Frage von IbanezP, 104

Hundeleben retten oder nicht?

Meine Freundin arbeitet beim Tierarzt und engagiert sich darüber hinaus auch für den Tierschutz. Es gibt im Ausland solche, ich nenn es mal "Hundevernichtungsanlagen" dort werden Hunde hingebracht und getötet.

Sie holt so oft wie es geht solch einen Hund und rettet ihn quasi das Leben, die Hunde werden dann hier an Vertrauenspersonen vermittelt. Vor ein paar Monaten war es wieder soweit und sie fragte mich, ich lehnte ab.

Ich kann scheinbar gut mit Tieren (was ich selbst noch nicht wusste, ich bin früher als Kind auch mit Tieren aufgewachsen aber seitdem nie wieder was mit Tieren zutun gehabt) und ich gehe manchmal mit 3 Hunden Gassi, alles stämmige Burschen von 60-80 KG, also schon große Kerle.

Bald ist es wieder soweit das ein Hund gerettet werden soll aber es findet sich noch kein potentieller Besitzer, irgendwann sind die Vertrauenspersonen ja "gesättigt". Ich würde liebend gerne einen adoptieren allerdings bin ich Berufstätig, ich arbeite oft von 6 Uhr bis 16 Uhr, freitags mache ich früher schluss. Allerdings bin ich auch manchmal ein paar Wochen weg und nur am Wochenende zuhause. Ich weiß nicht ob sich das regeln ließe dass eventuell meine Mutter oder eben meine Freundin dann auf den Hund aufpasst, aber eigentlich wären die Umstände perfekt.

Da ich sie kenne und sie in einer Tierarzt praxis arbeitet hätte ich sogesehen direkte connection was Gesundheit angeht. Ich wohne auf dem Land, habe einen relativ großen Garten, hier gibt es Wiesen und Wälder, genug Platz, eigentlich so ziemlich das Hundeparadies.

Nur eben das Manko Berufstätigkeit, allerdings gibt es auch Hundebesitzer die ebenfalls Vollzeit arbeiten, also muss es ja irgendwie gehen und wie gesagt der Garten ist groß, die Zäune hoch, die Wohnung auch groß, der hund hätte eigentlich viele Möglichkeiten.

Jetzt frage ich nur nach euren Ratschlägen/Meinungen, hat das alles einen Sinn? Oder soll ich mir das aus den Kopf schlagen? Immerhin ist es für einen guten Zweck, der Hund würde ansonsten vermutlich hingerichtet werden.

Antwort
von Negreira, 28

Du hast ideale Haltungsbedingungen, bis auf die Zeit. Ich habe in meinem Leben schon viele Tiere aus Tötungsstationen geholt, sie alle vermittelt, habe selbst immer Hunde und Katzen gehabt. Jetzt sind mir noch zwei Miezen geblieben (beide schon ziemlich alt), meinen Hund mußte ich aus gesundheitlichen Gründen leider im vergangenen Jahr abgeben. Das ist mir sehr schwer gefallen und eigentlich leide ich noch immer darunter, auch wenn es gar nicht der Hund war, den ich eigentlich wollte.

Ich verstehe jeden Menschen, der kein Tier haben möchte. Man muß sich einschränken, und es ist in jedem Fall besser, sich vorher darüber Gedanken zu machen, als es nachher, wenn nicht alles so funktioniert, wie man möchte, abgeben muß. Natürlich sind nicht alle Hunde aus Tötungsstationen verhaltensgestört, die meisten hatten ein Zuhause, und in vielen Sationen wird auch schon vorher kräftig "aussortiert".

Vielleicht würdest Du Deiner Freundin mehr damit helfen, ihr gelegentlich unter die Arme zu greifen, beim Transport zu helfen, das Hüten zu übernehmen, wenn sie mal nicht kann, Futter, Decken, Hilfsmittel zu organisieren, auch mal Fahrten ins Ausland zu übernehmen, um die Tierschützer dort aktiv zu unterstützen.

In jedem Fall muß man von seinem Tun 1000 %ig überzeugt sein. Bist Du das nicht, ist es ehrlicher, "Nein" zu sagen, als mit halbem Herzen dabei zu sein. LG

Antwort
von XxLesemausxX, 43

Hallo IbanezP,

Deine Haltungsbedingungen sind eigentlich perfekt. Nur leider kann ein Hund nur maximal 5 Stunden alleine bleiben und gerade Tiere aus dem Tierschutz oder Ausland haben oft eine schlimme Vergangenheit. Die kann man nicht so behandeln, wie einen Hund, der nie schlechtes erlebt hat.

Es ist für einen Hund auch nicht gut, wenn die Betreuungsperson ständig wechselt. Also Du müsstest 1 - 2 Leute haben auf die Du Dich immer verlassen kannst.

Ich kann Dir nur sagen was ich machen würde. Ich würde den Hund nehmen, wenn es sein muss auch einen Hundesitter bezahlen, der nachweislich natürlich Fachwissen besitzt und dann entweder von privat ein neues Zuhause suchen oder meinen Berufsweg verändern. So kann der Hund gerettet werden, er nimmt keinen Platz im Tierheim/Tierschutzverein weg, sodass weitere gerettet werden können. Weißt Du wie ich das meine?

So habe ich es privat gemacht. Tiere aus schlechter Haltung zu mir geholt, aufgepäppelt und dann in ein artgerechtes Zuhause vermittelt. Mit dem Tierschutzverein etc. hatte ich absolut nichts zu tun.
Das könntest Du mit Deiner Freundin ja mal absprechen. Es sollte eigentlich auch in ihrem Interesse sein. So hat jeder, was er am liebsten möchte. Ihr habt den Hund gerettet und der Hund behält sein Leben. Ist nur erstmal eine Idee. Müsst Ihr ja nicht.

Alle kann man nicht retten und ich weiß auch, wie bestialisch es in die Tötungslagern zugeht. In einigen werden die Hunde lebendig in einen Ofen geworfen. Wirklich grausam!!

L.G.
XxLesemausxX

Kommentar von IbanezP ,

Ich finde die Idee gut!

Antwort
von Cupcooky02, 45

Ich finde deine Entscheidung gut aber du solltest denn noch gucken dass wenn du weg bist (über einen längeren Zeitraum)jemanden hast der sich um ihn kümmert. Vielleicht hast du auch Nachbarn die nach ihm sehen könnten wenn du arbeiten gehst

LG 

Antwort
von Euphresia, 4

Diese traumatisierten Hunde benötigen gerade in der ersten Zeit eine klare Führung, EINE Vertrauensperson und viel Zeit und Einfühlungsvermögen. Das Einfühlungsvermögen allein.... das reicht nicht aus. Ich würde an deiner Stelle die Finger davon lassen.

Antwort
von Seliinaa135, 25

Ich verstehe nicht warum manche hier schreiben " man kann eben nicht alle retten"
Klar, es ist nur 1 Hund von vielen, aber auch für diesen einen Hund ändert sich damit sein komplettes Leben , seine komplette Zukunft wenn er aus der tötungsstation (?) rauskommt!
Ich würde sagen du solltest einen nehmen, oder vielleicht auch 2 dann können die beiden sich miteinander beschäftigen wenn du nicht zuhause bist, außerdem könntest du ja auch die Tür zum garten offen lassen oder ? Dann können sie raus und rein, wie sie wollen und wenn es notwendig ist könnten sie auch urinieren dann reicht es doch auch wenn dann jemand um 12 Uhr oder so kommt und mit ihnen spazieren geht und dann eben wieder nachhause fährt
Und dann kannst du sie das nächste mal spazieren führen wenn du von der Arbeit kommst.
Wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen
Also egal wie es dann gemacht wird, ich bin mir sicher es wird aufjedenfall besser sein bei dir wie in der Tötungsstation
LG

Kommentar von Everklever ,

Ich verstehe nicht warum manche hier schreiben " man kann eben nicht alle retten"

Ich schon. Einfach, weil es Fakt ist. Dabei gibt es hier in den Tierheimen so viele Hunde, die nie eine Chance haben werden, vermittelt zu werden. Zum einen, weil ein "geretter" Hund ihnen zuvor kommt, zum Anderen, weil ihnen der Mitleidsbonus "vor der Hinrichtung gerettet" fehlt. Nehmt doch endlich mal die Scheuklappen ab und versprüht euer Gutmenschentum im eigenen Lande. Allein die Kosten solcher Hilfsaktionen im Ausland würden, in Form von Geldspenden, die Situation der hiesigen Tierheime deutlich verbessern.

Antwort
von Everklever, 9

Sie holt so oft wie es geht solch einen Hund und rettet ihn quasi das Leben

....und dafür verbringt ein anderer den Rest seines Lebens in einem hiesigen Tierheimkäfig. Schönes Tierschutzengagement. Wir können nun mal nicht die Welt retten (in diesem Falle: die Hunde der Welt), aber wir können den Tieren im eigenen Land ein wenig helfen.

Antwort
von wiki01, 41

Lange rede, kurzer Sinn- Du kannst nicht alle Hunde retten. Ich lebe in Ungarn, und bin, wenn man es so will, ähnlich im Tierschutz aktiv. Hier gibt es einige Tötungsstationen. Ich gehe sogar noch weiter. Ich nehme anderen ihren Hunde weg, wenn sie misshandelt werden, und bringe sie nach Österreich in ein mir bekanntes Tierheim.

Oder ich vermittele sie an in Ungarn lebende Deutsche. Aber alles in allem ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Die armen Kreaturen werden eben schneller geboren, als man sie wegschaffen kann.

Kommentar von IbanezP ,

Naja, aber zumindest einen könnte ich doch aufnehmen.

Kommentar von wiki01 ,

Ich habe selbst bis zu 3 Hunde, alle in Schäferhundgröße, und 5 Katzen, diese alle aufgelesen oder zugelaufen. Einen meiner Schäferhunde (ein Belgier) habe ich aus einer Tötungsstation in Südfrankreich.

Sicher, du könntest einen Hund aufnehmen. Das Problem mit der Berufstätigkeit ist kein großes. Meine Hunde können, wenn es darauf ankommt, locker 14 Stunden aushalten. Ich halte sie bei schlechtem Wetter und nachts im Haus. Das wichtigste für die Hunde ist, einen verlässlichen Tagesablauf zu haben. Wenn es 17.30 ist, erinnern mich meine Hunde an die Gassi-Zeit. Sie wissen also schon, dass sie um diese Zeit eine Runde drehen dürfen. Von morgens bist zu dieser Zeit habe ich keinerlei Haufen auf meinem Grundstück.

Kommentar von XxLesemausxX ,

wiki01, Du hast mehrere Hunde. Hunde sind keine Tiere die gerne alleine sind. Deine Hunde haben sich und somit ist es wieder etwas völlig anderes, als ein Hund der ganz alleine ist.
Vor allem muss man sich an den Hund anpassen und nicht andersrum. Ein Hund der schlechtes erlebt hat und vermutlich leicht bis stark verhaltensgestört ist, kann nicht einfach so alleine bleiben. Und Tötungslager sind grausam. Es gibt kaum was grausameres.

Im Grunde muss man einen Hund kennen, um über die Haltung ein Urteil fällen zu können.

14 Stunden sind nur dann einigermaßen akzeptabel, wenn die Hunde draußen sein können, Wasser und Futter zur Verfügung stehen haben und einen Unterschlupf haben, wo alle reinpassen.
Wenn Hunde über diesen großen Zeitraum nur drinnen sind, handelt es sich um reine Tierquälerei.

Kommentar von wiki01 ,

Du erzählst mir nichts neues. Ich habe seit fast 40 Jahren Schäferhunde.

Das bemerkenswerte ist, dass meine Hunde, solange sie alleine sind, nichts fressen, und nur minimal trinken. Erst wenn wir zurück sind, ist der erste Gang der Hunde zum Fressen und Saufen.

Richtig ist, dass Hunde, die man aus einem Tierheim aufnimmt, problematisch sein können. Wie groß das Problem wirklich ist, weiß man vorher nicht. Ich habe bisher 6 Hunde aus Tierheimen, einen von einem Züchter und einen, den ich einem Nachbarn weggenommen habe. Alle sind anders. Der vom Nachbarn lässt sich z.B. nicht anleinen. Da flippt er aus. Das sind schlechte Erfahrungen aus früherer Haltung. Keine einfache, aber lösbare Aufgabe für einen Anfänger.

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