Frage von Sonntag0815, 15

Ich bin am Verzweiln, habt ihr einen Rat für mich?

Ich arbeite in der Recyclingbranche und habe letzte Woche entdeckt, dass Kunden, und das Finanzamt, durch gefälschte Abrechnungsscheine betrogen werden. Auf die Idee, mal nachzuforschen kam ich, da ein Kunde misstrauisch wurde und den Betrug an ihm entdeckt hat. Nachträglich werden Gewichtsangaben gefälscht, dies ist für den Kunden nicht nachvollziehbar, wenn er nicht einige Dinge auf eigene Faust nachprüft. Das Schlimme an der Sache ist, dass mein Chef die Scheine auf meinen Namen neu erstellt und auch meine Unterschrift fälscht. Dazu wurde auf meinen Namen noch ein Account erstellt. Ich konnte rückwirkend ab September Beweise sichern. Ich arbeite seit 1,5 Jahren dort und es handelt sich nicht um Peanuts. Wir bewegen uns bisher schon im einstelligen Millionenbereich. Kleines Beispiel: Bei einem Kunden liegen wir in einem Monat bei 41.000 Euro. Mein Chef weiß nicht, dass ich ihm auf die Schliche gekommen bin und ich habe nächste Woche einen Termin beim RA, der mir telefonisch schon empfohlen hat, mich nach einem neuen Job umzusehen, da ich wohl voll mit drin hänge, wenn es auffliegt, auch vor der Zeit der Entdeckung. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht...... Ich bin am Verzweifeln. Ich liebe meinen Job und alles, wirklich alles passt. Ich möchte meinen Job nicht aufgeben. Meine Wut ist grenzenlos und ich würde ihn am liebsten mit meinem Wissen konfrontieren und um leistungsgerechte Bezahlung bitten. Selbstverständlich werde ich das nicht tun, bin ja nicht kriminell. Um gedruckte Beweise zu bekommen muss ich noch 2 Wochen warten, dann muss ich irgendwie reagieren. Wenn ich alles auf den Tisch legen, werde ich wahrscheinlich nicht entlassen, habe aber kein schönes Leben mehr dort. Also geht eine Aufdeckung nur Hand in Hand mit einer, fristlosen?, Kündigung meinerseits. Was würdet ihr tun? Welche Schritte soll ich als erstes gehen? Näher ins Detail kann ich leider nicht gehen, da wir eine bekannte Firma sind. Danke für eure Tipps, Ratschläge und Meinungen

Antwort
von Sisalka, 15

Die Ansage, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt halte ich hier für völligen Quatsch. Du bist selber Betrugsopfer, wenn jemand deine Unterschrift ohne dein Wissen fälscht. Die Frage ist, ob du das beweisen kannst. Ich vermute, dass es wichtig wäre, dass du das Ganze zur Anzeige bringst, denn daran lässt sich auch schon ablesen, dass du von dem Betrug nichts wusstest.

Da solltest du noch einen anderen Anwalt fragen. Bist du in der Gewerkschaft? Die sind meistens die besten. 

Dass du in dem Betrieb nicht mehr arbeiten kannst ist wohl klar, denn du willst doch offenbar nicht bei dem Betrug mitmachen. Der nächste Weg wäre zur Polizei oder der Steuerbehörde, deinen Chef mit deinen Erkenntnissen zu konfrontieren ist zwar ein verständlicher Wunsch, würde ihn aber warnen.

Wenn du zur Polizei gehst, solltest du das erst machen, wenn du mit einem Anwalt gesprochen hast, der da eventuell mit dir zusammen hin geht.

Viel Glück!

Antwort
von Wischkraft1, 14

Echt verfahrene Situation.

Tatsache ist, die Sache fliegt auf. Ein Kunde hat bereits Lunte gerochen. Wie du jetzt aus der Situation rauskommst. Du frägst mit Recht!
Gute Frage!

Du wirst nicht drum rum kommen, zumindest zu kündigen, was heisst, du kriegst keine Unterstützung. Vielleicht, dass du deinen Chef dazu bringen kannst, dir zu künden und noch dazu ein echt gutes Arbeitszeugnis auszustellen. Dafür sollten deine Beweise hinhalten können, ohne dass du gleich der Erpressung schuldig gesprochen wirst. Dein RA wird mit Sicherheit zu tun kreigen. Ich würde vorschlagen, seinen Rat anzunehmen.

Um eine neue Anstellung wirst du nicht drum rum kommen, so sehr es dir beim jetzigen Arbeitgeber gefallen hat.

Sorry, weiss auch nicht viel mehr und/oder besseren Rat. Ich wünsche dir sehr, dass du unbeschadet aus diesem Schlammassel herauskommst. !!

Antwort
von Kuestenflieger, 13

wenn die firma geschlossen wird , bzw. zwangsversteigert , muß ohnehin ein neuer arbeitsplatz her .

wenn der inhaber nicht mehr als geschäftsfähig gilt, von fiskus und staatsanwalt , ist das die folge .

Antwort
von joheipo, 11

Sehr übel.

Dein Anwalt hat insoweit recht, als Du in der Firma kein Bein mehr auf die Erde bekommst, wenn die Chose durch Deine Aufdeckung auffliegt. Insoweit ist seine Empfehlung, Dir eine andere Stelle zu suchen, schon nachvollziehbar.

Andereserseits ist die Recyclingbranche eine kleine, oder sagen wir, überschaubare Welt. Es ist zu befürchten, daß Du in der gesamten Branche angeschwärzt wirst und bei keinem Unternehmen mehr eine Stelle kriegst.

Sprich ausführlich mit Deinem RA. Möglicherweise kann man eine Lösung dadurch finden, daß Dein Chef angesichts der Beweise einknickt und den Schaden, den er insbesondere Dir durch die Belegfälschungen zugefügt hat, wieder gutmacht.

Eine Stellensuche solltest Du jedenfalls nicht nur auf die Recyclingbranche beschränken. Wenns hart auf hart geht, wirst Du ganz woanders Deine Brötchen verdienen müssen.

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