Frage von jollysheep, 24

Hypothetisches Unternehmen lieber auf hochwertige Markenuhren oder auf billigere Modeuhren ausrichten?

Angenommen ihr gründet ein Unternehmen, welches Uhren produziert, worauf würdet ihr euch spezialisieren? Markenuhr, Modeuhr?

Ich brauche Hilfe bei den Argumenten zu jeweils beiden Seiten, da ich selbst nicht ausreichend Argumente finde bzw. diese mich nicht vom Hocker hauen... Also Argumente für Pro Markenuhr und Pro Modeuhr.

Könnt ihr mir vielleicht helfen? Vielen lieben Dank im Voraus!

Antwort
von Kanatar, 22

Hochwertige Produkte. Uhren sind nur noch Statussymbole. Keiner braucht eine Uhr, denn Zeit steht auf jedem Handy.

Deshalb muss man Uhren hochwertig produzieren, entweder durch technischen Schnickschnack (Smartwatch) oder Qualität (Rolex, Breitling etc.)

Kommentar von Xipolis ,

Richtig, zumal es für Männer eine der wenigen Möglichkeiten ist Schmuck zu tragen (neben Manschettenknöpfen und Verlobungs-/Ehering).

Antwort
von Chrisgang, 17

Ein englischer Professor hat mir mal gesagt:

Preisführer zu sein macht noch keine Firma erfolgreich, aber günstig zu Produzieren ist nie falsch. Kostenführerschaft ist immer der Schlüsselfaktor.

Beispiel Jeans: Eine Jeans billig zu Produzieren ist ein Vorteil, egal ob man sie dann für 20 oder für 50€ verkauft. Denn den Preis bestimmst nicht du, sondern der Markt und da hast du bei niedrigeren Produktionskosten entweder mehr Kunden wegen des niedrigeren Preises, oder ne hohe Gewinnmarge!

Zu dem Uhren... eine Marke zu etablieren geht nicht mal einfach so, das ist ein langer Prozess mit großen Hürden. Daher bleibt dir nichts anderes übrig als eine Nische zu besetzen und dich dort zu etablieren.

Bei Uhren hast du darüberhinaus den Nachteil, dass du sonst eine irre Konkurrenz hast.

-> Du Produzierst sehr spezielle Modeuhren so günstig wie es nur irgendwie geht und zu welchem Preis du sie verkaufen kannst gibt dir der Markt vor.

Kommentar von fluffiknuffi2 ,

Wobei Produktionskosten aber nicht das einzige sind. Ist ja immer das selbe Spiel, wenn das neue iPhone zerlegt und geschätzt wird, wie viel seine Bestandteile und ggf. noch der Einbau kosten. Das allein sagt aber nicht aus, dass es überteuert verkauft wird, weil ja alle anderne Kosten wie Werbung / Marketing, Forschung, Entwicklung, Lizenzen / Patente, Personal allgemein usw. usf. auch noch bezahlt werden müssen.

Kommentar von Chrisgang ,

Nein, das ist in den Produktionskosten mit einkalkuliert! Sogenannte kalkulatorische Kosten sind zwar zum Teil Anderskosten (und werden auch anders verrechnet) aber sie werden sehrwohl verrechnet! Hier geht es nicht um Materialwert oder ähnliches. Solche Argumente die teils gegen und für Apple vorgebracht werden haben stammtischniveau, aber nicht mehr.

Entscheidend ist, dass alle Kosten in Summe niedriger sein müssen, als die Kosten die die Konkurrenten haben. So wird man zum Kostenführer!

Wer im Smartphonegeschäft Kostenführer ist weiß man nicht! Das wird auch niemand wissen. Fakt ist aber: Wer Kostenführer ist hat den meisten Spielraum bei der Gewinnmarge und derjenige wird diese Marge ausnutzen! Damit macht man Gewinn und das macht ein Unternehmen Erfolgreich. Und ob das Apple oder Samsung oder Sony oder sonstwer ist, das wird nicht so leicht ans Licht kommen!

Antwort
von GuenterLeipzig, 10

Unternehmen, die global agieren, können sich durchaus im höherpreisigen Segment bewegen (z.B.LVMH).

Wer jedoch überwiegend national sich im Vertrieb aufstellt, sollte besser im unteren Preissegment bleiben.

Im unteren Preissegment hierzulande global agieren zu wollen macht wegen der niedrigeren Lohn-Stück-Kosten in Fernost keinen Sinn.

Günter

Expertenantwort
von darkhouse, Community-Experte für Uhr, 7

Im Bereich der hochwertigen Markenuhren brauchst du vor allem Image. Das schenkt dir keiner im Voraus. Also musst du eine sehr lange Entwicklungsphase einplanen. Das kostet und wird wohl eher nichts. Auch Marken, die eine gewisse Hochwertigkeit bieten, haben es auf dem Markt schwer, gewinnbringende Position zu erlangen. Das Investment davor ist aber nicht geduldig und wartet auf Gewinnrückläufe. Letzter nennenswerter und auch schiefgegangener Versuch: Askania Berlin.

Modeuhren gibt es immer wieder mal, sie kommen und gehen wieder, z. B. Ice Watch, Linnhoff, Barbos, Michael Kors, Daniel Wellington u. v. a.

Gemeinsam ist ihnen ein kurzfristiger Erfolg, verbunden mit erheblichen Gewinnspannen, da die Teile allesamt aus Asien stammen und die Uhren dort auch meist produziert werden. Evtl. erfolgt die Endmontage in Deutschland, dann kann man sogar "Made In Germany" noch teurer verkaufen. Wie man auch im Verkaufsfernsehen (1-2-3.tv) immer wieder sehen kann, versuchen es unzählige Namen, über diese Verkaufsplattform, Fuß zu fassen. Die wenigsten schaffen es zu einem Bekanntheitsgrad, der über entsprechende Stückzahlen dann auch gute Gewinne zulässt. Meist werden freie, nicht geschützte alte Markennamen genutzt, um eine lange Tradition vorzugaukeln. Dann pappt man das Label auf ein asiatisches Billigprodukt, erfindet einen Preis von bspw. 1.800 €, setzt den als Schnäppchen dann fett durchgestrichen auf nur noch 398 € dann ins Angebot (natürlich mit dem nochmaligen Hinweis auf die UVP von 1.800 €) und freut sich immer noch auf 350 € Gewinn. Gewinn anschöpfen, dann Marke und Gewerbe abmelden, Service muss man so auch nicht erst aufbauen, Kunden nerven dann nur noch...

Wenn du das so willst, viel Erfolg unter den hunderten, die es so versuchen.

Kommentar von darkhouse ,

Gibt auch andere reanimierte Beispiele im Hochpreissegment, die erfolgreich verlaufen sind, wie z. B. Blancpain, aber da steht ein milliardenschwerer Konzern dahinter, der genau weiß, wann er was tut und wo die Lücke ist. Es gibt schon viele traditionelle Hersteller, die dem Quarzuhrenhype der 70er und 80er Jahre zu Unrecht zum Opfer gefallen sind.

Antwort
von rlstevenson, 22

Modeuhren bringen nur Umsatz, wenn sie Kultfaktor haben. D.h. sie müssen in Material und/oder Design etwas ganz Eigenes bieten. Swatch hat es vor vielen Jahren vorgemacht. Wenn dann der Preis relativ niedrig ist, wird durch die Masse einiges eingefahren.

Hochwertige Markenuhren sind Handwerksarbeit. Hier ist das einzelne Exemplar sehr teuer, dafür müssen auch keine Massen verkauft werden, um das Unternehmen zu erhalten. Die Käuferschicht, die sich solche Marken leisten will, ist allerdings gering, sie muss also sehr gezielt beworben werden.

Antwort
von fluffiknuffi2, 12

Premium. 

Das sage ich jetzt aber rein "emotional" nicht aufgrund irgendwelcher Gedanken des homo oeconomicus. ;)

Jedenfalls, willst du etwas lieber billig & schlecht als teuer & gut sein? :p

Nur ist es oft einfacher, ein billiges Produkt zu entwickeln und herzustellen als ein teures. Siehe Dacia, da baut man die bewährte, aber eben nicht mehr taufrische Renault-Technik ein. Dacia spart sich also unter anderem Entwicklungskosten und kann daher günstiger verkaufen, nur sind die Autos natürlich auch entsprechend.

Antwort
von gromio, 18

Hallo,

diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wie Deine Fragestellung suggeriert.

Entscheidend ist, Marketing genau zu betreiben. Dazu gehört das /die richtige(n) Produkt(e) und sogenannte SEP - strategische Erfolgspositionen, also Vorteile DEINER Produkte und/oder des Services im Vergleich mit Wettbewerbern.

Dies gilt in JEDEM Preissegment, also in jedem Markt, bei hochwertigen Uhren kommen sogenannte MARKEN-Präferenzen dazu, denn der Käufer teurer Produkte will ERST RECHT einen Mehrwert für sein Geld, bei etablierten Nobel-/Edelmarken ist es der Markenname und das damit verbundene Image.

Nach einer detaillierten Marktanalyse, zu der die Gegenüberstellung mit bereits im markt eingeführten Produkten gehört, auch dies gilt für Massen- wie für Nobelprodukte sollte nur dann eine Markteinführung gewagt werden, wenn

- die SEP (siehe Oben) so stark sind, das mit einem Erfolg gerechnet werden kann

- das sogenannte Marketing Mix und die für eine Markteinführung notwendigen finanziellen und personellen Mittel verfügbar sind.

auf die Produktionsseite will ich erstmal nicht eingehen. Aber wie Du  - so hoffe ich - an meiner Antwort erkennen kannst, bedarf die Beantwortung Deiner Frage eine qualifizierte Analyse und Vorbereitung durch Personen oder Institute, die dafür ausgebildet wurden UND anhand anderer Produkte erfolgreiche Markteinführungen, also entsprechende Erfahrungen  nachweisen können.

Augen auf im Marketing....cheerio.

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