Hund kastrieren oder Hormonchip, laut Schutzvertrag ist es Pflicht?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Prinzipiell ist ein Vertrag erstmal bindend. Ob das rechtlich so aber durchsetzbar wäre, ist allerdings eine andere Frage.

Das Denken hinsichtlich Kastration hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Ein guter Tierarzt, wird den Hund nicht ausschließlich "weil der Halter es gern möchte" kastrieren, darf er genau genommen auch gar nicht. Es muss ein expliziter Grund vorliegen, wenn er nicht vom Verhalten her auffällig ist, gibt es also keinen Grund. Der Vertrag kann also nichts fordern, das nicht 100% rechtlich einwandfrei ist. 

Möglich wäre natürlich eine Sterilisation. Die hat so gut wie keinen Einfluss auf das Verhalten, sorgt aber natürlich trotzdem für Unfruchtbarkeit. Damit sollte sich der Tierschutz definitiv abfinden können. Das Problem ist aber, dass das nicht viele Tierärzte machen, obwohl es eigentlich eine unproblematische Operation ist. Es ist eben nicht so weit verbreitet. 

Die Hormonchips wären natürlich auch eine Option. Allerdings musst du die 1. regelmäßig erneuern und 2. haben auch die Chips einen Einfluss auf das Verhalten. Meiner Erfahrung nach zwar lange nicht so drastisch wie die richtige Kastration, aber die üblichen Problematiken, die nach der Kastration auftreten, wie Trägheit etc., können auch hier passieren. Mein Hund hat selbst vom Vorbesitzer einen der Chips bekommen und ich habe an sich überhaupt keine Probleme damit. Allerdings wird es manchmal schwierig, wenn der Chip dann wieder nach lässt. Das Verhalten ist dann für ein paar Wochen noch rüdenartiger als vorher, weil der Hormonhaushalt dann quasi "überflutet" wird. Wenn man den Chip direkt neu setzen lässt, ist das natürlich kein Problem. Aber es ist auch nicht genau voraussagbar wie lange der Chip wirkt. 

Ich finde auf jeden Fall sehr lobenswert, dass ihr den Hund nicht einfach blind kastriert! Das machen leider immer noch viel zu viele Menschen ohne über die Folgen für das Tier nachzudenken, genau genommen ist es immer noch eine Amputation und ein massiver Eingriff in den hormonellen Haushalt. Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen :) 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Muige
20.10.2016, 11:29

Wow, danke für die ausführliche Antwort! Genau das sind meine Bedenken dabei, ich möchte den Ärmsten nicht grundlos "verstümmeln" müssen. Das mit der Sterilisation ist auf jeden Fall ein guter Tipp. Ich werde mich dazu nochmal beim Tierarzt erkundigen.

Gegen einen etwas trägeren Hund hätte ich prinzipiell erstmal nix, meiner ist mir nämlich manchmal fast etwas zu aufgeweckt :'D

Und noch was: er verteilt manchmal eklige Tropfen(Sperma?!) in der Wohnung. Würde das von Kastration/Sterilisation weg gehen?

0
Kommentar von JackBl
20.10.2016, 13:35

Dem würde ich auch zu 100% beipflichten.

0

Hallo,

Verträge, die einer gesetzlichen Bestimmung und Regelung zuwiderlaufen, sind nichtig.

Laut TierschutzG ist es verboten, einen Hund zu kastrieren, wenn nicht wichtige medizinische Gründe vorliegen.

Wenn also in einem Tierschutzvertrag eine generelle Kastrationspflicht vereinbart ist, dann steht dies in krassem Widerspruch zum Tierschutzgesetz und ihr müsst euch NICHT daran halten.

Gutes Gelingen

Daniela

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Jedoch gilt das Verbot nicht, wenn der Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a) bzw. zur
Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung.


Also kein Tierarzt macht sich strafbar, wenn er einen Hund kastriert. Ich habe meinen mit ca. 18 Monaten kastrieren lassen. Er ist weder faul noch träge geworden, sondern sein Verhalten hat sich in keinster Weise verändert, außer dass er nicht mehr nächte- und tagelang heult, wenn irgendwo ein Hündin läufig ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Lebensqualität für einen Hund ist.

Mir und auch ihm ist es nun fürchterlich egal, ob irgendwo eine läufige Hündin unterwegs ist, es riecht zwar noch lecker, aber sonst? Beim Gassigehen kennt er quasi keine Leine sowie wir den Ort verlassen haben. Er geht nicht auf die Frei und lebt ein lustiges freies Terrierleben. Nach wie vor ist er sehr selbstbewusst und noch immer begegnet er den meißten Hunden freundlich. 

Aus Sicht des Tierschutzes kann ich verstehen, dass man ungewollte Vermehrung verhindern möchte. Denn oft genug landen die Welpen genau da.

Ich finde es auch sehr gut, dass die Halter der Rüden endlich zur Kasse gebeten werden, wenn sie ihr Tier nicht kastrieren und nicht im Zaun halten. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Zu geil... jemanden vertraglich zu verpflichten einen hund ohne medizischen grund verstümmeln zu lassen und das dann auch noch schutzvertrag bzw sich selbst tierschützer zu nennen... sorry, aber das geht ja mal gar nicht...

Red mal mit deinem tierarzt, was er für am besten hält.. oder nimm kontakt zu der organisation auf, und rede nochmal darüber, wenn du das nicht willst..

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von skjonii
20.10.2016, 11:53

Leider ist nur in den meisten Köpfen noch nicht angekommen, dass es eine Art Verstümmelung ist. 

Besonders witzig finde ich auch immer, dass als Vorteil für die Kastration dann Dinge wie Vorbeugung von Hodenkrebs etc. genannt wird. Ich kann meinem Hund auch die Lunge raus nehmen, damit er keinen Lungenkrebs bekommt, aber gesünder ist er dadurch noch lange nicht...

2

Hi,

der Chip gaukelt deinem Hund vor, er sei kastriert, also der Testostoronspiegel fährt runter. Kosten um die 80-100€ hält ca. 1 Jahr. Er wirkt schon nach ungefähr 2-3 Wochen. Du merkst schon das er sich verändert. 

Kastration, viele sagen er wird träge und dick, was aber nicht sein muss. Spreche aus Erfahrung mußte meinen auf Grund Prostata Problemen kastrieren lassen. Kastration soll den Testostoronspiegel runter bringen, was bedingt auch stimmt, sollte er aber so triebstark vom Kopf her gesteuert sein ist eine  Kastration kein Allheilmittel.

Gewisse Nachteile einer Kastration liegen darin, dass er von vollwertigen Rüden unterdrückt gleich zu stellen mit Mobbing wird. Selbst pubatäre Junghunde reagieren penetrant.

Also entscheidet ob ihr ungewollt Jungtiere braucht oder nicht. Oder ob ihr so mit der Situation umgehen könnt oder nicht. Denn eins solltet ihr als Besitzer eines Rüden wissen, Läufigkeit heißt auch, das Hündinnen weglaufen um sich einen Rüden zum decken suchen.

Gruß uwe4830

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

NEIN! es ist keine Pflicht ein Tier kastrieren lassen zu müssen, es ist spgar lt. Tierschutzgesetz § 6 verboten. Lies:

§ 6 

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.

https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html

es ist allerdings deine Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Hund keinen Nachwuchs zeugen kann. Aber dafür kann man ja sorgen, indem man ihn nicht zu läufigen Hündinnen lässt und ihn nicht alleine herum stromern lässt.

zu dem anderen Problem mit den unhygienischen Tropfen:

das nennt sich Smegma und ist hier gut beschrieben:

http://www.eurotierklinik.es/antworten.php?id=466

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Vertrag ist Vertrag. Aber das Tierheim müßte erstmal eine Erfüllung fordern. Haltet ihr euch trotz Aufforderung nicht an den Vertrag, kann das Heim das Tier zurückfordern.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von dsupper
20.10.2016, 11:29

Das ist Unfug, denn auch der Tierschutz kann keine Verträge durchsetzen, die geltendem Recht - hier Tierschutzgesetz - widersprechen.

Es ist verboten, Tiere einfach mal so, ohne ausreichende medizinische Indikation, kastrieren zu lassen!

Die sinnfreie Vermehrung, die als möglicher Grund im TierschutzG auch aufgeführt ist, trifft auf Hunde nicht zu, da ein Hund ja nicht unkontrolliert in der Gegend herumlaufen darf (anders als es bei Freigänger-Katzen der Fall ist).

6