Frage von supertraurig, 85

Ich bin depressiv. Therapeutin wird nicht von der Krankenkasse übernommen bis nächstes Jahr. Was tun?

Hallo Leute,

ca. seit meinem 14. Lebensjahr (nun bin ich 19), hat sich vieles bei mir verändert worauf ich auch nicht eingehen möchte. Tatsache ist, seither bin ich depressiv. Ich war bei vielen Psychologen und die meisten haben mir Tabletten angeboten, welche ich immer ablehnte weil ich gegen Medikamente war.

Nun lebe ich eine lange Zeit damit und mir geht es zunehmend schlechter. Ich kann kaum noch schlafen. Meine Krankenkasse meinte mal dass ich bis zum 01.04.2017 warten müsste bis 2 Jahre rum wären um wieder eine Therapie bezahlt zu bekommen ODER ich müsste ein psychisches Gutachten durchführen lassen.

Nun brauche ich wirklich dringend hilfe, weiß aber nicht wo ich dieses Gutachten durchführen lassen soll? Wie geht das, wo mache ich das?

MFG

Antwort
von schloh80, 15

Die sog. "Zwei-Jahres-Regel" bedeutet, dass bei einer erneuten Psychotherapie innerhalb dieser Frist die Genehmigung generell und ohne Ausnahme gutachterpflichtig ist. D.h. der Psychotherapeut muss nicht nur eine kurze Stellungnahme bzgl. Erkrankung, Indikation, Behandlungsplan und Prognose an die Krankenkasse schicken, wenn nach Abschluss der probatorischen Stunden eine Psychotherapie aufgenommen werden soll, sondern einen umfänglichen und aufwändigen Bericht an den Gutachter. Das ist vielen Therapeuten oft planungstechnisch nicht möglich, daher schwer, innerhalb dieser Zeit einen Therapieplatz zu bekommen. Gerade Berichte bei hoher Chronifizierung und erfolglosen Vorbehandlungen sind besonders aufwändig und Gutachter zu besonders kritischer Entscheidungshaltung aufgefordert. Eine Psychotherapie wird nur genehmigt, wenn im beantragten Verfahren und des in Kassensystem zugestanden Stundenvolumens eine erfolgreiche Behandlung prognostisch abgeleitet werden kann, sonst muss die Behandlung privat bezahlt werden, die Solidargemeischaft übernimmt dann "nur" noch die Kosten für eine fachärztliche Behandlung und eine ambulante psychiatrische Pflegeleistung/Betreuung..

Ich würde folgendes Vorgehen vorschlagen: erst mal zum Psychiater und Medikation gut einstellen lassen. Möglich wäre m.M. auch, von Psychiater eine Einweisung in ein Akutkrankenhaus mit Psychotherapiestation und angeschlossener Tagesklinik und Ambulanz ausstellen zu lassen. Dort wird sicher von der Klinik eine konkrete Empfehlung bzgl. des Vorgehens nach der Entlassung gegeben. Sofern die Marschrute feststeht, aus der Klinik heraus Psychotherapeuten kontaktieren und um Aufnahme auf die Warteliste bitten.

Noch mal eindringlich: bei einer so hohen Chronifizierung, wie du sie berichtest, ist eine gute medikamentöse Therapie notwendige Voraussetzung und wird deine über Jahre bestehende Basis sein. Eine Psychotherapie kommt da erst im zweiten Schritt.  

Kommentar von supertraurig ,

Ist ein Psychater gleich ein Therapeut oder ist das was völlig anderes? Bekommt man einen Termin vom Psychater schneller, und übernimmt den Termin auch die Kasse?

Danke für deine Antwort. Ich will das mit den Tabletten nicht mehr außer Acht lassen.

Kommentar von schloh80 ,

Psychiater sind auch Psychotherapeuten. 

Allerdings geht es ja hier nicht um die Funktion als Psychotherapeut, sondern um die Funktion als Facharzt für psychische Erkrankungen.

Google noch mal, wer was ist. Auch Wikipedia hilft weiter.

Fachärztliche Termine, somit eben auch die bei einem Psychiater, werden immer von der Krankenkasse übernommen (der Arzt muss natürlich eine Kassenzulassung haben).

Sofern du nicht rasch einen Termin bekommst, kann dir der Hausarzt eine spezielle Überweisung für die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes ausstellen. Die organisieren dir einen Facharzttermin binnen vier Wochen nach Anfragedatum. 

 

Antwort
von IshallSupport, 40

Erstmal generell könntest du dir einen Betreuer suchen,ich selbst habe schon seit ein paar Jahren "Hilfe für junge Erwachsene- also ambulant betreutes Wohnen. Der kann dir bei genau so etwas helfen und natürlich bei viel mehr.

meiner z.b Hilft mir auch mal beim Haushalt,Termine ausmachen und wahrnehmen,Therapeuten suche usw.

Allgemein muss man so etwas glaube ich beim Amtsarzt machen lassen,alternativ könntest du ja auch erstmal eine Tagesklinik aufsuchen oder stationär gehen,weiß ja nicht was du schulisch/beruflich gerade machst.

Wegen solchen Gutachte kannst du dich aber auch beim Hausarzt erkundigen

Kommentar von supertraurig ,

Danke für die Antwort.

Kannst du mir nähere Infos oder Stichpunkte zu dem betreuten Wohnen geben?

Gut, dann kann der Weg zum Hausarzt ja nicht schaden.

Danke :)

Kommentar von IshallSupport ,

Da müsstest du dich Lokal bei dir nochmal erkunden,aber Verbände wie Diakonie usw bieten sowas an,Bei mir persönlich läufts noch übers Jugendamt,da ich den Betreuer habe seitdem ich 17 bin .

Übrigens ja Hausärzte können Antidepressiva verschreiben,würde das aber lieber von einem Psychiater verschreiben und auch überwachen lassen,die haben da nun mal mehr Ahnung.

Antwort
von Turbomann, 33

Rede mit deinem Hausarzt und er wird dich an den entsprechenden Facharzt überweisen und der wird dir das Gutachten erstellen.

Bei bestimmten Depressionsarten könnten Antidepressiva helfen, auch wenn man dagegen ist.

Ich bin auch nicht für Tabletten, aber ich kenne einige Patienten die unter sehr starken Depressionen und diese kommen damit gut über die Runden und sie sind sogar arbeitsfähig damit.

Kommt auch immer darauf an, was der Auslöser für deine Depressionen sind.

Kommentar von supertraurig ,

Wie siehts aus, dürfen Hausärzte eigl. Antidepressiva verschreiben? Nachdem mir das so oft angeboten wurde, und ich abgelehnt habe, stelle ich meine Entscheidung langsam in Frage.

Kommentar von Turbomann ,

Ja, rede mit deinem Hausarzt

Antwort
von konzato1, 29

Ein Psychologe darf dir niemanls Tabletten verschreiben, dass darf nur der Psychater.

Angenommen aber, der Psychologe hätte dir empfohlen, zum Psychater zu gehen und dir Tabletten verschreiben zu lassen und du lehnst das ab, dann würdest du ja deinen Gesundungsprozess absichtlich torpedieren.

Frage doch bitte einfach deine Krankenkasse, wo du dieses Gutachten durchführen lassen kannst.

Übrigens ist das richtig mit dieser Behandlungspause, eine Bekannte von mir hatte das auch.

Kommentar von supertraurig ,

Bezüglich der Tabletten, darf die auch ein Hausarzt verschreiben? Ich fange an die Entscheidung diese Tabletten abzulehnen zu bereuen.

Kommentar von konzato1 ,

Ja, der Hausarzt darf dir auch die Medisverschreiben. Aber das macht nicht jeder Arzt, er sollte schon wissen, dass du die Medikamente von einem Psychater "erstverschrieben" bekommen hast.

Kommt auch auf die Medikamente an. Sertralin in niedriger Dosis würde dir vielleicht auch ein Hausarzt, der dich sehr gut kennt, verschreiben. Tavor vielleicht eher nicht. (das sind jetzt aber eher Vermutungen von mir)

Antwort
von yulunga, 18

Wenn du deinen Zustand einfach nicht mehr aushältst, dann kannst du dich auch direkt in eine Klinik einweisen lassen. Das muss die Krankenkasse dann übernehmen.

Medikamente bei Depressionen abzulehnen halte ich für sehr nachlässig, da bei den Betroffenen eine Stoffwechselstörung im Gehirn vorliegt. Außerdem besteht in fast allen Fällen ein erhöhtes Risiko an weiteren psychischen Störungen zu erkranken.

Kommentar von skipworkman ,

Hi,

Zitat :

" Medikamente bei Depressionen abzulehnen halte ich für sehr nachlässig,
da bei den Betroffenen eine Stoffwechselstörung im Gehirn vorliegt. "

das mit der stoffwechselstörung wird zwar immer propagiert, jedoch gibt es keinen Beweis dafür, (kannst du nachlesen, wenns dich interessiert).  Du kannst ja schlecht das Hirn einen Depressiven zerlegen um dort "Messungen" zu machen.

Bestimmt gibt es Menschen wo dem so ist und die auf diese Medikamete gut ansprechen. Aber das ist garantiert nicht bei jedem der Fall, der unter depressiven Stimmungen leidet.

Diese Medikamente haben massive Nebenwirkungen, da sollte man niemanden einen Vorwurfe machen, wenn er/sie das nicht nehmen will.

Eine kognitive Verhaltenstherapie ist das Mittel der Wahl, Medikamnete sollen da nur unterstützen und ggf befähigen eine Therapie zu machen.

Lg

Skip

Kommentar von schloh80 ,

Ob es eine Stoffwechselstörung ist, ist tatsächlich sehr umstritten. Dass eine Veränderung im Hirnstoffwechsel bei depressiv erkrankten Menschen besteht, ist allerdings nachgewiesen (und hierzu gibt es zahlreiche Methoden).

Es stimmt, dass entsprechende Psychopharmaka insbes. Antidepressiva nicht bei depressiven Stimmungen helfen, sondern nur als Behandlung depressiver Erkrankungen. 

Bei unipolaren majoren depressiven Episoden schneiden Pharmakotherapie, KVT, IPT und tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie etwa gleich gut ab (nur minimale akademisch bedeutsame Effektstärkedifferenzen und nur bei den "Laborstudien").

Bein chronischen Verläufen ist das alles wieder etwas anders. Her gewinnen aufwändige Langzeittherapien und (häufig kombiniert) komplexe Langzeitmedikationen (z.B. Antidepressiva plus Phasenprophylaktikum) an Bedeutung.

Antwort
von Jersinia, 33

Ruf bei einem Psychiater an. Oder ruf direkt bei deiner Krankenkassean und frag die.

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