Ich besitze ein t.bone sc450. Meine Frage lautet: Wirkt sich die Soundkarte auch auf die Soundqualität des Mikrofons aus?

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1 Antwort

Die Soundkarte bestimmt mehr als alles andere den Klang des Mikrofons.
Am besten sind Röhrenmikrofonvorverstärker - gerade für Großmembranmikrofone - oder solche mit Feldeffekt-Transistoren, die Kennlinien besitzen, die der Röhre sehr ähnlich sind. Leider bekommt man letztere kaum im Handel.
Ein Mikrofonvorverstärker mit herkömmlichen Bipolar-Transistoren weist intern eine Durchlaufzeit auf, die davon rührt, dass immer die Minoritätsladungsträger abgebaut werden müssen, bevor irgendwas zwischen Kollektor und Emitter passiert. (Daher auch der Basisstrom!) Da ein Mikrofonvorverstärker immer mehrere Verstärkerstufen besitzt, summiert sich auch die Laufzeit. Und da die meisten solcher Verstärker aufgebaut sind, wie ein Operationsverstärker (OPV), kann das Ergebnis nicht berauschend sein. Die Eigenschaften eines OPV werden ausschließlich durch die äußere Beschaltung bestimmt, d. h. die Verstärkung wird durch die Gegenkopplung (GK) bestimmt. Man ist gleichzeitig bemüht, dem OPV eine sehr hohe Leerlaufverstärkung zu verpassen.
Noch ein physikalisches Mißverständnis: Die "Anstiegszeit" bei Transitoren: Das ist nach meinen Feststellungen eine frequenzabhängige Vergrößerung der Durchlaufzeit (Verzögerungszeit) durch den Transistor! Also müßten die einschlägigen Physikbücher umgeschrieben werden!

Zur Erklärung:
Eine erste Signalspitze kommt auf den Verstärkereingang. Wegen der internen Zeitverzögerung "weiß" der Ausgang des Verstärkers noch nichts von dem Signal am Eingang. Folglich wird diese Signalspitze mit voller Leerlaufverstärkung verstärkt. Die Folge davon ist, dass spätestens in der 2. oder 3. Verstärkerstufe die Verstärkung so hoch ist, dass das Signal die Betriebsspannung überschreiten würde. Das geht aber physikalisch nicht, also fährt die Verstärkerstufe in die Übersteuerung bzw. Sättigung. Dabei werden die Halbleiterstrecken derart mit Elektronen verstopft, dass die Rückkehr- oder Erholzeit um Zehnerpotenzen höher wird, als die ursprüngliche Signalverzögerungszeit! Wenn das Signal nach der Durchlaufzeit endlich am Ausgang angekommen ist, reagiert die GK endlich, aber leider zu viel - das Signal ist ja übersteuert! Also wird das Eingangssignal zu viel geduckt und der Durchlauf mit einem zu kleinen Signal beginnt. Dieses Hin und Her konnte ich experimentell als kurze Rauschfahnen kurz nach dem Einsetzen eines impulsförmigen Signals nachweisen.
Und das nennen selbsternannte Audio-Gurus den "analogen Klang". Was wirklich passiert, sind in diesem Moment heftige nichtlineare Verzerrungen (Transientenverzerrungen), der Gesamtklang ist unsauber, bei Stimmen meint man, dem Sprecher oder Sänger würde man den Hals zuhalten, es klingt einfach blechern.

Dass die Großmembranmikrofone nicht darauf so empfindlich reagieren, liegt an der geringeren Verstärkung, die diese Mikrofone brauchen, weil Kondenatormikrofone von Haus aus eine höhere Ausgangsspannung haben, als dynamische Mikrofone.
In diesem Zusammenhang weise ich auf die handelsüblichen SHURE-Mikrofone SM58 (oder ähnliche) hin. Diese klingen hörphysiologisch gut. Ursache ist die lahme Membran dieser Mikros und der eingeschränkte Frequenzgang, der selten weiter als bis 10kHz reicht. Meßtechnisch sind das die schlechtesten Mikrofone weltweit. Aber nur da spielen noch die meisten Transistorverstärker mit. Wenn ich aber "schnelle" Mikrofone einsetze, kommen die meisten heutigen Vorverstärker nicht mehr mit. Je kleiner die Mikrofonmembran (z. B. bei Drahtlos-Kopfsprechmikrofonen), desto schlimmer.

Nachweisen kann man schlechte (zu langsame) Mikrofonverstärker an einer unsymmetrischen Hüllkurve. Die mitunter sehr kurzen Transienten gehen je nach Polarität des Mikrofons im Positiven oder Negativen an die Aussteuerungsgrenze, wobei das eigentliche Nutzsignal noch längst nicht seinen Sollpegel hat. Der Unterschied bei Sprachsignalen zwischen Röhrenverstärker und (Bipolar-)Transistorverstärker liegt nach meinen eigenen Messungen bei 8,5dB, was knapp der 8fachen Leistung entspricht und der fast doppelten Lautstärke. Die in Studios üblichen Dynamikkompressoren (wie z.B. OPTIMOD) erreichen selten mehr als 3dB; dann aber klingt das Signal aus einem Transistorverstärker so verzerrt, dass es einen graust.

Abhilfe: Wie oben schon gesagt - Röhrenvorverstärker! Die Röhre hat keinerlei Verzögerungszeit (wenn man Niederfrequenz als Maßstab nimmt), dafür müssen bei der Konstruktion des Röhrenverstärkers allerhöchste Ansprüche an die magnetischen Eigenschaften des Eingangs- und Ausgangsübertragers gestellt werden, damit es keine magnetischen Verzerrungen gibt.
Wenn man gar FETs verwendet, stellt sich die Frage nach den Übertragern gar nicht. Leider gibt es diese Verstärker - wie oben schon gesagt - kaum auf dem Markt.

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Kommentar von DeadlineTD
18.05.2016, 08:21

Ich besitze aber die USB Variante 

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