werden. Oder es einfach mal klipp und klar ansprechen. In aller Deutlichkeit.

Antwort
von koraline, 20

Ist es ein Teil ihres Wesens oder hat sie es sich angewöhnt, weil sie mit ihren Problemen alleine nicht zurecht kam, sie sieht es als normal an. Es ist aber recht unerwachsen und sehr egoistisch, weil man die Auswirkungen des eigenen Verhaltens nicht registriert, auf den Gegenüber nicht eingeht, ihn mit dem eigenen Müll zuschüttet und gar kein schlechtes Gewissen/Gefühl dabei bekommt. Man sieht sich und seine Probleme immer im Mittelpunkt und den kleinen Sohn schon damit zu belasten, das war nicht gut (anscheinend hatte sie niemanden zum Sprechen).  Manche Menschen sind so, da kann man nur versuchen sich etwas abzugrenzen, eine Haltung mit mehr Abstand einzunehmen, dass es einem nicht so nahe geht. Man kann auch das Gespräch auf andere Dinge lenken.

Kommentar von Eidolon150 ,

Ich fürchte, es ist schon zur Gewohnheit geworden. Wobei es Ihr nichts ausmacht, wie groß meine Probleme sind. Es kann vorkommen, dass ich mich am Vortag aus lauter Frust betrunken und in den Schlaf geweint habe, um mir dann irgendeinen Scheiss anhören zu müssen. "Du steigerst Dich da in etwas hinein" - nicht gerade einfühlsam, wenn man gerade dabei ist, die  Ex zu vergessen.

Kommentar von koraline ,

Ich würde die Besuchsaufenthalte und auch die -zeiten bei ihr reduzieren. Wenn sie sich beschwert, warum du nicht mehr so oft hingehst, dann sag ihr einfach, dass dich ihr dauerndes Rumgenörgel belastet und du es nicht mehr hören kannst. Wenn sie nicht darauf eingeht, dann musst du halt plötzlich mal weg, hast Termine oder sonst was. Wenn sie bemerkt, du meinst es ernst und dass sie nicht mehr richtig an dich rankommt, vielleicht wird sie vorsichtiger, weil sie will dich nicht verlieren.

Du scheinst eine recht enge Bindung zu ihr zu haben, trotz allem. Wie wäre es, wenn du dich innerlich etwas von ihr befreist, du bist nicht für ihr Tagesglück zuständig. Irgendwann ist sie eh nicht mehr da und sie darf dich nicht aufhalten, dein eigenes Leben zu leben. Stimme dem nicht mehr zu, Ihr Sündenbock zu sein, in dir selber, und suche aus all den Ratschlägen für dich das treffendste heraus.

Kommentar von Eidolon150 ,

Mit der recht engen Bindung - da hast Du leider Recht. Das kommt daher, dass mir in der Freizeit die richtigen Leute fehlen, siehe auch in den Kommentaren weiter unten zum Stichwort Stammkneipe.

Kommentar von koraline ,

Ich kenne einen Spruch:

"Hast du Schwierigkeiten, frage dich immer was du lernen kannst." (Sathya Sai Baba)

Gibt es nichts was du gerne tun willst? Etwas ganz Neues, ein Hobby? Gibt es auch im Familienkreis niemanden, mit dem du raus kommst? Schau dir Möglichkeiten an, was in Frage käme und zu dir passt.

Antwort
von Revic, 20

Sag ihr ganz klar, dass du nicht auf der Welt bist um ihre Probleme zu lösen. Das ist hart, ja, aber diese Leute sind so verblendet in ihrer Wahrnehmung, dass sie es ohne klare Aussagen nie begreifen werden.

Bei manchen klappt nicht mal das. Dann musst du dich entscheiden ob du die Rolle des Kummerkastens weiter übernehmen kannst oder ob du dich einfach von ihr fernhältst. Sag ihr, dass du erst wieder kommst, wenn sie aufhört, ihre Probleme immer auf dich abzuschieben. Wenn es soweit ist, könne sie dich anrufen.

Ich weiß nicht in wie weit das für dich machbar ist. Ich kann schlecht beurteilen wie stark die Verbindung zwischen Mutter und Kind ist. Da musst du selber schauen, ob das was für dich ist. Ist nur so ein kleiner Anstoß.

Kommentar von Eidolon150 ,

Danke für Deine Antwort. Ich finde es halt auch für ungerecht, dass meine eigenen Probleme, die auch nicht gerade klein sind, so mir nichts dir nichts abgebügelt werden - das gilt insbesondere dann, wenn sie selbst nur ihre Klagen an den Mann bringen will. Das alles hat auch bei mir schon Spuren hinterlassen (Bluthochdruck war bei 180 oder 190, Leistenbruch, keine Nacht mehr durchgeschlafen seit 2 Jahren). Da bin natürlich auch nicht mehr so empfänglich für die Probleme meiner Mutter.

Kommentar von Revic ,

Kann ich gut verstehen. Hast du vllt. andere Personen, mit denen du darüber sprechen kannst? Gute Freunde, evtll. auch jemand "vom Fach"?

Kommentar von Eidolon150 ,

Leider nein, seit einiger Zeit mache ich fast alles , was mich seelisch belastet mit "GuteFrage.net" und habe dabei allerhand mitgenommen. Es ist auch zum Ersatz für mangelnde Abwechslung  geworden. Ansonsten sitze ich den ganzen Tag vor dem PC und programmiere an meinen Anwendungen herum. Freudloses Dasein würde ich es nennen. Ich bin eben auch nicht gesellig, d.h. Vereine interessieren mich nicht großartig.

Kommentar von Eidolon150 ,

Leider nein, seit einiger Zeit mache ich fast alles , was mich seelisch belastet mit "GuteFrage.net" und habe dabei allerhand mitgenommen. Es ist auch zum Ersatz für mangelnde Abwechslung  geworden. Ansonsten sitze ich den ganzen Tag vor dem PC und programmiere an meinen Anwendungen herum. Freudloses Dasein würde ich es nennen. Ich bin eben auch nicht gesellig, d.h. Vereine interessieren mich nicht großartig.

Kommentar von Eidolon150 ,

Wenns halt ganz schlimm ist mit dem Liebeskummer etc. höre ich "Wild Horses" von den Rolling Stones und genehmige mir ein bis zwei  Gläser Jim Beam Honey, oder ein Jack Daniels mit Cola oder einen Ballantines mit Cola. Manchmal bin ich so fertig, dass ich mir sogar die Schnulze "Midnight Lady" von Chris Norman antue. Das will was heissen für einen Metaller wie mich. Dann kullern die Tränen nur so. Aber wenns besser geht, kommt Motorhead (reimt sich sogar :-) "I aint no nice guy after all" oder auch das Metallica-Cover "Enter Sandman" finde ich genial.

Kommentar von Revic ,

Ich bin jetzt nicht sonderlich bewandert in der Musikszene, aber wenn es dir hilft ist doch super. Jeder hat so seine Probleme, es ist nur gut, wenn man jemanden zum reden hat und nicht immer alles mit sich selbst ausmachen muss.

Wie wäre es denn mit einer Selbsthilfegruppe? Ich weiß, klingt doof, aber es ist eine Möglichkeit Leuten zu begegnen, denen es ähnlich geht wie dir und mit denen du dich austauschen kannst. Mir hat das immer sehr gut getan. Man kommt dadurch auch einfach mal raus, und wenn es nur einmal im Monat ist.

Kommentar von Eidolon150 ,

Ich gehe i.d.R. jeden Freitag abend aus. Leider hat sich meine Stammkneipe vor Jahren zu einem Speiselokal entwickelt, mit der unangenehmen Eigenschaft, dass man dort so gut wie keine bekannten Gesichter mehr trifft. Vorbei die Zeit, in der man verschiedenste Menschen mehrerer Altersgruppen dort antreffen konnte, auch ohne vorherige Verabredung. Es scheint so, als würden alle Singles und alle anderen Bekannten das Lokal zu meiden. Es ist todlangweilig geworden. "Guten Tag, liebes Bier, wie geht es Dir?"

Antwort
von Tremswaldi, 32

Hallo Eidolon,

blöde Situation ;-/.

Für mich käme es ganz klar darauf an, wie fit meine Mum noch ist?! Ist sie geistig noch voll da?

Wenn ja, würde ich klare, vielleicht sogar harte Worte finden. Auch einem alten Menschen kann man deutlich machen, dass sich nicht alles nur um ihn drehen kann. Sondern das du auch noch dein eigenes Leben hast, das unter Umständen auch Problembeladen ist.

Ich weiß nicht ob es dir darum geht, deine Sorgen mt deiner Mutter besprechen zu können?

Wenn dem nicht so ist, würde ich versuchen die Besuche bei ihr mit etwas Leichtigkeit zu bestücken - spielt Karten, oder Würfelt, seit in irgeneiner Form aktiv (wenn es denn der Gesundheitzustand deiner Mum zuläßt)

Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück

Kommentar von Eidolon150 ,

Danke für Deine Antwort. Meine Mutter ist geistig noch voll fit, macht noch Bestellungen und Bankgeschäfte weitgehend ohne Hilfe. Der Hausarzt meinte damals, Sie solle lieber eine Pflegerin zuhause unterbringen, statt ins Heim zu gehen. Meine Sorgen liegen im beruflichen und im privaten bereich. Ich erwähne sie bei meiner Mutter nur, damit Sie überhaupt eine  Ahnung bekommt, wie belastet ich bin. Ratschläge etc. erwarte ich da natürlich nicht. Es wäre aber eine Erleichterung, wenn ich nicht immer nur abgebügelt werden würde, und meine Mutter mit Ihren Beschwerden die vermeintlichen Verursacher konfrontieren würde. Als ich mit Ihr noch unter einem Dach wohnte, hat Sie mir häufig dummes Zeug vorgeworfen. Ich sollte angeblich Juckpulver in Ihr Bett gestreut haben oder den Sprudel vergiftet haben, damit Sie nicht schlafen kann. Der Juckreiz, den Sie spürt, kann man aber tatsächlich bei vielen Ihrer Medikamente im Beipackzetttel lesen. Nun ist es halt das Personal des Pflegeheims, das Ihr schlechten Schlaf beschert. Und da hört halt mein Verständnis auf. Ich bin nicht für alles verantwortlich!

Kommentar von Tremswaldi ,

Nö, da hast du natürlich Recht.

Das würd ich ihr ganz deutlich sagen, dass sie sich bei den richtigen Leuten (Pflegern etc) beschweren soll.

Ich würde sogar soweit gehen ihr zu 'drohen', dass ich die Besuche auf ein Minimal reduziere wenn sie die ganz Zeit nur jammern will.

Ich weiß, klingt hart - aber da sie kopfmäßig noch da ist, wird sie damit umgehen können

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