Frage von Felizmaria, 64

Hund reagiert auf Angst Anderer, was könnte dahinter stecken?

Ich werde im "freien Googlen" leider nicht fündig, aber vielleicht hat jemand eine Idee für mich. Mir ist jetzt wiederholt aufgefallen, dass mein Hund negativ darauf reagiert, dass jemand sich ihm nähert, der Angst vor ihm hat. Solange derjenige einfach nur unsicher ist (Hund klemmt Rute ein und beschwichtigt, Mensch hält vorsichtig Abstand, Kind versteckt sich bei Mama) verhält er sich sehr ruhig und beschwichtigend, geht ins Platz zum Beispiel, ohne, dass ich ihn dazu auffordern muss oder zeigt eine Spielaufforderung. Wenn derjenige ihn aber zu streicheln versucht und dann die Hand wegzieht oder wenn das Kind anfängt zu schreien (gut, das verstehe ich vielleicht noch) oder der ängstliche Artgenosse knurrt oder weiter bellt (obwohl man ihm wirklich die Angst auch ansieht), knurrt mein Hund zurück und würde im zweiten Schritt auch maßregeln. Das macht er leider auch bei der Tierärztin, die zwar nicht zurückschreckt, aber dennoch angespannt ist, wenn sie ihn untersucht und ihm in die Ohren schauen muss, ihm also sehr nahe kommen muss oder bei der Heilpraktikerin, die ihm Globuli in den Fang legen will, sich vor der Nähe zu dem Hund aber fürchtet. Also, dass auf der anderen Seite Angst vorliegt, ist mir klar, das sehe ich und ich sehe auch, wie die Sache überspielt werden soll (manchmal durch ein überforsches Auftreten, manchmal ein einfaches Leugnen, Hunde treten manchmal trotz Angst mit hocherhobenem Kopf und hoher Rute auf), aber wieso mein Hund darauf knurrt verstehe ich nicht und demnach auch noch nicht, was ich dagegen unternehmen soll. Die Leute sagen in ihrer zornigen Reaktion dann: "Bestrafen, sofort, nicht durchgehen lassen." Aber da bin ich noch nicht ganz bei ihnen, weil ich erstens gar nicht absehen kann, was ich an der Stelle dann unbeabsichtigt konditioniere und zweitens auch immer so ein ungutes Gefühl habe, dass der Hund jetzt für etwas bestraft wird, was eigentlich im Fehlverhalten der Menschen oder anderen Hunde liegt. Warum lässt die Heilpraktikerin nicht mich das Globuli geben, wenn sie sich vor dem fremden Hund fürchtet oder wieso muss ein Fremder ihn streicheln, wenn er dann aber Angst vor dem großen schwarzen Hund hat und wieso baut der ängstliche Hund sich auf, statt einen Bogen zu gehen? Aber darum geht's nicht. Ich würde gerne in einem ersten Schritt verstehen wollen, worum es sich genau handelt. Was könnte ihn sauer machen (oder was auch immer dahintersteckt), wenn sich jemand ihm gegenüber ängstlich verhält? Beantwortet er die Erwartungshaltung? Oder könnte er sich zurückgesetzt fühlen? Oder spürt er den Widerspruch und kann ihn nicht auflösen und fühlt sich verwirrt? Es gelingt mir nicht, mich hineinzuversetzen, aber kennt jemand so ein Verhalten von seinem Hund?

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Antwort
von MiraAnui, 32

Mein Rüde reagiert so aus Unsicherheit. Er kann mit der angst von anderen nicht umgehen und geht dann nach vorne.

Für ihn ist angriff die beste Verteidigung. Es funktioniert ja auch, die anderen gehen alle weg.

Was ich nicht verstehe: wieso behandelt jemand Hund wenn er angst vor ihnen hat?

Meistens haben Hunde mit Angriff den besten Erfolg. Die Leute ziehen ihre Hunde weiter. Die Angst verschwindet.

Viele Leute denken sie schaffen es den Hund zustreicheln, wenn er nicht hin schaut, schaut er dann bekommen sie doch kalte Füße. Oft handeln wir auch instinktiv wenn wir angst haben

Expertenantwort
von jww28, Community-Experte für Hund, 22

Hi, hast du ein Kangal oder sowas? 

Um den anderen erstmal die größte Angst zu nehmen, würde ich eher mal ein Maulkorb empfehlen. Wenn du mit ihm zuhause in Ruhe übst, muss das für ihn nix schlimmes sein. So kann die Tierärztin zB sich auf ihre Arbeit konzentrieren und fühlt sich sicherer. 

Würde mit den Problem auch eher mal zu Hundetrainer gehen, so sieht niemand hier was dein Hund kommuniziert. Kann Unsicherheit sein aber es kann auch was anderes dahinter stecken, das kann einer der live dabei ist, besser beurteilen. 

Kommentar von Felizmaria ,

Das ist ein interessanter Einwand. Der Ärztin gegenüber haben wir den Maulkorb angeboten, den wir trainiert hatten für ihren Besuch, aber sie fand ihn überflüssig. Sie sei noch nie gebissen worden, sagt sie und sie habe unseren Hund in seinem Gebaren auch nicht ernst genommen. Dann wollte sie, dass wir das Angefasstwerden mit Fremden üben, was wir gemacht haben, was aber sinnlos ist, weil niemand, den ich darum bitte, dem Hund gegenüber angespannt ist. Er lässt sich problemlos anfassen, Ohren, Zähne, Pfoten, außer, die Leute haben Angst, aber das lässt sich nicht inszenieren. Ich frage mich auch nur: was fühlt er dann, wenn andere Angst haben und er bemerkt es? Er bemerkt es im Übrigen sofort. Im konkreten und aktuellen Fall ging es um eine alte Dame, die ihn von oben auf den Kopf streicheln wollte - was wir jedes Mal erklären, dass es so nicht geht - und die die Habd weggezogen hat, als der Hund den Kopf Richtung Hand bewegt hat. Nachdem die Lage sich beruhigt hatte, hat der Hund sich um die Frau bemüht, hat sich an sie gelehnt, sie zum Spielen aufgefordert, als wollte er ihr zeigen, dass er nicht gefährlich ist, obwohl die Dame den ganzen Abend weiter ängstlich war. Vielleicht gibt es darauf auch so einfach keine Antwort. Unser Trainer, mit dem wir schon seit Februar arbeiten, hatte auf die ganze Sache, dass der Hund auf Energie aller Art zu reagieren scheint, keine rechte Antwort.

Kommentar von Felizmaria ,

Er ist übrigens ein Mischling, dominant ist der Hovawart in ihm.

Kommentar von Abuterfas ,

Vielleicht ist es so einfach, wie naheliegend: Er mag "die Angst" anderer einfach nicht. So wie manch Hund das Gekreische von Kindern nicht mag. Vielleicht möchte er auch schlicht ausdrücken"Lass die Angst stecken, das nervt mich. Schau doch, ich bin ein ganz ruhiger Vertreter!". Leider steckt man nicht drin :-)

Kommentar von Felizmaria ,

Beim Drübernachdenken fürchte ich zugeben zu müssen, dass du wahrscheinlich Recht hast. Das nervt ihn einfach und dann muss ich noch mehr zugeben, dass ich das total verstehen kann. Ende der Diskussion, vermute ich. Mich nerven ängstliche Leute auch. Puh. Da hamm wir's wieder, wie das läuft mit den Spiegeln.

Kommentar von jww28 ,

Hi, beim Hovawart könnte evtl auch der Schutztrieb eine Rolle spielen, Stichwort Individualdistanz. Deine Tierärztin quält sich selber, würde mal zu einen anderen gehen, psychisch nimmt ein Maulkorb ja erstmal die Angst, auch wenn es unterbewusst abläuft, aber es funktioniert :) 

Und ich denke dein Hund hat Angst wenn die Leute unsicher sind, kann heißen das was bei der Sozialisierung schief gelaufen ist oder er mehr Führung braucht von dir. Das Problem ist ja um so öfter der Hund so eine Begegnung macht, um so weniger vertraut er dir und denkt er muss die Angelegenheit klären. Nachbarn von uns hatten mal Kangals, die waren genau wie deiner, wenn ich gute Laune hatte, durfte ich die beiden streicheln bespielen etc. Aber hatte ich ein schlechten Tag und war angespannt, dann wollten die mich fressen, ich kam ihnen wohl verdächtig vor und da sie als Wachhunde eingesetzt wurden wollten die mich vertreiben. Und ich hab so keine Angst vor Hunden, aber durch ihre mehr als imposante Erscheinung (die Hündin wog 76 kg, der Rüde über 80 kg)am Ende doch Bedenken einfach vorbei zu gehen. Das Problem hat man halt mit grossen Hunden, das viele schon wegen der Grösse Angst haben, was ich als natürlich empfinde, da muss man als Hundehalter es schaffen seinen Hund beizubringen das er beim Gassigehen Leute, Leute sein lässt, denn eine echte Gefahr stellen die nicht dar. 

Antwort
von Abuterfas, 41

So ganz schlau werde ich daraus nicht. Ich schreibe einfach mal frei von der Leber weg.

Warum Du nicht die Globuli gibst, musst Du schon Dich selbst fragen.

Ein "Fehlverhalten" bei Hunden gibt es in der Form nicht bzw. nur sehr selten. Wenn der andere nicht gerade alleine, im dunkeln und ohne Kontakt aufgewachsen ist, kommunizieren sie, wie sie es schon immer getan haben.

Wenn Du weißt, dass Dein Hund reagiert, wie er reagiert, warum läßt man andere Menschen trotzdem gewähren?

Welche Anzeichen, außer die genannten, sendet und zeigt Dein Hund noch? Hinlegen kann u.U. bedeuten, dass Dein Hund zum "Angriff" bereit ist.

Ich kenne Euch nicht, daher sind Ferndiagnosen immer mit Vorsicht zu genießen, aber Du solltest die Signale Deines Hundes deuten lernen. Beobachte ihn richtig und achte auf Kleinigkeiten. Die "Sprache" der Hunde ist sehr vielschichtig.

Kommentar von Felizmaria ,

Obwohl ich dir für dein Bemühen danke, geht deine Antwort leider an meiner Frage vorbei. Die Frage lautet "was steckt dahinter?" Erst mal nur das. Mir ist das Muster auch erst gestern klar geworden, als ich es einmal eindeutig so beobachten konnte, als derjenige sich nicht mehr rausreden konnte, er habe gar keine Angst vor dem Hund. Es war genau, wie die vorherige Kommentatorin es beschreibt: sich mehr zugetraut, als am Ende ging. Ich sage immer, bitte nicht von oben auf den Kopf, sie machen es doch und erschrecken sich dann vor der Bewegung des Kopfes. Dass ich Ärztin und Heilpraktikerin nicht reinrede, wenn sie mir nicht das Feld von sich aus überlassen, ist ja wohl klar. Wie anmaßend wäre da denn? Es ist noch nie jemand durch meinen Hund in Gefahr geraten, weil ich ihn gut beaufsichtige und mit ihm arbeite. Ich will nur das Phänomen verstehen, um es bearbeiten zu können.

Kommentar von Abuterfas ,

Es kann viel sein. Die Unsicherheit Deines Hundes, weil er mit Ängsten der "anderen" nicht klar kommt. Unsicherheit/Angst Deines Hundes vor diesen Menschen und/oder Hunden(deswegen fragte ich ja nach weiteren Signalen). Es kann sein, das Dein Hund dem vermeintlich nicht ängstlichen schon längst signalisiert hat "Hau ab!" und es schlicht ignoriert wurde, oder es vielleicht an Dir liegt und Du, ohne es zu wissen, Signale sendest, die der Hund für sich deutet. Oder aber er fühlt sich erst recht bestärkt, wenn jemand Angst hat. Man müßte es sehen, um genaues sagen zu können. Alle gut gemeinten Tipps und Ratschläge könnten sein, oder auch nicht. Am besten wäre ein Hundeerfahrener aus Deiner Nähe. Wird etwas falsch gedeutet und darauf ein Tipp gegeben, kann das kontraproduktiv sein. Ich glaube Dir, das Du aufpasst (habe ja nicht das Gegenteil behauptet) aber Hunde können verdammt schnell sein. Du musst energischer sein, wenn es um das Anfassen Deines Hundes geht. Nein (zum Thema nicht von oben) heißt Nein. Am Ende des Tages bekommst Du dann leider den Stress, wenn es dem Hund zu Recht zu blöd wird und dann doch mal "zuzwickt"

Kommentar von Felizmaria ,

Da hast du Recht. Das Handhaben an sich ist noch mein Thema, ein schwieriges. Da muss ich der 89jährigen Dame den Kontakt untersagen, die sich zwar für eine Hundeflüsterin hält, wie ja jeder das irgendwie zu tun scheint, aber die die Schuld beim Hund sieht, er würde sie nicht akzeptieren. Schwierig.

Kommentar von Abuterfas ,

Untersagen vielleicht nicht, nur Deine Regeln vorgeben. Das ist ja das blöde am Recht hier in Deutschland: Duckannst den besten Hund haben, der rein gar nichts macht und ständig in solch Situationen vorbildlich reagiert, aber wenn er dann wirklich mal, aus Hundesicht vollkommen richtig, zwickt, ist der Hund schuld und Du hast Stress. Leider. Aber an sich sehr interrssante Beobachtung.

Kommentar von Felizmaria ,

Danke dir. Ich denke, ich bin auch wirklich weiter gekommen in der Sache. Ganz genau, ich muss besser ausstrahlen, dass ich es sehe, dass ich aber wünsche, dass es ignoriert wird und Punkt. So läuft eben die Mensch-Mensch-Hundewelt.

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